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ÖFB-Team: Die gute, große Erwartungshaltung

ÖFB-Team: Die gute, große Erwartungshaltung Foto: © GEPA

Fixiert das ÖFB-Team in Rumänien (20:45 Uhr im LIVE-Ticker) einen perfekten Lehrgang?

Mit dem dritten Sieg im dritten Länderspiel dieses Camps käme das Nationalteam Endrang eins in der Nations-League-Gruppe und dem damit verbundenen Aufstieg einen großen Schritt näher.

Von Euphorie oder Jubelstimmung im und rund um das ÖFB-Team ist man derzeit jedoch noch ein gutes Stück entfernt. Trotz der beiden Siege gegen Griechenland und in Nordirland gab es Kritik - ein Umstand, der teamintern für Verwunderung sorgte.

Auch dieser Fakt ist einer der Brennpunkte vor dem Gastspiel in Ploiesti.

DIE GESTIEGENE ERWARTUNGSHALTUNG:

Also sprach Michael Gregoritsch: "Man sieht, dass sich die Ansprüche verändert haben, wenn man bedenkt, dass wir zweimal gewonnen haben und beide Male kritisiert worden sind. Dass man sich nach zwei Siegen fast rechtfertigen muss, ist neu. Es ist aber auf eine gewisse Art und Weise auch ein Lob."

Der Hinweis des Augsburg-Stürmers ist ein richtiger. Der Schluss, den er daraus zieht, ebenso. Es ist wohl kein Fehler, wenn in Fußball-Östereich ein wenig ergebnisunabhängiger Kritik geübt wird. Das bedeutet, dass man auch nach Siegen herausarbeiten darf, was nicht so gut lief. Genauso wie es zu respektieren gilt, dass nach Niederlagen nicht immer zwingend alles schlecht ist - wie etwa beim 2:3 zu Hause gegen Rumänien beim September-Lehrgang.

Kapitän Julian Baumgartlinger will die öffentliche Reaktion auf die jüngsten Spiele nicht überbewerten: "Ich habe keine Kritik wahrgenommen, habe mich aber auch mit anderen Sachen beschäftigt. Wir können es schon richtig einschätzen. Die erste Hälfte gegen Griechenland war pomadig, die zweite besser. Gegen Nordirland war die erste Hälfte hervorragend, die zweite ausgeglichen. Wir sind selbstkritisch, trotzdem ist es wichtig, Siege anzuerkennen, denn die sind nicht selbstverständlich."

Ein wichtiger Punkt, den der Leverkusen-Legionär anspricht. So lange ist es noch nicht her und das ÖFB-Team wäre zurecht gefeiert worden, wenn man Gegner der Preisklasse Griechenland/Nordirland weitestgehend dominiert und selbst wenig zulässt. So lange ist es leider auch noch nicht her, dass man dazu beileibe nicht in gewisser Regelmäßigkeit in der Lage war.

Auch darin spiegelt sich der Fortschritt der jüngeren Vergangenheit.

Teamchef Franco Foda beurteilt das Thema Kritik mit einer gewissen Gelassenheit: "Auf Social Media bin ich nicht unterwegs, und was das betrifft, was ich in den Zeitungen gelesen habe, finde ich nicht, dass so viel kritisiert wurde. Es wurde einfach sachlich und nüchtern analysiert, das habe ich ja auch getan."

Nachsatz: "Es ist ja auch gut, dass mittlerweile die Erwartungshaltung so groß geworden ist."

DIE ALABA-ROCHADE:

So viel über Nationalteam-Themen diskutiert wird, die Alaba-Position ist derzeit kein Dauerbrenner. Dies war bekanntlich schon einmal anders, insofern hat Foda diese Thematik gut gelöst.

Alaba: Das Dauerthema Linksverteidiger ist erledigt
Foto: ©GEPA

Gerade ob der Bayern-Star im ÖFB-Dress Linksverteidiger spielen will/kann/darf/soll, war ein jahrelanges Dauer-Thema. Dass der nunmehrige Bayern-Innenverteidiger in Nordirland links hinten spielte (und das nicht zum ersten Mal unter Foda), löste kaum Emotionen aus.

"Es wird immer spekuliert, dass David irgendwann kundgetan hätte, dass er die Position des Linksverteidigers im Nationalteam nicht ausüben möchte. Ich kann nur das Gegenteil behaupten", versteht Foda die Thematik nicht und meint weiter:

"David ist ein absoluter Musterprofi, das hat er bei Bayern und bei uns bewiesen. Er hat auch bewiesen, dass er auf mehreren Positionen spielen kann. Mein Plan ist, ihn immer dort einzusetzen, wo er uns am meisten helfen kann."

Da sich mit Christoph Baumgartner ein Shootingstar anschickt, den linken Flügel zu erobern und Andres Ulmer, der sich zuletzt als Stamm-Linksverteidiger etablierte, nicht zur Verfügung steht, ist es logisch, Alaba eine Etappe nach hinten zu ziehen.

Auch von dort möchte der Wiener aktiv das ÖFB-Spiel mitgestalten: "Das wird von mir erwartet. Deswegen versuche ich, mein Bestes zu geben und meine Stärken miteinzubringen."

Den Kollegen hat der Auftritt jedenfalls gefallen. Baumgartlinger: "Er war sehr positiv und aktiv, von der ersten Minute an auch sehr lautstark. Man merkt, wie er die linke Seite pusht, und über seine Qualität brauchen wir eh nicht reden."

DAS PERSONAL:

Foda kann in Rumänien aus dem Vollen schöpfen - nicht generell, aber was das aktuelle Aufgebot betrifft.

Seine Überlegungen für die Startelf behält Foda wie gehabt für sich - mit einer Ausnahme. Der Deutsche bestätigt, dass auch diesmal Wolfsburg-Legionär Pavao Pervan das Tor hüten wird.

Man darf davon ausgehen, dass es keine Aufstellungs-Revolution geben wird. Der Teamchef überlegt jedoch, im Vergleich zu Nordirland "an ein, zwei Positionen etwas zu verändern."

Eine Entscheidung, die jedoch erst noch am Matchtag reifen muss und bei der auch das Feeling des Teamchefs gefragt sei: "Die Spieler sind zwar alle fit, aber ich weiß, dass die Belastung für den einen oder anderen in den letzten zwei Spielen sehr hoch war. Ich muss mir erst in den letzten Trainings einen Überblick verschaffen und ein Gefühl entwickeln."

Egal, wer am Ende tatsächlich von Beginn an auflaufen wird, am Selbstvertrauen sollte es derzeit nicht scheitern.

DAS SELBSTVERTRAUEN FÜR 90 STARKE MINUTEN:

Auch wenn man es jeweils verabsäumt hat, früher eine Vorentscheidung herbeizuführen - Sieg ist Sieg, entsprechend breit ist die Brust der ÖFB-Kicker. "Wenn man Spiele gewinnt, ist die Stimmung immer positiv", erklärt Foda.

"Aus der Stärke heraus, die wir gegen Nordirland gezeigt haben, und in dem Wissen, dass wir gegen Rumänien in Klagenfurt die bessere Mannschaft waren, können wir Respekt haben, müssen aber keine Angst haben", erklärt auch Baumgartlinger.

Der Routinier bezeichnete die ersten 45 Minuten in Belfast als die beste ÖFB-Halbzeit seit Langem. Wie man in Rumänien daran anknüpfen möchte? "Indem wir 90 Minuten daraus machen."

Dies ist insofern ein wichtiger Gedanke, als sowohl gegen Griechenland als auch in Nordirland eine Halbzeit nicht nach Wunsch verlaufen ist.

"Einerseits ist es gut, wenn man sich sukzessive steigert und im Laufe einer Gruppenphase immer besser wird, aber wir müssen uns 90 starke Minuten zum Ziel setzen", wünscht sich Baumgartlinger weniger Schwankung und mehr Konstanz innerhalb einer ÖFB-Performance.

Auch Foda meint: "Wir wollen immer von der ersten Minute an den Willen und die Mentalität haben, zu gewinnen."

DER GEGNER:

Während das ÖFB-Team selbstbewusst nach Rumänien gereist ist, mussten die Gastgeber bittere Niederlagen im EM-Semifinal-Play-off gegen Island (1:2) und in der Nations Leaue gegen Norwegen (0:4) verdauen. Welche Konsequenzen diese Tiefschläge für den Weltranglisten-34. (Österreich ist 27.) haben werden, wagt Foda nicht zu prophezeien:

"Ich kenne die Verfassung der rumänischen Spieler nicht, es macht auch keinen Sinn, über irgendetwas zu spekulieren. Entscheidend ist ohnehin, dass wir eine geschlossene Mannschaftsleistung an den Tag legen."

Generell warnt der 54-Jährige: "Das ist eine sehr spielstarke Mannschaft, das haben sie auch am Anfang gegen Norwegen und gegen Island gezeigt. Wir müssen sie unter Druck setzen und dürfen sie nicht ins Spiel kommen lassen."

Auch Alaba will sich von den jüngsten Negativerlebnissen der Rumänen nicht täuschen lassen: "Es wird sicherlich kein einfaches Spiel. Wir durften schon im Hinspiel sehen, dass dies eine technisch versierte Mannschaft ist, die Fußball spielen möchte und sehr gefährlich sein kann."

Dennoch wartet ein angeschlagener Gegner. Vor allem das Out im EM-Play-off dürfte die Rumänen schwer getroffen haben, vermutet Baumgartlinger. "Das war sicher ein Riesenziel von ihnen. Für uns ist es gut, denn damit haben wir bei der EM in Bukarest kein richtiges Auswärtsspiel."

Die Rumänen wären Österreichs EURO-Gruppengegner gewesen, hätten sie sich in den Play-off-Partien durchgesetzt.

Die möglichen Aufstellungen:

Rumänien: Tatarusanu (AC Milan/69 Länderspiele) - Manea (CFR Cluj/10/1 Tor), Burca (CFR Cluj/3/0), Balasa (Craiova/7/0), Camora (CFR Cluj/1/0) - Maxim (Gaziantep/41/6), Cretu (NK Maribor/4/0), Stanciu (Slavia Prag/41/10) - Deac (CFR Cluj/25/4), Alibec (Astra/14/2), Mitrita (New York City/13/2)

Ersatz: Nita (Sparta Prag/2), Lazar (Astra/0) - Hanca (Krakau/5/0), Chiriches (Sassuolo/59/0), Grigore (Ludogorez/38/1), Tosca (Gaziantep/20/0), Nedelcearu (Ufa/11/0), Bancu (Craiova/15/0), Cicaldau (Craiova/7/0), Marin (Cagliari/21/1), Iancu (Viitorul Constanta/1/0), Hagi (Glasgow Rangers/11/0), Keseru (Ludogorez/37/13), Puscas (Reading/16/7)

Es fehlt: Coman (verletzt)

Österreich: Pervan (Wolfsburg/3) - Lainer (Borussia Mönchengladbach/22/1), Dragovic (Bayer Leverkusen/83/1), Hinteregger (Eintracht Frankfurt/49/4), Alaba (Bayern München/73/14) - Grillitsch (Hoffenheim/18/1), Baumgartlinger (Bayer Leverkusen/78/1) - Trimmel (Union Berlin/9/0), X. Schlager (Wolfsburg/14/1), Baumgartner (Hoffenheim/4/2) - Gregoritsch (Augsburg/21/4)

Ersatz: Lindner (Basel/28), Siebenhandl (Sturm Graz/2) - Posch (Hoffenheim/8/1), Ullmann (Rapid/0), Schaub (Luzern/15/5), Ilsanker (Eintracht Frankfurt/45/0), Onisiwo (Mainz/9/1), Ranftl (LASK/2/0), Grbic (Lorient/4/1), Kalajdzic (Stuttgart/0), Holzhauser (Beerschot/1/0), Schöpf (Schalke/23/4), Monschein (Austria/1/0)

Es fehlen: Laimer, Sabitzer, Kainz, Lazaro, Lienhart, A. Schlager (alle verletzt), Arnautovic, Friedl (beide Reisebeschränkungen), P. Zulj (persönliche Gründe), Ulmer, Stankovic, Wöber, Vallci (alle wegen Corona-Fällen bei Salzburg), Trauner (Magen-Darm-Virus)

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