Estland Estland EST
Österreich Österreich AUT
Endstand
0:2
0:2, 0:0
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Seiwald: Der rot-weiß-rote Marathon-Mann

Nicolas Seiwald hat in der Quali unter den ÖFB-Kickern mit Abstand am meisten gespielt. Dies könnte auch im Verein helfen, denn in Leipzig läuft es noch nicht.

Seiwald: Der rot-weiß-rote Marathon-Mann Foto: © GEPA

Nicolas Seiwald ist der Marathon-Mann im ÖFB-Team bei der am Donnerstag mit einem 2:0-Sieg in Estland zu Ende gegangenen EM-Qualifikation.

Und das nicht einmal annähernd knapp.

Der Leipzig-Legionär stand nicht nur als einziger ÖFB-Kicker überhaupt in allen Qualifikations-Matches auf dem Platz, er verpasste sogar keine einzige Spielminute.

In der Ära von Teamchef Ralf Rangnick ist der defensive Mittelfeldspieler so etwas wie der Inbegriff der Unverzichtbarkeit. Seit er beim Debüt des Deutschen Anfang Juni 2022 in Kroatien zur Pause eingewechselt wurde, spielte er mit Ausnahme des Tests gegen Andorra in jeder einzelnen Partie über die volle Distanz.

Nur vier weitere ÖFB-Kicker spielen mehr als 500 Minuten

In der EM-Quali stehen somit 720 Minuten für ihn zu Buche, und das im Oktober zwischenzeitlich sogar auf der ungewohnten Position als Rechtsverteidiger.

Da Österreich abseits des Gastspiels in Tallinn kaum in Bestbesetzung antreten und immer wieder verletzungsbedingte Ausfälle von Stammkräften hinnehmen musste, hinkt die Kollegenschaft in Sachen Einsatzzeit ein wenig hinterher.

Nur vier weitere ÖFB-Kicker knacken die Marke von 500 Einsatzminuten (siehe Tabelle).

Rang Name Einsätze Minuten
1. Nicolas Seiwald 8 720
2. Alexander Schlager 6 540
. Philipp Lienhart 6 540
4. Christoph Baumgartner 7 533
5. Xaver Schlager 6 501

"Vor allem jetzt, wo es im Verein nicht so gut mit den Minuten läuft, freut es mich extrem, dass ich hier trotzdem meine Minuten bekomme. Ich versuche der Mannschaft natürlich mit meinen Leistungen zu helfen", so Seiwald.

Erst 369 Leipzig-Minuten

Der Salzburger spricht den wunden Punkt an der aktuellen Situation selbst an. Bei RB Leipzig drückte er bislang viel öfter die Bank, als er es seit seinem Durchbruch in Salzburg gewohnt war.

In acht von 18 möglichen Pflichtspielen kam der 22-Jährige bei seinem neuen Arbeitgeber bislang zum Einsatz, und das für insgesamt erst 369 Minuten. Während diverse kürzere Einsätze zu Buche stehen, spielte er bislang erst ein Mal durch - und das gegen die Bayern im DFL-Supercup, über dessen Wertigkeit man streiten kann.

In Salzburg saß Seiwald seit seinem Bundesliga-Debüt im November 2020 kein einziges Mal 90 Minuten lang auf der Bank. Dies war davor letztmals in der Saison 2019/20 beim FC Liefering der Fall, da allerdings auch nur drei Mal.

Die Joker-Rolle ist also keine gewohnte. Und logischerweise soll sie auch in Leipzig nicht zur Gewohnheit werden.

Rangnicks Vertrauen

Ob man allerdings einkalkulieren müsse, dass anfangs Geduld gefragt sein könnte, wenn man zu einem namhaften Klub wechselt?

"Natürlich. Wenn man den nächsten Schritt macht, kann es sein, dass es nicht gleich glatt läuft. Ich bin jetzt in so einer Phase. Ich versuche, trotzdem das Beste daraus zu machen, fit zu bleiben und jene Minuten, die ich kriege, so gut wie möglich zu absolvieren und auch im Nationalteam meine Leistungen abzurufen."

"Das bringt das Selbstvertrauen, das mir in Leipzig vielleicht ein bisschen fehlt."

Nicolas Seiwald

Dass Rangnick trotz allem so großes Vertrauen in ihn hat, würde ihm sehr gut tun: "Das bringt das Selbstvertrauen, das mir in Leipzig vielleicht ein bisschen fehlt, auch die Selbstverständlichkeit. Aber das kommt wieder."

Der ÖFB-Teamchef kennt sich bei RB Leipzig aus eigener Erfahrung nicht so schlecht aus.

Gute Ansprechpartner

Entsprechend würde er ihn auch mit Tipps versorgen: "Natürlich hilft es auch, dass er Vergangenheit in Leipzig hat. Er sagt mir auch, ich soll dran bleiben und meine Chance nutzen. Es kann so schnell gehen im Fußball, nach oben wie nach unten."

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Auch Leipzig-Trainer Marco Rose gibt ihm Feedback. "Aber oft weiß ich auch selbst, wo ich noch besser werden kann. Auch bei Xaver kann ich mir noch etwas abschauen. Deswegen habe ich gute Ansprechpartner", so Seiwald.

Neben ÖFB-Nebenmann Xaver Schlager kämpfen im hochwertigen Leipzig-Kader unter anderem auch die beiden weiteren Ex-Salzburger Amadou Haidara und Kevin Kampl um Einsatzzeit im zentralen Mittelfeld.

Schlager als Vorbild

Schlagers Weg könnte als Vorbild dienen, schließlich ist er längst Stammspieler, nachdem auch er zu Beginn der vergangenen Saison nach seinem Wechsel ein wenig Geduld beweisen musste.

Im Duell mit Deutschland könnte Seiwald nun natürlich weitere Eigenwerbung betreiben. Es wäre inzwischen jedenfalls längst eine Überraschung, wenn Rangnick ihn nicht in die Startelf stellen würde.

Seiwald selbst meint: "Ich hoffe, dass ich wieder spielen darf. Dann versuche ich einfach wieder meine beste Leistung auf den Platz zu bringen."


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