Maxi Wöber: "Es sind schon sehr viele Tränen geflossen"
Nach dem letztjährigen Verletzungspech und dem damit verbundenen WM-Aus blickt der Innenverteidiger hoffnungsvoll in die Zukunft.
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Nationalteam-Rückkehrer Maximilian Wöber blickt auf eine lange Leidenszeit zurück.
Aufgrund von insgesamt drei Verletzungen versäumte der Verteidiger praktisch die gesamte vergangene Saison inklusive WM in Nordamerika.
Umso größer ist beim Wiener nun die Freude über das ÖFB-Comeback und die Gewissheit, im Vollbesitz seiner Kräfte zu sein. "Ich fühle mich sehr gut und habe wieder hundertprozentiges Vertrauen in meinen Körper", berichtete Wöber am Dienstag in Windischgarsten.
Muskelblessuren in Oberschenkel, Wade und Abduktor ließen beim Schalke-Profi sogar Zweifel über die Fortsetzung seiner Karriere aufkommen. "Natürlich fragt man sich, macht der Körper noch mit und kann ich wieder auf diesem Niveau spielen, ohne dass ich mich wieder verletze", sagte Wöber.
"Es macht keinen Sinn"
Besonders bitter war die Verletzung des damaligen Werder-Bremen-Spielers am 9. Mai gegen Hoffenheim - wenige Sekunden nach seiner Einwechslung verspürte er beim Ausführen eines Einwurfs einen Stich und ahnte sofort, dass es sich damit für die WM nicht mehr ausgehen dürfte.
"Da war das Gefühl, es soll nicht mehr sein. Ich habe aber noch ein paar Minuten weitergespielt, weil ich mich ja nicht nach 15 Sekunden wieder auswechseln lassen kann."
Die Diagnose ergab, dass Wöber wohl erst sehr knapp für die ersten WM-Partien fit geworden wäre. "Dann haben der Teamchef und ich gesagt, es macht keinen Sinn."
Nach WM-Aus flossen Tränen
Das Platzen des WM-Traums tat weh. "Es sind schon sehr viele Tränen geflossen, weil die WM der große Motivator war, der mich durch die Jahre getragen hat. Aber das ist Fußball, shit happens, deshalb bin ich umso glücklicher, dass die Zeit vorbei ist", erklärte der 28-Jährige und betonte: "Die ganzen negativen Gedanken sind jetzt weg. Ich freue mich, wieder hier zu sein."
Schalkes medizinische Abteilung hat laut Wöber wesentlich zu seiner Genesung beigetragen. "Ich bin super aufgebaut worden, kann jetzt voll angreifen und muss mir keine Sorgen mehr machen, ob ich zu viel oder zu wenig trainiere."
Bei den "Königsblauen" kam Wöber in dieser Saison auf vier Einsätze als Einwechselspieler und erzielte dabei ein Tor gegen Union Berlin. Sein 31. und bisher letztes Länderspiel absolvierte er im Juni 2025 beim 2:1 in der WM-Qualifikation in Wien gegen Rumänien.
Seither hat sich in der ÖFB-Auswahl viel verändert - David Alaba, Marko Arnautovic, Marcel Sabitzer, Christoph Baumgartner und derzeit auch Konrad Laimer gehören nicht zum aktuellen Kader.
"Das sind unglaubliche Leute, mit denen ich viele Siege gefeiert habe und die auf und neben dem Platz fehlen. Jetzt geht es für die arrivierten Jungs darum, mehr Verantwortung zu übernehmen", sagte Wöber.
Mehr Redefreiheit seit Arnautovic-Abschied
In die Rolle von Arnautovic wird aber wohl niemand schlüpfen. "Seit Marko nicht mehr da ist, ist es bei uns am Esstisch ruhiger und es reden mehr Leute, nicht nur er", berichtete Wöber mit einem Schmunzeln.
Bei der Integration der vielen Neuen erwartet der EURO-2024-Teilnehmer keine Probleme. "Bei uns wird sich keiner unwohl fühlen. Alle sind total offen."
In den bevorstehenden Nations-League-Partien gelte es, schnell zu alter Stärke zurückzufinden. "Wir müssen den Spielstil, der uns so unangenehm gemacht hat, wieder auf den Platz bringen. Das geht nur über Intensität, Mentalität und die richtige Einstellung", betonte Wöber. "Wir müssen in jedem Spiel an unsere Leistungsgrenze kommen, damit wir das Niveau der EM 2024 wieder erreichen."
Ein erster Schritt in diese Richtung dürfte das Dienstag-Training gewesen sein - in der rund zweistündigen Einheit könnte es durchaus wie von Teamchef Ralf Rangnick gefordert "gescheppert" haben.
"Es war ein brutales, intensives Training", sagte Wöber. Schon davor hatte es eine WM-Analyse gegeben. "Aber nicht nur vom Trainerteam. Die ganze Mannschaft hat sich zusammengesetzt und Dinge besprochen, wo wir ansetzen müssen."
Israels Offensivgeister als "Zocker"
Ebenfalls auf dem Programm stand ein Videostudium der israelischen Auswahl, am Donnerstag in Linz erster Nations-League-Gegner.
"Das sind richtig gute Zocker", meinte Wöber mit Hinweis auf die Offensivspieler Oscar Gloukh, Manor Solomon und Dor Peretz. "Sie haben viel Qualität mit dem Ball, doch wir haben mit unserem Pressing das beste Gegenmittel dazu."