ÖFB-Kapitän? "Fliegen wird Arnautovic nie können"

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Sein 73. Länderspiel wird für Marko Arnautovic ein ganz besonderes. Im Nations-League-Duell mit Bosnien-Herzegowina führt er Österreich erstmals als Kapitän aufs Feld (Dienstag, 20:45 Uhr im LIVE-Ticker).

"Es ist eine große Ehre für mich, Kapitän des österreichischen Nationalteams zu sein. Ich freue mich darauf", erklärt der West-Ham-Profi nach der Landung in Sarajevo, ist jedoch bemüht, den Fokus auf die eigentliche Mission zu richten:

"Es ist ein Match wie jedes andere. Ich probiere mich natürlich voll zu konzentrieren, wir wollen das Spiel gewinnen. Ausschlaggebend ist die Performance der Mannschaft. All die Jahre, die ich im Nationalteam bin, hatte ich zwar nicht die Schleife um, habe jedoch immer probiert, meine Qualitäten am Platz sprechen zu lassen und die Mannschaft anzuführen. Jetzt habe ich die Schleife, aber das ändert nichts an meinem Spiel."

Auch Teamchef Franco Foda versucht, den Eindruck von Normalität zu erzeugen: "Marko wird jetzt, nur weil er die Kapitäns-Binde trägt, nicht über den Platz fliegen. Fliegen wird er nie können."

Foda will viele Häuptlinge am Platz

Letztlich war es der Deutsche, der die Schleife bei diesem Lehrgang in Abwesenheit des verletzten Spielführers Julian Baumgartlinger zum "Wanderpokal" gemacht hat. Gegen Schweden fungierte David Alaba als Kapitän, diesmal ist Arnautovic dran.

"Ich gehe mal davon aus, dass es eine Ehre für ihn ist, genauso wie es das für David war. Es ist ja auch etwas Besonderes, wenn du Kapitän einer Mannschaft bist, vor allen Dingen eines Nationalteams. Aber für den einzelnen Spieler ändert sich dadurch wenig, weil ich will, dass alle Spieler Verantwortung übernehmen und gerade jene Spieler, die in großen Vereinen spielen, vorneweggehen. Mir ist es am liebsten, wenn du viele Häuptlinge auf dem Platz hast", betont Foda.

Arnautovic ist nach turbulenten Anfangsjahren im ÖFB-Team in der jüngeren Vergangenheit zweifelsohne zu einem Häuptling gereift. Allen voran wegen seiner Qualität, die er inzwischen in konstant gute Leistungen ummünzt. Aber auch wegen seiner Fähigkeit als Sprachrohr - egal ob zwischendurch schlagfertig-lustig oder, was immer wieder vorkommt, mit ernsteren Tönen.

In einem dritten Länderspiel wäre Prödl Kapitän gewesen

So gesehen war es logisch, dass der Wiener in der vom Teamchef inszenierten Kapitäns-Rotation zum Zug kommt. Begründet hat Foda seine Herangehensweise unter anderem damit, dass dies Brasilien genauso machen würde. Abgeschaut will er sich dies nicht haben, ihm ginge es viel mehr um innovative Akzente:

"Jeder hat dann das Gefühl, dass er wirklich auch Verantwortung übernehmen kann und muss. Generell wird der Fußball ja immer innovativer und man muss immer wieder neue Ideen haben. Ich glaube, dass man dann halt auch mal andere Dinge machen sollte."

Franco Foda

"Ich sage jetzt einmal, wenn wir noch ein drittes Länderspiel gehabt hätten, wäre vielleicht Sebastian Prödl zum Zug gekommen, weil er auch noch im Spielerrat ist. Es war jetzt für diesen Lehrgang eine Überlegung. Wie es dann im Oktober ausschaut, werde ich mir noch überlegen. Ich habe es mir jedoch nicht abgeschaut, es war aber interessant, dass Brasilien so etwas macht. Dort gibt es lauter Weltklasse-Spieler!"

"Ich finde die Idee nicht so schlecht, weil du auch da flexibel bist. Es ist immer etwas Besonderes für jeden Spieler. Jeder hat dann das Gefühl, dass er wirklich auch Verantwortung übernehmen kann und muss. Generell wird der Fußball ja immer innovativer und man muss immer wieder neue Ideen haben. Ich glaube, dass man dann halt auch mal andere Dinge machen sollte", so Foda weiter.

Baumgartlinger geht ab

Auf dem Feld während der 90 Minuten die Schleife zu tragen, ist als Kapitän das eine. Das andere ist gerade bei einer Nationalmannschaft, die sich nur alle paar Wochen oder Monate sieht, die Führungsrolle abseits des Platzes. Dazu gehört auch die Fähigkeit, Entwicklungen und Strömungen trotz der eher seltenen Zusammenkünfte einordnen zu können.

Baumgartlinger wird natürlich auch auf dem Platz vermisst, aber sehr wohl auch in diesem Bereich. "Natürlich geht er ab. Er ist ein Sprachrohr, sieht Sachen innerhalb der Mannschaft, auf dem Platz oder in der Kommunikation auch mal kritisch. Er kann Feedback geben, sieht Dinge, die sonst vielleicht nicht gesehen werden, und sportlich brauchen wir gar nicht zu diskutieren, welchen Wert er für diese Mannschaft hat", verdeutlicht Prödl.


DAZN überträgt ab dieser Saison die neue UEFA Nations League. Starte JETZT dein Gratis-Monat>>>


Ein ÖFB-Comeback des Leverkusen-Legionärs ist wohl erst im November realistisch. Vielleicht bekommt Arnautovic also auch in einem der Oktober-Länderspiele die Schleife. Vorher gilt es jedoch den Hexenkessel in Zenica zu meistern.

Arnautovic hat keinen Hass auf Bosnien

Die Partie hat für den 29-Jährigen genau wie für Aleksandar Dragovic einen weiteren Nebenaspekt. Beide ÖFB-Kicker haben serbische Wurzeln und dürfen sich wohl auf einen entsprechenden Empfang der bosnischen Fans gefasst machen.

"Ich habe sehr viele bosnische Freunde, ich habe sehr viele kroatische Freunde und natürlich auch serbische Freunde. Ich respektiere jedes Land."

Marko Arnautovic

"Ich denke, wir können beide damit umgehen", betont Arnautovic gegenüber "Ö3", "ich persönlich habe keinen Hass auf Bosnien, auch nicht auf Kroatien oder irgendein anderes slawisches Land. Aber natürlich wird es ein Pfeifkonzert gegen uns geben. Aber wenn du im Spiel bist, schaltest du das ab und probierst sich auf das Match zu konzentrieren."

Ob er aus dem Alter draußen sei, in dem man sich provozieren lässt? "Natürlich hört man die Sprüche oder Pfeifkonzerte, aber du musst dich auf das Spiel konzentrieren. Ich habe meine Aufgaben auf dem Spielfeld, die ich erfüllen muss, und probiere meine Sache so zu machen, wie ich sie immer mache."

Der Balkan-Krieg ist vielerorts natürlich noch nicht vergessen, für Arnautovic persönlich hat er jedoch keine Nachwirkungen: "Natürlich glauben viele, dass wir einen Krieg haben, aber ich persönlich habe keinen Krieg. Ich habe sehr viele bosnische Freunde, ich habe sehr viele kroatische Freunde und natürlich auch serbische Freunde. Ich respektiere jedes Land und wünsche jedem das Beste."

Textquelle: © LAOLA1.at

Sebastian Prödl: Watford-Situation Sorge für ÖFB-Elf?

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare