Marko Arnautovic: Der "herzensgute" Kapitän

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Die logische Wahl sei er, betont Franco Foda.

Aufgrund der Leistungen, aufgrund der meisten Länderspiele, weil er mit ganzem Herzen für das Nationalteam spielt.

Marko Arnautovic führt Österreich in Nordmazedonien (20:45 Uhr im LIVE-Ticker) also zum dritten Mal als Kapitän aufs Feld - die beiden bisherigen Auftritte als Spielführer sorgten durchaus für Gesprächsstoff.

"Wie soll man das erklären? Marko ist einfach ein herzensguter Mensch. Keine Frage, er polarisiert etwas, aber letztendlich wollen wir doch alle solche Spieler, die auch mal eine eigene Meinung vertreten, die vielleicht mal etwas anders sind als die anderen Spieler", charakterisiert der Teamchef den ÖFB-Star.

Arnautovic komme immer gerne zum Nationalteam und sei ein Spieler, der auf dem Platz den Unterschied ausmachen kann.

"Wenn man ihn im Griff hat, ist alles okay", lacht Foda.

Nur sieben Österreicher haben mehr Länderspiele

Arnautovic ist der Typ Spieler, den man als Trainer eher nicht zum Feind haben möchte - wortgewaltig, meinungsstark und kaderintern einflussreich.

Nordmazedonien wird bereits sein 81. Länderspiel - in der ÖFB-Geschichte haben nur sieben Spieler mehr absolviert: Andreas Herzog (103), Toni Polster (95), Gerhard Hanappi (93), Karl Koller (86), Friedl Koncilia, Bruno Pezzey (je 84) und Herbert Prohaska (83).

Absolviert der 30-Jährige alle EM-Qualifikations-Partien, findet er sich am Jahresende also bereits auf Platz vier der ewigen rot-weiß-roten Bestenliste wieder. Wer hätte es in den Anfangsjahren seiner ÖFB-Karriere, als er noch für Skandale bekannt und vom damaligen Teamchef Didi Constantini phasenweise nicht mehr einberufen wurde, gedacht?

Fodas Hinweis, dass Arnautovic gerne zum Nationalteam kommt, ist beinahe eine Untertreibung. Seit September 2012 verpasste er nur drei Länderspiele - zwei gesperrt und vergangenen Oktober den Test in Dänemark aufgrund von Knieproblemen. Wäre es ein Pflichtspiel gewesen, hätte ihn der Teamchef wohl nicht geschont.

"Seine" Mannschaft

Nun also wieder Kapitän. "Es ist mir eine Ehre, das erwähne ich immer wieder", erklärt der West-Ham-Legionär, "aber ich denke, es ist die gleiche Motivation, wie wenn ich die Schleife nicht trage. Ich will immer 100 Prozent geben und versuche, mit meiner Mannschaft zu reden, sie zu motivieren und sie mit meiner Leistung zum Sieg zu schießen oder zu spielen - am besten beides."

"Die Spieler müssen wissen, wie schön es ist, bei einer EURO zu sein. Das habe ich ihnen auch noch einmal gesagt."

Marko Arnautovic

Von "seiner" Mannschaft spricht Arnautovic auch gerne, wenn er gerade nicht Kapitän ist. Auch vor dem Slowenien-Spiel hat er mit ihr geredet. "Die Spieler müssen wissen, wie schön es ist, bei einer EURO zu sein. Das habe ich ihnen auch noch einmal gesagt", versuchte er die Kollegen vor dem Duell mit dem Nachbarn in Klagenfurt nochmals auf das große Ziel einzuschwören.

Spieler wie Arnautovic gehören auch auf die große Turnier-Bühne - zumindest öfter als das eine Mal, das ihm bisher vergönnt war. Und die EURO 2016 verlief bekanntlich nicht nach Wunsch. Die Heim-EURO 2008 kam ein paar Monate zu früh, sein Debüt im A-Team feierte er erst im Oktober 2008.

Aus dem Frechdachs von damals ist inzwischen ein gereifter Frechdachs geworden, der immer noch sagt, was er sich denkt, es inzwischen aber versteht, verbale Fettnäpfchen zu umschiffen. Dann schon lieber Schmäh führen, wenn es gerade passt, wie zuletzt bei seiner abgelehnten Kandidatur als Bundeskanzler.

Als "Arnie" eisern schwieg

Wobei: Immer sagt Arnautovic auch nicht, was er sich denkt. Stichwort gereift. Bei seinem letzten Auftritt als Kapitän ließ er lieber Taten sprechen, schoss Österreich zum 1:0-Sieg gegen Nordirland und schwieg danach eisern, wem sein provokanter Torjubel in Richtung Haupttribüne galt.

Dass diese Geste dem einen oder anderen Landespräsidenten galt, wird somit also noch länger eine Mutmaßung bleiben. Diese sollen sich nach der eher blassen Leistung bei der Kapitäns-Premiere in Bosnien-Herzegowina zum Teil gegen den Offensivspieler als Spielführer ausgesprochen haben.

Der wies nur darauf hin, dass die Schleife für ihn nicht zu groß sei und lieferte. Wie er nun auch gegen Nordmazedonien liefern möchte.

"Ich erwarte von der Mannschaft dieselbe Motivation und Begeisterung wie gegen Slowenien. Ich weiß, was die Mannschaft kann, wir haben sehr viele talentierte Fußballer. Wir können gut Fußball spielen - das sieht jeder, das weiß jeder und das müssen wir auch zeigen", schwört er seine Mitspieler auf diese Partie ein.

Wiedersehen mit Pandev

In Skopje kommt es auch zum Wiedersehen mit seinem einstigen Inter-Mailand-Kollegen Goran Pandev: "Wir kennen uns gut. Über ihn braucht man nicht viel erzählen, weil man weiß, dass er eine sehr gute Karriere hinter sich hat und ein sehr guter Fußballer ist. In seinem Alter ist er immer noch ein Schlüsselspieler bei Mazedonien. Wir müssen gegen ihn aufmerksam sein, weil er immer ein Ass im Ärmel hat."

Pandev wird im Juli 36. Wenn Arnautovic in diesem Alter immer noch für Österreich spielen würde, wäre er wohl längst überlegen Rekordnationalspieler. Kleinere körperliche Wehwechchen hielten und halten den Wiener kaum von Länderspielen ab.

Gegen Slowenien plagten ihn schon früh in der Partie Krämpfe, wie er nach Schlusspfiff gestand. Die Frage nach seiner körperlichen Fitness für die Partie in Nordmazedonien gleicht dennoch einer Art Majestätsbeleidigung an die selbsternannte "Maschine".

"Das fragst du mich?", antwortet er verwundert und versichert: "Ich bin bereit, ich bin fit und habe Kraft für 95 Minuten." Dabei muss sogar Foda ein bisschen schmunzeln.

Mit oder ohne Sturm-Partner?

Interessant ist, dass der Teamchef die in Abwesenheit von David Alaba vermeintlich logische Rochade von Arnautovic zurück auf seine alte Position am linken Flügel bereits im Vorfeld mehr oder weniger ausschloss - im Prinzip gegen seine Gewohnheiten.

"Gegen Slowenien war es natürlich nötig, dass der Trainer mit Guido Burgstaller eine zweite Spitze eingewechselt hat, wie man gesehen hat. Ich musste danach nicht gegen zwei kämpfen, sondern nur noch gegen einen. Das war leichter."

Das heißt, Arnautovic wird weiterhin im Angriff-Zentrum auflaufen. Ob mit oder ohne Sturm-Partner ist noch offen. Was er bevorzugen würde?

"Da fragt ihr den Falschen. Der Chef sitzt da", deutet er auf Foda, "aber ob ich alleine oder mit einem anderen da vorne spiele, beeinflusst unser Spiel nicht. Gegen Slowenien war es natürlich nötig, dass der Trainer mit Guido Burgstaller eine zweite Spitze eingewechselt hat, wie man gesehen hat. Ich musste danach nicht gegen zwei kämpfen, sondern nur noch gegen einen. Das war leichter."

Leichter die Gepflogenheiten bei internationalen Pressekonferenzen zu kennen, wäre es, wenn Arnautovic in seiner langen Länderspiel-Karriere schon öfter Kapitän gewesen und somit diesen Pflichttermin zu bestreiten gehabt hätte.

Bekenntnis zu West Ham als Beruhigung für nordmazedonischen Journalisten

Nach einer Frage eines nordmazedonischen Journalisten wollte er nämlich gleich mit der Antwort loslegen und bremste somit den Dolmetscher aus. "Ich hab' ihn eh verstanden", meinte er der Landessprache mächtig.

Das sorgte natürlich für Lacher, weil alle anderen Österreicher im Raum und zu Hause an den TV-Geräten, zumindest sofern sie nicht gerade das zeitgleiche French-Open-Finale mit Dominic Tiem bevorzugten, keinen blassen Schimmer hatten, worum es ging.

Und worum ging es? Der nordmazedonische Kollege outete sich als großer West-Ham-Fan und zeigte sich beunruhigt, dass Arnautovic den Verein im Sommer verlassen könnte.

Dieser versuchte ihn zu beruhigen: "Ich habe meinen Vertrag bei West Ham erst im Winter verlängert. Es gibt keine Angebote, keine Gespräche, keine Telefonate. Ich bin West-Ham-Spieler und das wird auch weiter so sein."

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Textquelle: © LAOLA1.at

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