Thiem: "So einer wie Nadal kommt nie wieder"

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Step-by-Step. Dominic Thiems Karriere läuft nun mal Schritt für Schritt.

Die von ihm selbst und Ex-Coach Günter Bresnik oft aufgestellte Einschätzung scheint sich auch auf dem Weg zu seinem ersten Grand-Slam-Titel zu bestätigen.

2016 und 2017 war bei den French Open jeweils im Halbfinale Endstation. Im Vorjahr setzte es eine glatte Drei-Satz-Niederlage gegen Rafael Nadal. Heuer lieferte Thiem dem spanischen Sandplatz-König zumindest in den ersten beiden Sätzen ein Duell auf Augenhöhe.

"Dann habe ich leider etwas nachgelassen", wusste Thiem. "Und Nadal ist auf mich draufgestiegen."

Mit jeweils 6:1 machte der Ausnahme-Könner und mittlerweile 18-fache Grand-Slam-Sieger kurzen Prozess mit dem 25-jährigen Niederösterreicher, der zuvor in einem über zwei Tage dauernden Halbfinal-Match den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic in die Schranken wies.

"Einzigartig, aber auch brutal"

"Gestern hatte ich einen der größten Siege meiner Karriere. Das ist ein einzigartiges, aber auch brutales Ding in unserem Sport, dass ich sechs Matches gewonnen habe, gestern eine der größten Legenden unseres Spiels geschlagen habe und nicht einmal 24 Stunden später muss ich gegen eine andere unglaubliche Legende unseres Sports auf den Platz", versuchte Thiem seine Situation zusammenzufassen.

"Eine Legende habe ich geschlagen, an der zweiten bin ich gescheitert. Und zwar am besten Sandplatz-Spieler aller Zeiten. Das zeigt auch, wie schwierig es ist, einen Grand Slam zu gewinnen", so Thiem, der ein zweites Mal nur ganz knapp den zweiten Grand-Slam-Titel in der österreichischen Sportgeschichte verpasste. "Ich bin daran gescheitert, meinen größten Traum in meinem Tennisleben wahr zu machen."

Thiem will sich nicht "auf die Zeit verlassen"

Sieger Nadal versuchte Thiem bei der Siegerehrung zu trösten und prophezeite ihm, dass er selbst einmal an seiner Stelle stehen werde.

"Ich denke, es wird nie mehr einer kommen wie der Nadal. Ich glaube, dass wird es nie mehr geben, dass einer zwölf Mal ein Grand-Slam-Turnier gewinnt", so Thiem, der sich trotz der Lobeshymnen seines Bezwingers auf keinen Fall auf dem Erreichten ausruhen will."

"Ich will mich auf keinen Fall auf die Zeit verlassen, weil es kommen unfassbar gute, junge Spieler nach, die wir vielleicht noch gar nicht kennen. Deshalb bin ich jetzt einmal richtig enttäuscht, dass ich diese zweite Möglichkeit auch liegen habe lassen. Das Einzige, woran ich denke ist, dass ich richtig weiter arbeite", stellt der ehrgeizige Lichtenwörther klar.

Fairer Verlierer

Thiem gab sich zudem als fairer Verlierer. Trotz der unterschiedlichen Ausgangspositionen der beiden Finalisten - Nadal hatte einen Tag zusätzliche Pause vor dem Endspiel - wollte er nichts von einer möglichen Benachteiligung seiner Person wissen.

"Ich weiß nicht, wie es mit einem Tag Pause gewesen wäre. Aber ich habe jetzt keine Müdigkeit gespürt im Finale. Ich war voll mit Adrenalin, es ist ein Grand-Slam-Finale, das man nicht so oft spielt in seinem Leben wahrscheinlich."

Thiem-Coach Nicolas Massu sprach sich noch am Samstag nach dem Sieg über Djokovic dafür aus, dass Finale auf den Montag zu verlegen, um für ausgeglichenere Bedingungen zu sorgen.

"Hatte komplett anderes Gefühl als 2018"

Eine Argumentation, der Thiem freilich auch einiges abgewinnen konnte: "So ein Match wie gegen Djokovic über zwei Tage über vier Stunden kann natürlich nicht spurlos an mir vorübergehen. Weder mental, noch körperlich. Also es ist ein bisserl ein zweischneidiges Schwert."

Trotz der widrigen Umstände habe sich der Weltranglisten-Vierte vor dem Finale heuer allerdings deutlich besser gefühlt als im vergangenen Jahr.

"Ich hatte ein komplett anderes Gefühl. Letztes Jahr war ich völlig leer, habe mich verkühlt nach dem Viertelfinale. Der Körper war schon ziemlich am Ende letztes Jahr, das war dieses Jahr definitiv nicht der Fall", so Thiem. "Ich bin heute in den Tag reingegangen, um die Partie zu gewinnen und habe auch alles gegeben, was ich gehabt habe. Das war letztes Jahr nicht möglich."

Über 300 Punkte mehr als 2018

Wie im Vorjahr nimmt Thiem 1.200 Punkte aus Paris mit. Im Race To London rückt er damit um eine Position auf Rang vier nach vorne - jenen Platz, den er schon zuvor im Ranking innehatte. Im Vergleich zu 2018 sammelte er heuer bislang übrigens 320 Zähler mehr.

Schritt für Schritt hantelt sich Thiem nach oben. Die Luft wird zwar immer dünner, unaufhaltsam nähert er sich jedoch der Spitze. Step-by-Step.

Textquelle: © LAOLA1.at

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