Bilanz des ÖFB-Camps: So schlug sich Franco Foda

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Der Countdown bis zur Länderspiel-Premiere von Teamchef Franco Foda im Dienstag im Test gegen Uruguay (20:45 Uhr im LIVE-Ticker) läuft.

Während des einwöchigen Trainingslagers in Spanien fand der Deutsche ideale Voraussetzungen, um mit den ÖFB-Kickern nicht nur an seinen Ideen auf dem Platz zu arbeiten, sondern auch um sich zwischenmenschlich kennenzulernen und nach einem ersten Abtasten etwaige Vorurteile abzubauen.

Es waren intensive sieben Tage, die Foda in Marbella hingelegt hat und alles in allem fällt die Bilanz durchaus positiv aus. Freilich, nicht alles verlief reibungslos, aber im Normalfall werden solche Dienstreisen Wochen zuvor akribisch geplant, was angesichts seiner zeitnahen Bestellung vor Beginn des Trips diesmal nicht möglich war.

LAOLA1 beobachtete Fodas Start in seine Teamchef-Ära vor Ort und zieht eine Bilanz dieses Camps:


SO SCHLUG SICH FODA:

Kann Franco Foda Teamchef? Die Antwort auf diese Frage werden erst die Ergebnisse auf dem Platz bringen. Man kann dem Deutschen jedoch nicht vorwerfen, dass er seinen ersten Lehrgang als ranghöchster Fußballlehrer Österreichs schlecht moderiert hätte. Im Gegenteil. Klare Ansagen, intensives Training, hoher Fokus auf das gegenseitige Kennenlernen, Teambuilding-Maßnahmen, Mannschaftsabend - Foda packte in dieses Camp, was man nur irgendwie an Pflicht und Kür reinpacken kann. Wohl nicht zu Unrecht beklagte er sich, dass ein Tag nur 24 Stunden habe und dies zu wenig sei - noch dazu, weil er so nebenbei aus der Ferne wohl auch noch ein Auge auf die Arbeit bei seinem Noch-Arbeitgeber Sturm Graz richten musste. Dennoch: Foda hat sich in Marbella weitestgehend gut geschlagen. Die anfangs durchaus spürbare Reserviertheit ihm gegenüber schien im Verlauf der Woche zunehmend zu weichen, die Spieler-Zeugnisse wurden glaubwürdig immer besser. Freilich steht außer Frage, dass für einen Trainer die Phase bis zum ersten Spiel immer eine Art "Honeymoon" ist. Spieler, die einen Coach schon kurz nach seiner Bestellung kritisieren, haben Seltenheitswert. Etwaige schlechte Ergebnisse gibt es auch nicht zu diskutieren. Und die Spieler ziehen bei einem neuen Trainer automatisch mit, wie auch Foda selbst zugibt. Dennoch kann man in solch einer Startphase auch schon viel Kredit verspielen, wenn es nicht gelingt, einen Draht zu den neuen Schützlingen aufzubauen - gerade als Teamchef, der seine Spieler viel seltener zur Verfügung hat. Dieses Problem scheint Foda erspart zu bleiben.

DER ABBAU VON VORURTEILEN:

Dabei stellt gerade dieser zwischenmenschliche Punkt eine Falle dar, in die der 51-Jährige natürlich immer noch treten könnte. Dennoch: In Marbella war es kein ungeschickter Schachzug, relativ offen mit den Vorurteilen, oder wie er es nennt: "Halbwahrheiten", die über ihn kursieren, umzugehen. Wer weiß, dass über ihn nicht immer die freundlichsten Geschichten in Sachen Sozialkompetenz im Umlauf sind, tut gut daran, diese direkt anzugehen und auszuräumen. Denn natürlich zapfen die Spieler im Vorfeld alle möglichen Quellen an, um zu erfragen, was sie erwartet. "Sobald festgestanden ist, dass Franco Foda neuer Teamchef wird, interessiert man sich natürlich für den neuen Trainer und versucht, Informationen einzuholen", betont Kevin Wimmer, "ich bin mit ein paar Spielern befreundet, die nicht beim Nationalteam sind, aber schon unter ihm gespielt haben. Da habe ich nur positive Sachen gehört, deswegen bin ich mit einem sehr guten Gefühl angereist, und das hat sich - da spreche ich nicht nur für mich, sondern für die ganze Mannschaft - mehr als bestätigt. Die erste Woche macht großen Spaß und auf jeden Fall Lust auf mehr." Möglicherweise werden nicht alle Kadermitglieder so positive Berichte über Foda gehört haben wie Wimmer. Es kann natürlich auch ein Vorteil sein, wenn die Erwartungshaltung in Sachen Sympathie eine etwas niedrigere ist und man dann lockerer als erwartet rüberkommt. "Einzelgespräche" war auf jeden Fall eines der am öftesten gehörten Worte in dieser Spanien-Woche. Foda setzte sich mit jedem einzelnen Spieler zusammen, um ihn auch privat besser kennenzulernen. Keine revolutionäre, aber auch keine schlechte Idee als vertrauensbildende Maßnahme. Unterm Strich scheint dem Deutschen der Ruf, der ihm vorauseilt, jedenfalls bewusst zu sein und er hat möglichst aktiv gegengesteuert. Das ist gescheit.

ORGANISATORISCHE PROBLEMFELDER:

Dass alles reibungslos verlief, kann man jedoch auch nicht behaupten. In punkto Organisation eines Lehrgangs wird Foda wohl oder übel in Zukunft weniger "spontan" sein können, sobald er mehr Zeit für die Planung hat als bei diesem kurzfristigen Trip. Zeitpläne hielten gerade am Anfang der Woche nur bedingt, Trainings wurden munter nach vorne oder hinten verlegt - dies wird bei Camps in Wien kaum auf diese Art und Weise funktionieren, schließlich hängt dort ein anderer logistischer Rattenschwanz daran. Dass dies auch die medialen Pläne durcheinanderwirbelte, ist vergleichsweise wurscht, aber auch auf dieser Ebene gab es durchaus Anlaufschwierigkeiten - so richtig verflogen war der Anflug von Chaos erst ab Donnerstag, dann funktionierte alles reibungslos. Dass Fodas Medienpolitik eine andere sein wird als jene von Marcel Koller, deutet sich nach dieser Woche an. Im persönlichen Gespräch gab er diesbezüglich interessante Einblicke in seine Gedanken zu dieser nicht zu unterschätzenden Komponente seines Jobs. Dass er sich wie der eine oder andere Vorgänger um Kopf und Kragen redet, ist kaum zu erwarten. Spannend wird es dennoch, wie er sich auf diesem Gebiet schlägt. Denn auch wenn Foda selbst es als nicht so drastisch unterschiedlich empfindet: Das nationale Terrain ist sehr wohl etwas anderes als das gewohnte Grazer Parkett, auf dem er seit zwei Jahrzehnten geschickt tanzt. Die sieben Tage in Marbella liefen in relativ beschaulichem medialen Rahmen ab, wirklich große sportliche Problemfelder gab es auch keine zu diskutieren. Wie sich dieser Punkt entwickeln wird, ist schlichtweg noch nicht seriös prognostizierbar.


DIE TRAININGSINTENSITÄT:

"Jeder ist hin!" Aleksandar Dragovic brachte die Intensität der Trainings unter Franco Foda am besten auf den Punkt, darauf hingewiesen hat so gut wie jeder Spieler. Auch Foda selbst macht kein Hehl daraus, dass er durchaus verschärft üben lässt. "Ich bin der Meinung, man kann nur mit Tempo spielen, wenn man mit Tempo trainiert", verdeutlicht der gebürtige Mainzer. Ebenso gelobt wurde das recht abwechslungsreiche Training mit vielen verschiedenen Übungen. Inhaltlich sei der Unterschied zu Vorgänger Marcel Koller nicht allzu gravierend. "Wir haben wieder ziemlich viel Umschaltspiel trainiert, das war schon bei Herrn Koller so", befand Louis Schaub. Unisono wurde betont, wie gut alle Spieler mitgezogen hätten - dies war auch in den wenigen für die Öffentlichkeit offenen Sequenzen zu beobachten. Sich diesbezüglich hängen zu lassen, erscheint allerdings auch unabhängig vom Start in eine neue Trainer-Ära keine gute Idee zu sein. "Wenn die Trainingseinstellung nicht passt, reagiert er allergisch", verrät Stefan Hierländer und der ist als Sturm-Kicker diesbezüglich Insider.

NEU GEMISCHTE PERSONELLE KARTEN:

Wirklich gespannt sein darf man auf Fodas Premieren-Aufstellung, diesbezüglich gab er noch recht wenige Einblicke in seine Überlegungen. Fest steht nur, dass der Konkurrenzkampf ein großer ist. Erstens werden unter einem neuen Trainer grundsätzlich die Karten neu gemischt, zweitens wird der Kampf ums Leiberl durch die Rücktritte beziehungsweise das verletzungsbedingte Fehlen einiger Platzhirsche, die wohl auch unter dem Deutschen gute Startelf-Chancen hätten, verschärft. Mit Marko Arnautovic, Aleksandar Dragovic und Julian Baumgartlinger waren nur drei langjährige Stammspieler in Marbella mit dabei. Ansonsten verfügt lediglich Marcel Sabitzer mit 28 Einsätzen über eine gesteigerte Länderspiel-Erfahrung, nur eine weitere Handvoll an Kadermitgliedern ist diesbezüglich zweistellig. Soll heißen: Einige Positionen sind neu zu vergeben, und es gibt auch genügend Anwärter darauf, einen internen Sprung in der Hackordnung zu machen. Akteuren wie Kevin Wimmer, Valentino Lazaro, Florian Grillitsch, Florian Kainz, Louis Schaub oder dem zurückgekehrten Alessandro Schöpf, um einige Beispiele zu nennen, bietet sich nun die Chance, den nächsten Schritt zu machen und in Hauptrollen zu schlüpfen. Selbiges hätte für den verletzt abgereisten Michael Gregoritsch gegolten. Dies sind allesamt Spieler, die nun schon eine Zeit lang mit dabei sind, auch schon auf sich aufmerksam gemacht, sich aber noch nicht nachhaltig als Stammspieler etabliert haben. "Ich möchte mich im Nationalteam endgültig durchsetzen und auch hier meine Scorer-Punkte sammeln", macht etwa Lazaro seine Ambitionen klar. Wen Foda personell in der Pole-Position sieht, werden wir ab Dienstagabend wissen.

DAS SYSTEM GEGEN URUGUAY:

So bedeckt sich Foda vorerst in Sachen Personal hält, so offen kündigte er an, dass es gegen Uruguay eher keine Dreierkette zu sehen geben wird. In Zukunft soll analog zu Sturm im ÖFB-Team Flexibilität Trumpf sein. Man könne die Dreierkette auch jetzt schon spielen (siehe Video), aber auspacken wird er diese Variante wohl erst, wenn alle Spieler an Bord sind, gerade in der Hintermannschaft gibt es doch diverse Ausfälle zu beklagen. "Ich glaube, dass wir gegen Uruguay eher noch so spielen werden, wie es unter meinem Vorgänger meistens der Fall war, wahrscheinlich mit Viererkette, weil wir viele Optionen in der Offensive haben und da will ich im Moment keinen Spieler für die Defensive opfern", kündigt der Teamchef an. Bis taktische Ideen auf Nationalteam-Ebene implementiert sind, braucht dies bekanntlich seine Zeit. Vorerst also auf dem, was die Mannschaft von Koller kennt, aufzubauen, ist für den Beginn vermutlich kein falscher Gedanke. Dennoch darf man gespannt sein, wie viel von Fodas Handschrift bereits gegen Uruguay zu erkennen sein wird. Daran, dass Foda gegen die Südamerikaner gleich zu seinem Start ein positives Ergebnis einfahren will, lässt er ohnehin keinen Zweifel: "Es ist wichtig, dass wir einen guten Auftritt haben. Auch wenn es ein Freundschaftsspiel ist, ich habe den Spielern gesagt, wir wollen versuchen, alle Spiele zu gewinnen und vor allen Dingen, alle Spiele ernst zu nehmen und mit 100 Prozent an die Sache heranzugehen." Letzteres sollte eine Selbstverständlichkeit sein, da es für jedes einzelne Kadermitglied darum geht, sich für die ÖFB-Zukunft unter Foda in Stellung zu bringen.





Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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