"Lord Franggo": Foda und seine Medienpolitik

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Franco Foda und die Medien - im Umfeld von Sturm Graz ein leidenschaftlich diskutiertes Thema. Stichworte: Zu große Nähe zu vermeintlichen Haus- und Hofberichterstattern.

Mit seiner Bestellung zum ÖFB-Teamchef betritt der Deutsche nun intensiver die nationale Sportmedienbühne.

Wie er sich auf selbiger schlägt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Foda hat es nun mit mehr medialen Playern zu tun als in der steirischen Landeshauptstadt.

Wie ist Foda darauf vorbereitet? Wie sieht seine Medienstrategie aus? Hat er überhaupt eine? Wie steht er zum Vorwurf der zu großen Nähe zu manchen Journalisten? Wie aufgeschlossen ist er gegenüber sozialen Netzwerken?

LAOLA1 traf sich gemeinsam mit der APA am Rande des ÖFB-Camps in Marbella mit Foda, um diese Fragen zu erörtern.


Soziale Netzwerke sind "Energieräuber"

Beginnen wir mit Social Media. Viel ist dieser Tage die Rede davon, wie sich Fodas Arbeit von jener Marcel Kollers unterscheidet. Während der Deutsche auf dem Feld eine ähnliche Herangehensweise wie jene seines Vorgängers ortet, unterscheidet sich hier der Zugang wie Tag und Nacht.

Während der Schweizer die sozialen Netzwerke bespielte, zur Kommunikation mit den Fans nutzte, versuchte, den Anhängern Einblicke hinter die Kulissen zu gewähren und mangels offizieller ÖFB-Verabschiedung mit zwei Facebook-Videos "Auf Wiedersehen" sagte, ist Foda in sozialen Netzwerken gar nicht aktiv und schließt dies für sich selbst auch kategorisch aus.

Sein Zugang: "Mit Facebook, Twitter, Instagram oder mit den ganzen Internet-Geschichten und was dort oft über Trainer geschrieben wird, befasse ich mich nicht, weil das für mich Energieräuber sind - gerade wenn es nicht so läuft. Insofern lese ich wenig bis gar nichts bis auf zwei Zeitungen, für die ich jetzt aber keine Werbung betreiben will. Es ist zwar modern, aber man muss ja nicht immer mit dem Modernen mitgehen. Man kann trotzdem andere Entscheidungen treffen und für mich ist es einfach kein Thema."

Foda lacht über "Lord Franggo"

Dabei ist Foda sehr wohl auf Facebook präsent, wenngleich eher unfreiwillig. Die Satire-Seite "Lord Franggo" setzt sich auf humoristische Art und Weise mit den Foda nachgesagten Schwächen auseinander.

Ein Projekt, das dem "echten Franco" durchaus bekannt ist. "Jaaaa, das kenne ich, aber nur durch meine Kinder", muss er schmunzeln und bejaht auch die Frage, ob er darüber lachen könne:

"Ich kann bei so Leuten nur lachen, wenn ich ehrlich bin. Meine Kinder haben mir das immer gezeigt, sonst hätte ich es nie erfahren. Da gibt es immer schöne Fotos. Er muss viel Zeit haben, denn wie man sieht, macht er schöne Bilder."

Auch "Lord Franggo" kommt bisweilen nicht umhin, sich über das kolportierte Naheverhältnis von Foda zu manchen Vertretern von "Steirerkrone" und der "Kleinen Zeitung" lustig zu machen - und bei diesen beiden Blättern handelt es sich mutmaßlich auch um oben erwähnte Standard-Lektüre.

Medien haben "gar keinen Einfluss" auf Fodas Arbeit

Nähern wir uns Fodas Medienpolitik mit der Frage, wie viel Einfluss Medien überhaupt auf seine Arbeit haben. Dies ist für ihn nämlich leicht beantwortet:

"Das nimmt auf meine Arbeit gar keinen Einfluss, weil ich so arbeite, wie ich glaube und wovon ich überzeugt bin. Ich habe meinen Plan und meine Idee, wie wir spielen wollen. Ich weiß, wie ich mit den Spielern umgehen muss, und das ist unabhängig davon, was die Medien schreiben."

Diese konsequente Herangehensweise ist tendenziell kein Fehler, schließlich muss auch nur einer für die Entscheidungen eines Teamchefs den Kopf hinhalten, und zwar der Teamchef selbst.

Das Spiel mit den Medien zu beherrschen ist aber gerade in diesem Job kein Nachteil. Das Nationalteam ist, wie der Name schon sagt, eine nationale und somit hochemotionale Angelegenheit. Die Floskel mit den "acht Millionen Teamchefs" gibt es nicht umsonst - die Medien diverser Genres sind es, die die Informations-Brücke zwischen ÖFB-Team und diesen acht Millionen Teamchefs darstellen.

Gleichbehandlung wie unter Koller?

Die Behauptung, dass Medien Stimmungen beeinflussen können, ist nicht gerade Breaking-News-verdächtig. Genausowenig, wie dass es auch unter Medien Konkurrenzdenken gibt und Eitelkeiten nicht fremd sind.

Koller verfolgte in der Medienarbeit in allererster Linie eine Strategie: Alle gleich behandeln - egal wie groß, klein oder mächtig ein Medium auch sein mag. Die Vermutung, dass dies mit den Verhaberungs-Vorwürfen, denen so mancher seiner Vorgänger ausgesetzt war, zu tun gehabt hat, liegt nahe. Andererseits ging er damit auch das Risiko ein, dass so mancher großer Player mangels zuvor gewohnter "Extrawürste" beleidigt sein könnte.

Worauf legt Foda in diesem Zusammenhang wert? "Ich versuche, so weit es mir möglich ist, jedem Interviews zu geben und alle Fragen zu beantworten, wenn ich sie beantworten kann. Ich habe auch kein Problem, wenn mich Leute anrufen, ich rufe auch zurück. Für mich ist jedoch wichtig, dass es auf vertraulicher Ebene abläuft, weiß aber, dass es nicht immer funktionieren kann. Auf der einen Seite steht der Trainer, auf der anderen die Medien. Medien müssen etwas schreiben, sie müssen auch kritisieren. Aber solange es respektvoll abläuft und nie persönlich wird, ist das für mich überhaupt kein Problem."

Fakt ist: Über den Erfolg der Teamchef-Ära des 51-Jährigen wird genau eines entscheiden, und zwar der sportliche Erfolg - und kein Medium.

Zu viel Nähe? "Welche Nähe?"

Es wird dennoch spannend zu beobachten, wie sich Foda schlägt, wenn er das Grazer Parkett verlassen und sich nun auf dem nationalen Medien-Terrain bewegen wird. Fest steht, dass er nun mit einem anderen Medienaufkommen konfrontiert sein wird.

Einen Unterschied würde dies für ihn jedoch nicht machen: "Klar, in Graz gibt es nur zwei Zeitungen. Aber in meinen Augen ist auch Sturm nicht nur in Graz publik, sondern es wird ja auch darüberhinaus geschrieben. Bei LAOLA1 wird ja auch sehr viel über diesen Verein geschrieben. Sturm ist ein Traditionsverein, der polarisiert und wo die Erwartungshaltung immer hoch ist. Für mich macht das keinen Unterschied. Natürlich muss ich jetzt ein paar Interviews mehr geben, es sind auch mehr Fernsehkameras da. Aber ich habe lange genug in Deutschland gespielt, insofern weiß ich, was dort abläuft. Das ist für mich keine Belastung und überhaupt kein Problem."

Dass der SK Sturm kein einfaches Pflaster ist, steht außer Frage. Man muss es Foda lassen, dass er sich in diesem für österreichische Fußball-Verhältnisse hochemotionalen Umfeld medial trittsicher bewegt. Der Vorwurf, dass dies dadurch begünstigt wird, weil er zu einzelnen Journalisten ein zu großes Naheverhältnis aufgebaut hat, ist jedoch seit Jahren sein treuer Begleiter.

"Welche Nähe?", kann Foda diesen Vorwurf nicht nachvollziehen und ordnet selbigen eher als zwangsläufige Folge der medialen Gegebenheiten in Graz ein: "Krone und Kleine sind jeden Tag bei uns, die sind jeden Tag präsent. Dann hast du doch logischerweise zu diesen Leuten eine andere Beziehung als zu anderen, das ist doch ganz normal. Das ist doch bei Ihnen auch so: Mit dem einen Freund werden Sie mehr Kontakt haben als mit dem anderen."

Der "Krone"-Kaffee

Objektiv gesehen ist es auch nicht Fodas Schuld, sollte ihn so mancher langjähriger Wegbegleiter medial verschonen. Angemessene Kritik zu üben ist immer noch die Aufgabe des Journalisten, genauso wie angemessene Distanz zu wahren.

Übertrieben angenehm ist dem gebürtigen Mainzer diese Thematik so gesehen auch nicht: "Soll ich mich rechtfertigen? Ich bin kein Mensch, der sich für irgendetwas rechtfertigt. Ich kenne die Vertreter von Krone und Kleine schon seit 20 Jahren, seit ich Spieler war. Und sie kritisieren uns auch, wenn es sein muss - vielleicht in einem anderen Rahmen, und das ist auch okay. Es war noch nie so, dass sie nicht kritisiert haben. Aber ich hatte das Glück, dass es Gott sei Dank bei mir immer so war, dass es relativ gut gelaufen ist in Graz, insofern hat man mit Kritik weniger umgehen müssen."

Gerade die "Krone" ließ Foda auch in seiner ersten Woche als Teamchef nicht los. Während sich Koller sechs Jahre lang solche Storys verkniffen hat, traf sich der Teamchef an Tag drei des Camps in Marbella zum exklusiven Kaffee - doppelseitig vom aus Graz bekannten Fotografen in Szene gesetzt - und sorgte damit für Irritationen.

Für Foda selbst handelte es sich dabei um die Einlösung eines Versprechens an den "Krone"-Journalisten und keineswegs um eine Bevorzugung der größten Zeitung des Landes: "Wenn Sie wollen, gehe ich mit Ihnen auch Bier trinken, das ist kein Problem für mich. Da bevorzuge ich keinen! Es war einfach so, dass ich das bei meiner Antritts-Pressekonferenz gesagt habe, nachdem er mir eine Frage gestellt hat. Wenn mir da jemand einen Vorwurf macht, belastet mich das nicht."

Foda weiß, wie die Dinge in Österreich funktionieren

Wie zahlreiche Spieler vertrauen auch immer mehr Trainer auf Medienberater und lassen sich coachen. Foda lehnt das Engagement eines Medienberaters indessen ab:

"Warum sollte ich das machen? Ich sage, was ich denke, und handle so, wie ich denke. Ich bin so! Und ich bin auch ein Mann der klaren Worte. Für mich ist das zehn Mal besser als welche, die irgendwo sitzen und hintenrum was anderes machen. Das ist halt mein Lebensmotto und so arbeite ich. Ich kann auch mit Kritik umgehen. Ihr Kollege hat mal geschrieben, mich würden die Plakate der Fans tangieren. Dabei hat es mich überhaupt nicht belastet. Null! Nicht eine Sekunde!"

Die Liebe des harten Kerns der Sturm-Fans zu Foda gilt als endenwollend. Besagte kritische Plakate gab es beim letzten Heimspiel der vergangenen Spielzeit - zum Abschluss einer eigentlich nicht unerfolgreichen Saison. Fans bekommen viele Eindrücke von Medien geliefert. Ob er diesbezüglich einen Zusammenhang sieht?

"Das kann ich nicht beurteilen. Aber ich kenne Österreich und weiß, wie die Sachen funktionieren. Es ist doch so: Graz ist ein familiärer Verein, jeder kennt jeden, es wird viel erzählt. Das ist normal. Ob das beim Nationalteam auch so ist, werde ich in naher Zukunft erfahren. Das wird davon abhängen, wie wir spielen, ob wir positive Ergebnisse haben. Dann wird man sehen, wie sich das entwickelt."

Fodas wichtige Erfahrung auf der "Gegenseite"

Wenn man die Geschichte von Foda und den Medien erzählt, darf man zum Abschluss ein Kapitel natürlich nicht auslassen. Er kennt nämlich auch die "Gegenseite". Nach dem Ende seiner Anstellung in Kaiserslautern heuerte er als Experte bei "Sky" an.

Eine Erfahrung, die er nach wie vor als wichtig einordnet: "Ich habe das nicht nur gemacht, um die andere Seite zu sehen, sondern ich wollte dort die Sichtweise eines Trainers vermitteln. Wie funktioniert ein Trainer? Warum macht er das? Warum denkt er so? Auf der anderen Seite war es auch für mich extrem wichtig: Warum sagen sie gewisse Sachen? Warum kritisieren sie? Oder warum sind sie manchmal zynisch? Es war wichtig und hat auch Spaß gemacht."

Ohne jeglichen Zynismus sei festgestellt: Zu wissen, wie Medien ticken, schadet sicher auch im neuen Job nicht.




Textquelle: © LAOLA1.at

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