ÖFB-Präsident? Heinz Palme sieht sich im Rennen

ÖFB-Präsident? Heinz Palme sieht sich im Rennen Foto: © GEPA
 

Es sind entscheidende Tage für Österreichs Fußball.

Ja, damit sind einerseits natürlich die laufenden Spiele des Nationalteams in der WM-Qualifikation gemeint.

Andererseits könnte dieser Tage entschieden werden, wer im ÖFB in den kommenden Jahren als Präsident den Ton angeben wird – und dies hat bekanntlich durchaus einen Einfluss auf die mittelfristige Zukunft des rot-weiß-roten Fußballs.

Am Montag steht die nächste Wahlausschuss-Sitzung auf dem Programm. Ob in selbiger bereits final die Weichen für die offizielle Kür des Nachfolgers von Leo Windtner gestellt werden, wird sich weisen. Wenige Tage vor dem Meeting ist der Kreis der Kandidaten noch ein wenig unübersichtlich.

Palme sieht sich nicht aus dem Rennen

Unternehmer Roland Schmid wäre ein externer Kandidat, der den ÖFB mit frischem Wind beleben könnte. Mit Burgenlands Landespräsident Gerhard Milletich peilt einer der amtierenden „Landesfürsten“ das Windtner-Erbe an. Am Freitag stieg laut Medienberichten auch Ex-Rapid-Präsident Michael Krammer ins Rennen ein. An Gerüchten über weitere potenzielle Interessenten mangelt es nicht.

Ebenfalls gehandelt, aber laut Medienberichten aus dem Rennen sein soll Heinz Palme.

Nachdem er zuletzt geschwiegen hat, widerspricht der 63-Jährige auf LAOLA1-Nachfrage nun dieser Darstellung und sieht sich durchaus als einen möglichen Anwärter als Kandidat.

„Ich habe vor vier Wochen, als es plötzlich keinen Kandidaten gab, erklärt, dass ich bei Bedarf zur Verfügung stehen würde. Und ich bin bereit dafür, weil ich überzeugt bin, dass ich in meinem Entwicklungsprozess mit 43 Jahren Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen an dem Punkt bin, dass man mir wenig vormachen kann und ich sicherlich auch die Stärke hätte, den ÖFB zu gestalten“, betont Palme, „eine Bewertung und Entscheidung obliegt aber selbstverständlich ausschließlich dem Wahlausschuss.“

Intern wie extern

Der Steirer wäre quasi interner und externer Kandidat in einem. Die erste Hälfte seines Berufslebens verbrachte Palme von 1978 bis 2000 in verschiedenen Funktionen beim ÖFB, ehe er sich selbständig machte, aber dabei zumeist dem runden Leder treu blieb.

Ebenjenes Berufsleben soll auch dazu geführt haben, dass er nicht in Betracht gezogen wird.

Eine Darstellung, mit der Palme wenig anfangen kann.

„Wenn ich eine Funktion antrete, trete ich sie in vollem Bewusstsein an, was das bedeutet“, meint er und stellt klar, dass er schon bei früheren beruflichen Stationen offenlegen musste, welche Firmen er führe oder an welchen Gesellschaften er beteiligt sei.

Zumindest auf die Shortlist

„Keiner von uns ist Pensionist, jeder ist auf seine Art Unternehmer“, sagt Palme und stellt klar, dass man sich genau anschauen müsse, was man im Fall einer Wahl ruhen lassen müsse. Unvereinbarkeiten würden jedenfalls keine drohen:

„Und wenn es diesbezüglich Bedenken gibt, muss man darüber reden und sollte nicht einfach sagen, gewisse Dinge sind unvereinbar. Deswegen habe ich auch das Gespräch mit dem Wahlausschuss-Vorsitzenden Wolfgang Bartosch gesucht und dabei auch gesagt, dass ich damit rechne, auf auf die Shortlist zu kommen, wenn es eine geben sollte. Diese Wertschätzung würde ich mir erwarten, schließlich habe ich eine Menge für den ÖFB und den österreichischen Fußball geleistet.“

Nachsatz: „Mehr muss es vorerst nicht sein – ob ich gewählt werde oder nicht, ist ein anderes Kapitel. Wobei ich schon glaube, wenn ich einmal auf die Shortlist komme und mich präsentieren kann, dass ich Stimmen gewinnen kann, die man vielleicht nicht vermutet.“

Da nach aktuellem Stand der Dinge nicht definitiv davon ausgegangen werden kann, dass sich der Ausschuss am Montag auf einen Kandidaten einigt, soll ebenjene Shortlist an Kandidaten erstellt werden, sie sich am 11. September in einem Hearing präsentieren dürfen.

Diverse Stationen im ÖFB

Und zumindest diese Chance hätte Palme gerne.

„Es kann sein, dass man sagt, der ist politisch nicht engagiert. Aber das war immer meine Ausrichtung. Mir ist es bei meinen Tätigkeiten im ÖFB beziehungsweise später im In- und Ausland immer um den Fußball gegangen“, betont Palme.

Im ÖFB startete er im Nachwuchs, war für die Medienarbeit zuständig, übernahm das Management der Nationalmannschaft und schließlich die Bewerbung für die EURO 2004, die die Grundlage für jene 2008 schuf.

„Von 43 Berufsjahren habe ich die Hälfte beim ÖFB verbracht. Dann habe ich entschieden, ich muss mich weiterentwickeln“, erzählt Palme.

Im Amateurfußball Fuß gefasst

Palme mit seinen "Mentoren" Mauhart und Beckenbauer
Foto: © GEPA

Es folgten Stationen im In- und Ausland wie beim DFB (Chefkoordinator WM 2006) oder bei der WM 2010 in Südafrika, in Österreich war Palme unter anderem Chefkoordinator der Bundesregierung bei der Heim-EURO 2008 und Geschäftsführer von „Österreich am Ball“.

Beim Wiener Sportclub habe er sich auch im Amateurfußball engagiert, was im ÖFB ja alles andere als ein unwichtiger Bereich ist.

Der Gedanke einer etwaigen ÖFB-Rückkehr ist kein lange gereifter. Bis Anfang August ging wie viele Beobachter auch Palme davon aus, dass Kurt Svoboda neuer ÖFB-Präsident wird. Nachdem das Vorstandsmitglied der UNIQA absagte, begann die Suche nach geeigneten Kandidaten.

Vorbehaltlos, bedingungslos

Diese Suche führte auch zu einem Gespräch zwischen Bartosch und Palme.

„Ich habe ihm gesagt, ich stehe zur Verfügung – vorbehaltlos, bedingungslos. Das heißt klarerweise ohne irgendeinen Anspruch, bezahlter Präsident werden zu wollen, weil das ohnehin nicht geht.“

Das von Beginn des Prozesses an formulierte Ziel von Bartosch war es, dass der ÖFB kein Chaos bei der Suche nach einem neuen Präsidenten erleben werde wie der ÖSV, als es um das Erbe von Peter Schröcksnadel ging.

Inwiefern die offenkundig durchaus unterschiedlichen Interessenlagen diverser Wahlausschuss- und ÖFB-Präsidiumsmitglieder unter einen Hut gebracht werden können, wird sich weisen. Inwiefern man seriöse Bewerber ablehnen möchte, ist eine der Fragen.

Palme: „An Erfahrung, Wissen und dem Erfolgsnachweis sollte es bei mir nicht mangeln, um in die engere Auswahl zu kommen – was vor dem 6. August kein Thema war, sollte jetzt möglich sein.“

Wobei das letzte Wort ja noch nicht gesprochen ist. Die Chance, zum Hearing eingeladen zu werden, lebt zumindest bis Montag.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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