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Senft über SVR-Spielweise: "Werde mich nicht dafür entschuldigen"

Die "Wikinger" erreichten mit ihrem durchaus unkonventionellen Stil beinahe das Cup-Finale. "Das hat mit Fußball wenig zu tun", sagt Kühbauer, Senft wehrt sich:

Senft über SVR-Spielweise: "Werde mich nicht dafür entschuldigen" Foto: © GEPA

Als "grenzwertig" bezeichnete WSG-Tirol-Kapitän Valentino Müller den Spielstil der SV Ried vor wenigen Wochen, LASK-Coach Dietmar Kühbauer findet am Mittwoch gar: "Das hat mit Fußball wenig zu tun."

Die unkonventionelle Art und Weise, auf die die "Wikinger" zurzeit - recht erfolgreich - ihre Spiele bestreiten, sorgt in Fußball-Österreich momentan für viele Diskussionen.

Diese wurden nicht zuletzt vom zweiten Halbfinale des UNIQA ÖFB-Cups befeuert. In diesem unterlagen die Rieder dem LASK zwar durchaus unglücklich mit 1:2 nach Verlängerung (Spielbericht>>>), zeigten dabei allerdings einmal mehr mit ihren Stärken bei ruhenden Bällen auf.

37 (meist weite) Einwürfe, 16 Eckbälle, vier Freistöße - fast alle Standards, die die "Wikinger" an diesem Abend ausführten, brachten eine gewisse Gefahr für das Linzer Tor ein.

"Wir kitzeln alles raus, was es gibt"

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In manchen Spielen berührt Nikki Havenaar den Ball öfter mit dem Kopf als mit dem Fuß, munkeln böse Zungen
Foto: ©GEPA

Selbst die Abstöße hat das Trainerteam rund um SVR-Coach Max Senft perfektioniert. Bei weiten Abschlägen von Tormann Andreas Leitner rückt der 1,98 Meter große Nikki Havenaar, der sowieso so gut wie immer das Ziel von hohen Bällen ist, aus der Innenverteidigung in die Sturmspitze auf, um dort für seine Mitspieler weiterzuleiten.

"Wir kitzeln alles raus, was es gibt, unter anderem gehören dazu Standards. Hier haben wir einfach viel Zeit investiert und haben vor allem Spieler, deren Stärken dort liegen", so Senft. Für den Versuch, diese Stärken bestmöglich einzubringen, "werde ich mich sicher nicht entschuldigen", erklärt der Wiener.

Er hält fest: "Wir sind in so einem Spiel natürlich der Underdog. Wenn du glaubst, du kannst als Underdog mit den selben Waffen wie der Gegner spielen, wird es oft negativ ausgehen."

Ähnliche Diskussion bei Arsenal

Ähnlicher Kritik wie Senft sah sich zuletzt Arsenal-Trainer Mikel Arteta ausgesetzt, der ebenso großen Wert auf Standards legt. Der Fußball entwickle sich nunmal in eine Richtung, in der Standards immer wichtiger werden, so der Spanier vor rund zwei Wochen sinngemäß.

"Er wird ein anderes Spiel werden, wenn wir die Regeln nicht ändern", prophezeite Arteta.

Tatsächlich hat die IFAB (International Football Association Board) erst Ende Februar neue Regeln für unter anderem Einwürfe und Abstöße angekündigt: Künftig dürfen diese maximal fünf Sekunden in Anspruch nehmen, sonst wandert der Ball zum Gegner.

"Die Regel haben's für die Rieder gemacht."

Dietmar Kühbauer über die ab 2026/27 greifende Countdown-Regel bei Einwürfen und Abstößen

"Die Regel haben's für die Rieder gemacht", mutmaßt Kühbauer am Mittwoch.

Senft dazu: "Wir bewegen uns im Rahmen der Regeln, die es aktuell gibt. Nächstes Jahr wird es zum Thema Outeinwurf und Abstoß andere Regeln geben, da werden wir uns dann andere Lösungen überlegen."

Strittige Schiedsrichter-Entscheidungen erzürnen Fiala

Fast hätte die Rieder Standard-Stärke für die fünfte Cup-Final-Teilnahme der Klubgeschichte gereicht. "Die bessere Mannschaft hat heute sicher nicht gewonnen, aber das ist in einem Cup-Halbfinale auch egal, am Ende geht es um das Weiterkommen", knirscht SVR-Sportchef Wolfgang Fiala.

Der auch mit der ein oder anderen Entscheidung von Schiedsrichter Sebastian Gishamer hadert.

So ließen zwei aberkannte Rieder Tore, jeweils freilich nach einem Freistoß, sowie eine ausgebliebene Gelb-Rote-Karte gegen LASK-Angreifer Moses Usor, der vorbelastet einen Ball wegschlug sowie kurz darauf ein taktisches Foul beging, die Wogen bei den Innviertlern hochgehen.

"Aus meiner Sicht ist mindestens ein Tor aberkannt worden, das regulär war, und ein LASK-Spieler hätte mit Gelb-Rot vom Platz gehen müssen", so Fiala. Dennoch betont er: "Wir können massiv stolz auf unsere Leistung sein, wir waren die klar bessere Mannschaft.

"Eine der besten Leistungen der gesamten Saison"

Ähnlich sieht das auch Senft, er spricht von "insgesamt sicherlich eine der besten Leistungen der gesamten Saison".

Er schwärmt: "Ich bin sehr enttäuscht, aber auch wirklich stolz und dankbar, mit dieser Mannschaft arbeiten zu dürfen, weil man sieht, wie sie ihr Potenzial ausschöpfen kann."

Und dieses Potenzial liegt zu einem großen Teil eben in den Standards. Wie sehr die Rieder deren Ausführung jedes einzelne Mal zelebrieren, kann einerseits für den neutralen Zuseher ermüdend sein, ist bis zu einem gewissen Grad aber auch durchaus beeindruckend.

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