Salzburg: Die Marsch-Richtung stimmt

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Der nächste Titel für Red Bull Salzburg: Die Mozartstädter fertigten Austria Lustenau im Cup-Finale 5:0 ab (Spielbericht >>>) und holten sich damit den sechsten Cup-Titel in acht Jahren. Für den Bundesliga-Re-Start sieht sich der amtierende Meister gut gerüstet.

Mit dem Heimschlager gegen Rapid Wien wird der Liga-Endspurt eingeläutet. Mit ein Grund warum für große Feierlichkeiten nach dem Cup-Triumph keine Zeit war. "Es ist wichtig für unser Selbstvertrauen, zu wissen, dass wir eine Trophäe in unserem Besitz haben. Das gibt uns Kraft für die letzten zehn Spiele", blickte Salzburg-Trainer Jesse Marsch voraus.

Auch Kapitän Andreas Ulmer ist vor den anstehenden englischen Wochen guter Dinge: "Die Richtung stimmt natürlich. Wir werden auch in den kommenden Spielen versuchen, wieder hohes Tempo zu gehen."

Durch den Sechs-Punkte-Abzug des LASK gehen die laut Marsch noch nicht in Topform befindlichen "Bullen" als Leader in die Partie, den Dritten aus Wien könnten sie mit einem Sieg schon um sieben Zähler abhängen.

"Rapid hat eine gute Mannschaft, wir müssen für noch einen Kampf bereit sein", wusste Marsch. Sein Team hat auch den Vorteil, erste Geisterspiel-Erfahrungen schon hinter sich gebracht zu haben. "Es war schon komisch ohne Fans und Zuschauer", gab der Salzburg-Coach zu. Das werde sich hoffentlich bald wieder ändern: "Ich hoffe, dass wir bald nicht mehr so viele Masken und Abstand sehen und den Fußball wieder richtig genießen können."

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Eigenwillige Pokalfeier

"Die Mentalität war sehr gut", so Marsch. Damit bezog er sich aber nicht nur auf das Cup-Finale. In der mehr als zweieinhalbmonatigen Spielpause hatten sich Kapitän Andreas Ulmer und Co. vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining vor zwei Wochen zuerst in Eigenregie zu Hause und dann in Kleingruppentrainings fithalten müssen. "Ich muss ihnen ein großes Kompliment aussprechen, sie haben da wirklich sehr gut gearbeitet", lobte Marsch.

Gejubelt wurde danach auf dem Platz verhalten und größtenteils mit Abstand, wie es die Organisatoren erhofft hatten. "Normalerweise würden wir jetzt die ganze Zeit umherspringen und mit den anderen feiern. Aber schade - darf man nicht. Trotzdem haben wir einen Pokal geholt", schilderte Szoboszlai seine Sicht. Darüber freute sich auch Routinier Zlatko Junuzovic: "Ich glaube, dass wir auch gezeigt haben, dass wir bereit sind, auch in solchen Situationen Gas zu geben."

Die fehlende Kulisse konnte von den Mozartstädtern also gut ausgeblendet werden. Bis zum Beginn der Feierlichkeiten jedenfalls. "Da wäre es schon schön gewesen, wenn Fans aus Salzburg da gewesen wären", gab Ulmer zu. Der 34-Jährige war Kadermitglied bei allen sieben bisherigen Cup-Titeln und jubelte zudem neun Mal über den Meistertitel. "Der Titel ist trotzdem sehr besonders. Es war schon ein starker Weg bis ins Finale und da haben wir uns den Titel nicht mehr nehmen lassen", verlautete der Linksverteidiger.

Sensation nicht gelungen

Die Hoffnungen auf eine Sensation und damit Europacup-Teilnahme haben sich für Austria Lustenau nicht erfüllt. Trotzdem zog der Zweitligist eine positive Cup-Saisonbilanz und die Endspiel-Teilnahme soll nur der Anfang von vielen Highlights in der Zukunft sein.

"Natürlich hätten wir uns besser verkaufen wollen. Das ist uns aber nicht gelungen. Wir sind ganz einfach an unsere Grenzen gestoßen, das Ergebnis geht auch in dieser Höhe in Ordnung", analysierte Lustenau-Trainer Roman Mählich. Bitter war für sein Team der Salzburger Doppelschlag in der 19. und 21. Minute nach mutigem Beginn. "Da haben wir es dem Gegner sehr leicht gemacht, zum Torerfolg zu kommen", ärgerte sich der Ex-Sturm-Graz-Coach.

Mitbeteiligt war auch der 21-jährige Goalie Florian Eres, der bei seinem Debüt im Lustenau-Dress haltbare Gegentreffer hinnehmen musste. Kritik musste sich der Ersatzmann des gesperrten Domenik Schierl aber keine anhören. "Wenn man ein Spiel verliert, ist man logischerweise auch enttäuscht, meine Enttäuschung hält sich aber in Grenzen", sagte Mählich. Man müsse auch die Qualität des siebenfachen Cupsiegers anerkennen.

Den Spielern fiel das schwerer. "Im ersten Moment ist die Enttäuschung schon riesengroß, aber die Klasse von Salzburg war einfach zu groß", meinte Innenverteidiger Sebastian Feyrer. Immerhin ging die Torjägerkrone an die Lustenauer, Ronivaldo behielt mit sieben Treffern die Oberhand. "Wir haben gewusst, dass Salzburg großer Favorit ist. Verlieren ist schade, aber so ist Fußball. Es war trotzdem eine tolle Saison", verlautete der 31-jährige Brasilianer.

Nach 2011 (0:2 gegen Ried) gelang zum zweiten Mal der Cup-Finaleinzug. Mit WSG Tirol wurde auf dem Weg dorthin auch ein Bundesligist ausgeschaltet. "Es war für uns ein Riesenerfolg, dass wir so weit gekommen sind. Das kann uns keiner nehmen, das war große Klasse", zog Mählich ein positives Fazit. Viel Zeit bleibt nicht, um die Erlebnisse zu verarbeiten, steht doch am Samstag nach dem Ende der Corona-Pause der erste Ligaauftritt beim GAK an. "Für uns ist es jetzt wichtig, den Sprung vom großen Saisonhighlight auf den Alltag zu schaffen", so Feyrer.

Die Liga hat allerdings heuer keine große Bedeutung. Absteiger gibt es keine, der Aufstiegszug ist für den Siebenten abgefahren. "Wir waren die letzten Jahre fast immer unter den ersten drei, das ist schon ein sportliches Ziel", gab Sport-Vorstand Bernd Bösch die Marschroute vor. Zuvor gilt es noch die eine oder andere Vertragssituation aufgrund der bis 31. Juli verlängerten Saison zu klären. Diese Thematik hatte man wegen dem Cup hintenangestellt.

Aufstieg im nächsten Jahr das Ziel

Kommende Saison wollen die Vorarlberger ganz vorne mitspielen. Die Rückkehr in die Bundesliga, in der man von 1997 bis 2000 vertreten war, soll nicht mehr lange auf sich warten lassen. "Die 2. Liga ist wirtschaftlich eine schwierige, also ist es für den Verein das Ziel so schnell als möglich nach oben zu kommen und dann auch oben zu bleiben", erläuterte Bösch. Mit dieser Zielsetzung stehe man aber nicht alleine da. Auch deshalb will man nicht von einem Muss-Aufstieg 2020/21 sprechen. "Wir müssen nicht unnötig Druck aufbauen", betonte Bösch.

Sein Klub steckt seit 20 Jahren in der zweithöchsten Spielklasse fest und hat wirtschaftliche Probleme stets gemeistert. "Der Verein hat gezeigt, dass er sich über eine lange Zeit im Profifußball halten kann und jetzt haben wir die Ambition, zu zeigen, dass wir uns auch in der 1. Liga halten können", gab Bösch Einblick.

Die Austria habe auch ein starkes Umfeld. "Darum glaube ich auch, dass wir das Potenzial haben, das zu schaffen", blickte der Vorarlberger optimistisch in die Zukunft. Finanzielle Experimente werde es keine geben. "Es ist unser Ziel finanziell gut abgesichert und auch mit der nötigen Vereinsstruktur aufzusteigen", erläuterte Bösch. Als Vorbild dient auch der SCR Altach.

Richten soll es größtenteils der aktuelle Kader, ein großer Umbruch ist nicht vorgesehen. Eine zentrale Rolle soll Ronivaldo spielen. Der Topstürmer hat aber nur bis zum Saisonende einen Vertrag. "Wenn wirklich ein Angebot kommt, das finanziell so lukrativ ist, dass er woanders ein Mehrfaches verdient, dann werden wir ihn nicht halten können, aber wir wissen auch, dass er sehr gerne in Lustenau ist, weil er hier sehr verankert ist", schilderte Bösch.

Auf die höchste Spielklasse ausgerichtet ist auch das ambitionierte Stadionumbauprojekt. Trotz Corona laufe die Planung weiter, man sei dabei die Einreichplanung zu machen. "Ideal wäre es, wenn nächstes Jahr erste Baumaßnahmen gesetzt werden könnten und wir die große Etappe einmal im Jahr 2022 fertigstellen können", gab Bösch Einblick. Bezüglich der Finanzierung des mehr als 17 Millionen Euro teuren Projekts sei man auch bestrebt, eine gute Lösung mit externen Partnern zu finden.

Textquelle: © LAOLA1/APA

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