Kühbauer erklärt Provokation
War eine solche Provokation notwendig, Herr Kühbauer?
"Muss ich angeschüttet werden? Habe ich was falsch gemacht? Habe ich das 2:1 geschossen? War ich am Feld?", antwortet der auf der Pressekonferenz nach dem Spiel noch äußerst aufgebrachte, nach vielen Bierduschen noch nasse Burgenländer mit gleich mehreren Gegenfragen.
Unmittelbar nach seinen absolvierten Medienterminen betrat Kühbauer nochmals das Feld der BWT Oberösterreichische Arena und richtete erneut provokante Worte an einen Teil der noch verbliebenen Heimfans.
Eklat zeichnete sich seit Wochen ab
Es war der Höhe- und gleichzeitig der vorläufige Schlusspunkt von äußerst emotionalen Derby-Wochen. Kühbauer fordert: "Ich will schon, dass die gesamte Chronologie festgehalten wird."
Begonnen hat alles in den Tagen vor dem ursprünglich angesetzten Halbfinal-Termin vor zwei Wochen, damals verhinderte bekanntlich dichter Nebel eine Spieldurchführung.
SV-Ried-Coach Max Senft warf dem LASK damals Trainingsspionage vor. "Es ist aufgekommen, dass unser Teammanager auf der Laufbahn von Ried gelaufen sein soll. Ich bin bald 20 Jahre Profitrainer, in dieser Zeit habe ich noch nie einen meiner Mitarbeiter auf einen anderen Platz geschickt. Ich finde das nicht in Ordnung, wenn es einer macht", so Kühbauer.
Zur ungefähr gleichen Zeit gelangte ein Video von SVR-Präsident Thomas Gahleitner an die Öffentlichkeit, in dem dieser im Rieder VIP-Klub einen LASK-Schal anzündet. "Das war sinnbefreit vom Präsidenten", sagt der LASK-Trainer dazu.
Kühbauer: "Du kommst her und bist immer der Feind"
Als vor zwei Wochen die Partie in Ried wegen Nebels nicht angepfiffen wurde, "ist die nächste Geschichte aufgekommen, dass der berühmte 'DK' (Dietmar Kühbauer, Anm.) die Spielabsage eingeleitet hat. Ich habe zu Schiri Gishamer nur gesagt, dass es nicht machbar ist, auch für die Schiris nicht. Aber auch, dass wir Passagiere sind, und wenn angepfiffen wird, wir da sein werden", schildert Kühbauer seine Sicht der Dinge.
Er findet: "Ich will nicht Hass in den Mund nehmen, aber es fühlt sich hier (in Ried, Anm.) so an. Du kommst her und bist immer der Feind, du wirst teilweise mit Beleidigungen überhäuft, die in Österreich sowieso Überhand nehmen."
Ähnliches berichtet auch LASK-Stürmer Sasa Kalajdzic, der sich während des Spiels zu einem provokanten Griff an sein Ohr Richtung der ihn beschimpfenden Rieder Fans hinreißen ließ. "Ich bin normalerweise keiner, der provoziert, das mache ich nicht gerne. Aber heute war so ein Tag, wo wirklich übertrieben wurde. Manche Dinge sind unter der Gürtellinie gewesen", so der ÖFB-Teamspieler.
Das sagen die Rieder
"In diesem Moment, wenn man so ein Spiel gewinnt, zeigt sich, wie man wirklich ist."
Die Rieder haben im Gegenzug freilich wenig Positives über das Verhalten der Linzer Gäste zu sagen. "In diesem Moment, wenn man so ein Spiel gewinnt, zeigt sich, wie man wirklich ist. Das hat heute jeder im Stadion gesehen", richtet Fiala Kühbauer aus.
Torhüter Leitner, der ebenfalls deeskalierend auf die eigenen Fans einwirkte, erklärt: "Jeder muss wissen, wie er sich gibt. Wenn man sich dann beschwert, dass Kritik, dass Unmut von den Fans kommt, muss man leiser treten."
Zu Kühbauer persönlich, "braucht man nichts sagen, man kennt ihn".
Verweigerter Handshake! "Habe ich noch nie erlebt"
Ein weiterer Aufreger des Derbys war der vonseiten Kühbauers verweigerte Handshake mit Ried-Coach Senft.
"Ich handhabe jedes Spiel gleich. Wenn wir der Verlierer sind, ist einer meiner ersten Wege zum gegnerischen Trainer für den Handshake. So habe ich es gelernt bekommen, so machen es eigentlich alle. Ich habe weder in Österreich noch während meiner Zeit in England, wo es zwischen den Trainerbänken oft noch hitziger zugeht, erlebt, dass ein Handshake verweigert wird", so der SVR-Trainer schulterzuckend.
Kühbauer erklärt sein Verhalten gegenüber Senft damit, dass er "schockiert" sei, wie sich der Jungtrainer an der Seitenlinie gibt: "Wie der Senft sich über 90 Minuten auf der Bank präsentiert und zwar jede Woche, und dann auch noch seine Spieler zur Rudelbildung (Senft sah dafür Gelb, Anm.) auffordert..."
Er werde Senft nie mehr die Hand geben, "da gibt's kein Zurück mehr. Ich wünsche ihm das Allerbeste, aber im Finale sind wir", sagt Kühbauer und schnalzt süffisant mit der Zunge.