So legt sich Infantino die FIFA-Regeln zurecht

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Football Leaks ist zurück! Nachdem zunächst öffentlich wird, dass 16 europäische Top-Klubs die Gründung einer Superliga anstreben (Alle Infos), wird jetzt über die dunklen Machenschaften von FIFA-Präsident Gianni Infantino berichtet.

Wie "Der Spiegel" meldet, soll Infantino persönlichen Einfluss auf die Aufweichung des FIFA-Ethik-Codes genommen haben. Zudem soll er, als UEFA-Generalsekretär, mit den Scheichklubs Manchester City und Paris Saint-Germain paktiert haben.

Die FIFA hatte die umstrittene Novelle ihrer Ethikregeln im August vorgestellt und harsche Kritik dafür geerntet.

"Verstoß gegen die Statuten der FIFA"

"Demnach schickte der Chefrichter der Ethikkommission, der Grieche Vassilios Skouris, am 21. Dezember 2017 den Entwurf an Infantino mit der Bitte um Durchsicht. Er forderte Infantino auf, seine 'Anmerkungen' rechtzeitig zu schicken, 'damit ich sie im endgültigen Text einbauen kann'", schreibt der Spiegel.

Infantino habe daraufhin eine ganze Reihe von Korrekturvorschlägen gemacht, die zum Teil in die Endfassung einflossen, etwa dass Voruntersuchungen gegen mutmaßlich korrupte Funktionäre nur noch unter Zustimmung der FIFA-Chefermittlerin eingeleitet werden dürfen.

Der Deutsche Hans-Joachim Eckert, Vorgänger von Chefrichter Skouris, sieht sich durch die Enthüllung in seinen Vermutungen bestätigt und kritisiert Infantinos Verhalten: "Ich habe immer gesagt, der neue Ethik-Code ist Infantinos Werk - das ist der Beweis", betonte Eckert gegenüber dem "Spiegel". Infantinos Einmischung sei "ein klarer Verstoß gegen den Kodex und die Statuten der FIFA".

Die FIFA teilte dagegen mit, es sei "völlig unplausibel", dass sich Ethikrichter Skouris, früher Präsident des Europäischen Gerichtshofs, gegen seinen Willen zu einer Entscheidung drängen lasse.

Hilfe für Scheich-Klubs

Doch schon als UEFA-Generalsekretär soll Infantino im Jahr 2014 die Arbeit von verbandsinternen Kontrollgremien hintertrieben haben. Demnach habe Infantino den Scheich-Klubs Manchester City und Paris St. Germain zu sehr milden Sanktionen für ihre massiven Verstöße gegen die Regeln des Financial Fair Play (FFP) verholfen.

Diese Budgetregeln legten fest, dass das Defizit eines Clubs in den Spielzeiten von 2011 bis 2013 nur noch bei insgesamt 45 Millionen Euro liegen durfte.

UEFA-Ermittler und unabhängige Wirtschaftsprüfer bezifferten jedoch das über diese 45 Millionen Euro hinausgehende schuldhafte Defizit bei PSG auf 218 Millionen, bei ManCity auf 188 Millionen Euro.

Daraufhin drohte beiden Vereinen die empfindlichste Strafe: ein Ausschluss aus der Champions League. Sowohl die katarischen Eigentümer von PSG als auch die Besitzer von Manchester City, die aus Abu Dhabi kommen, versuchten das mit massivem Druck gegen die UEFA-Führung zu verhindern.

Streng geheime Deals

Aus den Unterlagen von Football Leaks geht hervor, dass sich Infantino "als Generalsekretär des ermittelnden Verbandes auf die Seite der Clubs schlug. Während der laufenden FFP-Verfahren traf sich Infantino mehrmals zu Geheimgesprächen mit den Clubbossen aus Paris und Manchester, fütterte sie mit vertraulichen Details und schlug Kompromisse vor, zu denen er nicht befugt war", heißt es in dem Bericht.

"Der Spiegel" zitiert dabei aus einer E-Mail vom 2. Mai 2014, in der Infantino dem Clubchef von Manchester City, Khaldoon Al-Mubarak, Vorschläge für einen Vergleich mit dem Verband, ein sogenanntes Settlement, skizziert habe.

"Du wirst sehen, dass ich manchmal einen Ausdruck gewählt habe, der etwas 'strenger' aussieht", schrieb Infantino, an der einen oder anderen Passage könne man durchaus noch feilen: Sein Appell deshalb: "Bitte lies das Dokument in genau diesem Geist." Selbstverständlich, fuhr Infantino fort, sei dieses Schreiben "nur zwischen uns", streng geheim also.

Präsident äußert sich nicht

Im Mai 2014 unterzeichneten beide Vereine dann Settlement Agreements mit der UEFA, die ihr Geschäft kaum beeinträchtigten. Wenige Tage zuvor war der schottische Wirtschaftsexperte Brian Quinn, der als Leiter der FFP-Untersuchungskommission das Verfahren gegen beide Clubs unabhängig von der UEFA-Führung hätte führen sollen, von seinem Amt zurückgetreten.

Er hatte die Vergleiche angesichts des Ausmaßes der Regelverstöße für zu milde erachtet. In den Jahren nach den Einigungen mit der UEFA haben PSG und Manchester City zusammen über eine Milliarde Euro für neue Spieler ausgegeben.

Infantino selbst gab vorerst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen ihn ab.

Textquelle: © LAOLA1.at

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