Moskaus Fußballklubs: Von KGB und Roter Armee

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Sowohl Meister Salzburg als auch der Wolfsberger AC treffen in der Gruppenphase der Champions League bzw. Europa League auf Klubs aus Moskau. Während Salzburg auf Lokomotive trifft, bekommt es der WAC mit ZSKA zu tun.

Neben den beiden Vereinen gibt es in der russischen Hauptstadt allerdings noch etliche weitere Vereine, die mit spannenden Anekdoten und interessanten Hintergründen aufwarten können.

LAOLA1 begibt sich auf einen Streifzug durch die Fußball-Landschaft der Zwölf-Millionen-Einwohner-Metropole.

Lokomotive Moskau

Der Salzburg-Gegner in der Champions-League-Gruppe A kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. 1923 wird der Klub unter dem Namen "KOR" gegründet und bietet die sportliche Heimat für die besten Fußballer der sowjetischen Eisenbahn aus dem Umkreis von Moskau.

1935 folgt dann die Umbenennung in Lokomotive Moskau, der Verein beheimatet aber weiterhin die "Bahn-Kicker". Der sportliche Erfolg ist überschaubar, Lok - so der Kurzname - ist zwar in den Anfangsjahren Dauergast in der höchsten Liga, tingelt aber nach einem Abstieg in den 1960er-Jahren auch eine Zeit lang in Liga zwei durch die Sowjetunion.

Unter Trainer Yuri Semin durchlebt Lok seine erfolgreichste Zeit. Ab 1986 ist Semin Coach und führt den Klub zu den ersten beiden Meistertiteln 2002 und 2004. Nach einer Pause wird Semin, der sogar kurze Zeit als Präsident fungiert, nochmals Trainer beim Eisenbahnerklub und ist als Übungsleiter auch für den dritten Meistertitel 2018 verantwortlich.

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Hauptsponsor von Lokomotive ist nach wie vor die staatliche Eisenbahngesellschaft RZD. Neben dem Stadion erinnert eine alte Dampflok des Typs L-3516 an die Ursprünge des Klubs.

Österreich-Bezug zum Salzburg-Gegner gibt es ebenfalls: Der Ex-Trainer und mittlerweile als "Sky"-Experte tätige Alfred Tatar steht zwischen 2007 und 2009 bei Lok als Co-Trainer unter Vertrag. Von 2008 bis 2010 ist auch der Wiener Gerhard Hitzel bei Lok als Nachwuchskoordinator tätig. Chef-Trainer ist damals Raschid Rahimow, der von 1995 bis 2000 bei Austria Wien kickte und später auch Trainer bei Admira Wacker war.

ZSKA Moskau

Der Europa-League-Gegner des WAC ist der älteste Klub aus Russlands Hauptstadt. Er wird 1911 als Klub der "Skisportfreunde" gegründet. Dieser Zusammenhang geht allerdings schnell verloren und in weiterer Folge wird der Verein als Team der Roten Armee geführt.

Bis zu den Olympischen Spielen 1952 gilt ZSKA als einer der erfolgreichsten Vereine der Sowjetunion. Weil bei Olympia der Großteil des Kaders aus ZSKA-Spielern besteht, diese aber gegen den sozialistischen Rivalen aus Jugoslawien verlieren und damit schon im Achtelfinale ausscheiden, ist Machthaber Josef Stalin so erbost, dass er den Verein kurzerhand auflösen lässt.

Eine nicht unwesentliche Rolle dabei dürfte auch der KGB-Chef und Ehrenpräsident des Erzrivalen Dinamo, Lawrenti Beria, gespielt haben, der die Auflösung des großen Kontrahenten mit vorantreibt.

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Nach dem Tod Stalins und Berias 1953 wird ZSKA wiedergegründet, kann aber lange nicht an die Erfolge von früher anschließen. Nach zwei Meistertiteln 1970 und 1991 erlebt der Armeeklub Anfang des 21. Jahrhunderts eine Renaissance.

Zwischen 2005 und 2016 holt der Verein fünf Meistertitel und gewinnt außerdem 2005 den UEFA-Cup.

Spartak Moskau

Das "Volksteam", wie Spartak in Russland auch genannt wird, ist der populärste Klub der Stadt. Im Gegensatz zu den anderen Vereinen Moskaus hatte oder hat Spartak keine Organisation oder einen einflussreichen Großsponsor im Hintergrund. Vielmehr gilt der Klub schon in der Sowjetunion als Verein der Opposition, was zweifelsohne mit dem Namen Starostin zu tun hat.

Nikolai Starostin ist als Mitgründer, Ex-Kapitän und Präsident unweigerlich mit dem Klub verbunden und auch seine drei Brüder sind als Spieler und Funktionäre für Spartak aktiv. Schon bei der Gründung 1922 ist Nikolai beteiligt und die Namensänderung 1936 soll auf seinen Vorschlag hin passiert sein. Die Unabhängigkeit seines Vereins sicher zu stellen, war für Starostin die oberste Prämisse. Doch sein Vorschlag die Spitzenvereine nach westlichem Vorbild zu professionalisieren, wird von der sozialistischen Partei abgelehnt.

Inoffiziell werden aber vor allem die Spieler der von staatlichen Organisationen unterstützten Vereine reich entlohnt und zählen zu den am besten verdienenden Einwohnern der Sowjetunion.

Spartak, das weiterhin halbwegs unabhängig von der Politik agiert, gilt als volksnah und als Alternative zur staatstreuen Konkurrenz. Den Verein zu unterstützen, wird auch als Zeichen oppositioneller Gesinnung gedeutet. Der in der Partei umstrittene Starostin wird auch deshalb 1942 mit seinen Brüdern in den Gulag nach Sibirien geschickt.

1953 kommt er nach dem Tod Stalins wieder frei und übernimmt das Präsidentenamt bei "seinem" Spartak. Bis auf kurze Unterbrechungen übt er dieses 40 Jahre aus. Für Spartak bleibt Starostin bis heute unvergessen, im Stadion steht zum Gedenken eine Statue von ihm und seinen Brüdern.

Sportlich gilt Spartak Moskau als erfolgreichste Mannschaft Russlands. Zwölf sowjetischen Meistertiteln folgen zehn russische, der letzte davon im Jahr 2017.

Und auch Rot-Weiß-Rot-Bezug gibt es zum Klub: Die Ex-ÖFB-Internationalen Martin Stranzl und Emanuel Pogatetz sind beide mehrere Jahre für Spartak im Einsatz und der langjährige Österreich-Legionär und heutige Russland-Teamchef Stanislaw Tschertschessow ist als Spieler und Trainer für den Verein aktiv.

Dinamo Moskau

In der Sowjetunion gilt Dinamo als das Gegenstück zum "Volksteam" Spartak. Dinamo ist dem KGB unterstellt und gilt als Klub des Staatsapparats. Zu Zeiten der UdSSR feiert der Verein seine größten Erfolge und wird elf Mal sowjetischer Meister.

Das damals beste Team des Landes darf nach Ende des zweiten Weltkriegs sogar als erste sowjetische Mannschaft in Westeuropa antreten und absolviert Freundschaftsspiele gegen Chelsea, Arsenal und die Glasgow Rangers.

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Wenige Jahre später bringt der Klub des Geheimdienstes den wohl berühmtesten sowjetischen Fußballer hervor: Lew Jaschin. Bis heute ist er der einzige Torwart, der den Ballon d’Or gewinnen kann zudem wir er unter anderem von der FIFA als Torwart des 20. Jahrhunderts ausgezeichnet.

Für Dinamo ist nach Jaschins Karriereende die sportliche Glanzzeit vorbei, 1976 kann man letztmals den Meistertitel bejubeln. Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist Dinamo zwar Gründungsmitglied der obersten Liga, schließt aber nicht mehr an frühere Höchstleistungen an.

Auch ein ÖFB-Legionär wagt vor nicht allzu langer Zeit den Sprung zu Dinamo. Ex-Teamspieler und Sturm-Graz-Routinier Jakob Jantscher spielt in der Saison 2012/13 für den Hauptstadtklub.

Torpedo Moskau

Als Verein des größten Automobilherstellers Russlands (erst AOM, später ZIS und ZIL) wird Torpedo Moskau 1930 gegründet und gehört damit ebenfalls zu den traditionsreichsten Klubs des Landes. Beheimatet im Süden Moskaus kann der Verein aber derzeit nicht an glorreiche Zeiten anknüpfen und spielt nach durchwachsenen Jahren momentan nur in Liga zwei.

Die Glanzzeiten des dreimaligen sowjetischen Meisters liegen lange zurück, damals ist Torpedo allerdings nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch in Europa eine "große Nummer". Der "weiße Pele" wie Eduard Strelzow genannt wird, geht für den Klub auf Torejagd und sollte bei der WM 1958 den großen Durchbruch schaffen.

Doch seine Disziplinlosigkeit und Verwerfungen mit der politischen Führung verschaffen ihm kurz vor Beginn der WM eine mehrjährige Haftstrafe und ein Berufsverbot. Erst 1965 darf Strelzow wieder für Torpedo auflaufen und gewinnt mit seinem Klub die Meisterschaft.

Endlich kann er sein Talent ausschöpfen und wird zweimal zum sowjetischen Fußballer des Jahres gekürt. Noch heute scherzen Torpedo-Fans über ihn: "Wenn Pelé so viel Kaffee getrunken hätte, wie Strelzow Wodka, wäre er gestorben". Als Strelzow im Jahr 1990 an Kehlkopfkrebs stirbt, wird das Stadion nach ihm benannt.

1996 gehen die Turbulenzen bei Torpedo dann richtig los, als Eigentümer ZIL den Klub verkauft, nur um kurze Zeit später den Verein Torpedo SIL zu gründen. Plötzlich spielen zwei Torpedo-Vereine in der russischen Liga, von denen sich der ursprüngliche mit finanziellen Schwierigkeiten in die zweite und später sogar die dritte Liga verabschiedet. Aber auch der neugegründete Verein gerät in finanzielle Notlage und geht nach Lizenzverkauf und Namensänderung 2010 in Konkurs.

Das "echte" Torpedo Moskau befindet sich momentan auf dem Weg zurück und spielt in der zweiten russischen Liga. Übrig geblieben ist nicht einmal mehr das ursprüngliche Eduard-Strelzow-Stadion. Im Herbst 2019 absolviert Torpedo dort sein letztes Spiel und wartet jetzt auf die Fertigstellung der neuen Arena.

Textquelle: © LAOLA1.at

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