Hinterseer: Start in Korea - Ende im ÖFB-Team

Hinterseer: Start in Korea - Ende im ÖFB-Team Foto: © getty
 

Montagfrüh startet ÖFB-Legionär Lukas Hinterseer mit Ulsan Hyundai in die neue Saison der K League 1, die als Ganzjahresmeisterschaft ausgetragen wird.

Der 29-jährige Tiroler hat bewegte Wochen hinter sich. Ein Transfer vom Hamburger SV ans andere Ende Eurasiens ist in normalen Zeiten schon herausfordernd genug, während einer globalen Pandemie plötzlich bei der Klub-WM in Katar aufzuschlagen, ist aber jedenfalls außergewöhnlich.

Der dreizehnfache österreichische Nationalspieler hat im Gespräch mit LAOLA1 viel zu erzählen, über seinen Wechsel, sein neues Leben in Südkorea und das ÖFB-Team, mit dem Hinterseer abgeschlossen hat.

Hamburg - Österreich - Katar - Südkorea

Nach eineinhalb Jahren HSV schloss sich Hinterseer Ende Jänner Ulsan Hyundai aus der südkoreanischen League 1 an. Bevor es für den Tiroler allerdings Richtung Südkorea ging, stand für den amtierenden Champions-League-Sieger Asiens die Klub-WM in Katar auf dem Programm.

"Ich war zwei Wochen zu Hause in Österreich, bin direkt nach Katar gefolgen und zwei oder drei Tage vor dem Spiel zur Mannschaft gestoßen. Ich habe dann diese Woche in Katar verbringen und an der Klub-WM teilnehmen dürfen. Das war schon ein Erlebnis", erzählt Hinterseer im Gespräch mit LAOLA1.

Die Organisation im Land, das 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft austragen wird, imponiert dem 22-Jährigen spürbar. "Es hat sehr gut funktioniert, wie man sich das bei einem FIFA-Turnier vorstellt. Es war hochprofessionell, von der Einreise über den Transport ins Stadion".

"Ich glaube nicht, dass so viele Fußballer davon sprechen können, da teilgenommen zu haben. Deswegen war es für mich ein Riesen-Erlebnis, auch zwei Einsätze zu haben. Auch wenn es für uns als Team nicht so erfolgreich war, es war trotzdem eine Riesen-Erfahrung."

Lukas Hinterseer

Der Tiroler streicht hervor, dass es den Sportlern trotz Bubble in Katar an nichts gefehlt habe: "Wir waren komplett in der Bubble abgeschirmt, wir haben auch nichts vermisst. Es war von der Organisation unfassbar."

Klub-WM "Riesen-Erlebnis"

Seine ersten beiden Einsätze für seinen neuen Klub absolvierte Hinterseer Anfang Februar bei der Klub-Weltmeisterschaft. Bei der Niederlage gegen den mexikanischen Klub Tigres U.A.N.L. kam der Angreifer zu einem Kurzeinsatz über 17 Minuten, im Spiel um Platz fünf gegen Al-Duhail aus Katar war nach der ersten Halbzeit Schluss.

Dies war mit dem Trainerteam abgesprochen, die Zeit zwischen Ankunft in Katar und WM-Auftakt zu kurz, erzählt Hinterseer: "Da ich zwei Wochen nicht im Mannschaftstraining war und erst zwei Tage vor dem ersten Spiel zur Mannschaft gestoßen bin, war ich überhaupt froh, dass ich ein paar Minuten bekommen habe. Ich bin froh über jede Minute, die ich bei der Klub-WM spielen durfte, das war schon ein einzigartiges Erlebnis."

Der Tiroler ist erst der zweite Österreicher nach David Alaba, der an der modernen FIFA-Klub-WM teilnehmen konnte. "Ich glaube nicht, dass so viele Fußballer davon sprechen können, da teilgenommen zu haben. Deswegen war es für mich ein Riesen-Erlebnis, auch zwei Einsätze zu haben. Auch wenn es für uns als Team nicht so erfolgreich war, es war trotzdem eine Riesen-Erfahrung."

HSV-Situation unbefriedigend

Dass Hinterseer an der Klub-WM teilnehmen würde, war noch wenige Wochen zuvor unvorstellbar. Der Angreifer wechselte im Sommer 2019 zum Hamburger SV in die zweite deutsche Bundesliga. War der Tiroler zu Beginn noch Stammkraft, schrumpfte seine Rolle in der Mannschaft nach der Corona-Pause spürbar. In der laufenden Saison war an der Elbe die Ersatzbank Stammplatz des 29-Jährigen.

Diese Situation war auch Auslöser für den Wechsel Richtung Südkorea. "Man hat mit Simon Terodde einen Stürmer geholt, der trifft und trifft. Wenn man als Klub die Möglichkeit hat, den besten Zweitligastürmer aller Zeiten zu holen, dann macht man das natürlich. Daher war das die Entscheidung des Klubs, es funktioniert ja auch", analysiert Hinterseer im Nachhinein.

Den HSV Liga-intern zu verlassen war keine Option: "Noch einmal innerhalb der zweiten Liga zu einem anderen Verein zu wechseln, war für mich zu uninteressant, da ich schon zweite Liga mit Ingolstadt und Bochum gespielt habe. Über die zweite Liga mit Hamburg geht nichts drüber, finde ich."

Doch dann stand Ulsan Hyundai auf der Türmatte. Der südkoreanische Vizemeister und amtierende Champions-League-Sieger Asiens hat sich die Dienste des Stürmers kolportierte 300.000 Euro kosten lassen.

"Ich habe nie etwas gehört vom Teamchef, weder als ich dabei war noch danach. Für mich ist das null Thema. Ich bin jetzt in Ulsan und wünsche den Jungs viel Glück für die EM. Sonst gibt es für mich dazu nichts zu sagen. Ich habe nie etwas von Herrn Foda gehört. Von dem her ist es für mich erledigt"

Lukas Hinterseer

"Dann kam das Angebot von Ulsan, wir haben uns damit beschäftigt und gesehen, dass das ein Top-Verein in Südkorea ist und sie aktueller Champions-League-Sieger in Asien sind. Ich werde im März 30 Jahre alt, sie haben mir einen guten Vertrag angeboten für zwei Jahre. Daher wollte ich das machen und die Chance nutzen. Ich bin mega-froh, dass ich da bin", freut sich Hinterseer.

Nationalmannschaft "null Thema"

Dass man mit einem Wechsel nach Asien in den meisten Fällen die eigene Nationalmannschaftskarriere beendet, hat unter anderem Rubin Okotie bewiesen. Der Stürmer, der auf 18 Länderspiele kommt, wurde von Ex-Teamchef Marcel Koller nach seinem Wechsel in die zweite chinesische Liga zu Beijing Baxi fallen gelassen.

Ulsan Hyundai ist aber zweifellos auf einem anderen Niveau angesiedelt als ein chinesischer Zweitligist. Darüber hinaus haben Marko Arnautovic und Marc Janko bewiesen, dass man in weit entfernten Gefilden durchaus Thema für die Nationalmannschaft sein kann.

Für Hinterseer spielen diese Überlegungen aber gar keine Rolle, mit dem ÖFB-Team hat der 29-Jährige abgeschlossen. "Für mich ist das Nationalteam kein Thema. Warum auch? Es gibt andere, die mehr als ich spielen und auch gut spielen. Ich hatte nie Kontakt mit Herrn Foda, daher ist es aktuell null Thema für mich", sagt der dreizehnfache Nationalspieler Österreichs, der bei der 0:1-Niederlage in Lettland einen einzigen Kurzeinsatz unter Franco Foda vorweisen kann.

"Ich habe nie etwas gehört vom Teamchef, weder als ich dabei war noch danach. Für mich ist das null Thema. Ich bin jetzt in Ulsan und wünsche den Jungs viel Glück für die EM. Sonst gibt es für mich dazu nichts zu sagen. Ich habe nie etwas von Herrn Foda gehört. Von dem her ist es für mich erledigt", lässt Hinterseer keinen Spielraum für Interpretationen.

Baldiges Wiedersehen mit Arnautovic?

Dass er trotzdem relativ bald wieder auf einen ehemaligen Nationalmannschafts-Kollegen treffen kann, liegt am Ausschluss von Shandong Taishan aus der Champions League. Dem chinesischen Cup-Sieger wurde vom asiatischen Verband wegen ausstehender Zahlungen an den ehemaligen Magath-Assistenten Wolfgang Rolff die Lizenz für den internationalen Bewerb entzogen.

Marko Arnautovic und Hinterseer beim ÖFB-Team
Foto: © GEPA

Da die Auslosung der Champions-League Gruppenphase nach dem Setzlistenverfahren anhand der Liga- bzw. Cup-Platzierung durchgeführt wird, wirbelten die chinesischen Teilnehmer munter durch die verschiedenen Gruppen, so dass Shanghai Haigang, der aktuelle Klub von Marko Arnautovic bei geschaffter Qualifikation in die Hinterseer-Gruppe nachrrückt.

"Sollte ich auf Marko treffen, das wäre schon eine coole Sache. Zwei Österreicher in der asiatischen Champions League hat es so oft auch noch nicht gegeben. Das wäre sicherlich das erste Mal. Lassen wir uns überraschen", gibt sich Hinterseer noch abwartend.

Sollten Arnautovic und Co. die Qualifikation für die Gruppenphase schaffen und beide ÖFB-Legionäre auf dem Platz stehen, wäre es das erste Aufeinandertreffen zweier Österreicher im Bewerb. "Ich freue mich generell, wenn es losgeht. Wenn es gegen Marko ginge, werden wir sicher auch einen Moment finden, Trikot zu tauschen."

Champions League "besonders"

Nach Roland Linz, Richard Windbichler und Arnautovic wird Hinterseer sehr wahrscheinlich der vierte Österreicher, der seinem Handwerk im asiatischen Kontinentalbewerb nachgeht.

"Das Thema Champions League ist überhaupt etwas Besonderes für mich. Vor drei Wochen war ich noch in der zweiten Liga und jetzt reden wir über Champions League, auch wenn es nur die asiatische ist. Ich freue mich schon riesig darauf, es sind einige größere Vereine dabei mit großen Spielern", weiß der Tiroler.

"Als Österreicher weiß er ja auch, wie wir ticken. Er hat mir auch nur Positives gesagt."

Lukas Hinterseer über die Empfehlung von Richard Windbichler

Vorreiter in Südkorea oder bei Ulsan Hyundai ist Hinterseer aus österreichischer Sicht allerdings nicht. Diesen Status hat Ex-Austria-Verteidiger Richard Windbichler inne, der von 2017 bis 2019 bei den Tigern von der südkoreanischen Ostküste unter Vertrag stand. Nach einem Intermezzo beim dänischen Klub Viborg und bei Melbourne City zog es Windbichler im Jänner wieder in die K League 1, diesmal zu Seongnam.

Lukas Hinterseer hat sich bei seinem Landsmann vor dem Wechsel zu Ulsan Hyundai jedenfalls genauer erkundigt. "Er hat mir genauere Einblicke geben können. Als Österreicher weiß er ja auch, wie wir ticken. Er hat mir auch nur Positives gesagt", erzählt Hinterseer über die Gespräche. Die Resonanz, auch von anderen Personen, mit denen der Tiroler kommuniziert hat, sei ebenfalls positiv gewesen.

"Natürlich ist es am Anfang eine Umstellung, das muss man erlebt haben, das kann man schwer erklären. Es gibt Unterschiede, aber wenn man das annimmt und akzeptiert, dann findet man sich schnell zurecht", so Hinterseer, dem bewusst ist, dass in den nächsten Wochen und Monaten auch auf dieser Front einiges auf ihn zukommen wird.

"Normales Leben" in Südkorea

Bekannt ist dem Tiroler Kapitän Chung-yong Lee. Mit dem heute 32-Jährigen hat Hinterseer in der Saison 2018/19 beim VfL Bochum zusammengespielt. In 19 Begegnungen standen die beiden gemeinsam auf dem Platz.

"Er hat mich schon kontaktiert, als er gehört hat, dass ich eventuell nach Ulsan komme. Natürlich habe ich da nachgefragt wie das Leben dort ist. Ich bin auch vor kurzem Vater geworden, deswegen war es für mich wichtig zu wissen, wie die aktuelle Situation  auch mit Corona vor Ort gerade ist".

Die Corona-Pandemie ist im ostasiatischen Staat abgesehen von der Einreise kaum noch spürbar, berichtet der ÖFB-Legionär: "Die Einreise ist kompliziert, da Südkorea sehr genau und diszipliniert ist. Aber man hat hier, glaube ich, 200 Fälle pro Tag. Man kann alles machen, es ist jedes Restaurant geöffnet. Es gibt normales Leben hier."

"Wenn man mal im Land drinnen ist, hat man ein schönes Leben hier. Die Leute sind sehr freundlich, das Leben ist schön, wir leben direkt am Meer. Jetzt ist es zwar etwas kalt, ähnlich wie bei uns in Österreich. Man hat mir aber gesagt, dass es im Sommer auch bis 35 Grad hat, von dem her wird das auch sicher einer coole Zeit für uns als Familie."

Was sportlich auf Hinterseer und Co. in der kommenen Spielzeit wartet, ist wieder ein Kampf um die vorderen Ränge. Ulsan Hyundai sah in den letzten zwei Spielzeiten stets wie der sichere Meister aus - die Wachablöse des Serienmeisters Jeonbuk schien besiegelt. Doch sowohl 2019 als auch 2020 setzte Ulsan die Meisterschaft in den Sand. 2019 gab man die Tabellenführung am letzten Spieltag ab und wurde punktgleich Vizemeister. In der vergangenen Saison verlor Ulsan die Meisterschaft am vorletzten Spieltag.

Kann Hinterseer den Top-Torjäger ersetzen?

"Ich habe mit dem Kapitän gesprochen, bei uns im Team gab es einige Veränderungen, wir haben ein komplett neues Trainerteam, viele neue und junge Spieler dazubekommen. Von dem her ist es sicher eine spannende Aufgabe", berichtet Hinterseer.

Abhanden gekommen ist dem Team auch Top-Torjäger Junior Negrao. Der Brasilianer wurde in der vergangenen Saison Torschützenkönig in der Liga und Champions League. Mit seinen Toren in der K.o.-Phase des Bewerbs sorgte er praktisch im Alleingang für den zweiten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte.

"Ich habe mitbekommen, dass Junior hier letztes Jahr eine sehr gute Saison gespielt hat. Die Leute haben jetzt auch große Erwartungen an mich, aber ich bin ein anderer Spieler. Ich versuche, mein Ding durchzuziehen, wie meine ganze Karriere schon, und hundert Prozent zu geben", so Hinterseer, der weiß, dass er große Fußstapfen zu füllen hat. "Ich probiere, alles zu geben, meine Leistung zu bringen. Am meisten helfe ich der Mannschaft wenn ich Tore schieße, aber Hauptsache wir gewinnen Spiele."

Ungeachtet der Veränderungen im Klub weiß der Tiroler, dass die Erwartungen an Ulsan Hyundai trotzdem hoch sind: "Wahrscheinlich ist die Situation wie in Hamburg - du gehst in jedes Spiel als Favorit, aber es ist jedes Spiel trotzdem so schwer, weil es für die Vereine die unten stehen, das größte Spiel der Saison ist. Jeder will dem großen Verein wehtun, indem er ihn besiegt oder ein Unentschieden holt. Ich glaube schon, dass wir die Qualität haben, viele Spiele zu gewinnen und ein Wörtchen um die Meisterschaft mitzureden haben."

Das Team sei zwar nicht umsonst Champions-League-Sieger geworden, meint Hinterseer, wichtig sei aktuell aber, dass das Team so schnell wie möglich zusammenwachse.

Die erste Bewährungsprobe wartet auf Lukas Hinterseer und Ulsan Hyundai am 1. März. Um 6 Uhr mitteleuropäischer Zeit trifft der südkoreanische Vizemeister auf Gangwon FC. Zum Duell mit Richard Windbichlers Seongnam FC kommt es am 3. April. Am 22. April starten Hinterseer und Co., Stand jetzt, ihre Titelverteidigung in der Champions League gegen den vietnamesischen Klub Viettel FC.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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