Supercoppa: Finale unter besonderen Vorzeichen

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Heute Abend (18:30 Uhr, live DAZN) steigt das Finale der "Supercoppa Italiana", also dem italienischen Supercup, bei dem für gewöhnlich der Meister auf den Gewinner der "Coppa Italia" trifft. Da aber Juventus in der vergangenen Saison das Double holte, kommt es zur Neuauflage des Cup-Endspiels von 2018.

Serienmeister Juventus trifft auf den alten Rivalen AC Milan - es ist das Duell der Supercoppa-Rekordsieger (beide je sieben Titel).

Stattfinden wird die Partie im "King Abdullah Sports City Stadium" in Dschidda (Saudi-Arabien). Diese Tatsache machte den eher unwichtigen Bewerb nun doch zum Gesprächsthema.

Die Ausgangslage

Die Rollen sind klar verteilt. Juventus Turin ist dem Rest der Serie-A-Klubs entwachsen und hat einen fast uneinholbaren Abstand zwischen sich und der Konkurrenz gelegt. Transfers wie jener von Mega-Star Cristiano Ronaldo festigen die Vormachtsstellung weiter.

Dennoch, die Superstars der "Bianconeri" scheinen das Endspiel der Supercoppa nicht so Ernst zu nehmen. So verlor das Team von Trainer Massimiliano Allegri die letzten beiden Finalpartien des Wettbewerbs.

Auf der anderen Seite der einst so glorreiche AC Milan, der sich seit Jahren in einer tiefen sportlichen wie strukturellen Krise befindet. Für die "Rossoneri" stellt der Gewinn der Supercoppa gegen Juve aus dem Jahr 2016 den bislang letzten Titel dar.

In der Liga kämpft die Elf von Gennaro Gattuso um Platz vier und die damit verbundene Champions-League-Teilnahme im nächsten Jahr. In der Europa League musste der siebenfache Europacup-Champion schon nach der Gruppenphase die Segel streichen.

Die "Supercoppa Italiana" bietet also dem so erfolgsverwöhnten Mailänder Klub die größte Chance, in dieser Saison einen Titel zu gewinnen. Ronaldo und Co. wollen in Saudi-Arabien nur die erste von vielen Trophäen einsammeln.

Im vergangenen Mai trafen beide im Finale der "Coppa Italia" aufeinander. Juventus gewann klar mit 4:0. Milan darf als Vize-Cupsieger am Endspiel des Supercups teilnehmen und sinnt auf Revanche.


Das Personal

Juve-Trainer Massimiliano Allegri ist als großer Fan des 4-3-3 bekannt. Auch wird er wohl auf große Experimente verzichten. Ein internes Duell um die Nummer eins im Tor liefern sich Perin und Routinier Szczesny.

Im Coppa-Achtelfinale durfte zuletzt der Pole ran, so dass davon auszugehen ist, dass Allegri auf dessen Erfahrung vertraut.

Ex-Milan-Spieler Bonucci und Kapitän Chiellini sind in der Innenverteidung gesetzt.

Ansonsten gibt es eigentlich nur im Mittelfeld einen Kampf um die Plätze. Einzig der Bosnier Pjanic gilt als gesetzt. Er ist das Hirn in dieser Mannschaft, über ihn laufen die Angriffe.

Vorne ist Dybala der spezielle Faktor - nicht nur wegen seiner Qualität. Er lässt sich kaum festmachen und gibt, obwohl eigentlich rechts aufgestellt, den Freigeist.

Ein herber Verlust ist der Ausfall von Mario Mandzukic. Der Kroate ist für jeden Gegenspieler unangenehm und harmoniert gut mit Mega-Star Ronaldo.

Dieser dürfte nun im Sturmzentrum übernehmen. Über links wird es eine enge Entscheidung zwischen Douglas Costa und Bernadeschi.

Cristiano Ronaldo und Paulo Dybala konnten zudem in er Coppa etwas geschont werden und brennen auf das erste Finale in dieser Saison.

Juves Mechanismen sind bekannt, aber trotzdem nur schwer zu kontrollieren.


Auch Milan-Coach Gennaro Gattuso bevorzugt ein 4-3-3. Da aber der wichtigste Offensivspieler - der Spanier Suso - fehlen wird, könnte Eigenbauspieler Patrick Cutrone starten und die Formation somit zu einem 4-4-2 werden.

Cutrone schoss die "Rossoneri" am Wochenende mit einem Doppelpack ins Viertelfinale der Coppa Italia.

Milan schafft es nur selten Stürmerstar Gonzalo Higuain in Szene zu setzen. Ohne Suso wird es noch schwieriger eigene Chancen zu kreieren. Milan wird Juve den Ball überlassen und dann versuchen schnell umzuschalten. Auch das spricht für Cutrone an der Seite Higuains.

Immer besser funktioniert das Duo im zentralen Mittelfeld. Kessie und Bakayoko sind stark in den Zweikämpfen und in der Balleroberung. Klassische Spielmacherqualitäten haben aber beide nicht.

Die Defensive ist zwar nicht immer sattelfest, aber eingespielt und auch Tormanntalent Donnarumma hat sich wieder seinem Top-Niveau angenähert.

Mit Neuzugang Lucas Paqueta, der im Cup gegen Sampdoria gleich in der Startformation stand, besitzt Gattuso eine weiter Alternative in der Offensive.



Der Austragungsort

Es sorgte international für Aufsehen, als offiziell wurde, dass das Endspiel in Saudi-Arabien ausgetragen wird. Einen riesigen Aufschrei gab es dann darüber, dass Frauen nur in bestimmte Sektoren und nur in Begleitung eines Mannes ins Stadion dürfen (LAOLA1 berichtete).

Die Reaktion in sozialen Medien machte den Eindruck, als käme diese Einschränkung für Frauen überraschend. Fast so, als wären die frauenfeindlichen Gesetze im Wüstenstaat erst mit 1. Jänner aktiv geworden.

Schon alleine die Austragung in Saudi-Arabien sollte als Skandal gesehen werden. Angeblich sieben Millionen Euro zahlen die Saudis für die Austragung - "Sportswashing" ist das Stichwort. Dabei versuchen Staaten, die es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen, das Image durch Sportveranstaltungen aufzubessern.

Aber Italiens Fußball hat mit der Supercoppa eine Vorreiterrolle. War es doch dieser Wettbewerb, der bereits 1993, als es das geflügelte Wort "moderner Fußball" noch nicht in dieser Präsenz gab, weit weg von Italien in den USA ausgetragen wurde.

Seitdem stieg das Endspiel neun Mal in den unterschiedlichsten, meistens eher kleinen Fußballländern. Die meisten Austragungen außerhalb von Italien fanden in Peking (drei Mal) statt.

Für beide Mannschaften ist der Finalort mit enormen Strapazen verbunden. Sowohl Juventus als auch Milan traten am Samstag in der "Coppa Italia" auswärts an. Dabei gewannen die "Bianconeri" im Schongang mit 2:0 in Bologna, konnten einigen Stars eine Pause gönnen.

Milan hingegen musste bei Sampdoria bis in die Verlängerung, schaffte nach einem Kraftakt aber den Aufstieg. Trotzdem: Die Partie ging an die Substanz.

Nach dem Endspiel des Supercups steht am kommenden Montag bereits die nächste Partie in der Serie A an. Milan muss erneut auswärts ran, Juventus hat Heimrecht.



Milans schwarze Serie

Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Traditionsklubs endete in der zwölften Serie-A-Runde am 11. November mit einem 2:0-Sieg von Juventus im San Siro. Negative Höhepunkte aus Sicht von Milan waren ein verschossener Elfmeter und eine Rote Karte für Ex-Juve-Spieler Higuain.

Der beklagte vor dem Macht, dass er bei der "Alten Dame" nach der Verpflichtung von Ronaldo "vom Hof gejagt" wurde. Dementsprechend übermotiviert ging er in die Partie. Nach dem Platzverweis brach der 31-Jährige in Tränen aus.

Seit dem Sieg im Supercoppa-Endspiel vom 23. Dezember 2016 hat Milan alle sechs Duelle in den verschiedenen Wettbewerben gegen den Rekordmeister verloren. Der letzte Erfolg in der Liga datiert aus dem Oktober 2016.

Bei insgesamt 195 Duellen ging Juventus bisher 76-mal als Sieger vom Platz. Milan hält bei 59 Siegen gegen den Kontrahenten. 60 Spiele endeten Remis.

Die Anzahl an Unentschieden wird sich am 16. Jänner fix nicht erhöhen. Ein Team wird am Ende gewinnen, die "Supercoppa Italiana" erringen und damit alleiniger Rekordsieger in diesem seit 1988 ausgetragenen Bewerb werden.

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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