Milan-Juve: Die Entwicklung zweier Giganten

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9. Mai, Stadio Olimpico Rom. Gianluigi Buffon stemmt den italienischen Pokal in den Nachthimmel.

Gerade hat Juventus den großen Rivalen aus früheren Jahren, den AC Milan, klar mit 4:0 besiegt. Dabei halten die kriselnden Mailänder lange gut mit. Fangen sich aber zwischen der 56. und 64. Minute drei Tore in acht Minuten.

Jetzt, ein halbes Jahr später, treffen die beiden erfolgreichsten italienischen Klubs wieder aufeinander. Seit dem Coppa-Finale hat sich auf beiden Seiten einiges verändert.

Ziemlich beste Freunde

Milan gegen Juve, es ist das Duell zwischen dem Team mit den zweitmeisten Europacup-Siegen und dem italienischen Rekordmeister.

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"Das Duell hat vielleicht nicht den großen Stellenwert wie das 'Derby d'Italia' zwischen Juventus und Inter, aber es ist natürlich traditionell ein heißer Tanz. Ich würde es mit dem Duell Bayern gegen Dortmund vergleichen", sagt Kai Tippmann, Betreiber des Blogs "altravita.com" und Experte in Sachen italienischer Fußball.

Dass die Verbindungen vor allem auf Funktionärsebene hervorragend sind, zeigen die Wechsel zwischen den Kontrahenten in den vergangenen beiden Jahren.

Zunächst verlässt der italienische Teamspieler Leonardo Bonucci im Streit Juventus, um kurz später bei Milan zu unterschreiben. Ein Jahr später bereut der Verteidiger seinen Juve-Abschied und will zurück. Im Schnellverfahren wird der Deal abgewickelt. Milan erhält im Gegenzug den argentinischen Top-Stürmer Gonzalo Higuain und Abwehr-Talent Mattia Caldara.

Bei Milan-Anhängern sind diese Beziehungen zu Juventus und der Agnelli-Familie höchst umstritten. "Juventus ist der meistgehasste Verein Italiens", sagt Tippmann, "das hat natürlich auch mit dem Manipulationsskandal zu tun."

Italien ist zu klein

Doch der Serienmeister denkt ohnehin in größeren Sphären. Die Champions League ist das erklärte Ziel. Die italienische Meisterschaft soll nebenbei eingefahren werden. Und um den Henkelpott nach Turin zu holen, hat Juve den spektakulärsten Transfer des vergangenen Sommers getätigt: Mega-Star Cristiano Ronaldo kam von Real Madrid in die Serie A.

"Für die Meisterschaft braucht Juve Ronaldo eigentlich nicht, den Scudetto holen sie auch ohne ihn", ist sich der Journalist sicher. Erinnerungen an die glorreichen Zeiten des italienischen Fußballs in den 1990ern werden wach.

"Juventus geht mit dem Ronaldo-Transfer volles Risiko für kurzfristigen Erfolg in der Champions League", sagt Tippmann. Der Stachel nach sieben verlorenen Finalen der "Königsklasse" in Folge sitzt tief.

Aber es sind längst nicht alle vom Ronaldo-Deal überzeugt. Juve-Sportdirektor Beppe Marotta, der vor Kurzem seinen Posten räumen musste, galt als scharfer Kritiker der Verpflichtung.

"Marotta war der Architekt des aktuellen Juventus. Er wollte Nachhaltigkeit, Juventus sollte junge, günstige Spieler holen und die selber weiterentwickeln", erklärt Tippmann.

Milans Selbstfindung

Diese Sorgen hätte man auch in Mailand gerne. Schon seit Jahren läuft es bei den "Rossoneri" alles andere als rund. Die letzte Meisterschaft konnte der siebenfache Champions-League-Gewinner 2011 feiern.

Milan-Coach Gattuso: Mit dem Herzen dabei
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Jetzt sollen es die Milan-Legenden richten. Mit Leonardo und Paolo Maldini sind zwei Ehemalige für die sportlichen Geschicke verantwortlich. Gennaro Gattuso lenkt als Trainer die Mannschaft.

"Ich glaube, dass Gattuso kein schlechter Trainer ist. Unter ihm ist dieser 'Milanismus', der absolute Wille bis zur letzten Sekunde, wieder zurückgekehrt", sagt Italien-Experte Tippmann.

Doch trotzdem läuft es nur phasenweise, schön anzuschauen ist das Spiel von Milan nur selten. "Diese Kurve wird Gattuso niemals auspfeifen. Sie werden immer zu ihm stehen", so Tippmann.

Als Saisonziel hat Milan Platz vier, und somit die Qualifikation für die Champions League ausgegeben. Aktuell liegt Gattuso mit seinem Team im Soll, die Konkurrenz ist aber groß.

Natürlich sei es für Milan auch eine Möglichkeit, über die Europa League in die Champions League einzuziehen, sagt Tippmann. "Sie treten dort auch mit der Top-Elf an, das ist ungewöhnlich für italienische Teams. Von der Qualität des Kaders können sie es ins Viertelfinale schaffen, dann braucht man auch etwas Glück."

Rollen klar verteilt

Obwohl die Lücke zwischen den beiden Schwergewichten wohl selten größer war: Milan will mit einem Heimsieg gegen die "Alte Dame" zeigen, dass sie wieder zu den Großen in der Serie A gehören.

Als zuletzt die Pläne für die Superleague mit 16 europäischen Großklubs veröffentlicht wird, tauchen sowohl Milan als auch Juve auf dieser Liste auf.

Juve-Boss Agnelli sagte daraufhin, es würde um die Zeit nach 2024 gehen. Von Milan kam keine Erklärung.

"Ich glaube, bei diesen 16 Teams geht es vor allem um die Marke. Da glaube ich, dass Milan immer noch zu den besten Klubs in Europa gehört. Vermutlich lässt sich so ein Name besser vermarkten als ein neureiches Manchester City oder PSG", sagt Tipmann.

Viel hat sich getan seit dem "Coppa-Italia"-Finale im Mai. Juventus greift mit Ronaldo die europäische Spitze an, aber auch Milan geht sicher selbstbewusster ins Match mit dem Serienmeister (Sonntag, ab 20:30 Uhr, im Ticker und bei DAZN).

"Beide haben Dinge verändert, aber an der Ausgangslage ändert es nichts. Juve ist der klare Favorit, Milan ist noch zu fragil, um ein echter Herausforderer zu sein", ist sich der Experte sicher.


Textquelle: © LAOLA1.at

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