Stefan Schwab: "Es war absolut der richtige Weg"

Stefan Schwab:
 

Sonne, Strand und Meer, frenetische Fans, ein ambitionierter Klub, der auf der internationalen Bühne vertreten ist - Stefan Schwab hat sich im Sommer für den überraschenden Wechsel vom SK Rapid zu PAOK Saloniki entschieden.

Aufgrund eines noch schärferen Lockdowns als in Österreich kann er dies in Griechenland bisher nur sportlich genießen. Fans begleiten den Teambus mit Mopeds zum Stadion, dürfen aber nicht rein. Und am Strand wird man im November schief angeschaut.

"Für einen Österreicher ist es ein sehr angenehmes Wetter für Mitte November. Aber der Grieche würde mich schon fragen, warum ich eigentlich noch Mitte November am Strand spazieren gehe. Für den ist jetzt schon Winter", schmunzelt Schwab im exklusiven LAOLA1-Interview.

Einige konnten den Karriere-Schritt des mittlerweile 30-jährigen Saalfeldners nicht verstehen, dafür gab er seine Kapitänsrolle bei Rapid auf. Aber Schwab kann trotzdem überzeugt behaupten: "Für mich war es absolut der richtige Weg."

Rückblickend auf seine Zeit in Hütteldorf meint er: "Es hat dann einfach von beiden Seiten nicht mehr gepasst, dass man noch länger zusammenarbeiten kann."

Im ausführlichen Interview erzählt Schwab offen, was bei Rapid am Ende nicht mehr gepasst hat, was ihn an PAOK begeistert, was er davor noch nie erlebt hat, über Wiedersehen mit alten Bekannten und warum er das ÖFB-Team noch keineswegs abhakt.

LAOLA1: In Griechenland herrscht schon länger ein absoluter Lockdown. Wie sehr kannst du aktuell überhaupt Sonne, Strand und Meer genießen?

Stefan Schwab: Nein, aktuell leider nicht, der Lockdown ist noch eine Spur strikter. Es gibt sechs Gründe, warum man das Haus verlassen darf. Der Handel ist komplett zu, es gibt Maskenpflicht überall. Aber es ist notwendig, weil man das Gesundheitssystem nicht mit jenem in Österreich vergleichen kann. Auch in Griechenland wird gehofft, dass die Zahlen dadurch nach unten gehen. Das Wetter ist eine Spur wärmer, das hilft ein bisschen mit, dass der Winter eine Spur später beginnt. Aber auch um diese Jahreszeit wäre es in Thessaloniki am Strand ein bisschen zu kalt. Es hat untertags zwar noch rund 20 Grad, aber in der Nacht kühlt es schon runter auf 7 Grad.

LAOLA1: Das ist schon Jammern auf hohem Niveau...

Schwab: Genau, für einen Österreicher ist es ein sehr angenehmes Wetter für Mitte November. Aber der Grieche würde mich schon fragen, warum ich eigentlich noch Mitte November am Strand spazieren gehe. Für den ist jetzt schon Winter.

(Interview wird nach dem Video fortgesetzt)

LAOLA1: Du bist jetzt schon seit Mitte August dort. Wie sehr hast du schon Gefallen am Leben in Griechenland gefunden?

Schwab: Grundsätzlich ist das Wichtigste, dass es sportlich läuft. Das erleichtert mir das Rundherum um einiges. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich ein offener Typ bin, der gerne kommuniziert. Ich habe schon viele Leute kennengelernt und habe mich sehr gut eingelebt. Mir taugts. Ich habe für mich den Schritt gewagt, diesen aus Überzeugung gemacht und er hat sich für mich zu hundert Prozent ausgezahlt.

LAOLA1: Ohne Vorurteile bemühen zu müssen: Wie schwer war es, sich an die griechischen Gegebenheiten und Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Verkehr, etc. zu gewöhnen? Die Uhren ticken dort gewöhnlich ein bisschen anders.

Schwab: Schon, aber ich kann wirklich nichts Schlechtes sagen, weil im Fußball ist es auf der ganzen Welt so, dass Disziplin und Pünktlichkeit schon eine Rolle spielen. Was die Organisation bei PAOK betrifft, ist es sehr professionell. Da kommt keiner zu spät zum Training oder es beginnt auch nicht später. Wenn, dann ist es eher die Liga, die zwei Tage vor dem Match die Uhrzeiten verschiebt. Wir wissen bis heute nicht, wann das letzte Spiel im Sommer ist. Da muss man flexibel sein. Aber im Vereinsumfeld ticken die Uhren gleich wie in Österreich. Abseits vom Fußball habe ich durch Corona auch noch nicht so viel machen können. Bei den ganzen Erledigungen hat mir der Verein enorm geholfen. Da habe ich schon gemerkt, dass PAOK in der Stadt einen großen Namen hat und sich die Uhren dann für diverse Dinge doch schneller drehen.

LAOLA1: Wo und wie hast du dich mittlerweile niedergelassen und wie hat sich die Familie – du bist ja doch Jung-Papa - an die neuen Umstände gewöhnt?

Schwab: Ich wohne ein bisschen außerhalb der Stadt, habe in der Nähe vom Flughafen ein ganz nettes Haus gefunden. Aktuell ist es so, dass meine Frau und der Kleine in Österreich sind, weil wir beim Auswärtsspiel in Granada und auch in der Liga auswärts sieben Tage unterwegs waren und sie da heimgeflogen sind. Sie waren sechs Wochen da, aber im Grunde genommen haben wir es eh richtig gemacht, weil in beiden Ländern ein Lockdown stattgefunden hat und sie es in Salzburg angenehmer hat mit der Unterstützung von ihrer Familie. Ich bin mit dem Verein schon sehr viel unterwegs, wir sind immer vor den Heimspielen einkaserniert, fliegen zu Auswärtsspielen immer einen Tag früher weg. Ich hoffe, dass die Familie Ende November bis Weihnachten noch einmal herkommen kann. Aber grundsätzlich ist es der Plan, dass sie ein bisschen pendeln. Im August, wie ich hergeflogen bin, war mein Sohn gerade einmal drei Wochen alt, da bin ich die ersten sechs Wochen alleine gewesen – das war schon sehr hart.

LAOLA1: Wurden bisher also alle Erwartungen sogar übertroffen – auch sportlich?

Schwab: Ich habe immer betont, dass der Schritt ins Ausland wohl überlegt sein muss. Das muss Hand und Fuß haben, das hat es vom ersten Moment an. Ich bekomme meine Einsätze, bringe gute Leistungen. Natürlich habe ich es mir so vorgestellt. Deshalb bin ich nach wie vor von dem Schritt überzeugt und dass es für mich absolut der richtige Weg war.

LAOLA1: Ich kenne dich als sehr offenen und kommunikativen Typen. War es trotzdem auf irgendeine Art und Weise schwierig, mit 30 Jahren zur ersten Auslandsstation zu kommen?

Schwab: Es ist okay, ich war für den Schritt offen. Das Umfeld hat mir getaugt, ich habe mir vor Ort ein Bild gemacht und schon davor Gespräche mit dem Trainer und Sportdirektor geführt. Deshalb habe ich mich vom ersten Tag an wohl gefühlt. Wir haben sehr viele Legionäre, es funktioniert sprachlich alles super mit Englisch. Langsam werde ich auch Griechisch angehen. Wir haben schon einen Trainerwechsel gehabt – vorher war alles auf Englisch und Pablo Garcia spricht jetzt Spanisch und Griechisch, weshalb wir einen Übersetzer dabei haben. Da schnappt man schon das eine oder andere Wort auf. Das wäre der nächste Schritt Richtung Frühjahr, dass ich die Sprache auch besser verstehe.

LAOLA1: Was geht bisher schon?

Schwab: Die Standardsachen, begrüßen, fragen, wie es einem geht – so 08/15-Gespräche. Wenn dann weitere Fragen folgen, steige ich leider aus – dann müssen wir auf Englisch umswitchen. Die Leute sind wirklich offen, es ist kommunikativ überhaupt kein Problem. Aber es ist schon ein Teil der Integration, wenn man im Ausland lebt, dass man die Sprache annimmt und versucht, sich weiterzubilden. Für mich war klar, dass ich das machen will.

LAOLA1: Ein Blick auf den PAOK-Kader beweist, dass das schon eine richtige Multi-Kulti-Truppe ist. Macht es das noch vielseitiger – sportlich wie menschlich?

Schwab: Das ist eine richtig spannende Gruppe! Ich finde es sehr interessant, dass wir wirklich sehr viele unterschiedliche Nationen drin haben. Jeder nimmt sein Englisch mit, das er zu Hause mitgekriegt hat. Da schnappt man sehr viele andere Worte auf und verbessert seinen Wortschatz. Es ist ganz lustig und keiner ist schüchtern oder hat Angst vor Fehlern, obwohl es von keinem die Muttersprache ist. Viele Legionäre sind schon richtig lange beim Verein und kennen ihn in- und auswendig. Aber es gibt auch einen griechischen Kern, der sehr viel Verantwortung trägt – das brauchst du natürlich. Die Mischung ist echt in Ordnung.

"Einer der großen und entscheidenden Punkte war dann natürlich schon die Vertragslaufzeit, über die wir geredet haben. Aber es war schon auch so, dass ich zwei, drei Wochen beim AMS war nach dem Saisonende. Dann wollte ich einfach nicht noch länger warten. Es hat dann einfach von beiden Seiten nicht mehr gepasst, dass man noch länger zusammenarbeiten kann."

Stefan Schwab

LAOLA1: Kannst du wirklich überzeugt sagen, dass es der richtige Schritt war, Rapid im Sommer nach so vielen Jahren zu verlassen?

Schwab: Jeder weiß, dass ich ein Rapidler bin und dass das eine riesengroße Rolle in meiner Karriere gespielt hat, ich dort sehr viel gelernt habe und mich menschlich wie sportlich unglaublich weiterentwickelt habe. Man darf nicht vergessen, dass ich mit 23 Jahren als Admira-Spieler zu Rapid gekommen bin und man hat in den letzten Jahren gesehen, wieviele andere Spieler von kleinen Vereinen bei Rapid gescheitert sind. Ich habe drei Jahre bei diesem Verein Kapitän sein dürfen, das war eine super Zeit. Mit der ganzen Geschichte rundherum war es dann halt nicht mehr möglich, weiter dort zu bleiben. Dann hat das Angebot von PAOK als Gesamtpaket einfach super gepasst. Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass es der richtige Schritt war. Bisher ist es super gelaufen und ich kann mich voll und ganz auf das Sportliche konzentrieren. Von dem her kann ich als Spieler – auch wenn ich 30 bin – noch was rauskitzeln und mich weiterentwickeln.

LAOLA1: Du wirst keine Schmutzwäsche waschen, hast aber selber betont, dass es nicht nur ums Geld ging. Was waren sonst die Gründe, wodurch es der richtige Zeitpunkt war, Rapid zu verlassen? Was hat nicht mehr gepasst oder dich nicht mehr so überzeugt?

Schwab: Grundsätzlich habe ich mich oft dazu geäußert, dass wir unbedingt international spielen müssen, um mir vorstellen zu können, zu bleiben. Das hat sich dann durch den Lockdown extrem lange hinten rausgezogen, weil dann doch die Punkteteilung war, wir als Vierter ins obere Playoff reingegangen sind und dann überragend gespielt haben. Damit war aber das Thema auf Eis, weil sehr viele Themen weiter oben gestanden sind, die wichtiger waren wie eine einzelne Personalie im Verein – da ging es um viel mehr. Einer der großen und entscheidenden Punkte war dann natürlich schon die Vertragslaufzeit, über die wir geredet haben. Beide Seiten haben sich immer sehr geschätzt, die Gespräche, egal ob mit Christoph Peschek oder Zoran Barisic, waren immer offen. Aber es war schon auch so, dass ich zwei, drei Wochen beim AMS war nach dem Saisonende. Dann wollte ich einfach nicht noch länger warten. Es hat dann einfach von beiden Seiten nicht mehr gepasst, dass man noch länger zusammenarbeiten kann. Für mich war es noch einmal wichtig, einen längerfristigen Vertrag zu kriegen. Das wäre eventuell auch noch möglich gewesen, aber mit diversen Optionen und Auflagen. Aber dann hatte ich auch andere Angebote am Tisch liegen und beschlossen, dass ich einen Schlussstrich unter das Kapitel ziehe. Ich bin irrsinnig dankbar für die sechs Jahre, habe mich sportlich und menschlich weiterentwickelt, verfolge den Verein weiterhin in jedem Spiel, freue mich über jeden Sieg der Jungs und bin mit vielen Spielern in Kontakt. Aber es war für mich einfach Zeit, etwas Neues zu wagen. Für mich war es ein wohlüberlegter Schritt, der für viele vielleicht nicht verständlich war. Aber jetzt, spätestens Mitte November, sehen viele auch, dass es nicht nur ein Abenteuer oder eine Notlösung für mich war, sondern es sportlich sehr interessant ist und man mit PAOK etwas erreichen kann.

LAOLA1: Es wäre aber wohl auch bei Rapid anders gelaufen, wenn die Umstände nicht so schwierig gewesen wären. Dein Traum war Italien, was dann trotz Anfragen auch nicht geklappt hat. Siehst du dich schon ein bisschen als Opfer der Corona-Krise? In einem anderen Jahr wären dir wahrscheinlich noch mehr Türen offengestanden – auch bei Rapid.

Schwab: Naja, zu dem Zeitpunkt, wo es mit Rapid nicht mehr so gut ausgeschaut hat, hat es natürlich Gespräche mit anderen Vereinen gegeben. Da waren schon interessante Angebote da, auch aus anderen Ländern. Aber das ist Schnee von gestern, ich bin überglücklich mit dem Schritt. PAOK ist ein großer Verein, der riesige Ambitionen hat. Ich will gar nicht zurückdenken, weil es für mich passt. Was sonst alles passieren hätte können, weiß man nicht. Ich hätte mich genauso im Frühjahr verletzen können, wie leider Christopher Dibon. Passiert das mir, stehe ich im Sommer ohne Vertrag da. Das waren dann keine einfachen Zeiten. Die Situation mit Corona kann man einfach nicht ändern. Deshalb ist es mit 30 Jahren nicht selbstverständlich, einen längerfristigen Vertrag bei einem guten Verein zu kriegen, der Ambitionen hat und wo das Gesamtpaket sportlich passt. Und natürlich spielt dann auch das Wirtschaftliche eine Rolle. Ich fühle mich wohl, das sieht man an den Leistungen.

LAOLA1: Also kann man schon sagen, dass PAOK als Europacup-Starter, Titelanwärter in der Liga und mit großer Fan-Basis zum richtigen Zeitpunkt auf dich zugekommen ist?

Schwab: Absolut! Wer mich kennt, weiß, dass es mir taugt, im vollen Stadion zu spielen, bei einem Verein, der Fan-nahe ist, wo Emotionen und Leidenschaft drin sind. Mir taugen Vereine, die das leben. Das war bei Rapid und ist jetzt bei PAOK so.

LAOLA1: Thomas Murg ist dann nachgezogen. Wie sehr freust du dich, dass du dieses Abenteuer nun mit einem guten Freund teilst?

Schwab: Er ist am letzten Transfertag gekommen, da war ich schon sehr gut in die Mannschaft integriert. Ich glaube, dass es für ihn sehr angenehm war, dass ich schon da war, einige Abläufe schon gekannt habe und ihm extrem viel helfen konnte. Der Transfer ist so zustande gekommen, dass Kapitän Dimitrios Pelkas zu Fenerbahce gewechselt ist und Pelkas und Murg den gleichen Berater haben. Dem hat PAOK mitgeteilt, dass Pelkas nur wechseln darf, wenn es Ersatz gibt. So ist Murgi ins Spiel gekommen. Dann wurde auch ich vom Sportdirektor zu ihm befragt, der kannte aber schon die ganze Rapid-Mannschaft, weil er meine Spiele verfolgt hatte. Mich freut es natürlich! Ich muss jetzt nicht unbedingt einen Österreicher im Team haben, aber ich weiß, dass uns Murg als Spieler weiterhelfen wird. Natürlich passt das auch sonst gut, weil wir viereinhalb Jahre zusammengespielt haben und uns auch abseits gut verstanden haben.

LAOLA1: Auf dem Platz habt ihr euch zusammen auch schon gut eingefügt. Der Start war vielversprechend.

Schwab: Ja, er ist sehr gut reingestartet, hat dann auch gleich Spiele von Beginn an gemacht und in seinen ersten zwei Spielen zwei Tore gemacht – eines habe ich ihm auflegen können. Wir haben mit dem neuen Trainer jetzt einen Systemwechsel gemacht, das kommt ihm noch ein bisschen mehr entgegen. Er fühlt sich wohl, seine Familie ist da. Ich hoffe, es geht so weiter. Wir sind eigentlich ungeschlagen, bis auf die zwei Partien gegen Krasnodar. Das wäre die Sahne am Kuchen gewesen, wenn wir auch noch Champions League spielen würden.

LAOLA1: Murg hat in einem Interview gesagt, dass PAOK vielleicht sogar eine Spur größer ist als Rapid. Würdest du das so unterschreiben?

Schwab: Ich will es nicht vergleichen, weil es anders ist. Ich weiß auch nicht genau, was er damit gemeint hat, in welcher Hinsicht PAOK größer ist. Dass Rapid drei Sterne am Wappen oben hat, ist kein Geheimnis. In der Historie haben sie sehr viel Titel geholt. Was er vielleicht meint, ist das Gesamtpaket, vom Umfeld, von der Infrastruktur her. Da ist PAOK schon sehr weit und es wird sehr professionell gearbeitet. Ich tue mir schwer, Vergleiche zu ziehen. Aber die Mannschaft, die wir hier mit den Legionären zur Verfügung haben, kostet schon einiges mehr wie die aktuelle Rapid-Mannschaft.

LAOLA1: PAOK lebt auch von den frenetischen Fans, die aktuell fehlen. Wie hast du trotzdem schon die Begeisterung in der Stadt mitbekommen oder den Fan-Aufmarsch, wenn ein neuer Spieler ankommt – den du selbst erlebt hast?

Schwab: Das kann man nicht mit Österreich vergleichen! Die Griechen leben den Fußball, sind sehr enthusiastisch und fanatisch. Ich bin am Flughafen angekommen, da war noch nicht einmal klar, dass ich unterschreibe. Da waren schon einige Kameras da und der Sportdirektor meinte nur: Kopf runter und geh‘! Es war Blitzlicht-Gewitter, die Fans haben uns bis zum Auto verfolgt – so was habe ich noch nie erlebt. Was da schon bei den Europacupspielen rund ums Stadion abgegangen ist: Wir sind vor den Heimspielen immer einkaserniert und wenn man vom Hotel runterschaut, ist die dreispurige Straße schon gesperrt mit PAOK-Fans auf ihren Mopeds, die nur warten, dass sie den Bus bis zum Stadion begleiten dürfen. So was habe ich das eine oder andere Mal mit Rapid erlebt, als wir mit dem Bus zum Cup-Finale nach Klagenfurt gekommen sind. Das sind Momente, die unglaublich waren und ich hier auch schon erleben durfte. Aber jeder erzählt mir nur, wie es ist, wenn wir wieder mit Zuschauern spielen dürfen, weil das noch einmal eine andere Liga als die Spiele bisher. Beim 4:1 gegen PSV Eindhoven nach 0:1 zur Pause hätte ich gerne gesehen, was da im Stadion losgewesen wäre. Darauf freue ich mich.

LAOLA1: Den Trainerwechsel hast du schon angesprochen. Welche Umstellungen bringt das mit sich, wenn man bedenkt, dass dich noch der alte Trainer geholt hat?

Schwab: Das Konzept von Abel Ferreira hat mich damals überzeugt, wir sind auch gut reingestartet. Und dann hat unser Trainer ein Angebot von Palmeiras aus Brasilien bekommen. Auswärts nach dem Granada-Spiel hat er sich von uns verabschiedet und gesagt, dass er ab morgen nicht mehr unser Trainer ist. Im Hintergrund hat der Verein mit Pablo Garcia einen neuen Trainer installiert, der das direkt von der U19 übernommen hat. Der hat dort 70 Spiele nicht verloren, das ist auch die beste Akademie in Griechenland. Er ist eine große Legende, die Fans lieben ihn. Er ist ein strenger Trainer, hat klare Anweisungen und hat das System umgestellt. Wir spielen jetzt offensiver. Das hat mit drei Siegen gleich ganz gut funktioniert. Es war natürlich gut für mich, dass ich vorher gut gespielt habe, weil er alle Spiele verfolgt hat. Er war auch zentraler Mittelfeldspieler und kann mir sicher noch das eine oder andere mitgeben. Da habe ich schon Glück gehabt, dass ich schon einige Trainer gehabt habe, die auf meiner Position gespielt haben und speziell darauf schauen. Das finde ich durchaus positiv.

LAOLA1: Du hast bei PAOK von Anfang an gespielt. Die Bilanz: 13 Pflichtspiele, 2 Tore, 7 Assists. Damit kann man schon zufrieden sein, oder?

Schwab: Natürlich ist das von der Statistik her gut, damit kann man aufzeigen, aber das ist nicht immer das Entscheidende. Wichtig ist, dass die Mannschaft gewinnt und man selber gut spielt. Ich habe selten so viele Assists in kurzer Zeit gehabt, aber unser Stürmer Swiderski macht derzeit fast aus jeder Chance ein Tor, deshalb kommen da Scorerpunkte für mich dazu. Aber am Anfang habe ich auch gute Leistungen gebracht und mich sehr gut integriert. Ich glaube, das ist eine meiner Stärken, dass ich null Anlaufzeit gebraucht habe. Das ist für einen Legionär, der zum ersten Mal ins Ausland geht, nicht selbstverständlich. Das hilft mir natürlich beim neuen Trainer enorm weiter.

LAOLA1: Wie unterscheidet sich deine Rolle auf dem Feld bei PAOK im Vergleich zu Rapid und wie bist du dort ins Spiel eingebunden?

Schwab: Es unterscheidet sich, dass ich nicht der Kapitän bin und es auch noch andere Führungsspieler gibt, die letztendlich Entscheidungen treffen. Vom Spielstil selber her war es mit der Dreierkette ähnlich wie wir mit Rapid im oberen Playoff gespielt haben. Jetzt spielen wir offensiver, da ist die Rolle so wie früher unter Zoki Barisic im 4-2-3-1 oder 4-3-3, wo wir viel Kontrolle haben und ich Box-to-Box spielen kann. Also es sind vom Spielstil durchaus Parallelen zu Rapid erkennbar.

"Es ist schon so, dass mich der Sportdirektor, der Trainer, viele Spieler und auch griechische Journalisten fragen, warum ich eigentlich in der Länderspielpause da und nicht beim Nationalteam bin. Meine Antwort ist die, dass es auf meiner Position in Österreich viele gute Spieler gibt. Das ist Fakt. Aber ich weiß, dass ich auch ein guter Spieler bin. Ich werde weiter daran arbeiten und nicht locker lassen."

Stefan Schwab

LAOLA1: Erwartest du dir dadurch auch wieder bessere Chancen im ÖFB-Team? Du warst zuletzt auf Abruf, hast erst einen Einsatz gehabt. So richtig ist es bei Rapid nie gelaufen.

Schwab: Die Entscheidung liegt natürlich beim Teamchef. Ich gebe mein Bestes. Ich habe in den ersten Monaten hier richtig aufmerksam auf mich gemacht, habe es zumindest wieder auf die Abrufliste geschafft. Es ist schon so, dass mich der Sportdirektor, der Trainer, viele Spieler und auch griechische Journalisten fragen, warum ich eigentlich in der Länderspielpause da und nicht beim Nationalteam bin. Meine Antwort ist die, dass es auf meiner Position in Österreich viele gute Spieler gibt. Das ist Fakt. Aber ich weiß, dass ich auch ein guter Spieler bin. Ich werde weiter daran arbeiten und nicht locker lassen. Dann erhoffe ich mir schon noch einmal eine Chance, um zu zeigen, dass ich fürs Nationalteam bereit bin. Ich bin ein gestandener Spieler, habe schon einige Europacup-Einsätze, viel Erfahrung, gute Leistungen gebracht und gute Statistiken vorzuweisen. Ich muss einfach so weitermachen, geduldig bleiben und wenn ich einberufen werde, meine Chance nützen. Natürlich schaue ich bei jeder Einberufung, ob ich dabei bin oder nicht. Ich will dabei sein, so wie jeder andere auch. Aber ich glaube schon, dass es möglich ist und ich es mir aufgrund der Leistungen auch verdienen würde.

LAOLA1: Es kommen im ÖFB-Team aktuell sehr junge neue Talente, die früh im Ausland spielen, nach. Es ist aber nicht so, dass du mit 30 Jahren das Thema deshalb abschreibst?

Schwab: Nein, das tut man nicht. Wenn man für Österreich einberufen wird, hat man da zu sein. Das ist auch bei mir der Fall, das will ich so machen. Es stimmt, dass viele gute Spieler auf meiner Position sind – auch junge Spieler. Aber ich traue mir schon zu sagen, dass ich mich nicht verstecken muss und ich sicher helfen kann, wenn ich meine Leistung bringe.

LAOLA1: Noch einmal zurück zu PAOK! In der Europa League seid ihr gut unterwegs, in der Liga unter den Top 3. Welche Ziele gibt dein Klub denn prinzipiell aus für diese Saison?

Schwab: Der Druck ist enorm, es werden Titel gefordert! PAOK ist vor zwei Jahren Doublesieger geworden, war letztes Jahr Zweiter und ist im Cup-Halbfinale ausgeschieden. Der Verein spielt jedes Jahr um Titel mit, die Fans wollen Titel sehen. Unser internes Ziel ist schon, dass wir nach der Saison etwas in Händen halten. Mit Olympiakos haben wir schon einen guten Gegner, der heuer auch wieder in der Champions League spielt. Aktuell sind wir bei einem Spiel mehr einen Punkt hinten, aber ich freue mich schon auf das direkte Duell, von dem alle reden. Es wird ein offener Kampf und wir können es uns zutrauen. Das ist auch typisch PAOK: Der Verein war noch nie in der Champions League, das war das ausgegebene Ziel. Egal, welche Gegner auf dem Papier gestanden sind und wir haben mit Besiktas und Benfica die härtesten Lose gekriegt, die es gibt. Die haben wir ausgeschaltet, es ist applaudiert worden, aber es war keine Zufriedenheit da, weil wir gegen Krasnodar nicht in die CL gekommen sind. Damit wurde das erste Saisonziel verpasst. Auch in der Europa League müssen wir jetzt aufsteigen. Wir sind jetzt gut dabei.

LAOLA1: In der griechischen Liga gibt es auch abseits von Murg und dir noch ein paar Österreicher. Es gab auch schon ein Wiedersehen mit Ex-Rapid-Trainer Damir Canadi.

Schwab: Das stimmt, wir haben vor Kurzem gegen Panetolikos gespielt, wo Christopher Knett im Tor steht, mit dem ich kurz geplaudert habe. Bei Atromitos gibt es mit Patrick Salomon und Damir Canadi auch bekannte Gesichter. Das war ganz spannend, mein erstes Spiel war sogar ein Testspiel gegen die beiden und gegen Salomon habe ich davor gefühlt hundert Mal in Österreich gespielt. Darüber haben wir dann am Platz gescherzt, wie unglaublich es eigentlich ist, dass wir jetzt in Griechenland gegeneinander spielen. Und Damir hat mich in Griechenland willkommen geheißen, mir alles Gute gewünscht und unserem Sportdirektor gratuliert, dass mich PAOK verpflichten konnte. Auch in der Liga haben wir uns schon gesehen und geplaudert. Er macht einen tollen Job bei Atromitos, wo auch der Ex-Rapidler Lucas Galvao spielt. Es ist immer schön, wenn man sich mit Österreichern austauscht.

LAOLA1: In der CL-Quali wolltest du kurz nach deinem Wechsel noch nicht auf Rapid treffen – was möglich war. Wie wäre es in der EL-K.o.-Phase, sollten beide Teams den Aufstieg schaffen?

Schwab: Damit wären schon sehr viele Emotionen verbunden! Es wäre natürlich ein Wahnsinn gewesen, wenn wir in der zweiten Champions-League-Quali-Runde aufeinander getroffen wären, weil es mein erstes Pflichtspiel bei einem ausländischen Verein gewesen wäre und dann gleich gegen Rapid. Das wäre so gut wie unmöglich und nicht einfach gewesen. So war es super, dass Rapid auch noch in die Euro League reingekommen ist. Wenn man in einer Gruppenphase gegeneinander spielt, ist es dann was anderes, als wenn es in einem Quali-Spiel ums Aufsteigen oder Ausscheiden geht. Grundsätzlich bin ich ein Profi, der für seinen neuen Verein zu hundert Prozent da ist und alles gibt – egal gegen wen es geht. Aber natürlich vergisst man nicht, wo man herkommt und wo man gespielt hat.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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