Kevin Danso: "Lionel Messi? Da will ich hin"

Kevin Danso: Foto: © GEPA
 

Der Neuanfang ist geglückt! ÖFB-Legionär Kevin Danso hat nach seiner zuletzt schweren Zeit mit dem FC Augsburg in der französischen Ligue 1 mit RC Lens Fuß gefasst.

Und wie: Der sechsfache Nationalspieler Österreichs ist nach seinem Wechsel im Sommer zum Fels in der Abwehr der Nordfranzosen avanciert, kam beinahe in allen Ligue-1-Spielen zum Einsatz. Apropos Ligue 1, dort belegt der erst 2020 aufgestiegene Klub aktuell einen Europacup-Platz. Danso scheint nach zwei Spielzeiten, in denen er zu Southampton und Düsseldorf verliehen wurde, endlich fest wo angekommen zu sein.

Liga-Primus PSG ist Lens zwar wie dem Rest der Liga enteilt, dennoch freut sich der ÖFB-Legionär schon auf das Kräftemessen mit den Hauptstädtern (Samstag, 21 Uhr, im LIVE-Ticker), wie er im LAOLA1-Interview erklärt. Darin äußert sich der Verteidiger auch über seine Ziele als Fußballer und das ÖFB-Team sowie Teamchef Franco Foda.

LAOLA1: Wie würdest du deine Zeit seit dem Wechsel von Augsburg nach Lens beschreiben?

Kevin Danso: Es ist bis jetzt eine gute und positive Zeit. Hoffentlich geht es genauso weiter. Die Mannschaft, das Trainerteam, der ganze Verein haben mich super aufgenommen. Deswegen sage ich, es hat sehr gut angefangen. Wir spielen momentan auch sehr gut.

LAOLA1: Wie ist das Leben in Frankreich?

Danso: Es ist anders, es ist eine andere Kultur. Nicht so viele Leute sprechen Englisch, aber ich versuche, so schnell wie möglich Französisch zu lernen. Das macht auch Spaß. Was ich sage, ist nicht immer richtig, aber ich versuche es. Nur so kann man lernen.

LAOLA1: Die letzten beiden Jahre mit Augsburg waren schwierig, weil du jeweils verliehen warst. In Lens wurdest du auf Anhieb Stammspieler. Welchen Unterschied macht es mental für dich, wenn du weißt, dass auf dich als Stammspieler gebaut wird?

Danso: Es hilft mir. Da gehst du in jedes Spiel rein, weißt, du kannst dein Spiel durchziehen ohne Hintergedanken, dass du bei einem Fehler im nächsten Spiel draußen sitzt. Als Fußballprofi braucht man Selbstvertrauen. Wenn man hundert Prozent Selbstvertrauen hat, kann man seine Leistung auf einem Top-Niveau bringen. Das versuche ich in jedem Training, in jedem Spiel, weil ich das Vertrauen spüre. Das ist mir bis jetzt gut gelungen.

LAOLA1: Hat dir das Vertrauen von Trainer- oder Vereinsseite bei deinen vorigen Stationen gefehlt?

Danso: Meiner Meinung nach schon, aber jetzt habe ich das Vertrauen und konzentriere mich nur auf das Hier und Jetzt. Ich versuche Top-Leistungen in jedem Training und jedem Spiel zu bringen.

"Es ist ein kleiner, familiärer Verein. Vom Zeugwart bis zu den Verantwortlichen, man grüßt sich und jeder schätzt sich. Deswegen wurde es mir einfach gemacht, mich in der Mannschaft einzufinden."

Kevin Danso über den RC Lens

LAOLA1: Das dürfte dir auch gelingen, du bist schließlich integraler Teil einer Überraschungsmannschaft. Wie überraschend kommt es für dich, dass ihr aktuell auf einem Europacup-Platz seid?

Danso: Von Minute eins habe ich gemerkt, dass das eine gute Mannschaft ist. Es ist eine sehr stark zusammengewachsene Mannschaft, die gut miteinander spielt und wir verstehen uns untereinander gut. Die Intensität im Training ist da, deswegen ist es für mich keine Überraschung, weil wir sehr fokussiert sind und in jedes Spiel gehen, um es zu gewinnen. Deswegen haben wir uns eine gute Ausgangssituation erarbeitet.

LAOLA1: War das für dich bei anderen Stationen anders oder hast du gemerkt, in Lens ist es etwas Spezielles?

Danso: Auf jeden Fall. Die Mannschaft ist richtig eng zusammengewachsen, bei anderen Mannschaften war es genauso, aber hier ist es noch ein Tick mehr. Es ist schwer das mit Worten zu beschreiben. Es ist ein Mannschaftsgefühl. Hier spüre ich es einfach ein bisschen mehr, das ist auf jeden Fall etwas Gutes.

LAOLA1: Dann dürfte bei der Kaderzusammenstellung einiges funktioniert haben, es sind doch sehr viele Neuzugänge, die ihr im Team habt. Hat man sich einfach schnell zusammengerauft?

Danso: Es ist ein kleiner, familiärer Verein. Vom Zeugwart bis zu den Verantwortlichen, man grüßt sich und jeder schätzt sich. Deswegen wurde es mir einfach gemacht, mich in der Mannschaft einzufinden. Deswegen klappt es auch so gut.

Kevin Danso in Aktion gegen Burak Yilmaz
Foto: © GEPA

LAOLA1: Am Wochenende habt ihr PSG vor der Brust. Ist es für dich ein besonderes Spiel, wenn es gegen den Liga-Primus geht?

Danso: Klar, weil dort mit die besten Spieler der Welt spielen. Messi, der erst den Ballon d’Or gewonnen hat, Neymar, Mbappe, Di Maria - das sind Spieler, die du im Fernsehen ansiehst und denkst: 'Das ist überragend, was die da machen.' Das sind Spitzenfußballer, genau da will ich hin. Für mich ist es immer ein Highlight gegen sie zu spielen, weil ich mich mit ihnen messen kann. Es ist etwas anderes, mit diesen Jungs auf dem Platz zu stehen, als ihnen zuzusehen.

LAOLA1: Gibt es dir noch den Extra-Kick oder bist du immer auf hundert Prozent, egal wer der Gegner ist?

Danso: Ich gebe immer hundert Prozent, aber ich glaube, wenn jemand sagt dass solche Spiele nicht besonders sind, dann lügt er.

LAOLA1: Jetzt ist Neymar nicht dabei, er ist verletzt. Ist das für dich ein Wermutstropfen?

Danso: Nein, sie haben trotzdem Di Maria, Icardi und so viele Spieler, die ihn - vielleicht nicht eins zu eins - aber doch ersetzen können. Deswegen macht es für mich nicht so viel aus. Zum Glück habe ich schon einmal gegen ihn gespielt (Anm: ÖFB-Testspiel gegen Brasilien, 10.06.2018). Auf dem Platz geht es am Samstag um Punkte und die wollen wir einfahren.

"Der Konkurrenzkampf ist in der Nationalmannschaft sehr hoch: Hinteregger, Alaba, Dragovic, Lienhart und Posch spielen alle sehr gut. Ich versuche, mich mit meiner Leistung hier wieder für die Nationalmannschaft zu empfehlen. Ich will da unbedingt dabei sein. Jeder der mich kennt, weiß, dass Länderspiele für mich an höchster Stelle stehen."

Kevin Danso über seine ÖFB-Karriere

LAOLA1: Ihr seid eben jetzt auf einem Europacup-Platz, aber die Saison ist noch jung. Wo müsstet ihr am Saisonende in der Tabelle stehen, damit du zufrieden wärst?

Danso: Wir versuchen gerade, nicht zu weit nach vorne zu schauen. Wir nehmen die Spiele immer Stück für Stück und schauen, wo wir sind. Generell sind für mich persönlich Champions League, Europapokal, EM und WM immer große Ziele. Deswegen will ich einmal daran teilnehmen.

LAOLA1: Der französische Fußball schreibt wegen Fan-Gewalt und Tumulten Schlagzeilen in der ganzen Welt. Ist das ein Problem, das nur in einzelnen Teilen des Landes wie im Süden vorherrscht? Wie schätzt du die Situation ein?

Danso: Bei uns läuft es normal ab. Die Fans machen super Stimmung, alles läuft gut. Ich kann den Süden Frankreichs nicht bewerten, weil ich nur zweimal dort gespielt habe und es sehr gut war. Aber das, was man sieht und hört, sollte im Fußball nicht passieren. Jeder will, dass die Fans da sind, weil es für einen Spieler etwas Besonderes ist, wenn sie Stimmung machen, aber was in Marseille passiert ist, darf nicht passieren.

LAOLA1: Du hast vorher erwähnt, dass du gerne bei einer EM oder WM spielen möchtest. Dein letztes Länderspiel ist schon drei Jahre her. Zum Oktober-Lehrgang wurdest du immerhin wieder eingeladen. Warum ist deine Nationalteam-Karriere ins Stocken geraten?

Danso: Ich glaube, es lag an meiner Spielzeit. Als ich in Southampton war, habe ich nicht so oft gespielt. Letzes Jahr war ich in der zweiten Liga in Deutschland, dort habe ich viel und auch durchgespielt. Der Konkurrenzkampf ist in der Nationalmannschaft sehr hoch: Hinteregger, Alaba, Dragovic, Lienhart und Posch spielen alle sehr gut. Ich versuche, mich mit meiner Leistung hier wieder für die Nationalmannschaft zu empfehlen. Ich will da unbedingt dabei sein. Jeder der mich kennt, weiß, dass Länderspiele für mich an höchster Stelle stehen. Deswegen gebe ich alles, egal wo ich bin, um bei der Nationalmannschaft dabei zu sein.

Danso nach seim vorletzten Länderspiel am 14.11.2017 mit Foda
Foto: © GEPA

LAOLA1: Franco Foda scheint nicht unbedingt der kommunikativste Teamchef aller Zeiten zu sein. Wie läuft die Kommunikation zwischen euch ab? Hörst du regelmäßig von ihm oder war vor allem in der Zeit, wo du nicht beim Team warst, Sendepause?

Danso: Kurz vor meinem Wechsel nach Düsseldorf habe ich Kontakt mit ihm aufgenommen, um ihm die Situation zu erklären. Beim vorletzten Lehrgang als ich nachnominiert wurde, haben wir dann wieder miteinander gesprochen. Beim Team haben wir auch immer wieder gesprochen, ich sehe das nicht so kritisch. Wenn ich eingeladen bin, haben wir immer gut kommuniziert.

LAOLA1: Aber wenn ich das richtig verstanden habe: Von deiner Leihe nach Düsseldorf bis zu deiner Nominierung - das war etwas mehr als ein Jahr - habt ihr nicht gesprochen?

Danso: Ja.

LAOLA1: Du warst fast während der gesamten WM-Qualifikation quasi Außenstehender. Wie hast du die Leistungen des Teams wahrgenommen?

Danso: Wir haben große Ziele, wollen an solchen Turnieren teilnehmen. Ich verfolge das auch sehr intensiv, weil ich meinen Teil dazu beitragen will. Es ist nicht die beste Ausgangssituation, aber jetzt haben wir die Chance durch die Playoffs. Ich glaube, da geht es darum, uns auf die kommenden Spiele zu konzentrieren. Alles was war, können wir eh nicht mehr ändern.

LAOLA1: Die kommenden Spiele sind ein gutes Stichwort: In eurem Playoff-Pfad geht es erst gegen Wales, danach möglicherweise gegen den Sieger aus Schottland gegen die Ukraine. Das ist wohl der einfachste Weg, um zur WM zu kommen. Ich formuliere das mal plakativ: Müsst ihr jetzt nicht eigentlich zur WM fahren? Die Gegner sind immerhin in Reichweite.

Danso: Genau deswegen dürfen wir nicht sagen, dass es 'einfach' ist, im Fußball kann alles passieren. Es geht um viel, alle Nationen werden noch eine Schippe drauflegen, weil alle zur WM wollen. Dass es einfach wird, ist falsch, aber wir werden uns voll reinhauen und alles dafür tun.

LAOLA1: 2022 findet die WM in Katar statt. Es fehlt natürlich noch etwas, dass sich das ÖFB-Team qualifiziert, aber solltet ihr es schaffen: Ist es für dich ein Wermutstropfen, dass es eine Katar-WM ist, oder ist das egal?

Danso: Generell können wir Spieler sowieso nicht beeinflussen, wo solch ein Turnier stattfindet. Es bleibt eine WM und da würde ich sogar zu Fuß hinlaufen.

LAOLA1: Wie nimmt man als Spieler Berichte über den Zustand im Land wahr, Stichwort Menschenrechtsverletzungen?

Danso: Es gibt im Leben viel größere Sachen als Fußball, deswegen muss man diese Dinge immer wahrnehmen und kritisch hinterfragen. Aber das ist eine Entscheidung der FIFA, wo die WM stattfindet. Auch ich unterstütze bei diesem schwierigen Thema die Linie und die Aktivitäten des ÖFB.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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