David Alaba in der Transfer-Zwickmühle

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Auf den ersten Blick klingt es, als würden da schon wieder alte Gerüchte aufgekocht werden.

David Alaba zum FC Barcelona? Das hatten wir erstmals im April 2012 und seither praktisch in jeder Transferzeit. David Alaba zu Real Madrid? Das lesen wir seit Oktober 2014 alle halben Jahre.

Doch diesmal ist es irgendwie anders. Es spricht viel dafür, dass der ÖFB-Star tatsächlich den Klub wechseln könnte. Doch die Situation ist für den 27-Jährigen gleichzeitig verzwickter, als man meinen würde.

Tatsache ist, dass der Jung-Papa so offensichtlich mit einem Abgang vom FC Bayern kokettiert wie eigentlich überhaupt noch nie. "Ich kann mir grundsätzlich auch vorstellen, einen anderen Weg einzuschlagen", sagte der Wiener erst unlängst.

Der Haken Corona-Pandemie

Der Zeitpunkt ist günstig. Der Vertrag des 72-fachen ÖFB-Teamspielers läuft im Sommer 2021 aus. Wenn sich Alaba also gegen eine Verlängerung entscheidet, wäre es praktisch die letzte Möglichkeit für den deutschen Rekordmeister, ordentlich Transfereinnahmen mit ihm zu generieren.

Der FCB sei auch durchaus bereit, Alaba zu verkaufen – für 70 bis 80 Millionen Euro wäre ein Transfer vorstellbar, ist zu hören. Damit wäre der Allrounder mit großem Abstand der teuerste österreichische Kicker aller Zeiten und gleichzeitig auch eindeutig der teuerste Verkauf des FCB. Angeblich wollten ihn die Bayern sogar als "Tauschobjekt" für Wunschspieler Leroy Sane zu Manchester City verscherbeln (Hier geht's zur Story >>>).

Doch es gibt einen Haken an der Sache. Aktuell ist noch nicht im Geringsten abschätzbar, wie sich die Corona-Pandemie auf den Transfermarkt auswirken wird. Wann endet die aktuelle, wann startet die neue Saison? Welche Auswirkungen hat das auf mögliche Wechsel? Und welcher Verein übersteht all das überhaupt finanziell?

Wer Zahavi nimmt, will ein Geschäft machen

Alaba jedenfalls scheint es ernst zu meinen, seine Bemühungen beschränken sich nicht auf mehr oder weniger eindeutige Aussagen in Interviews. Mehrere Medien berichten, dass der sechsfache Fußballer des Jahres drauf und dran ist, eine Vereinbarung mit Pini Zahavi zu treffen.

Der 76-Jährige ist einer der berühmtesten Fußball-Agenten der Welt. Der Israeli ist mit allen Wassern gewaschen und gilt als Mann für die großen Deals. Wer Zahavi engagiert, tut das nicht, um einen Mann an seiner Seite zu haben, der behutsam die weitere Karriere plant. Wer Zahavi engagiert, der will ein Geschäft machen.

2018 engagierte Robert Lewandowski den umtriebigen Israeli, um sich seinen Traum von einem Wechsel zu Real Madrid zu erfüllen. Zahavi scheiterte, verhandelte aber immerhin einen sensationell dotierten neuen Bayern-Vertrag für den Polen.

Sollte Alaba tatsächlich zu Real oder Barca wollen, benötigt er einen Mann wie Zahavi. Deals in solch einer Größenordnung bedürfen viel Verhandlungsgeschick, Erfahrung und guter Kontakte. Das sind keine Transfers, die so mir nichts, dir nichts mit drei Telefonaten und einem Abendessen über die Bühne gebracht werden.

Für die Bayern passt's

Doch warum sollten die Bayern einen Kicker, der bisher über 350 Pflichtspiele für sie bestritten hat, überhaupt ziehen lassen? Abgesehen von der bereits erwähnten Ablösesumme wäre der Zeitpunkt aus Sicht der Münchner ideal.

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Mit Alphonso Davies (19) hat sich in dieser Saison ein Talent auf der Linksverteidiger-Position etabliert, dem die Zukunft gehört. Und mit Lucas Hernandez hat der deutsche Rekordmeister erst im Sommer für 80 Millionen Euro einen defensiven Linksfuß geholt.

Drei Linksfüße kann Trainer Hansi Flick in der Defensive nie und nimmer unterbringen. Und inzwischen stellt jeder dieses Trios – völlig zurecht – den Anspruch, Stammkraft zu sein.

Knackpunkt Position

Und da sind wir auch schon beim Knackpunkt eines Alaba-Transfers angekommen: seiner Position. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die bisherige Karriere des achtfachen deutschen Meisters zieht.

In der unterbrochenen Saison hat diese Causa wieder Fahrt aufgenommen. Bei den Bayern hat sich Davies auf der Linksverteidiger-Position – eigentlich Alabas angestammte – festgespielt. Alaba spielt, wie einst auch schon unter Pep Guardiola, in der Innenverteidigung.

"Mein Abwehrchef" nennt ihn Flick. Und Mitspieler Joshua Kimmich findet: "Er gefällt mir auch überragend als Linksverteidiger, aber als Innenverteidiger ist er für mich wirklich mit einer der Besten der Welt."

Glücklich macht das Alaba aber gewiss nicht. Nachdem er Anfang Februar gegen RB Leipzig gar als rechter Innenverteidiger ran musste, stellte er öffentlich klar: „Das ist nicht unbedingt meine Idealposition.“ Überhaupt hat er schon mehrfach betont, sich selbst als Mittelfeldspieler in der Zentrale zu sehen.

Leere Versprechungen, schlechte Aussichten

Angeblich wurde dem Wiener bei seiner bisher letzten Vertragsverlängerung in München 2016 auch versprochen, dass er künftig vermehrt im Zentrum eingesetzt werden würde. Vier Jahre später muss er feststellen, dass das leere Versprechungen waren.

Währenddessen hat es mit Kimmich ein anderer Außenverteidiger in München sehr wohl geschafft, einen Stammplatz auf der Sechs zu erobern. Eine aus Alabas Sicht enttäuschende Entwicklung.

Dem ÖFB-Legionär muss aber auch klar sein, dass seine Chancen auf einen Platz im Mittelfeld in Madrid oder Barcelona genauso schlecht stünden. Es ist davon auszugehen, dass jedweder absolute Top-Klub, der Alaba kaufen würde, ihn als Links- bzw. Innenverteidiger kauft.

Was will Alaba wirklich?

Was also will der hochdekorierte Kicker? Einfach nur mehr Geld? Rund elf Millionen Euro soll er aktuell in München kassieren, die Top-Verdiener unter den Bayern nehmen mit rund 20 Millionen Euro fast das Doppelte. Doch das ist wohl nicht die Triebfeder Alabas. Um mit einem neuen Vertrag zu den bestverdienenden Kollegen aufzuschließen, braucht er keinen Agenten wie Zahavi.

Geht es um mehr Wertschätzung? Neue Erfahrungen? Dann wäre ein Wechsel wiederum naheliegend. Es wäre nicht verwunderlich, hätte das Bayern-Urgestein das Gefühl, bei seinem langjährigen Arbeitgeber als selbstverständlich wahrgenommen zu werden.

Nicht zuletzt angesichts der Tendenz sich den Medien gegenüber ziemlich verschlossen zu geben, gehören die Schlagzeilen in München für gewöhnlich anderen. Alaba mag konstant seine Leistungen bringen, die gefühlten Stars sind aber andere. Sollte sich der Linksfuß zu einem Wechsel entschließen, wäre sein Stellenwert angesichts der zu erwartenden Ablösesumme bei einem neuen Arbeitgeber freilich ein anderer.

Mit 27 Jahren ist es für den ÖFB-Star aller Wahrscheinlichkeit nach die letzte Chance, bei einem anderen Klub der Extraklasse zu landen. Wo auch immer Alaba unterschreibt, es wird wohl sein letzter langfristiger Vertrag sein. Da mögen alle Fürs und Widers gut abgewogen sein. Es sind entscheidende Wochen in der Karriere des besten österreichischen Fußballers des noch jungen Jahrtausends.

Textquelle: © LAOLA1.at

FC Bayern München wollte David Alaba gegen Leroy Sane tauschen

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