BVB: Favres irres Tor-Glück

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Seit Jahren fassen sich Fußball-Analytiker bei von Lucien Favre trainierten Teams ratlos an den Kopf.

Der Schweizer Taktikfuchs sorgt nämlich seit vielen Jahren für ein Phänomen im Fußball: Seine Mannschaften erzielen deutlich mehr und bekommen deutlich weniger Tore als dies statistisch sein sollte.

Doch ist das alles nur Glück oder steckt doch eine Taktik dahinter, die auch am Samstag im Topspiel mit Borussia Dortmund gegen den FC Bayern (Wett-Quoten) greifen kann?

Das sind Expected Goals

Hinter diesem Phänomen stecken die sogenannten Expected Goals. Während Fans gerne von 100 prozentigen Chancen reden, haben Analytiker eine Methode entdeckt, Torchancen zu bewerten. Dass ein Elfmeter ins Tor geht hat beispielsweise in der deutschen Bundesliga eine Wahrscheinlichkeit von 74,69 Prozent.

Dieser Wert wird errechnet, indem man alle geschossenen Elfmeter seit dem Start der Bundesliga hernimmt und sich ansieht, wie viele davon verwandelt wurden. Da mittlerweile die Datenerhebung im Fußball derart fortgeschritten ist, gibt es diese Wahrscheinlichkeit von allen möglichen Schusspositionen.

So hat ein Schuss außerhalb des Strafraums einen deutlich niedrigeren Expected-Goal-Wert als ein Versuch innerhalb des Sechzehners.

Anstatt nach Barcelona oder Manchester wechseln viele aufstrebende Fußball-Stars zu Borussia Dortmund. Der BVB brachte in den letzten Jahren viele Stars hervor. LAOLA1 gibt einen Überblick über die größten Talente: 

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Leonardo Balerdi (19): Die neueste Verpflichtung der Borussia. Obwohl der Argentinier nur fünf Spiele für die Boca Juniors absolvierte, bezahlte Dortmund mehr als 15 Millionen Euro für Balerdi.

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Lehnte unter anderem ein Angebot vom FC Barcelona ab. Der Innenverteidiger trainierte bereits mit den Profis, wird jedoch vorerst in der zweiten Mannschaft eingesetzt.

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Ousmane Dembele (21): Auf den Umsatz blickend, zweifelsfrei der Königstransfer der Borussen. Kam im Jahr 2016 von Stade Rennes für 15 Millionen Euro nach Dortmund und wurde nur knapp ein Jahr später für 115 Millionen an den FC Barcelona verkauft.

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Dembele brachte jedoch nicht nur positive Meldungen hervor. Seinen Wechsel nach Barcelona forcierte der 19-Jährige durch das absichtliche Fehlen bei Trainings.

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Christian Pulisic (20): Der Amerikaner kam bereits mit 14 Jahren aus Pennsylvania nach Dortmund, durchlief die Akademie und entwickelte sich zu einem absoluten Stammspieler. Brachte den Schwarz-Gelben nicht nur spielerische Klasse, sondern auch das Interesse der Amerikaner.

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Durch die immer größer werdende Konkurrenz, unter anderem durch Jadon Sancho, wechselt Pulisic mit Ende der Saison 2018/19 zum FC Chelsea. 64 Millionen Euro wird der 20-Jährige Dortmund einbringen.

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Jadon Sancho (18): Der 18-Jährige ist zurzeit wohl das größte Juwel auf dem Fußballmarkt. Wechselte im Sommer 2017 von der Akademie Manchester Citys nach Dortmund und ist mittlerweile absoluter Leistungsträger.

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Speziell mit Marco Reus (aktuell verletzt) harmoniert der Engländer bestens – 18 Torbeteiligungen in 21 Liga-Spielen sind eine beeindruckende Statistik für seine erste richtige Saison. Sein Marktwert beläuft sich bereits auf 70 Millionen Euro.

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Achraf Hakimi (20): Löste bereits in seiner ersten Saison öfters die Routiniers Schmelzer und Pisczek auf der Außenverteidiger-Position ab. Kam im Sommer auf Leihbasis von Real Madrid, bleibt Dortmund aber zumindest noch bis Sommer 2020 erhalten.

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Steigerte seinen Marktwert innerhalb von nur sechs Monaten um 20 Millionen Euro. Wird durch seine Schnelligkeit in viele Angriffe miteingebunden. Drei Tore sowie sieben Assists in 21 Spielen geben dieser Tatsache Recht.

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Youssoufa Moukoko (14): Die wohl kontroverseste BVB-Aktie. Wurde im Kamerun geboren und zog mit seinem Vater früh nach Deutschland. Ist laut eigener Aussage erst 14 Jahre alt, aufgrund seines Körperbaus und seiner spielerischen Stärke zweifeln jedoch viele an seinem Alter.

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Traf für die U17-Mannschaft Dortmunds in 15 Spielen ganze 28 Mal. Wurde auch im U16-Länderspiel gegen Österreich eingesetzt, blieb jedoch ohne Torerfolg.

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Alexander Isak (19): Ein sogenannter Perspektivspieler. Absolvierte in der laufenden Saison noch kein Spiel für die erste Mannschaft, sammelte stattdessen in der Regionalliga West Spielpraxis. Seine Dienste ließ sich Dortmund bereits 2017 knapp neun Millionen Euro kosten. Der Schwede kam aus der Akademie des schwedischen Erstligisten Solna.

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Isak soll Schritt für Schritt an die erste Mannschaft herangeführt werden - konnte jedoch auch dort schon einige Male überzeugen. Wurde für die zweite Saisonhälfte der Saison 2018/19 an Willem II in die Niederlande ausgeliehen, um dort Spielpraxis zu sammeln. Schoss bei der Eröffnung des neuen Austria-Stadions den 1:0-Siegtreffer.

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Dan-Axel Zagadou (19): Der 1-96m-große Verteidiger absolvierte in der laufenden Saison neun Bundesliga-Partien, wirkt trotz seines jungen Alters von 19 Jahren bereits abgeklärt.

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Der Franzose wurde in der Akademie von Paris Saint Germain ausgebildet und kam im Sommer 2017 ablösefrei nach Dortmund. Sein Marktwert ist mittlerweile auf 20 Millionen Euro angestiegen. Definitiv ein künftiger Nationalspieler.

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Julian Weigl (23): Wechselte bereits 2015 von 1860 München zur Borussia und war in den vergangenen Jahren stets absoluter Leistungsträger. Lässt sich als defensiver Mittelfeldspieler immer wieder zurückfallen und zeigt mit großer Passgenauigkeit auf.

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Aufgrund der mittlerweile großen Konkurrenz im Dortmunder Mittelfeld stand lange ein Wechsel Weigls im Raum – der BVB erteilte dem Defensivmann aber keine Freigabe für einen Transfer zu Paris St. Germain.

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Sergio Gomez (18): Sammelt ähnlich wie Alexander Isak in der zweiten Mannschaft Erfahrung. Durchlief die berühmte Barcelona-Akademie „La Masia“ und war Dortmund bereits mit 17 Jahren 3 Millionen Euro wert.

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Der quirlige Spanier gilt als große Zukunfts-Hoffnung im offensiven Mittelfeld. Wird jedoch wohl erst nächste Saison an die erste Mannschaft herangeführt werden.

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Jacob Bruun Larsen (20): Wird auf der Position des Linksaußen in der laufenden Saison immer wieder als Joker eingesetzt. Ist im Schnitt in jedem zweiten Spiel an einem Tor beteiligt. 

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Wechselte mit 16 Jahren vom dänischen Verein Lyngby in die Dortmunder Jugend. Wurde in der Rückrunde 2018 nach Stuttgart verliehen, absolvierte dort jedoch lediglich 104 Spielminuten. Etablierte sich daraufhin und wird nun unter Favre oft eingesetzt.

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Favres unglaubliche Statistik

Favre ist bekannt dafür, Underdogs zu erfolgreichen Teams zu formen. Sei es in der Schweiz, als er Servette Genf Pokalsieger oder mit dem FC Zürich zweimal Meister und Pokalsieger wurde, oder in Deutschland, als er Hertha Berlin beinahe in die Champions League geführt hat, Gladbach vor dem sicher scheinenden Abstieg gerettet und anschließend in die Europa League und Champions League geführt hat und jetzt mit dem BVB am Meistertitel schnuppert. Selbst in Frankreich hat in seiner ersten Saison mit OGC Nizza niemand mit Platz drei gerechnet.

Doch die Statistik dahinter ist noch überraschender: In Gladbach wie auch in Nizza war die tatsächliche Anzahl an Toren deutlich höher als der Wert der Expected Goals. Bei den Gegentoren dagegen hatte man eine deutlich geringere Zahl.

Und auch in dieser Saison bei Borussia Dortmund wiederholt sich dieses Phänomen. Die Borussen haben einen Expected-Goal-Wert von 51,29, tatsächlich haben sie aber 66 geschossen. Das sind fast 15 Tore mehr und mit großem Abstand Liga-Topwert. Lediglich bei den erwarteten Gegentoren ist man in dieser Saison mit der tatsächlichen Anzahl ident.

Alcacer als Parade-Beispiel

Stellvertretend für diese Abnormalität kann man BVB-Goalgetter Paco Alcacer nennen. Der Spanier netzte in dieser Saison bereits 16 Mal. Nimmt man seine Expected Goals her, hätten das aber nur knapp neun Tore sein dürfen.

Nun zu vermuten, Favre und seine Spieler haben seit Jahren, Klubunabhängig, stets das Glück auf ihrer Seite wäre natürlich falsch. Vielmehr hat Favre Fähigkeiten, von denen andere Trainer nur träumen können.

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Teil eins des Erfolgsgeheimnisses ist, dass die Teams des Schweizer häufig den Weg über die Seiten suchen. Dabei haben Pässe aus dem Zentrum eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit zu einer Torchance zu führen. Doch Favre lässt von der Seite keine Flanken schlagen, angesichts des fehlenden Stoßstürmers in der Mitte auch sinnlos, sondern forciert Pässe in den Rückraum der Abwehr.

Eine Idee, die beispielsweise Jadon Sancho unglaubliche 13 Assists einbrachte. Geht es nach den Expected Assists hätten diese um die Hälfte weniger sein müssen.

Favre als Wahrsager

Teil zwei des Erfolgsgeheimnisses ist jedoch noch viel wichtiger. Sein ehemaliger Spielanalytiker Kai Peter Schmitz erinnert sich bei „11Freunde“ an die wahrsagerischen Qualitäten des Trainers: „Favre weiß immer, wie sich welcher Spieler und die gegnerische Mannschaft in welcher Situation verhält.“

Und so stellt er seine Mannschaft bereits im Vorfeld der Partie ideal auf den Gegner ein, seine Spieler wissen genau, was in der Defensive und was in der Offensive zu tun ist. Seine Erfolgsformel lautet also vereinfacht gesagt: Seine Mannschaft gibt gute Schüsse ab, die gegnerische schlechte.

Gelingt das auch gegen die Bayern (Samstag, 18:30 Uhr im LAOLA1-Ticker), machen die Borussen einen großen Schritt Richtung Meistertitel.



Textquelle: © LAOLA1.at

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