Burgstaller: Vollgas nach 616 Tagen Ladehemmung

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Guido Burgstaller ist endgültig beim FC St. Pauli angekommen. Der 31-jährige Kärntner konnte in den letzten fünf Spielen in der 2. deutschen Bundesliga jeweils ein Tor erzielen und ist einer der Gründe für den Aufwärtstrend der "Kiezkicker".

Doch seine Zeit auf St. Pauli begann denkbar schlecht: Im zweiten Spiel zog sich der Stürmer eine Verletzung im Bauchraum zu und musste operiert werden. Kein idealer Start, wie Burgstaller im LAOLA1-Gespräch erzählt.

Der ehemalige österreichische Nationalspieler äußert sich außerdem zu seinem letzten Jahr auf Schalke, der aktuelle Misere von "Königsblau" und seiner Hoffnung auf einen Meistertitel von Ex-Klub Rapid.

LAOLA1: Du bist nun seit mehr als fünf Monaten bei St. Pauli unter Vertrag, wie geht es dir in Hamburg?

Guido Burgstaller: Ganz gut, danke. Ich habe mich gut eingelebt, fühle mich sehr wohl hier in Hamburg und in der Mannschaft. Ich bin sehr glücklich, hier zu sein.

"Vor allem wenn du bei Traditionsvereinen wie St. Pauli spielst, tut es schon weh, dass man keine Unterstützung der Fans im Stadion hat."

Guido Burgstaller

LAOLA1: Der FC St. Pauli gilt auch in Österreich als ganz spezieller Klub. Wie bekommst du das tagtäglich zu spüren?

Burgstaller: Man bekommt mit, dass Vielen St. Pauli am Herzen liegt, im Klub und außerhalb bei den Fans. Auch wenn sie nicht im Stadion sind, merkt man schon, dass ihnen viel an diesem Klub liegt, das spüren wir als Spieler auch. Ob das Videobotschaften sind oder Fans, die vor dem Stadion warten, das bekommt man mit und das macht Spaß. Ich kann es kaum erwarten, wenn das Millerntor-Stadion wieder voll ist.

LAOLA1: Wie sehr sehnst du denn den berüchtigten "Millerntor-Roar" herbei, den du ja noch nicht erleben konntest?

Burgstaller: Ich konnte ihn leider nur einmal als Gegner miterleben. Deswegen freue ich mich riesig, weil ich weiß, die Stimmung hier ist super. Ich glaube, dass jeder Fußballer das gerade vermisst. Vor allem wenn du bei Traditionsvereinen wie St. Pauli spielst, tut es schon weh, dass man keine Unterstützung der Fans im Stadion hat. Das ist leider schon länger so. Wir hoffen und warten, dass die Situation besser wird.

LAOLA1: Sportlich war dein Start durch die Verletzung im Bauchraum mit anschließender Operation nach dem zweiten Spiel suboptimal. Was ging dir zu diesem Zeitpunkt durch den Kopf?

Burgstaller: Erstens ging mir durch den Kopf, dass ich schnell wieder gesund werde, weil es schon ein kleiner Schock war. Diese Verletzung war eine unglückliche, die man nicht so oft im Leben hat. Daher stand im Vordergrund, dass alles wieder gut wird, die Operation und die Reha gut verlaufen. Klar, es war ein richtig blöder Zeitpunkt. Wenn du zu einem neuen Verein wechselst, gleich eine Operation hast und die Mannschaft noch gar nicht kennst, noch nicht so richtig angekommen bist, ist das sehr, sehr doof.

LAOLA1: Wie wichtig war für dich persönlich das Tor gegen Hannover? Es war dein erstes Liga-Tor nach 616 Tagen.

Burgstaller: Natürlich ist es schön, wenn du als Stürmer triffst. Diese Statistik ist, glaube ich, für euch Journalisten interessanter als für mich. Diese Zahl habe ich schon öfter an den Kopf bekommen. Klar, ich habe gewusst, dass ich irgendwann wieder treffe. Das letzte Jahr auf Schalke ist nicht gut gelaufen, ich habe aber gewusst, dass ich schon Tore schießen kann und bin froh, dass ich das wieder zeigen kann.

LAOLA1: Sportchef Andreas Bornemann hat nach deiner Ankuft gesagt, dass du mit deiner Spielweise perfekt zu St. Pauli passen würdest. Das hast du ihm doch in den vergangen Wochen beweisen können, oder?

Burgstaller: Das muss man Andreas Bornemann fragen. Ich freue mich, dass ich hier bin. Es funktioniert gut, wir spielen in den letzten Runden guten Fußball. Der Trend geht nach oben, wenn wir so weiter machen wie in den letzten Wochen, sind noch einige Siege möglich. Daran müssen wir aber hart arbeiten, so wie das ganz normal ist in diesem Geschäft. Wir haben gute Qualität in der Mannschaft und deswegen freue ich mich auf die nächsten Wochen.

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LAOLA1: Der gute Trend hängt wohl auch mit deiner Rückkehr zusammen. Mit dir hat St. Pauli nur einmal verloren, ohne dich gab es nur einen Sieg. Was gibst du der Mannschaft, was sie sonst nicht hat?

Burgstaller: Ich glaube nicht, dass eine einzelne Person den Unterschied ausmacht. Fußball ist immer noch ein Mannschaftssport, da gehören alle dazu. Wir haben im Winter den Reset-Knopf gedrückt, sind noch einmal neu durchgestartet und haben uns einiges vorgenommen, was wir viel besser umsetzen als gesamte Mannschaft. Wir haben jetzt einen Weg gefunden, der in die richtige Richtung führt, und alle ziehen voll mit. Man sieht auch, dass wir uns dafür belohnen und diesen Weg müssen wir einfach weiter gehen.

LAOLA1: Im Winter gab es auch einen Tormannwechsel. Mit Dejan Stojanovic kam ein weiterer Österreicher zum FC St. Pauli. Was kannst du über deinen Landsmann sagen?

Burgstaller: Ich freue mich, dass er hier ist. Ich kannte ihn vorher nicht. Er ist ein super Charakter und dirigiert lautstark von hinten. Ich hoffe, er bringt weiter gute Leistungen wie in den letzten Wochen.

LAOLA1: Nach dem heurigen Saisonstart kann das einzige Ziel nur der Klassenerhalt sein. Was sind deine Ziele mit dem Verein in den kommenden Jahren?

Burgstaller: Das ist schwierig zu sagen, ich schaue ungern soweit voraus. Wir wissen, woher wir kommen. Dass der Herbst von der Punkteausbeute her nicht gut war, wissen wir alle. Jetzt müssen wir Konstanz reinbringen, auf der wir aufbauen können. Das machen wir in den letzten Wochen gut. Dann werden wir sehen, was in den nächsten Jahren möglich ist.

"Ich war lange auf Schalke und es tut sehr weh, das mitzuerleben und Schalke auf dem letzten Platz zu sehen. Ich habe immer noch Hoffnung, dass sie das irgendwie umdrehen können und aus dieser schwierigen Situation rauskommen."

Guido Burgstaller

LAOLA1: Du warst dreieinhalb Jahre auf Schalke und bist jetzt wieder in der 2. deutschen Bundesliga angekommen. Wie ist der Niveauunterschied zwischen den Ligen? Macht sich der bemerkbar oder ist er eher kleiner?

Burgstaller: Die Tore sind in der ersten und zweiten Liga gleich groß. Natürlich wird gegen die Bayern oder im Derby gegen Dortmund jeder Fehler ausgenutzt. Das ist nochmal eine andere Qualität, das steht außer Frage. Die zweite Liga ist eine ganz schwierige, zweikampfbetonte und laufstarke Liga. Jeder kann gegen jeden gewinnen, es gibt keine einfachen Spiele. Das ist sicher kein Honigschlecken.

LAOLA1: Du hast die laufende Spielzeit mit Schalke begonnen. Hättest du diese Art von Absturz deines Ex-Vereins für möglich gehalten?

Burgstaller: Nein, habe ich nicht. Ich war lange auf Schalke und es tut sehr weh, das mitzuerleben und Schalke auf dem letzten Platz zu sehen. Ich habe immer noch Hoffnung, dass sie das irgendwie umdrehen können und aus dieser schwierigen Situation rauskommen. Natürlich ist das schwierig, wenn man auf die Tabelle schaut, aber ich hoffe einfach, dass die Jungs das Ruder irgendwie herumreißen können. Sie haben genug Qualität in ihren Reihen. Ich bange und hoffe, dass sie das schaffen.

LAOLA1: Was sind deiner Meinung nach die Gründe für diese Misere?

Burgstaller: Schwierig zu sagen. Ich glaube, dafür gibt es mehrere Gründe, aber dafür bin ich der falsche Ansprechpartner.

LAOLA1: Wie war die Stimmung in der Mannschaft nach der Rückrunde in der Vorsaison? Schalke konnte in der Liga nur einen Sieg feiern.

Burgstaller: Der Start in die vergangene Saison war eigentlich überragend: Wir waren nach der Herbstrunde Fünfter. Im Winter sind einige Verletzte hinzugekommen und wir sind dann in einen Strudel hineinkommen, aus dem wir nicht mehr herausgekommen sind, was schwer zu erklären ist. Wenn du dann gar kein Spiel mehr gewinnst, setzt sich das im Kopf fest. Das war eine ganz schwere Zeit für uns Spieler und alle drumherum. Das hat sich natürlich nicht schön angefühlt.

LAOLA1: Du hoffst, dass Schalke den Klassenerhalt schafft, aber glaubst du tatsächlich daran?

Burgstaller: Möglich ist alles. Wie gesagt, wenn du mal einen kleinen Lauf hast, was die Mannschaft auf jeden Fall drauf hat, davon bin ich überzeugt, ist das auch noch zu schaffen. Aber dass es eine Mammutaufgabe ist, da brauchen wir nicht groß herumreden. Ich drücke ihnen die Daumen, ich weiß um die Qualität der Mannschaft.

LAOLA1: Dann gehen wir in deiner persönlichen Vergangenheit noch einen Schritt zurück, aber gleichzeitig in die Zukunft: Am Sonntag triffst du auf den 1. FC Nürnberg. Das ist wohl ein besonderes Spiel...

Burgstaller: Ich komme immer gerne nach Nürnberg zurück. Ich habe nach meinem Wechsel mit Schalke auch schon dort gespielt. Ich habe mich in Nürnberg auch zwei Jahre sehr wohl gefühlt und dort eine gute, erfolgreiche Zeit gehabt.

LAOLA1: Was war dein Lieblingsmoment im Nürnberg-Trikot?

Burgstaller: Das Erreichen der Relegation mit dem dritten Platz (Saison 2015/16, Anm.). Mit 65 Punkten wärst du immer direkt aufgestiegen, aber in dieser Saison waren Leipzig und Freiburg vor uns. Wir haben eine wirklich tolle Saison gespielt und haben leider dann im Rückspiel in der Relegation gegen Frankfurt 0:1 verloren. Das Spiel zuhause in Nürnberg mit den Fans in Rücken war ein cooles Erlebnis, nur das Ergebnis hat nicht gepasst.

LAOLA1: Auf Klubebene in Österreich verbindet man dich mit dem SK Rapid. Verfolgst du die Lage in Hütteldorf noch speziell?

Burgstaller: Ja, doch. Ich schaue mir immer wieder mal die Highlights an, schaue die Spiele ab und zu und habe da ein Auge drauf.

LAOLA1: Glaubst du, Rapid ist auf einem guten Weg?

Burgstaller: Wenn ich mir die Tabelle anschaue, schon. Da ist alles möglich. Sie haben einen guten Lauf. Vielleicht erwischen sie mal die Salzburger auf dem falschen Fuß. Auch der LASK und Sturm Graz sind gut drauf, das wird ein richtig spannender Kampf um die Meisterschaft in diesem Jahr.

LAOLA1: Du glaubst also, dass eine dieser Mannschaften die Salzburger Dominanz durchbrechen kann?

Burgstaller: Möglich ist alles. Klar ist, dass Salzburg die Qualität hat, die können sich wahrscheinlich nur selber schlagen. Aber wenn der Moment kommt und Salzburg ein, zwei Spiele schwächelt, muss Rapid voll da sein und punkten. Dann ist das möglich. Dass es schwierig ist, weiß jeder. Salzburg hat einfach gute Qualität, aber ich hoffe darauf.

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