Kenesei: "Ist bitter, dass wir nicht vier Punkte haben"
Gegen Inter Mailand schrammen die Veilchen hauchdünn am ersten Sieg in der UEFA Women's Champions League vorbei. Trotz Enttäuschung ist man auch stolz.
von Emily Konrad
Bitterer Champions-League-Abend für die Frauen des FK Austria Wien!
Bis zur 93. Minute scheint der erste Sieg in der UEFA Women's Champions League geschafft, doch dann gelingt Inter Mailand in der allerletzten Minute doch noch der Ausgleich (zum Spielbericht >>>).
"Es ist das zweite Champions-League-Match in unserer Geschichte und ich bin zum zweiten Mal nicht 100 Prozent glücklich", so Trainer Stefan Kenesei unmittelbar nach dem Spiel. "Wir hätten zum zweiten Mal mehr verdient", ärgert sich der 41-Jährige.
Schon gegen den FC Chelsea verpassten die Austrianerinnen einen Sensationspunkt nur knapp, gegen Inter schien der Sieg in trockenen Tüchern. Vor allem in der ersten Halbzeit legten die Wienerinnen einen dominanten Auftritt hin, von den Italienerinnen war kaum etwas zu sehen.
"Dann schaut das Spiel auch wieder anders aus"
In dieser Phase hätte man wohl ein Tor nachlegen müssen und auch können. "Wir können in der ersten Halbzeit auch ein Tor nachlegen, dann schaut das Spiel auch wieder anders aus. Ich bin nicht glücklich, dass es nur ein Punkt geworden ist", ist der Ärger spürbar.
In der zweiten Halbzeit kamen die Gäste immer besser ins Spiel, zur Halbzeit wechselte David Sassarini gleich vier Mal. Inter kam zu einigen gefährlichen Chancen, gleich zwei Mal rettete Schlussfrau Jasmin Pal im Eins-gegen-Eins (72., 78.).
Dennoch sei man sehr stolz auf die gezeigte Leistung. "Ich finde, dass wir sehr mutig waren und gut nach vorne attackiert haben, es war sehr intensiv. Leider haben wir das Tor gekriegt, unverdient, finde ich, weil wir richtig gut gekämpft haben. Aber so ist es halt im Fußball", meint Torschützin Modesta Uka.
Dankeschön ans Team
Modesta Uka sorgte in der 21. Spielminute per Weitschuss für das 1:0 - der erste Treffer der Austrianerinnen in der Champions League. Der Jubel war freilich groß. "Natürlich bin ich sehr glücklich, aber ich muss meinem Team Dankeschön sagen, ohne sie hätte ich es nicht geschafft", sagt die Kosovarin über ihren Treffer.
Die überzeugende Leistung in der ersten Spielhälfte kam für sie nicht überraschend.
Neuer Zuschauerrekord
Einen großen Rückhalt stellten an diesem geschichtsträchtigen Abend die Fans dar. 3.609 Fans fanden am Donnerstagabend ihren Weg ins Stadion, so viele wie noch nie bei einem Heimspiel der Austrianerinnen. Zum ersten Mal war auch die Osttribüne geöffnet, wo eine ordentliche Anzahl an Fans für Stimmung über die volle Spieldistanz sorgte.
Trainer Kenesei verweist dabei vor allem auf das Spiel in London, zu dem nur etwas mehr als 1000 Fans kamen. "Dann spielen wir hier zuhause im vermeintlich kleinen Fußball-Land Österreich und es kommen so viele Zuschauerinnen und Zuschauer", so Kenesei.
Torfrau Jasmin Pal meint: "Wir sind richtig dankbar für jeden, der da war und der zuschauen konnte. Wir schätzen es sehr, dass die Stimmung so cool war." Die Leistung ist für Kenesei "Grund genug, dass beim nächsten Mal noch mehr Zuschauer kommen."
Die Austria ist angekommen
Ein Zähler steht nach zwei von sechs Spieltagen der Ligaphase also auf dem Konto der Austrianerinnen. Hat man die Spiele gesehen, weiß man, dass hier mehr möglich gewesen wäre. Eines steht fest: Die Austria ist in der Women's Champions League angekommen - und bleibt ambitioniert.
"Wir träumen weiterhin von der K.o.-Phase. Das ist ein ganz klares Ziel von uns", gibt Kenesei den Ton an. "Du musst in einem Bewerb klare Ziele haben und das Ziel muss erreichbar sein. Wir haben uns die K.o.-Phase vorgenommen, sie ist für uns in unserer Denkweise erreichbar. So treten wir auch auf. Wir wollen in den letzten vier Spielen die nötigen Punkte holen", so der Übungsleiter weiter.
Es sei unglaublich, dieses Ziel aussprechen zu können. Die Leistungen zeigen aber: Es ist möglich. Um zumindest die K.o.-Phasen-Playoffs zu erreichen, müssten die Wienerinnen zumindest 12. werden.
Am 29. Oktober treffen die Veilchen zuhause auf Juventus Turin, wo es bereits die nächste Chance auf drei Punkte gibt.