Medienschelte: Quo vadis, DFB?

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Das erstmalige Aus eines deutschen Nationalteams in der WM-Gruppenphase ist auch am Tag danach noch das beherrschende Thema.

Deutsche Medien versuchen, den Super-GAU irgendwie einzuordnen, die neue Situation zu analysieren. Das tun sie schonungslos.

Als Österreicher ist der Hang zur Schadenfreude oft groß. Eines kann man unserem Nachbarn aber nicht vorwerfen - dass sie im Falle des aktuellen Misserfolgs das Kind nicht beim Namen nennen.

Der Tenor: Die Signale wurden nicht rechtzeitig erkannt!

Die Kritik und Ursachenforschung beschäftigt sich vorrangig mit Bundestrainer Joachim Löw, der Einstellung der Mannschaft, aber auch dem Weltmeister-Bonus, der aufgrund des vor vier Jahren Erreichten scheinbar "betriebsblind" gemacht hat.

LAOLA1 hat sich im deutschen Blätterwald umgesehen und fasst die beinharten Kommentare inklusive Analysen aber auch Lösungsvorschläge zusammen:

"kicker"-Chefreporter (Oliver Hartmann):

Fazit: "Löw irrte gewaltig (nach der Vorbereitung), als er noch die Meinung vertrat, seine Weltmeister-Riege werde im Ernstfall schon wieder zur richtigen Körpersprache und Einstellung zurückfinden. Das Gegenteil war der Fall. Den Schlendrian, der sich in den vergangenen sieben Monaten eingenistet hatte, bekam der Bundestrainer seinem Kader in der dreiwöchigen Vorbereitung nicht ausgetrieben."

Lösungsansatz: "Der ideenlose, kraftlose und zunehmend hilflose Zeitlupenfußball-Auftritt gegen Südkorea markiert das peinliche Ende einer zuvor acht Jahre glanzvollen Ära. Die Generation um Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil, die 2009 die U21-Europameisterschaft gewann und - bereichert um Thomas Müller und Toni Kroos - sich 2014 zum verdienten Weltmeister kürte, hat als Achse der Nationalmannschaft ausgedient. Mit Blick auf die EM 2020 und die WM 2022 ist ein radikaler Umbruch vonnöten."

Gründe: "Denn dieses Vorrunden-Aus, schon beim Auftakt gegen Mexiko eingeleitet, ist nicht das Resultat unglücklicher Umstände oder mangelnder sportlicher Qualität, sondern das Ergebnis einer Vielzahl von Fehlern und Fehleinschätzungen. Löw hat sein ganzes Augenmerk fatalerweise darauf konzentriert, die aus unterschiedlichen Gründen seit Wochen (Hummels, Müller) oder gar Monaten (Neuer, Özil, Boateng) um ihre Form ringenden Routiniers wieder in die Spur zu bekommen. Er hat fälschlicherweise geglaubt, es werde sich in den Vorbereitungswochen alles irgendwie einrenken."

"BILD"-Zeitung (Matthias Brügelmann):

Fazit: "Was für eine Blamage! Was für ein Angsthasen-Fußball! Bundestrainer Joachim Löw hat Deutschland zum Titel geführt – er hat jetzt auch diesen Tiefpunkt zu verantworten. Bedenklich, dass der Mannschaft abgesehen vom Schweden-Spiel das Feuer, die Leidenschaft fehlte. Das muss Löw sich ankreiden lassen."

Lösungsansatz: "Eine Ära ist vorbei. Gilt das auch für den Trainer? Löw muss sich nach zwölf Jahren als Bundestrainer kritisch hinterfragen, ob er bereit ist, aus seinen Fehlern von Russland zu lernen und den Umbruch radikal durchzuziehen. Nur dann ist Löw der richtige Bundestrainer für die EM 2020."

Das blamable Aus der DFB-Elf bei der Fußball-Weltmeisterschaft hat auch Spuren bei den Anhängern hinterlassen.

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"Frankfurt Allgemeine Zeitung" (Anno Hecker):

Fazit: "Schon während der vergangenen Saison ließ sich erkennen, dass die zentralen Spieler der WM 2014 nicht mehr auf der Höhe ihres Könnens waren und, abgesehen von Kroos und Boateng, nicht mehr diese Siegermentalität ausstrahlten wie noch vor vier Jahren. Sie scheinen ihren Zenit überschritten zu haben.

"Aber so wie für die in die Jahre gekommenen Weltmeisterspieler die Niederlage in Russland eine Zäsur bedeutet, quasi das internationale Karriereende einer grandiosen Generation, so muss auch Löws Zukunft als Chef diskutiert werden. Er hat die Verantwortung für die Zusammenstellung des Kaders. Er hat die „Jugend“ gelobt, aber ihr zu wenig vertraut. Und er hat im Spiel gegen Mexiko Schwächen beim Coaching gezeigt, nicht zum ersten Mal."

Zukunft: "Löw darf nicht sakrosankt sein, wenn das schmerzhafte Resultat von Kasan der Beginn von etwas Neuem, Großem sein soll, des nächsten Fußballfestes zur Freude der Millionen Fans in Deutschland. Dass die Party vorbei ist, bevor sie richtig begonnen hat, ist verschmerzbar – falls die Strategen des deutschen Fußballs die Zeichen der Zeit erkennen und handeln."

"Süddeutsche Zeitung" (Christof Kneer):

Fazit: "Noch nie ist eine DFB-Elf in einer WM-Vorrunde ausgeschieden, und die Dimension dieser Blamage wird umso größer, wenn man sich die Spieler dieser Elf anschaut. Da spielte keines dieser Rumpelteams der Achtziger, die Supergrätschen drauf hatten, aber aus Versehen Fernschüsse machten, wenn sie den Ball stoppen wollten. Da spielten technisch und taktisch versierte Champions-League-Sieger und Weltmeister, die jedes Detail beherrschen, das zu diesem Spiel gehört."

"Das Absurde an diesem Scheitern ist, dass es sich über die Vorrunde angekündigt hat, und trotzdem hat es keiner hören wollen."

Gründe: "Manche Spieler lassen Filmchen über sich drehen, andere unterhalten Modelinien, und am Ende war dieses Weltmeister-Deutschland einfach nicht scharf genug für und auf dieses Turnier. Fast täglich wurde betont, wie groß der Hunger und die Gier seien, diesen Titel zu verteidigen, und jeden zweiten Tag erklärten Spieler und Trainer, dass sie dem Beispiel der vorhergehenden Weltmeister selbstverständlich nicht folgen würden: Die waren im jeweils folgenden Turnier gerne mal früh ausgeschieden. Aber wir doch nicht, hallo?! Wir sind Deutschland!"

"Diese WM hat sich für den DFB als einzige Fehleinschätzung erwiesen: Löw ist dem trügerischen Gefühl aufgesessen, er würde all die Einzelgeschichten, die seine Spieler ins Turnier schleppen, schon wieder zu einer guten Gesamtgeschichte zusammenfügen - einfach, weil's immer so war. Einige Spieler kamen aus Verletzungspausen, andere waren in ihren Klubs keine Stammspieler oder hatten keine Form, wieder andere haben das Klima und sich selbst mit einem Erdogan-Foto belastet - es war zu viel für dieses Team, dessen Selbstüberschätzung im dritten Spiel plötzlich in Angst umschlug."

Die WELT (Julien Wolff):

Gründe: "Besonders bitter ist das Verpassen der K.o.-Runde aus zwei Gründen. Erstens: Das Ausscheiden ist verdient, die deutsche Mannschaft wusste in den drei Spielen maximal in wenigen Phasen zu überzeugen. Zweitens: Das WM-Aus ist hausgemacht."

"Die Mannschaft ließ bei diesem Turnier so vieles vermissen: Stabilität, Kreativität, Tempo."

Lösungsansatz: "Es gibt Gründe, warum Löw Bundestrainer bleiben sollte. Wenn er betont, er wolle Verantwortung übernehmen, tut er dies, indem er die Mannschaft der Zukunft aufbaut. Dass er eine Mannschaft entwickeln kann, hat er in den vergangenen Jahren bewiesen. So bitter diese WM war – Löw kann weiter der richtige Mann sein. Sofern er bereit ist, auf die neue Generation zu setzen."

SPOX (Jochen Tittmar):

Gründe: "Relativ vielen Leuten in Deutschland scheint das Scheitern der DFB-Auswahl relativ egal zu sein. Und das hat Gründe, nicht zu wenige sogar."

Lösungsansatz: "Einen grundsätzlichen sportlichen Neustart braucht die Nationalelf nicht zwingend. Deutschland reiste mit einem sehr guten Kader nach Russland, kann auf ein großes Repertoire von talentierten Spielern zurückgreifen und wird auch bei den nächsten Turnieren Akteure berufen, die in der Lage sein werden, die Ansprüche des Verbands zu erfüllen. Auch unabhängig von einem möglichen Rücktritt von Joachim Löw."

"Um nach dem historischen Desaster der WM 2018 den Neustart zu wagen, muss es in sportlicher Hinsicht keinen radikalen Schnitt geben, sondern vielmehr eine deutliche Abkehr oder zumindest starke Reduzierung der bisherigen Vermarktungsstrategie geben. Oder, um mit der etwas derberen Sprache der Fankurven zu sprechen: nur weniger Quatsch führt zu mehr Identifikation."

Probleme: "Worüber sich die Granden des DFB grundlegende Gedanken machen sollten, und dafür hätte es diese Stunde null gar nicht gebraucht, ist, wie man der längst offensichtlichen Entfremdung zwischen Zuschauern und Mannschaft sowie der damit einhergehenden mangelnden Identifikation mit dem Marketingprodukt DFB-Team entgegentreten will."

"Gemeint sind damit stupide Marketingclaims und Hashtags wie #BereitWieNie und #DerVierteStern (2014), #ViveLaMannschaft (2016) oder die aktuellen #BestNeverRest sowie #zsmmn. Ein mündiger Spieler wie Mats Hummels ließ schon wenig später durchblicken, dass auch er nichts davon hält, das deutsche Nationalteam künftig "Die Mannschaft" zu schimpfen. Was ohnehin niemand in Deutschland tut. Niemand."

YAHOO Sport (Marcel Reif):

Fazit: "Die deutsche Mannschaft ist nie in diesem Turnier angekommen. NIE."

"Die Maßnahmen von außen haben nicht funktioniert. Die Einstellung hat nie gestimmt."

Gründe: "Es hat viel nicht gestimmt, das Coaching, die Einstellung. Löw wird sich viele Fragen gefallen lassen müssen, einige Spieler waren nicht in Topform, manche sind vielleicht auch satt, manche haben zu viele Spiele in den Knochen.

"Du gibst Özil und Khedira noch eine Chance gegen einen schwachen Gegner, den wir sowieso schon geschlagen haben – das ist das falsche Signal! Sollen sie mal zeigen, ob sies können. Du hast alle Weltmeister spielen lassen und die hatten plötzlich was zu verlieren. Spieler wie Julian Brandt bringst du nicht – der hatte heute nichts zu verlieren, die anderen verlieren ihren Nimbus. Der ist einmal weg."

Lösungsansatz: "Es wäre mir schon sehr geholfen, wenn keine Frage ungestellt bleibt – es gibt keine Tabus. Wenn du da ausscheidest, musst du dich alles fragen lassen."

Textquelle: © LAOLA1.at

WM 2018 - DFB: Löw-Entscheidung in nächsten Tagen

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