Sieben irre Facts zum Erdogan-Klub

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Auf dem ersten Blick ist Istanbul Basaksehir der wohl unattraktivste Gruppen-Gegner des Wolfsberger AC in der Europa League.

Wirft man allerdings einen zweiten Blick auf den türkischen Top-Klub, so findet man doch etliche interessante und vor allem diskussionswürdige Aspekte.

Den meisten Fußball-Fans durfte auch in Österreich bereits untergekommen sein, dass es sich bei Basaksehir um den Lieblingsklub des umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan handelt. Dementsprechend viele Verbindungen und Verstrickungen zur Politik finden sich in der jungen Vereinsgeschichte wieder.

Doch das ist wahrlich nicht der einzige nennenswerte Punkt des Vereins aus Istanbul. LAOLA1 kennt die interessantesten Fakten vor dem Europa-League-Duell gegen den WAC (Donnerstag, ab 18:55 Uhr im LAOLA1-Ticker).

Die kurze Geschichte des Vereins

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Der Istanbuler Klub blickt auf keine allzu lange Tradition zurück. Erst 1990 wurde er vom damaligen Bürgermeister Nurettin Sözen als Istanbul Büyüksehir Belediyespor gegründet und diente als Betriebsmannschaft der Istanbuler Stadtverwaltung. Laut eigenen Angaben war schon damals Erdogan an der Gründung beteiligt.

2007 folgte schließlich der Aufstieg in die Süper Lig, 2013 ging es allerdings noch einmal in die zweite Liga. 2014 gelang jedoch der direkte Wiederaufstieg, inklusive Umbenennung in Istanbul Basaksehir.

Seither gehört man auch stets zur Top-Gruppe, war nie schlechter als Vierter und schloss die vergangene Saison gar als Vize-Meister ab.

So viel Erdogan steckt im Klub

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Präsident Erdogan ist natürlich weit mehr als "nur" Edel-Fan und Gründungsmitglied. Beinahe überall hat er seine Finger im Spiel und bringt seine Vertrauensleute ein.

So ist der Präsident des Vereins, Göksel Gümüsdag, wohl nicht ganz zufällig mit der Nichte Erdogans verheiratet. Bei Haupt- und Namenssponsor Medipol handelt es sich um eine Krankenhauskette, die Fahrettin Koca gehört. Er ist Gesundheitsminister der Türkei und überdies der Leibarzt der Familie Erdogan.

Das 2014 eröffnete Fatih-Terim-Stadion, benannt nach dem aktuellen Galatasaray-Coach und erfolgreichsten türkischen Trainer aller Zeiten, wurde ebenfalls von einem Bauunternehmen errichtet, welches eine Nähe zur Regierungspartei AKP aufweist.

Die Alt-Stars des Vereins

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Durch die mächtigen Geldgeber hat Basaksehir natürlich durchaus Möglichkeiten, interessante Namen nach Istanbul zu locken. Dies nützt man vor allem für Alt-Stars aus, der Kader ist gespickt mit Ü30-Kickern.

Der vielleicht berühmteste Name ist wohl Robinho. Der brasilianische Stürmer, einst bei Real Madrid und Manchester City als "neuer Pele" angepriesen, spielt seit Jänner beim Verein. Doch die Liste lässt sich fortführen.

In der Offensive rittern auch noch Eljero Elia oder Demba Ba um die weiteren Startplätze. In der Verteidigung gibt es noch die Ex-Premier-League-Stars Martin Skrtel und Gael Clichy.

Vom FC Barcelona spielt zudem Arda Turan leihweise bei Basaksehir. Beim Skandal-Profi, der zuletzt wegen illegalen Waffenbesitzes und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt wurde, gibt es wenig überraschend ebenfalls eine Verbindung zu Erdogan: Der Präsident war jüngst bei der Hochzeit des Flügelstürmers sein Trauzeuge.

Der Österreich-Bezug

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Das Duell gegen den WAC ist nicht der erste Berührungspunkt des Klubs aus Istanbul mit dem rot-weiß-roten Fußball. So wechselte im Sommer Frederik Gulbrandsen, nachdem sein Vertrag bei Red Bull Salzburg nicht verlängert wurde, zum Verein.

Der norwegische Stürmer hält aktuell bei zehn Einsätzen und immerhin zwei Toren. Angesichts der prominenten Konkurrenz in der Offensive durchaus beachtlich. Ebenfalls bis zum Sommer in der Bundesliga aktiv war Cheikhou Dieng. Der Flügeflitzer wechselte 2016 vom SKN St. Pölten nach Istanbul, wurde seitdem an diverse Vereine verliehen und spielte vergangenes Frühjahr für Wacker Innsbruck.

Dieng hat allerdings ebenso keine Spielberechtigung für die aktuelle Spielzeit wie Kerim Frei. Der Flügelstürmer ist Türkisch-Schweizer Doppelstaatsbürger und wurde in Feldkirch in Vorarlberg geboren.

Warum die Nummer 12 nicht vergeben wird

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Eine weitere interessante Anekdote hat – wie kann es anders sein – natürlich wieder mit Erdogan zu tun. Denn bei Basaksehir wird die Trikotnummer "12" nicht mehr vergeben.

Bei den meisten Teams ist diese Ehre legendären Spielern oder, wie beim FC Bayern, den Fans vorbehalten. Doch bei Basaksehir handelt es sich nicht um einen normalen Klub.

So hat Erdogan bei der Eröffnung des neuen Stadions ein Trikot mit der Nummer 12 getragen, was den Verein veranlasst hat, dieses Trikot nicht mehr herzugeben.

Neue Heimat für suspendierten Spieler

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Die vorangegangenen Punkte machen schon recht deutlich, dass Politik und Sport bei Basaksehir kaum voneinander zu trennen sind. Erst vor wenigen Tagen stellte man dies erneut unter Beweis.

Der Stürmer Cenk Sahin hat nach der türkischen Offensive in Nordsyrien auf Instagram ein Bild gepostet und dazu geschrieben: "Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und der Armeen. Unsere Gebete sind mit euch!" Für seinen Arbeitgeber FC St. Pauli zu viel, eine Solidarisierung mit kriegerischen Handlungen widerspreche den Werten des Vereins, worauf man Sahin suspendierte und auch vom Training freistellte.

Der Erdogan-Klub fackelte nicht lange und präsentierte Sahin wenige Tage später als Trainingsgast.

Profiteur der Finanz-Probleme

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Den unbestrittenen sportlichen Erfolg von Basaksehir nur auf den großen Einfluss von Präsident Erdogan zurückzuführen wäre jedoch nur die halbe Wahrheit. Der Klub profitiert auch von den großen finanziellen Sorgen des traditionellen Top-Trios aus Istanbul: Besiktas, Galatasaray und Fenerbahce.

Laut "kicker" drückt diesen drei Mannschaften ein Schuldenberg von über 1,4 Milliarden Euro. Ausstehende Gehälter haben zum Abgang einiger Spieler geführt, und die nationale Dominanz des Trios endete.

So konnte Basaksehir tabellarischund bei der Star-Power zu den Stadt-Rivalen aufschließen, bei den Zuschauer-Zahlen kämpft der Klub aber noch um Anerkennung. Durchschnittlich finden sich in der aktuellen Saison nur knapp 3.000 Fans im 17.300 Plätze fassenden Fatih-Terim-Stadion.

Besiktas (27.701 Zuseher), Fenerbahce (38.464) und Galatasaray (41.861) spielen da in einer völlig anderen Liga.

Textquelle: © LAOLA1.at

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