LASK-Gegner Alkmaar: Talent-Truppe mit Sorgen

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"Alkmaar im freien Fall!" So beschreibt die bekannte niederländische Tageszeitung "De Telegraaf" die aktuelle Lage beim Gegner des LASK im Sechzehntelfinale der Europa League (heute, ab 21 Uhr im LIVE-Ticker und auf DAZN).

Sportlich läuft es bei den Nord-Niederländern im Kalenderjahr 2020 noch überhaupt nicht, vor dem Duell gegen die Linzer kommen zudem große Verletzungssorgen dazu.

Nicht unbedingt die schlechtesten Vorzeichen für Österreichs Tabellenführer vor dem Auswärtsspiel in Alkmaar. Warum die Aufgabe gegen den Zweiten der Eredivisie, der immerhin fast den vierfachen Marktwert der Linzer aufweist, dennoch eine äußerst schwierige wird und auf welchen holländischen Teenager es besonders aufzupassen gilt, erklärt LAOLA1:

Neuer Trainer, neuer Erfolg

Ähnlich wie beim LASK musste man sich in Alkmaar im Sommer von einem über lange Jahre erfolgreichen Coach trennen: John van den Brom verließ den Verein nach fast fünf Jahren Amtszeit, für ihn übernahm der unerfahrene Arne Slot, zuvor Co-Trainer unter van den Brom.

Die AZ-Verantwortlichen gingen damit ein Risiko ein – eines, das sich voll auszahlte: Der 41-jährige ehemalige Mittelfeldspieler überzeugte bei seiner ersten Station als Cheftrainer vollends, nach 37 Spielen unter seiner Regie darf sich Alkmaar über einen Punkteschnitt von genau zwei Zählern pro Partie freuen.

Vor allem im Herbst ging praktisch alles auf, was Slot anfasste. Von der zweiten Runde der Europa-League-Qualifikation stieß er mit Alkmaar bis in den Hauptbewerb vor und von dort hinter Manchester United bis ins Sechzehntelfinale.

In der Eredivisie ging Alkmaar, das letztmals 2009 holländischer Meister wurde, mit nur drei Punkten Rückstand als erster Verfolger von Ajax Amsterdam in die Winterpause und im holländischen Pokal wurde mühelos das Viertelfinale erreicht.

Schwache Nerven in entscheidender Phase?

Doch damit enden die Parallelen mit der bisherigen Traumsaison des LASK auch schon.

Während die Linzer den Schwung aus dem Herbst fast mühelos ins Frühjahr mitnehmen konnten, ins Halbfinale des ÖFB-Cups einzogen und den zuvor 53 Spiele zuhause unbezwungenen Serienmeister Red Bull Salzburg mit einem Auswärtssieg die Tabellenführung stibitzten, sieht man bei Alkmaar im Moment etwas die Felle davonschwimmen.

Im Cup war gegen NAC Breda Endstation, in der Liga musste Alkmaar sich in gleich zwei der wegen des Sturmtiefs Sabine erst vier ausgetragenen Frühjahrsrunden geschlagen geben. Erst vergangenes Wochenende bei Nachzügler Twente Enschede auf bittere Art und Weise mit 0:2.

Gesamte Innenverteidigung fällt aus

Neben der sportlichen Misere muss Slot erstmals in seiner noch jungen Trainerkarriere auch eine äußerst angespannte Personalsituation handeln.

Mit den beiden Stamm-Innenverteidigern Stijn Wuytens (Muskelverletzung), dem Ex-Niederlande-Teamspieler Ron Vlaar (Verletzung des Beinbeugermuskels) und deren Ersatzmann Pantelis Chatzidiakos (Kreuzbandriss) fallen alle drei Akteure, die im Herbst die AZ-Innenverteidigung bildeten, für das Duell mit dem LASK aus. Zudem muss der ohnehin nicht gesetzte Albert Gudmundsson mit einer Grippe passen, Mittelfeld-Stammspieler Fredrik Midtsjø fehlt im Hinspiel gelbgesperrt.

Bereits im Winter wurde mit der Verpflichtung des aus Dänemark zurück nach Holland geholten Ramon Leeuwin in der Defensive gehandelt. Da aber kein weiterer Innenverteidiger im Kader von Alkmaar steht, der für die Startelf in Frage kommt, wird am Donnerstag Teun Koopmeiners an der Seite von Leeuwin ganz hinten aushelfen.

Alkmaar-Quartett die Zukunft der Oranje?

Koopmeiners, technisch starker Linksfuß, eigentlich im defensiven Mittelfeld zuhause und mit erst 21 Jahren seit Sommer Jung-Kapitän von Alkmaar, ist einer von gleich vier AZ-Eigenbauspielern, denen eine ganz große Zukunft in Orange vorhergesagt wird.

Owen Wijndal, Myron Boadu und Calvin Stengs heißen die anderen. Alle vier werden am Donnerstag in der Startelf erwartet, allesamt sind sie aktuelle U21-Teamspieler der Niederlande, obgleich Boadu und Stengs unter Ronald Koeman auch schon im A-Team debütieren durften und womöglich bei der EURO im kommenden Sommer in den Kader rutschen könnten.

Owen Wijndal, 20-jähriger linker Außenverteidiger, gilt als die Entdeckung der Eredivisie-Saison. Der schnelle Linksfuß konnte unter Slot seinen Durchbruch feiern und ist für seinen Offensivdrang bekannt.

Ähnlich sieht es beim 21-jährigen Calvin Stengs aus, der ebenfalls unter Slot so richtig explodierte. Der dribbelstarke Offensivkünstler mit Wurzeln in Suriname kommt am liebsten über die Flügel, wird am Donnerstag aufgrund der Personalnot im Mittelfeld aber als Zehner auflaufen. Laut Gerüchteküche dürfte er im Sommer als Nachfolger von Hakim Ziyech zu Ajax Amsterdam abwandern.

Die heißeste Aktie von Alkmaar heißt aber Myron Boadu. Der erst 19-jährige Angreifer befindet sich ebenfalls mitten in seiner ersten vollen Profisaison und hält in dieser nach 34 Spielen bei 19 Treffern, zudem kommt der athletische Stürmer auf 13 Assists. Auch an ihm soll wenig überraschend Ajax Amsterdam dran sein, doch auch Juventus Turin soll bereits die Fühler ausgestreckt haben. Boadu wird ebenso wie Stengs vom italienischen Star-Spielervermittler Mino Raiola beraten – nicht unbedingt die schlechtesten Vorzeichen für eine Weltkarriere.

Slot warnt: "Team mit ernsthafter Qualität"

Doch nicht nur die Spieler von Alkmaar sind gefragt, Coach Arne Slot wurde nach der Entlassung von Mark van Bommel als heißer Trainer-Kandidat bei PSV Eindhoven gehandelt, auch bei Ajax Amsterdam soll Interesse bestehen, sollte Erfolgs-Trainer Erik ten Hag den Klub im Sommer verlassen.

Slot selbst wirkt öffentlich wie ein bescheidener Zeitgenosse, der seine Worte mit Bedacht wählt. Angesprochen auf den kommenden Gegner LASK, der in den Niederlanden auch nach den zwei Gruppen-Spielen gegen die PSV Eindhoven (0:0, 4:1) nicht den ganz großen Namen hat, erklärt der 41-Jährige gegenüber „De Telegraaf“:

"Ich habe nicht viel von den beiden Spielen gesehen, die die PSV gegen den LASK gespielt hat, weil wir gleichzeitig in der Europa League gespielt haben. Was ich aber weiß ist, dass sie mit 13 Punkten Erster in einer Gruppe mit PSV, Sporting und Rosenborg wurden. Das deutet darauf hin, dass sie als Team ernsthafte Qualität haben.“

Bei einem Blick auf die Tabelle der österreichischen Bundesliga nach der Sechzehntelfinal-Auslosung im Dezember erschrak Slot fast: „Ich habe gesehen, dass sie nur zwei Punkte hinter Red Bull Salzburg liegen. Wenn mir eine Mannschaft bei der Auslosung nicht gefallen hätte, ist es Salzburg. Ich denke, das ist wirklich ein sehr gutes Team. Ich habe die Spiele zwischen Liverpool und Salzburg gesehen. Und Salzburg und der LASK unterscheiden sich in der österreichischen Bundesliga kaum.“

LASK eine "Pressingmaschine"

Über die Athletiker ist der Alkmaar-Chefcoach besser informiert, als man sich das in Linz eventuell wünschen würde. Unmittelbar nach Bekanntwerdung der Auslosung kontaktierte Slot seinen holländischen Trainer-Kollegen Marcel Keizer, der im September noch Coach von Sporting Lissabon war und angesichts des Aufeinandertreffens in der Europa-League-Gruppenphase eine Gegneranalyse vom LASK erarbeitete. Von ihm erfuhr Slot:

„Er sagt, dass der LASK genau wie Salzburg eine Pressingmaschine ist. Aber in gewissem Sinne sind wir das auch.“

Überhaupt sieht Slot gleich mehrere Parallelen zwischen seinem Team und jenem von Valerien Ismael: „Wenn man an Österreich denkt, denkt man zuerst an Salzburg, genau wie an Ajax in den Niederlanden. Aber der LASK ist Salzburg in dieser Saison ebenbürtig, ebenso wie wir es Ajax sind. Ich sehe einen Vergleich in diesem Bereich.“

Der LASK tritt die Reise nach Holland indes in einer selbstauferlegten Außenseiter-Rolle an. In dieser sind die Linzer in dieser Saison stets gut gefahren und haben schon das eine oder andere Mal geglänzt. Bereits am Donnerstag könnte dem wieder der Fall sein.

Eines ist jedenfalls klar: Die Sorgenfalten bei Arne Slot und den Alkmaarern dürften vor dem Duell mit Österreichs Tabellenführer nicht gerade kleiner geworden sein.

Erwartete Aufstellungen:

LASK: Schlager; Wiesinger, Trauner, Filipovic; Ranftl, Holland, Michorl, Renner; Goiginger, Raguz, Frieser.

AZ Alkmaar: Bizot; Svensson, Leeuwin, Koopmeiners, Wijndal; Clasie, de Wit; Evjen, Stengs, Idrissi; Boadu.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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