Aufstieg gegen Molde? Rapid kann "Finale"

Aufstieg gegen Molde? Rapid kann Foto: © GEPA
 

Der SK Rapid steht vor seinem "Endspiel".

Was zwischenzeitlich in der Gruppenphase nicht immer erreichbar schien, wurde vor zwei Wochen mit dem Sieg bei Dundalk dann doch fixiert: Die Chance, am letzten Spieltag im "Finale" gegen Molde FK (Do., ab 18:55 Uhr im LIVE-Ticker, auf Puls 4 und DAZN) den Aufstieg ins Sechzehntelfinale zu schaffen.

Auf dem Duell mit den Norwegern liegt der totale Fokus, die Total-Rotation gegen Arsenal sowie Kräfteschonen in Hartberg zielten schon darauf ab, alles dem übergeordneten Ziel Aufstieg zu opfern.

Während es den Hütteldorfern in den vergangenen Jahren in der Bundesliga oftmals nicht glückte, Ausrutscher der Konkurrenz oder hochstilisierte "Endspiele" für sich zu entscheiden, sieht es in der Europa League anders aus.

Denn Rapid kann "Finale" - spätestens seit dem Einzug in die EL-K.o.-Phase 2018/19, als die Grün-Weißen im damaligen Entscheidungsspiel die Glasgow Rangers schlagen konnten. Mit jenem Ergebnis, das auch diesmal reichen würde. Zudem weiß auch der heutige Sportchef Zoran Barisic, wie man im Europacup überwintern kann.

Als Rapid den Rangers den Schottenrock auszog

Fast genau vor zwei Jahren war im Allianz Stadion alles angerichtet für ein Fußballfest. Ausverkauftes Haus, ein Riesen-Ansturm auf Karten aus Schottland und eine Party auf den Tribünen - für eine außergewöhnliche Atmosphäre war gesorgt.

Die Ausgangsposition war ähnlich wie auch dieses Jahr. Sowohl Rapid als auch die Rangers machten sich untereinander aus, wer von beiden Gruppensieger Villarreal ins Sechzehntelfinale folgt. Rapid hatte den Startvorteil von einem Punkt mehr, Glasgow hatte das Hinspiel mit 3:1 gewonnen.

Am Ende reichte jedoch ein knapper 1:0-Sieg, um mit vier Punkten Vorsprung auf den direkten Konkurrenten aufzusteigen. Frei nach dem Motto "Zieht den Bayern die Lederhosen aus" wurde hier den Rangers der Schottenrock ausgezogen. Der damalige Schütze des Goldtores: Dejan Ljubicic. Der Kapitän fehlt den Hütteldorfern jedoch verletzungsbedingt, ein herber Verlust. Der damalige Assistgeber Christoph Knasmüllner hat hingegen gute Chancen, auch diesmal dabei zu sein. Für Didi Kühbauer war es damals ein Riesen-Erfolg, erst zwei Monate zuvor hatte er den Trainerjob bei Rapid übernommen.

Mit dem Fokus, der Leistung und dem Enthusiasmus in Hütteldorf stellten die Grün-Weißen damals unter Beweis, dass sie durchaus das Zeug haben, ein Alles-oder-Nichts-Spiel für sich zu entscheiden. Das sollte Ansporn genug sein, dieses Kunststück zwei Jahre später erneut zu schaffen.

Schnee, politische Proteste und Aus gegen Kiew

Doch kramt man in der Europa-League-Geschichte ging das Unterfangen in einem "Endspiel" auch schon einmal schief - allerdings unter ganz anderen Voraussetzungen, außerdem ist es schon ein paar Jahre länger her.

Genauer gesagt vor fast genau sieben Jahren, am 12. Dezember 2013, als Rapid auswärts bei Dinamo Kiew noch am letzten Gruppen-Spieltag die Möglichkeit hatte, den ukrainischen Top-Klub auszuschalten und selbst in die K.o.-Phase vorzudringen. Bei eiskalten Temperaturen und Schneegestöber, noch dazu stand die Mannschaft bei der Einreise unter speziellem Schutz, da die Situation in Kiew im Zuge des Euromaidan mit Aufständen, Protesten und Demonstrationen gegen die Regierung endgültig zu eskalieren drohte.

Sportlich hätte Rapid einen Punkt Rückstand aufholen müssen, also wäre nach dem 2:2 in Wien ein Sieg nötig gewesen. Beim 1:3 in der ukrainischen Hauptstadt waren die Wiener dann aber schlussendlich chancenlos und mussten sich mit Platz drei begnügen.

Apropos drei - sollte Rapid Molde besiegen, wäre dies bereits der dritte Einzug ins Sechzehntelfinale der Europa League nach 2018/19 und 2015/16.

Barisic und Co. als Vorreiter beim ersten Sechzehntelfinal-Einzug

Beim historischen ersten Vorstoß der Hütteldorfer in bis dahin unbekannte Gefilde nützte man jedoch schon früher in der Gruppenphase das "erste Endspiel", um sich bereits zwei Spieltage vor Schluss sicher in der nächsten Runde zu wähnen.

2015/16 war bis dato Rapids mit Abstand erfolgreichste Europa-League-Saison. Mit dem vierten Sieg im vierten Spiel beim 2:1 auswärts bei Viktoria Pilsen - viele erinnern sich sicher noch an das legendäre Stolperstor von Philipp Schobesberger - löste man vorzeitig das Ticket für das erstmalige Überwintern in der Europa League. Die Gruppe schloss man schlussendlich als Erster mit 15 Punkten vor Villarreal (13), Pilsen (4) und Dinamo Minsk (3) ab. Die einzige Niederlage gegen die Spanier am fünften Spieltag fiel nicht mehr ins Gewicht.

Spieler wie Mario Sonnleitner, Richard Strebinger, Christopher Dibon, Maximilian Hofmann, Srdjan Grahovac, Philipp Schobesberger und Deni Alar waren damals schon dabei und könnten heuer zum dritten Mal die Hürde nehmen. Zudem war der heutige Geschäftsführer Sport Zoran Barisic vor fünf Jahren als Trainer der Vorreiter, der dieses Kunststück zusammenbrachte.

Dass "Zoki" dann jedoch eine unfreiwillige Auszeit bei Rapid hinlegte, ehe er als Sportdirektor zurückkehrte, lag unter anderem am Ausscheiden im Sechzehntelfinale der Europa League - denn in diesem Punkt hätte Rapid mit Sicherheit noch Verbesserungspotenzial, wenn es dieses Jahr soweit kommen sollte.

Zuerst Aufstieg, dann kein Valencia- oder Inter-Deja-vu

Denn die bisherigen Duelle nach dem Aufstieg aus der Gruppenphase waren schmerzhaft - vor allem im Februar 2016. Die Vorfreude auf den großen FC Valencia war damals noch groß, das blaue Wunder nach dem Duell umso größer.

Rapid ging damals auswärts in Spanien mit 0:6 unter und kassierte dann im ohnehin schon belanglosen Rückspiel in Wien auch noch eine 0:4-Klatsche. Mit einem Gesamtscore von 0:10 mussten sich die Wiener eingestehen, dass die Bühne der letzten 32 Teams doch noch zu groß ist.

Drei Jahre später, im Februar 2019, zog man Inter Mailand und sorgte bei der 0:1-Heimniederlage im Hinspiel am Valentinstag mit einer starken Leistung für eine Liebesbotschaft an die Fans, die nur durch ein Elfmeter-Tor von Lautaro Martinez gemildert wurde. Die Hoffnungen, im Giuseppe-Meazza-Stadion, dann das Wunder zu schaffen, erledigten sich durch Gegentore in der 11. Minute durch Matias Vecino und in der 18. Minute durch Andrea Ranocchia (18.) dann aber schnell. Am Ende hieß es 0:4, Gesamtscore 0:5.

Aber so weit darf die Truppe von Didi Kühbauer ohnehin nicht denken. Die Gegenwart heißt Molde - diese Aufgabe wird schwierig genug. Bewiesen, dass Rapid "Finale" kann, haben sie in der Vergangenheit aber bereits. Das kann hilfreich sein.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..