Jogi Löw hat keine Lust auf Ruhestand

Jogi Löw hat keine Lust auf Ruhestand Foto: © getty
 

Mit dem EM-Aus Deutschlands endet auch die Ära von Joachim Löw als DFB-Teamchef. Nach dem vorzeitigen Scheitern seiner Elf entschuldigt sich der 61-Jährige einerseits bei den Fans, nimmt aber auch zu seiner Zukunft Stellung.

"Von Ruhestand habe ich noch nie gesprochen. Klar ist, dass eine Pause jetzt mal wichtig ist. Auch eine emotionale Pause. Ich war so lange beim DFB und verantwortlich für die Nationalmannschaft. Es ist klar, dass man ein bisschen Abstand benötigt", sagt Löw.

Im Interview spricht er neben seinen Zukunfts-Pläne auch darüber, was von 15 Jahren als deutscher Bundestrainer bleibt:

Frage: Welche Gedanken sind Ihnen nach dem Spielschluss durch den Kopf gegangen, welche Emotionen haben Sie erlebt?

Löw: Es ist klar, dass die Enttäuschung bei uns allen, den Spielern, den Trainern und dem Team hinter dem Team, enorm groß ist. Wir haben wirklich sehr viel investiert in den letzten Wochen. Die Mannschaft hat sehr gut gearbeitet und einen guten Spirit entwickelt. Wir haben es leider nicht geschafft, das in letzter Konsequenz auf den Platz zu bringen ... Die Mannschaft hat alles reingeworfen. Was fehlt: Abgebrühtheit, Kaltschnäuzigkeit in manchen Momenten. Die Mannschaft muss noch ein Stück reifen, um als Mannschaft erwachsen zu sein.

Frage: Als Sie schnell in die Katakomben gegangen sind, welche Bilder gingen Ihnen da durch den Kopf?

Löw: Nach dem 2:0 hatte ich schon das Gefühl, dass es schwierig wird, dieses Spiel nochmal zu drehen. Es ging ja nur noch ein paar Minuten. Als ich in die Kabine rein bin, war ich erstmal sehr enttäuscht. Dass wir es nicht geschafft haben, den Lucky Punch zu setzen. Die Enttäuschung ist da. Viel mehr Gedanken sind im Moment nicht möglich.

Frage: Eine Ära geht zu Ende. Was bleibt von 15 Jahren Bundestrainer?

Löw: In diesen 15 Jahren waren sehr viele Dinge dabei, die sehr positiv waren. Ich war ja schon dabei bei der Heim-WM 2006. Dann haben wir uns stetig entwickelt, der Titel 2014, Confed Cup 2017 mit einer jungen Mannschaft. Der Weg mit Menschen, die lange mit mir gearbeitet haben, mit Spielern. Da sind schon unglaublich starke Verbindungen gewachsen. Da gab es Momente, die unvergesslich sind. Wir hatten in den Jahre seit 2018 einige Probleme. Es gab auch viele schwierige Phasen. Wir haben es nicht ganz geschafft, dass die Mannschaft so eingespielt ist und Automatismen hat. Was hängenbleiben wird, sind Momente mit Menschen. Unabhängig von einem Sieg oder einer Niederlage habe ich viel lernen können und Menschen kennengelernt, die mir heute sehr wichtig sind in meinem Leben. Die Enttäuschung wird jetzt erstmal anhalten. So ein Turnier schüttelt man ja nicht so einfach ab. Da wird man auch ein bisschen Zeit benötigen.

Frage: Wie sehen Ihre Pläne für die nächste Zeit aus?

Löw: Jetzt habe ich da keine Entscheidung getroffen. Ich hatte auch ganz andere Gedanken. Die nächsten Wochen werden das ein bisschen zeigen. Auf jeden Fall habe ich gesagt, nach 15 Jahren an der Spitze und in der Verantwortung, wird es mir gut tun, mich ein bisschen von dieser Verantwortung zu lösen. Dann wird auch wieder neue Energie kommen. Dann werde ich entscheiden, was ich tun werde. Im Moment habe ich keinen konkreten Plan.

Frage: Sind Sie nicht noch zu jung, um jetzt in den Ruhestand zu treten?

Löw: Von Ruhestand habe ich noch nie gesprochen. Klar ist, dass eine Pause jetzt mal wichtig ist. Auch eine emotionale Pause. Ich war so lange beim DFB und verantwortlich für die Nationalmannschaft. Es ist klar, dass man ein bisschen Abstand benötigt und sich nicht sofort umsieht nach etwas Neuem. Diese Zeit werde ich brauchen. Vielleicht muss ich erst alles zulassen, Enttäuschungen, die Leere, die kommt. Mit Sicherheit gibt es neue Aufgaben für mich, die interessant sind.

Frage: Wäre es für Sie nicht besser gewesen, Sie hätten 2018 nach der Weltmeisterschaft schon einen Schlussstrich gezogen?

Löw: Das weiß ich nicht. Das war die Entscheidung damals. Es gab neue Ziele. Im Nachhinein darüber zu reden, ist schwierig. Die Aufgabe habe ich angenommen, habe das als große Herausforderung gesehen. Jetzt sind wir bei der EM im Achtelfinale ausgeschieden. Trotzdem mit allen Schwierigkeiten waren die letzten zwei, drei Jahre lehrreich für mich. Und ich werden da einiges mitnehmen.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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