Defensivschwache Bayern zittern vor "Reds"-Angriff

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"Der FC Bayern ist nie Außenseiter." Mit diesen Worten kommentierte die deutsche Goalie-Legende Oliver Kahn die Auslosung des Champions-League-Achtelfinales.

Doch für viele Experten ist der deutsche Rekordmeister, wenn er auf den FC Liverpool (21 Uhr, LIVE-Ticker) und seinen deutschen Trainer Jürgen Klopp trifft, genau das: der Außenseiter. Unter dem 51-jährigen Klopp war Borussia Dortmund jahrelang der größte Gegner der Bayern.

Nun will er mit seinem "magischen Dreieck" (Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane) im Angriff die große Schwachstelle der Münchner ausnützen: Die anfällige, teils überforderte Defensive.

26 Gegentore, noch kein Zu-Null-Spiel im Jahr 2019 (in vier Partien), die meisten Gegentreffer der Top-Vier in der deutschen Bundesliga. Das geht mit dem Selbstverständnis der Münchner nicht einher.

Im Vergleich: Zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison kassierten die Bayern erst 16 Gegentore, 2015/2016 musste Manuel Neuer am 21. Spieltag gar nur zehn Mal hinter sich greifen.

Stabilität fehlt

Doch woran liegt die Flut an Gegentoren? Die Gründe sind vielfältig.

Die einstige Star-Verteidigung mit Mats Hummels und Jerome Boateng ist weit weg von der Klasse früherer Tage. An Manuel Neuer ist die lange Verletzungspause der vergangenen Saison nicht spurlos vorübergegangen.

Doch viel entscheidender: Die Mannschaft hat unter dem neuen Trainer Niko Kovac die Stabilität und Balance zwischen Verteidigung und Angriff verloren. Das hat sich zwar im Laufe der Saison teilweise gebessert, doch immer noch stehen die Bayern zu hoch und laden den Gegner zum Tore schießen ein.

Trauriger Höhepunkt im Herbst, als der FCB im eigenen Stadion von Aufsteiger Fortuna Düsseldorf drei Mal ausgekontert wurde und einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gab.

Welchen Plan hat Kovac?

Platz sollten die Bayern dem Tempo-Trio der "Reds" nicht bieten, Liverpool gilt für viele Experten als die beste Kontermannschaft der Welt.

Um die Löcher im Mittelfeld zu schließen, könnte Kovac einen seiner spielstarken Akteure (Thiago, James und Goretzka) opfern und dafür Javi Martinez den Vorzug geben.

Der Spanier ist unter Kovac nicht mehr erste Wahl, könnte nun aber zum entscheidenden Faktor im Spiel gegen das Klopp-Team werden.

Auch Ex-Bayern-Kapitän Stefan Effenberg sieht in Martinez den Schlüssel für einen Erfolg der Münchner: "Der Abfangjäger kann nur Martinez sein. Wenn du Martinez ganz klar sagst, du bist im Zentrum vor den Innenverteidigern, wäre das die Personalie für die nächsten Spiele, vor allem gegen Liverpool", so Effenberg gegenüber "Eurosport".

Martinez spielte bereits einmal eine entscheidende Rolle gegen eine von Jürgen Klopp trainierte Mannschaft. Im Champions-League-Finale 2013 machte der Spanier sein vielleicht bestes Spiel im Trikot des Rekordmeisters.

Furchteinflößende Namen

Der Liverpool-Angriff um Mohamed Salah, Roberto Firmino und den ehemaligen Salzburger Sadio Mane ist über 90 Minuten nicht komplett auszuschalten. Dessen ist sich auch Kovac bewusst.

"International ist es schon schwierig, gegen diese Topmannschaften immer wieder zu Null zu spielen, weil die Qualität einfach sehr groß ist", so der Bayern-Trainer.

Doch trotz der gefürchteten Offensive gelangen den "Reds" in der Gruppenphase lediglich neun Tore in sechs Spielen. Zum Vergleich: Bayern-Goalgetter Robert Lewandowski traf alleine bereits acht Mal.

Auch in der Premier League stellt die Klopp-Truppe mit 59 Toren (2,27 pro Spiel) nicht die beste Offensive. Mit den 74 Einschüssen von Titelrivale Manchester City können Salah und Co. nicht mithalten.

Trotzdem, die Bayern werden gut beraten sein, die Liverpool-Offensive nicht nur an den reinen Zahlen zu messen. Jeder der drei "Reds"-Angreifer kann eine Partie im Alleingang entscheiden.

Die Bayern haben mit Lewandowski auch einen Spieler in ihren Reihen, der Spiele reihenweise alleine entscheidet. Doch häufig gibt in diesen engen K.o.-Spielen eben die Defensivreihen den Ausschlag.

Niemand weiß das besser als die Münchner, stolperten sie doch vergangenes Jahr im Semifinale gegen Real vor allem an den eigenen Fehlern in der Abwehr.

Es war übrigens die letzte Partie, bei denen die Bayern etwas waren, das sie selten sind: Außenseiter.

Textquelle: © LAOLA1.at

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