Jaissle-Sonderlob für Innenverteidiger

Jaissle-Sonderlob für Innenverteidiger Foto: © getty
 

Der FC Salzburg ging mit zwei großen Fragezeichen in die Champions-League-Begegnung mit dem OSC Lille.

Das eine hieß Jerome Onguene, das andere Max Wöber - und beide wurden in der Innenverteidigung aufgeboten.

Während Wöber bisher keine allzu gute Saison erwischte und zuletzt angeschlagen passen musste, rutschte Onguene erst nach den Verletzungen von Oumar Solet und Kamil Piatkowski vor zwei Wochen erstmals seit Langem überhaupt wieder in den Matchtagskader von Matthias Jaissle.

Am Ende des Tages avancierten die beiden 23-Jährigen neben Karim Adeyemi zu den Matchwinnern der "Bullen" beim 2:1-Sieg über den französischen Meister (Spielbericht>>>). Für die Top-Defensivleistung des unverhofften Innenverteidiger-Duos gab es nach Spielende Sonderlob von Coach Matthias Jaissle.

Wöber und Onguene "haben die Bude zusammengehalten"

Bei "ServusTV" zieht der 33-jährige "Bullen"-Coach genüber der Leistung von Onguene und Wöber den Hut: "Das ist echt aller Ehren wert, weil das nicht selbstverständlich ist, auf so einem Topniveau so eine Performance abzuliefern. 'Jerry' (Onguene, Anm.) war lange raus und liefert Woche für Woche hervorragende Leistungen. Max war angeschlagen, kommt rein und spielt so eine Partie. Da sind wir als Trainerteam extrem zufrieden. Sie haben gegen einen so starken Gegner die Bude zusammengehalten."

Wöber und Onguene liefen am Mittwoch nicht zum ersten Mal Seite an Seite in der Salzburger Innenverteidigung auf. Bereits in der Champions-League-Saison 2019/20 kam das wienerisch-kamerunische Duo vier Mal zum Einsatz. Seither ist viel geschehen und speziell Onguenes Karriere entwickelte sich in eine negative Richtung.

Onguene schon fast ausgebootet

Der 23-Jährige hat nämlich eine völlig verpatzte Saison hinter sich. Nachdem die Leistungen des talentierten Kameruners im Herbst 2020 gelinde ausgedrückt ausbaufähig waren, wurde er im vergangenen Winter an den Genoa CFC ausgeliehen. Allerdings spielte Onguene auch in der Serie A kaum eine Rolle, weshalb die Ligurer darauf verzichteten, die Kaufoption auf ihn zu ziehen.

Also ging es in diesem Sommer zurück nach Salzburg, wo Jaissle den gebürtigen Franzosen lange Zeit völlig außen vor ließ. Als sich Oumar Solet beim Kracher gegen den SK Rapid den Meniskus riss, musste Onguene plötzlich in die Bresche springen und lieferte eine souveräne Vorstellung ab.

Noch besser war die Leistung des kopfballstarken Verteidigers beim 2:0 gegen den WAC am vergangenen Wochenende, wobei Onguene sogar einen Treffer beisteuern konnte, ehe der bisherige Höhepunkt gegen Lille erfolgte. Burak Yilmaz, der Stürmerstar der Nordfranzosen, machte aus dem Spiel überhaupt keinen Stich gegen Onguene.

Wöber zuletzt in Unform

Auch bei Max Wöber lief zuletzt nicht alles nach Wunsch. Doch der Wiener arbeitete seine schwachen Leistungen selbstkritisch auf und war voll da, als er gegen Lille gebraucht wurde. "Es war ein Bombenspiel heute von uns. Wir waren in der ersten Halbzeit die dominantere Mannschaft, haben hinten nichts zugelassen und vorne waren wir dieses Mal eiskalt mit den Elfmetern", so der zuletzt angeschlagene Linksfuß bei "Sky".

Wöber war es auch, der den Elfmeter zum 2:0 mehr oder weniger herausholte. Bereits zu Saisonbeginn versuchte sich der 23-Jährige immer wieder an direkten Freistößen aus halbrechter Position, konnte bisher die gegnerische Mauer aber nur selten überwinden. Auch am Mittwoch sollte ihm dies nicht gelingen, da Burak Yilmaz den Arm ausfuhr und Salzburg so einen Strafstoß bescherte.

Jaissle "extrem stolz"

Doch nicht nur für das bärenstarke Innenverteidiger-Duo gibt es an diesem Abend Anerkennung von Matthias Jaissle. Der Deutsche, der mit Lob etwas sparsamer umgeht als sein Vorgänger Jesse Marsch, zieht vor seinem im Schnitt 23,1 Jahre jungen Team den Hut:

"Das ist nicht selbstverständlich. So eine junge Truppe... wie reif sie teilweise spielt, wie sie ihr Ding über die Zeit bringt, ohne passiv zu werden. Sie glauben dran, sie marschieren, sie attackieren hoch - das macht mich extrem stolz und stimmt mich positiv für die nächsten Wochen."

Während sich die "Bullen" in der Anfangsphase von der deutlich älteren Truppe der Lillois beinahe abkochen ließen, steigerten sie sich von Spielminute zu Spielminute. Der Heimsieg wirkte trotz des unglücklichen Anschlusstreffers eine gute halbe Stunde vor Schluss nie gefährdet.

"Haben noch nichts gewonnen"

So analysiert Jaissle den Spielverlauf auf der Pressekonferenz danach: "Das soll der jungen Truppe weiter Rückenwind geben. Man hat in der Anfangsphase gesehen: Wenn man ein bisschen zögert, nicht 100 Prozent drauf ist, spielt so eine Mannschaft dich einfach mal weg. Aber wie sie sich reingefightet haben in die Partie und die Dinge mit mehr Überzeugung, mit mehr Mut, mit mehr Frechheit umgesetzt haben, war dann top. Das müssen sie aus solchen Spielen mitnehmen. Gegen solche Topteams geht es nur in einer extremen Art und Weise."

Jaissle bleibt damit auch in seinem 15. Pflichtspiel an der Salzburger Seitenlinie unbesiegt. Die 14 Siege in ÖFB-Cup, Bundesliga und Champions League werden durch das 1:1 beim FC Sevilla ergänzt.

"Wir sind auf einem richtig guten Weg, aber die Saison ist noch extrem lang. Wir haben noch keinen Titel gewonnen, das ist unser Ziel - in der Liga", warnt Jaissle allerdings vor Hochmut. Er betont: "Wir werden weiter beharrlich diesen Weg gehen, konsequent weitermarschieren und die Jungs entwickeln. Dann haben wir eine erfolgreiche Saison, aber aktuell können wir uns leider noch nichts kaufen."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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