Österreichs schönste Europacup-Saison (?)

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Die Europacup-Saison 2017/18 wird noch lange im rot-weiß-roten Gedächtnis bleiben.

Mit dem FC Salzburg erreichte erstmals seit über 20 Jahren wieder ein österreichischer Verein ein Halbfinale eines internationalen Bewerbs und Österreich wird am Ende der Saison als 11. der Fünf-Jahres-Wertung geführt, nachdem mit 9,750 Zählern die beste österreichische Punktebilanz aus der Saison 2009/10 (9,375) nochmal überboten wurde.

Als krönender Bonus winkt zudem erstmals ein Champions-League-Fixplatz für den Meister der kommenden Bundesliga-Saison – ein lang ersehnter Meilenstein, der aufgrund der kommenden UEFA-Reform vor kurzem noch als utopisch galt.

Doch wie geht es für den österreichischen Klubfußball weiter? Ist Platz 11 langfristig zu halten, oder geht es gar noch höher hinaus? LAOLA1 versucht, Antworten zu finden:

Wie setzt sich die Zahl zusammen?

Sturm musste in Quali-Runde 3 gegen Fenerbahce die Segel streichen
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Wenig überraschend spielte der FC Salzburg den Löwenanteil der 9,750 Zähler ein. 6,500 Punkte sammelten die "Bullen" auf ihrer tollen Reise durch Europa, angefangen von der dritten Runde der Champions-League-Quali über das Playoff bis hin zum Semifinale der Europa League gegen Olympique Marseille.

Aber auch die Wiener Austria präsentierte sich erneut stark und zog trotz eines Katastrophen-Herbsts zum zweiten Mal in Folge in die Gruppenphase der Europa League ein. Dort verpassten die "Veilchen" den Aufstieg ins Sechzehntel-Finale nur hauchdünn. 1,625 lautet der violette Anteil an der aktuellen Punktezahl.

Der SCR Altach spielte sich von der ersten Runde der Europa-League-Quali bis ins Playoff vor, wo der Einzug in die Gruppenphase gegen Maccabi Tel Aviv unglücklich verpasst wurde. Die Vorarlberger trugen somit 1,250 Punkte bei – deutlich mehr als ihnen vor der Saison zugetraut wurden.

Enttäuschend agierte Sturm Graz. Der aktuelle Bundesliga-Zweite nahm in Quali-Runde 2 mit etwas Mühe die Hürde Mladost Podgorica (MNE), ehe in Runde drei gegen den schwächelnden türkischen Top-Klub Fenerbahce Istanbul Schluss war. Immerhin 0,375 Zähler konnten die "Blackies" sammeln.

Mit Rapid Wien fehlte in diesem Spieljahr ein sonst eifriger Punkte-Hamster. Die Hütteldorfer beendeten die Bundesliga-Saison 2016/17 nur auf Rang fünf und scheiterten im Cup-Finale an Salzburg.

Wie performte die Konkurrenz?

Altach verpasste den Einzug in die Europa League nur haarscharf
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Österreich beendete die Saison als siebtbeste Nation in ganz Europa. Deutschland konnte mit 9,857 Zählern nur unwesentlich besser punkten.

Spannender ist aber natürlich die unmittelbare Konkurrenz aus Ländern wie der Schweiz, Niederlande, Tschechien oder Griechenland.

Auffallend ist dabei, dass keiner von Österreichs Verfolgern – die Niederlande ausgenommen - so richtig enttäuschend agierte.

Die Schweiz (Platz 12) holte etwa 6,500, Tschechien (13.) 5,500, Griechenland (15.) 5,100, Kroatien (16.) 5,125, Dänemark (17.) 5,250, Israel (18.) 5,625 und Zypern (19.) gar 7,000 Punkte – durch die Bank alles mehr als ordentliche Ergebnisse der Nationen aus der „zweiten Reihe“.

Größter Verlierer der enorm hohen Dichte sind die Niederländer. Mit Ajax Amsterdam und PSV Eindhoven scheiterten zwei Zugpferde bereits in der Qualifikation, am Ende wurden es nur 2,900 Punkte für die erfolgsverwöhnte Eredivisie. Die Holländer verloren ihren über Jahre sicheren Champions-League-Platz und beendeten die Saison nur als 14. – Tendenz fallend.

Ist Platz 11 auch zukünftig denkbar?

Nur AEK stand dem Aufstieg der Austria in die K.o.-Phase im Weg
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Obwohl mit der tollen Saison 2013/14 (Austria in der Champions League, Salzburgs Gala gegen Ajax Amsterdam) 7,800 Punkte rausfallen, geht Österreich mit 24,550 Punkten auch 2018/19 als Elfter der 5-Jahres-Wertung in die kommende Europacup-Saison.

Dieser Platz ist aber alles andere als abgesichert. Der Vorsprung auf den 16. Dänemark (22,150) beträgt keine drei Punkte.

Zudem schickt Österreich als 15. der Vorsaison kommendes Spieljahr wieder fünf Vertreter in den Europacup. Das ist Fluch und Segen zugleich: Zum einen spielt die halbe aktuelle Liga international, zum anderen wird jeder gewonnener Punkt durch fünf dividiert.

Mit der Austria verpasst voraussichtlich einmal mehr ein „Großer“ die internationale Teilnahme. Der LASK und höchstwahrscheinlich die Admira werden gemeinsam mit Rapid, Sturm und Salzburg die EC-Qualifikation bestreiten.

Folgt die nächste Traumsaison?

Salzburgs Traumlauf wurde erst im Semifinale von Marseille gestoppt
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Dass diese auch gelingt, ist aktuell nur beim FC Salzburg, der im CL-Meisterweg in Runde drei und im Playoff gesetzt ist, wahrscheinlich.

Aufgrund der Reform ist die Anzahl der über die Qualifikation vergebenen Plätze sowohl in der Europa League als auch in der Champions League deutlich zurückgegangen.

Selbst der SK Rapid wäre in einem möglichen Europa-League-Playoff wahrscheinlich ungesetzt und könnte ein absolutes Horrorlos ziehen.

Die Setzung hat im neuen UEFA-Modus jedoch etwas an Bedeutung verloren, da bereits im Vorhinein alle Quali-Runden ausgelost werden. So könnte zum Beispiel ein in Quali-Runde drei ungesetztes Team ein fürs Playoff gesetztes Team ausschalten und so deren Setzungs-Platz einnehmen.

Der Bundesliga-Zweite, aktuell Sturm, müsste Runde zwei (von vier) im Liga-Weg der Champions-League-Quali überstehen, um fix in die Europa League einzuziehen. Dort warten nach aktuellem Stand aber Kaliber wie Ajax Amsterdam und der FC Basel. Sollte Sturm Vizemeister werden und in Runde 2 scheitern, geht es für die "Blackies" in Runde 3 der EL-Quali als ungesetztes Team weiter.

Bleibt der LASK Dritter, steigt er in Runde 3 der EL-Quali als ungesetztes Team ein. Rapid, aktuell Vierter, müsste schon in Runde 2 ran, wäre aber dort sowie in Runde 3 gesetzt.

Die Admira, sollte sie den fünften Platz verteidigen, steigt aufgrund des Länderkoeffizientens als gesetztes Team in Runde 2 der EL-Quali ein, ab Runde 3 wären die Niederösterreicher ungesetzt.

Wie geht es langfristig weiter?

Für die kommende Saison ist also so etwas wie Schadensbegrenzung angesagt.

Platz 11 wird kaum zu halten sein. Der niedrigste Wert, der in den letzten zehn Saisonen für Platz 11 gereicht hat, waren 32,225 Zähler der Türkei in der Saison 2008/09. Um diese Punkteanzahl zu erreichen, müsste Österreich 2018/19 7,175 Punkte sammeln. Kein Ding der Unmöglichkeit, ein weiterer Erfolgslauf eines österreichischen Vertreters wäre aber die Voraussetzung. Mittelfristig sollte also eine Platzierung unter den Top 15 angestrebt werden.

Ab der Saison 2019/20 sieht die Sache jedoch anders aus. Zum einen gibt es den umjubelten Champions-League-Fixplatz, der aber nur Realität wird, sollte sich der Königsklassen-Sieger 2018/19 auch über die Liga für die CL qualifizieren.

Zum anderen bekommt der ÖFB-Cup-Sieger einen Fixplatz in der Europa League. Sollte der Bundesliga-Meister Cup-Sieger werden, geht dieser an den Dritten.

Hat sich zudem der Europa-League-Sieger 2018/19 über die Liga für die CL fixiert, rutscht der Bundesliga-Vize automatisch in Runde 3 des Ligawegs der CL-Quali.

Mit drei Europacup-Fixstartern, also mindestens 18 Gruppenspielen, in denen Punkte ergattert werden können, könnte Österreich also langfristig in der Lage sein, den wichtigen elften Platz zu halten, natürlich abhängig von der Punkteausbeute in der kommenden Saison.

Sogar ein Angriff nach oben scheint aktuell nicht völlig unrealistisch, ist aber Zukunftsmusik.

Nationen wie die Türkei (Zum Start 2018/19 4,050 Punkte Vorsprung), Belgien (7,050) und die Ukraine (8,250) sind zwar in der kommenden Saison noch nicht in Reichweite, rechnet man nur die letzten beiden Spielzeiten zusammen, liegt Österreich vor all diesen großen Namen auf Rang 8 – diesen Platz tatsächlich in naher Zukunft einmal einzunehmen, ist aktuell aber äußerst unrealistisch.

Zunächst kann der österreichische Fußballfan eine der erfolgreichsten Europacup-Spielzeiten aller Zeiten genießen und hoffnungsfroh in die Zukunft des rot-weiß-roten Klubfußballs blicken. Träumen ist nach dieser Saison aber auf jeden Fall erlaubt.

Rang Land 13/14 14/15 15/16 16/17 17/18 Punkte verbl, Teams
1 Spanien 23,000 20,214 23,928 20,142 19,142 106,426 2/7
2 England 16,785 13,571 14,250 14,928 20,071 79,605 1/7
3 Italien 14,166 19,000 11,500 14,250 17,333 76,249 0/6
4 Deutschland 14,714 15,857 16,428 14,571 9,857 71,427 0/7
5 Frankreich 8,500 10,916 11,083 14,416 11,500 56,415 1/6
6 Russland 10,416 9,666 11,500 9,200 12,600 53,382 0/5
7 Portugal 9,916 9,083 10,500 8,083 9,666 47,248 0/6
8 Ukraine 7,833 10,000 9,800 5,500 8,000 41,133 0/5
9 Belgien 6,400 9,600 7,400 12,500 2,600 38,500 0/5
10 Türkei 6,700 6,000 6,600 9,700 6,800 35,800 0/5
11 ÖSTERREICH 7,800 4,125 3,800 7,375 9,750 32,850 0/4
12 Schweiz 7,200 6,900 5,300 4,300 6,500 30,200 0/5
13 Tschechische Republik 8,000 3,875 7,300 5,500 5,500 30,175 0/5
14 Niederlande 5,916 6,083 5,750 9,100 2,900 29,749 0/5
15 Griechenland 6,100 6,200 5,400 5,800 5,100 28,600 0/5
16 Kroatien 4,375 6,875 4,500 5,125 5,125 26,000 0/4
17 Dänemark 3,800 2,900 5,500 8,500 5,250 25,950 0/4
18 Israel 5,750 1,375 2,250 6,750 5,625 21,750 0/4
19 Zypern 2,750 3,300 3,000 5,500 7,000 21,550 0/4
20 Rumänien 6,875 5,125 2,250 3,300 2,900 20,450 0/5
Textquelle: © LAOLA1.at

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