Letzte Chance für Ajax-Mastermind

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Die Champions League konnte in dieser Saison schon einige denkwürdige Abende liefern.

Doch am meisten begeisterten bislang die Jungspunde von Ajax Amsterdam. Mit erfrischendem Offensiv-Fußball gelang ihnen mit dem Achtelfinal-Sieg gegen den dreifachen Titelverteidiger Real Madrid die Sensation.

Diese soll im Viertelfinale nach dem 1:1 im Hinspiel gegen Juventus wiederholt werden (Dienstag, ab 21 Uhr im LAOLA1-Ticker und auf DAZN).

Die meisten Experten sind sich einig, dass sich hier wieder eine goldene Generation zusammengefunden hat. In den Niederlanden werden gar Vergleiche mit dem legendären Team von 1995 angestellt, welches in Wien die Champions League gewann.

Soll dieser sensationelle Triumph wiederholt werden, muss es wohl dieses Jahr passieren. Denn die Stars des Teams sind schon am Weg in die Top-Ligen. Inklusive dem Mastermind hinter dem Erfolg: Erik ten Hag.

Die Philosophie

Ten Hag ist seit Dezember 2017 bei Ajax, in dieser Zeit kann er in 66 Spielen einen beeindruckenden Punkteschnitt von 2,38 Punkten pro Spiel aufweisen.

In der Auslegung des Spiels eifert er den Trainer-Legenden Rinus Michels, Johan Cruyff und Louis van Gaal nach. „Die drei sind die Köpfe der Philosophie, der auch ich folge: Offensivfußball, der begeistert“, antwortet der 49-Jährige im Gespräch mit der „Süddeutschen“ offen.

Die Vergleiche mit dem Erfolgsteam von 1995 mit Trainer van Gaal kann er nachvollziehen: „Das traue ich mich kaum zu sagen, aber ein paar Elemente ähneln sich schon. Es geht um Ballbesitz, um Bewegung, um vertikale Angriffsmuster, um Pressing. Die Außenstürmer rücken in die Mitte, damit Platz für die Außenverteidiger ist. Mittelfeldspieler holen sich den Ball in der Abwehr. Es geht darum, so viel wie möglich in der gegnerischen Hälfte zu spielen. Alle greifen an, alle verteidigen.“

Gelernt von einem der Besten

Während er als Spieler in seiner 13-jährigen Profi-Karriere nie die Niederlande verlassen hatte, durfte er als Coach Erfahrungen im Ausland sammeln. Von 2013 bis 2015 war er Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern München.

Guardiola ist das große Vorbild von ten Hag
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„Ich will Ballbesitz, um dem Gegner wehzutun“, ist die Philosophie von ten Hag. Passend, dass während seiner Zeit in München jener Mann bei den Profis das Sagen hatte, der diese Spiel-Philosophie wie kein Zweiter verkörpert: Pep Guardiola.

„Seit Pep ist der Fußball in Deutschland ein anderer. Ich habe damals fast jedes Training angeschaut, da habe ich methodisch viel mitgenommen. Wie er seine Philosophie auf den Platz überträgt“, schwärmt ten Hag.

Die Trainingsgestaltung des Spaniers imponiert den 49-Jährigen noch heute: „Ich erinnere mich daran, wie Pep mit den Außenverteidigern das Einrücken geübt hat. Die Spieler wollten immer mehr, weil Pep so begeisternd war. Der hat fünf Minuten geredet, danach haben die mit einer wahnsinnigen Intensität trainiert.“

Wechsel liegt auf der Hand

Die erfolgreiche Arbeit bleibt den Top-Klubs dieser Welt natürlich nicht verborgen. Und mit seiner Bayern-Vergangenheit liegt ein möglicher Wechsel natürlich auf der Hand.

„Bayern ist mein Verein geworden“, erklärt ten Hag, der seinen Ex-Klub jedes Wochenende verfolgt. Dementsprechend wird auch ihm nicht entgangen sein, dass Trainer Niko Kovac nicht immer unumstritten ist.

Zwar sitzt der 47-jährige Kroate nach der 5:0-Gala gegen Dortmund und der damit verbundenen Rückkehr an die Tabellenspitze wieder etwas fester im Sattel. Dennoch gibt es einige Stimmen aus dem Klub-Umfeld, die sich wieder das spielerische Feuerwerk der Guardiola-Zeit zurückwünschen.

Und wer wäre dafür besser geeignet als sein Bruder im Geiste, Erik ten Hag?!

Ajax droht Zerfall

Mit einem Sieg von Ajax in Turin könnte erstmals seit 2005 wieder ein Team von außerhalb der großen fünf Ligen im Halbfinale der Champions League stehen. Angesichts der zahlreichen Abgänge im Sommer wird man das wohl nicht so schnell wiederholen können.

„Ja“, antwortet ten Hag knapp auf die Frage, ob diese Generation auseinanderbrechen wird. Dabei ist er überzeugt, sich mit diesem Team unter den Top-Klubs etablieren zu können.


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„Wenn wir diese Mannschaft zwei Jahre behalten könnten, vielleicht mit zwei neuen Spielern, wären wir ein Kandidat für das Halbfinale in der Champions League. Glaube ich“, bleibt aber gleichzeitig Realist: „Hören wir auf damit: Es ist sinnlos. All diese Gedanken helfen nichts. Ich kann die Welt nicht ändern.“

Diese Spieler werden den Abflug machen

Ten Hag ist also völlig bewusst, dass man Top-Talente nicht bei Ajax Amsterdam halten kann. Zu hoch sind mittlerweile die Gehälter bei der Konkurrenz.

Der Abgang von Mittelfeld-Regisseur Frenkie de Jong (21) zum FC Barcelona für circa 75 Millionen Euro ist schon beschlossen, der 19-jährige Kapitän und Abwehrchef Matthijs de Ligt wird wohl folgen. Ten Hag ist auch in dieser Angelegenheit ungewohnt ehrlich: „Es gibt keine Chance, dass Matthijs hier bleibt. Er wird zu Barca oder Bayern wechseln.“

Dabei wird es jedoch nicht bleiben: Keeper Andre Onana (23) betreibt mit Traum-Paraden Eigenwerbung, Offensiv-Allrounder Hakim Ziyech (26) wird von etlichen Top-Teams umgarnt, gefühlt die halbe Premier League ist heiß auf David Neres (22) und auch Dusan Tadic, mit 22 Toren und 12 Assists Topscorer im Team, könnte mit 30 Jahren noch einmal den Sprung in eine Top-Liga wagen.

Das Ziel von ten Hag

Trotz all der anstehenden Abgänge und den Gerüchten um die eigene Person beteuert ten Hag aufrichtig: „Ich bin wirklich glücklich hier bei Ajax, weil ich hier etwas habe, das mir viel bedeutet: Der Verein hat eine Strategie, die ich absolut teile.“

Einen langfristigen Verbleib garantiert der Mastermind dennoch nicht: „Ich weiß nicht, was die nächsten Jahre für mich bringen werden, hoffentlich viel Erfolg mit Ajax. Was ich aber weiß: Ich werde nur dort arbeiten, wo ich eine Strategie erkennen und teilen kann.“

Denn letztlich teilt er den gleichen Traum wie alle Trainer dieser Welt: „Eine Mannschaft, an die man sich in 20 Jahren noch erinnert.“

Eine erfolgreiche Saison mit Ajax könnte für diesen Traum aber zu wenig sein.

Textquelle: © LAOLA1.at

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