NEWS

Sturm erntet Lob von Salzburg: "Das sind wir nicht gewohnt"

Sturm erntet Lob von Salzburg: "Das sind wir nicht gewohnt" Foto: © GEPA

"Ein bisschen trauere ich dem Sieg hier nach", erklärt Sturm-Coach Christian Ilzer. Und sein Salzburger Gegenüber Matthias Jaissle hält dagegen: "Das 0:0 ist für uns in Summe etwas unglücklich."

So weit sich die Meinungen der beiden Bundesliga-Coaches nach dem Spitzenspiel in der Red Bull Arena, welches intensiv aber torlos über die Bühne ging (Spielbericht>>>), inhaltlich gegenüberstehen, so nachvollziehbar sind sie.

Salzburg hatte nämlich sowohl ein spielerisches Übergewicht als auch einen deutlich höheren Erwartungswert an Toren (Expected-Goals-Wertung 1,28 zu 0,48 für Salzburg), Sturm hingegen die qualitativ sowie quantitativ besseren Torchancen.

"Viel Ping Pong", aber zunächst wenige Torchancen

Schon in Halbzeit eins schenkten sich beide Teams nur äußerst wenig. Jeder Zweikampf wurde auf die intensivstmögliche Art und Weise geführt, um jeden zweiten Ball wurde hart gekämpft.

Torraumszenen entstanden zumeist nur aus Einzelaktionen - so etwa eine gute Mozartstädter Möglichkeit nach einem tollen Dribbling von Strahinja Pavlovic, oder ein gefährlicher Direktfreistoß von Sturm-Verteidiger Jusuf Gazibegovic.

"Es war das klassische Spiel gegen Red Bull Salzburg. Viel Ping Pong, viel Hin und Her, viele Ballwechsel, ohne klare Vorteile für eine Mannschaft", bilanziert Ilzer auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Für ihn war die Partie schlussendlich "absolut auf Augenhöhe".

Jaissle sieht das ähnlich: "Es war ein absolutes Spitzenspiel, das sehr umkämpft war. Jeder Zweikampf wurde extrem intensiv geführt, jeder zweite Ball wurde gallig attackiert."

Wüthrich: "Sind hergekommen, um zu gewinnen"

Erst im zweiten Durchgang fanden die ganz großen Torchancen Einzug in die Red Bull Arena.

Für Sturm scheiterte Tomi Horvat aus zentraler Position mit einem Sitzer am stark haltenden Philipp Köhn, zudem grätschte Pavlovic dem einschussbereiten William Böving in höchster Not das Spielgerät vom Fuß. Für Salzburg köpfte Junior Adamu aus fünf Metern über den Kasten.

"Es war ein Hin und Her, beide Teams hatten ihre Chancen. Wir sind hergekommen, um zu gewinnen, deswegen sind wir nicht restlos glücklich. Aber das Spiel war sehr ausgeglichen, es hätte auf beide Seiten kippen können", findet Sturm-Verteidiger Gregory Wüthrich.

Hierländer: So ist Salzburg zu knacken

Die "Blackies" sind die bisher einzige Mannschaft, die Salzburg in dieser Saison schlagen konnte. Nach dem LASK, der vor ein paar Wochen erst in der Nachspielzeit einen Auswärtssieg in der Red Bull Arena liegen ließ, waren die "Blackies" am Samstag so nahe wie zuletzt nicht einmal der AC Milan und Chelsea dran, den Mozartstädtern ihre zweite Saisonpleite zuzufügen.

Doch warum tun sich die Salzburger, die nun drei Spiele hintereinander nicht gegen Sturm gewinnen konnten, gegen die Steirer so schwer?

"Wenn man sich die Systeme anschaut, ähneln sie sich sehr. Einiges neutralisiert sich, weil wir auch ein gewisses Tempo gehen können. In den Heimspielen, die wir gewonnen haben, konnten wir das Momentum auf unsere Seite ziehen. Das haben wir heute über eine kurze Phase geschafft. Wenn man das länger schafft, ist Salzburg zu knacken", lautet der Erklärungsansatz von Sturm-Kapitän Stefan Hierländer.

Seiwald: "Das sind wir nicht gewohnt"

Mit solch einem enormen Pressing, das sich die Grazer wohl ein wenig von den Salzburgern abschauten, sind die Mozartstädter in der Meisterschaft nur selten konfrontiert. Aber auch in der Champions League gibt es wenige Teams, die die "Bullen" so hoch attackieren wie die "Blackies" es machen.

Ich habe schon vor der Saison den Finger erhoben, dass das kein Selbstläufer für uns wird, weil Sturm ein heißer Konkurrent um die Meisterschaft ist. Das hat sich nicht geändert."

Matthias Jaissle

"Heute hat uns der Gegner extrem unter Druck gesetzt. Das sind wir sonst in der Liga nicht so gewohnt", gibt Nicolas Seiwald zu.

Und Coach Jaissle legt einen drauf: "Sturm bringt eine unglaubliche Intensität auf den Platz. Der Trainerkollege und seine Mannschaft machen das hervorragend in dieser Saison - nicht nur national, sondern auch international. Ich habe schon vor der Saison den Finger erhoben, dass das kein Selbstläufer für uns wird, weil Sturm ein heißer Konkurrent um die Meisterschaft ist. Das hat sich nicht geändert."

Doch können die Murstädter den Mozartstädtern tatsächlich über eine ganze Saison hinweg gefährlich werden?

Ilzer: "Können Salzburg richtig ärgern"

Hierländer hält das zumindest nicht für völlig unrealistisch: "Wir haben letztes Jahr viel gelernt, wir mussten oft der Dreifachbelastung Tribut zollen. Jetzt schaut es so aus, als ob wir immer unsere Leistung liefern können. Ich schaue sehr positiv in die Zukunft, wir sind gut gerüstet. Wir wissen, dass wir nur schwer zu schlagen sind, wenn wir eine gewisse Leistung auf den Platz bringen."

 

Sein Trainer drückt etwas auf die Euphoriebremse: "Salzburg ist nach wie vor das Maß aller Dinge. Man braucht sich nur den Marktwert anschauen, der ist so hoch wie von allen anderen elf Teams zusammen. Milan, Sevilla, die Bayern haben alle hier nicht gewonnen", so Ilzer, der allerdings ein großes "Aber" nachschiebt:

"Zum anderen muss man sich zutrauen, mit unserer Art und Weise in Salzburg zu bestehen. Das muss man mit enormer Überzeugung und nicht nur dahergeplappert machen. Das gelingt uns sehr gut. Man merkt, dass wir Salzburg richtig ärgern können."

Zwei Punkte trennen die Grazer momentan nur vom Serienmeister, das ist ob der noch ausstehenden 19 Bundesliga-Runden samt Punkteteilung nach dem Grunddurchgang freilich nichts.

Für Ilzer ist es aber vor allem ein Zeichen, in welche Richtung diese Saison noch gehen könnte: "Für mich ist es schön, dass die Meisterschaft nicht wie in den letzten Jahren schon Anfang November entschieden ist. Das tut allen gut."

Kommentare