Sturm Graz: Eine Woche, die alles verzögert

 

Und nun?

Zwei Chancen bleiben dem SK Sturm Graz noch, um nicht endgültig vor dem Scherbenhaufen einer schwierigen Saison zu stehen - diesmal sind es im Playoff um einen Europacup-Startplatz tatsächlich die beiden allerletzten.

In Wolfsberg hatten es die Steirer dank der Schützenhilfe des LASK gegen die Austria - wieder einmal - in der eigenen Hand, für ein versöhnliches Ende zu sorgen, sie konnten es - wieder einmal - nicht nutzen.

Wieder einmal blieben danach weitestgehend nur Durchhalteparolen - zumindest wenn man vom emotionalen Auszucker von Lukas Spendlhofer absieht, dessen Wutrede alle Chancen auf einen gelungenen Weckruf zum letztmöglichen Zeitpunkt hat.

Spendlhofers Wutrede in voller Länge:

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

DURCHHALTEPAROLEN:

Während Spendlhofer in seiner Verzweiflung auf 180 war und schimpfte, "wie schlecht" man nicht sei, blieb Trainer Roman Mählich seiner Strategie treu, den Berufsoptimisten zu geben.

"Es tut natürlich weh, aber gleichzeitig geben unsere Leistungen in den letzten Spielen noch immer Anlass zur Hoffnung. Ich bin sehr optimistisch. Wir haben jetzt noch zwei Spiele - das wollten wir so natürlich nicht, aber die Chance lebt nach wie vor", beschwört der 47-Jährige das letzte Hintertürchen, nachdem er zuvor in den vergangenen Wochen erst schon bezüglich des Erreichens von Platz drei und dann von Platz vier optimistisch war und enttäuscht wurde.

Dass man beim 1:1-Ausgleich in einen Konter gelaufen sei, bezeichnet Mählich als "taktisch ungeschickt". Aber es würde manchmal passieren, dass Spieler am Platz falsch reagieren und das sei schade.

Wie Spendlhofer von Dummheit oder Naivität möchte der Coach jedoch nicht sprechen: "Es ist ein schwieriges Jahr für unsere Spieler. Gerade die letzten Spiele haben aber gezeigt, dass wir in einer guten Richtung unterwegs sind. Es sind zum Teil junge Spieler, Fehler passieren, Fehler machen wir alle - das hat gar nichts mit Dummheit oder Naivität zu tun. Es ist eine Situation, in der wir falsch reagiert haben, nicht ideal verteidigen und die eine oder andere Position im Ballbesitz auflösen, die wir nicht auflösen sollten. Dann passiert das."

WIE SEHR WACKELT MÄHLICH?

Auf den ersten Blick nicht allzu sehr. Der Coach stellt sich vor seine Mannschaft, der Geschäftsführer Sport Günter Kreissl stellt sich vor seinen Trainer.

Zu Beginn seiner Amtszeit für seine Ergebnisorientiertheit gefeiert, aber mitunter für seinen unattraktiven Spielstil kritisiert, ist Sturm unter Mählich in diesem Frühjahr jegliche Ergebnisorientiertheit abhanden gekommen. Schon der Start ins neue Kalenderjahr war holprig, in der Meister-Gruppe stehen drei Auswärtssiegen satte sieben Niederlagen gegenüber.

Vor den beiden "Überstunden" dieser Spielzeit gegen Rapid oder Mattersburg eine Trainer-Diskussion anzuzetteln, wäre vermutlich kein geschicktes Timing, weshalb Kreissl Mählich auch das Vertrauen ausspricht - garniert mit der Ankündigung, nach dem Saisonende alles zu hinterfragen:

"Ich plane absolut mit ihm für die nächste Saison. Nichtsdestotrotz musst du nach so einem Ende der Meisterschaft, das sehr unzufriedenstellend und ärgerlich ist, beginnend mit meiner Person, über das Trainerteam und die Mannschaft einfach alles noch einmal hinterfragen, analysieren und schauen, dass du die richtigen Schlüsse ziehst."

Sollte man in einer Woche mit leeren Händen da stehen, wäre es keine allzu große Überraschung, sollte eine Trainer-Diskussion an Fahrt aufnehmen. Emotionaler Worst Case wäre dabei wohl, sollte nach der Austria mit Rapid auch der zweite Wiener Verein trotz durchwachsener Saison statt den Grazern das Europacup-Ticket lösen.

EINE WOCHE, DIE ALLES VERZÖGERT

Kreissl beurteilte die Gesamtsituation nach der Partie kritischer als Mählich und sprach von einer "riesigen Enttäuschung. Trotzdem ist es verdient, dass man keinen fixen Europacup-Platz hat. Wie immer, wenn wir es selbst in den eigenen Händen hatten, haben wir es viel zu leicht hergegeben. Das tut mir unendlich weh."

Weh tut es nicht nur wegen der nun anstehenden Zitterspiele gegen Rapid und Mattersburg und der Gefahr, es nicht zu schaffen, sondern auch weil die anstehende Woche der Entscheidung die Pläne für die nächste Saison in einer ganz entscheidenden Phase blockiert.

"Das verzögert alles!", klagt Kreissl, "das verzögert die Weiterentwicklung des Vereins, weil die Einnahmenseite nicht korrekt planbar ist. Es verzögert die Kaderzusammenstellung, weil mancher interessierte Spieler ganz klar gesagt hat, er würde schon gerne kommen, aber auch gerne sehen, dass wir international spielen. Wir haben uns eigentlich in den letzten Wochen alles so schlecht wie möglch hergerichtet - jetzt müssen wir noch eine Woche mehr anhängen, eine Woche mehr Stress. Wir haben es nicht geschafft, zuzugreifen, wenn es vor uns liegt. Das ist unendlich ärgerlich."

FINANZIELLER SCHADEN?

Sturm darf sich ungeplanterweise über die Einnahmen eines zusätzlichen Heimspiels "freuen" - möglicherweise sogar aus dem publikumswirksamen Klassiker gegen Rapid. Dass man darauf liebend gerne verzichtet hätte, ist allerdings auch klar.

Budgetär würde ein Verpassen des Europacups vordergründig kaum einen Unterschied machen. "Wir haben diesbezüglich gar nichts budgetiert, weil dies einfach unseriös gewesen wäre, zu sagen, wir gehen fix davon aus, es zu schaffen, als wir das Lizenz-Budget abgeben mussten", erklärt Kreissl.

"Deswegen haben wir konservativ geplant, was jetzt auf der einen Seite gut ist. Auf der anderen Seite ginge es allerdings darum, eventuell auch ein bisschen Geld für Verpflichtungen zu haben. Sonst musst du dich sehr stark am Markt der vertragslosen Spieler umschauen", fürchtet der Sportchef um die notwendigen Mittel für etwaige Ablösesummen.

Wäre man Dritter geworden, hätte man fix mit finanziellen Gewinnen aus der EL-Gruppenphase planen können - diesen Vorteil genießt nun der WAC. Auch dem LASK könnte ein ordentlicher Patzen an Gruppenphasen-Geld winken.

Den Schaden durch Einnahmen der Konkurrenz, die Sturm entgehen, sieht Kreissl jedoch als überschaubar groß: "Wir hatten in den letzten zwei, drei Jahren sehr gute Transfer-Einnahmen, trotzdem haben wir nicht alles 'hergespielt'. Das heißt, das Geld in dieser Kategorie ist keine Garantie, dass man deswegen besser wird, auch nicht für den LASK oder den WAC."

JETZT-ERST-RECHT-MENTALITÄT?

Kreissl fordert, dass bei Sturm "noch einmal alles mobilisiert" werde für die beiden Duelle mit Rapid oder Mattersburg: "So lange es um etwas geht, sind wir alle in der Verantwortung, alles zu unternehmen, um am Schluss etwas zu erreichen."

Dass es nicht so einfach ist, sich nach dem Tiefschlag von Wolfsberg wieder aufzurichten, ist verständlich. Goalie Jörg Siebenhandl fordert jedoch, dass nach ein, zwei Tagen der Analyse der Hebel schlichtweg wieder umgelegt werden muss:

"Irgendwann musst du den Fokus wieder aufs nächste Match legen, sonst verpasst du die nächste Chance auch noch - es ist jetzt eh die letzte. Wenn wir das jetzt auch noch verbocken, ärgern wir uns im Nachhinein, dass wir nicht zu 100 Prozent vorbereitet waren."

Daran, am Schluss womöglich mit leeren Händen dazustehen, will der Keeper erst gar nicht denken: "Ich wäre 'brennhaß', wenn wir die Riesen-Chance haben und die einfach kläglich auslassen und es nicht schaffen. Also müssen wir uns jetzt zusammenreißen und zumindest den Weg nach Europa noch bestreiten."

Womöglich hilft eine gewisse Jetzt-erst-Recht-Mentalität, wie sie auch Spendlhofer in seiner Wutrede vorlebt.

Textquelle: © LAOLA1.at

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