Sturms (nächster) spannender Transfer-Sommer

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Standhaft setzte Sandi Lovric ein Pokerface auf und weigerte sich über seine Zukunft zu sprechen.

Sein Premieren-Tor, das dem SK Sturm Graz zum 1:0-Sieg bei Austria Wien verhalf, war jedoch eine weitere Erinnerung daran, dass diese Entscheidung bald getroffen werden muss.

Das einstige "Jahrhunderttalent" der Steirer hat sich, spät aber doch, unter Roman Mählich inzwischen zum unumstrittenen Stammspieler entwickelt. Das Vergnügen könnte ein kurzes sein.

Denn der Vertrag des 21-Jährigen läuft am Saisonende aus. Nach dem aktuellen Stand der Dinge glauben wohl nur Berufsoptimisten, dass der zentrale Mittelfeldspieler selbigen ein weiteres Mal verlängern wird.

Intensive Gespräche mit Spendlhofer

Sieht man von den beiden Leihspielern Arnel Jakupovic und Gideon Mensah ab, stehen hinter Lovric und Lukas Spendlhofer, dessen Kontrakt ebenfalls nur bis zum Sommer datiert ist, somit die größten Fragezeichen vor einem Transfer-Sommer, der bei Sturm auch in diesem Jahr ein spannender werden dürfte - aus verschiedenen Perspektiven.

"Lukas Spendlhofer und Sandi Lovric sind Spieler, die wir schätzen und die wissen, dass wir gerne mit ihnen weiterarbeiten würden", meinte Geschäftführer Sport Günter Kreissl im Rahmen des LAOLA1-Formats "Fußball Total - der Talk" und konkretisierte:

Auf Kreissl wartet ein spannender Transfer-Sommer
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"Sandi Lovric hat im Herbst ein Angebot zur Verlängerung bekommen, im Winter hat es Gespräche gegeben. Das Gleiche bei Lukas Spendlhofer, mit dem die Gespräche im Dezember begonnen haben. Man wird sehen, wie es sich entwickelt."

Mehr Grund zu Optimismus gibt es wohl bei Spendlhofer. Vergangene Woche gab es intensive Gespräche mit dem Innenverteidiger, der in der "Kleinen Zeitung" betonte: "Die sind wirklich sehr positiv verlaufen. Aber es gibt auch zwei, drei andere Optionen in Europa, die ich mir durchaus vorstellen könnte. In Österreich hat es keinen Kontakt zu einem anderen Verein gegeben, auch nicht zur Wiener Austria, wie spekuliert wurde. Dem MLS-Klub Toronto habe ich abgesagt. Ein Wechsel dorthin hätte unseren Omas und Opas das Herz gebrochen."

Keine Ablöse? Kreissl ist relaxed

"Bei Sandi Lovric würde es eine Ausbildungsentschädigung geben - wenn er Richtung Ausland tendiert eine internationale, die attraktiver ist als die nationale Ausbildungsentschädigung. Bei Lukas Spendlhofer wäre es so, dass eben immer wieder mal Verträge auslaufen und du nichts bekommst, der Spieler aber viel für den Verein geleistet hat. Das würde ich relativ relaxed sehen."

Für den Jungvater wird die familiäre Komponente also ein wichtiger Aspekt der Entscheidung sein. Wie auch immer sie ausfällt, Kreissl nimmt es, wie es kommt:

"Bei mir bricht unterm Strich keine Panik oder die große Angst aus, denn es macht ja nur Sinn, Spieler zu halten, die das auch wirklich wollen, die unseren Weg mitgehen wollen. Wenn das nicht so ist, wird statt einem ein anderer kommen."

Oder könnte im Falle von Lovric mit Juan Dominguez schon da sein. Sowohl Spendlhofer, seit 2014 im Verein, als auch Eigenbauspieler Lovric sind bereits einige Jahre des Weges mit Sturm gegangen. Wie sehr es den Sportchef dennoch ärgern würde, diese beiden Spieler ablösefrei zu verlieren?

"Gar nicht", stellt Kreissl klar, "im Fall von Sandi Lovric ist es auch nicht ganz richtig, denn es würde eine Ausbildungsentschädigung geben - wenn er Richtung Ausland tendiert eine internationale, die attraktiver ist als die nationale Ausbildungsentschädigung. Bei Lukas Spendlhofer wäre es so, dass eben immer wieder mal Verträge auslaufen und du nichts bekommst, der Spieler aber viel für den Verein geleistet hat. Das würde ich relativ relaxed sehen."

Kreissl adaptiert Herangehensweise

Dass der turbulente Transfer-Sommer 2018, der bei Sturm Graz immer noch zum Beispiel in der aktuellen Debatte über die Qualität des Kaders nachwirkt, Kreissls persönliche Herangehensweise beeinflusst, liegt auf der Hand.

Zur Erinnerung: Damals verließen diverse Stammkräfte den Verein, einige auch ablösefrei - und mehr als erhofft in Richtung der Rivalen in Wien. Marvin Potzmann und Deni Alar landeten bei Rapid, James Jeggo, Bright Edomwonyi und Christian Schoissengeyr heuerten bei der Austria an.

Die daraus resultierende Aufregung veranlasste Kreissl zu Adaptionen, wie er in "Fußball Total - der Talk" erklärte:

"Ich habe in der letzten Transferzeit im Sommer sehr viel gelernt. Ich bin mit dem großen Vorteil zu Sturm Graz gekommen, wenig Verbindungen mit den handelnden Personen zu haben, weshalb ich in Verhandlungen sehr tough und gerade sein konnte. Bei Personalien, bei denen ich das Gefühl hatte, es stehen nicht die richtigen Motive im Vordergrund, um zu verlängern, habe ich das auch nicht getan und eine neue Mannschaft aufgebaut."

"Im derzeitigen Kader ist einfach kein Spieler wichtiger als der Verein. Das ist ein Stehsatz, aber er trifft zu. Ich sehe den Spieler oder die Person nicht, bei der du sagst: Wenn der nicht mehr bei uns ist, kann Sturm Graz nicht mehr funktionieren."

"Dann hat sich über die folgenden zwei Jahren zu vielen Spielern eine große Verbundenheit eingestellt, und ich habe sehr lange versucht, an das zu glauben, was mir die Spieler gesagt haben, nämlich dass wir Option Nummer eins sind, vielleicht noch das Ausland. Es hat sich jedoch anders entwickelt."

Worte, die an jene, wie sie Spendlhofer derzeit tätigt, erinnert haben. Das muss natürlich nichts heißen, Kreissl ändert seine Herangehensweise dennoch:

"Ich möchte wieder eher zurück zu Phase eins, als ich gekommen bin, weil im derzeitigen Kader einfach kein Spieler wichtiger ist als der Verein. Das ist ein Stehsatz, aber er trifft zu. Ich sehe den Spieler oder die Person nicht, bei der du sagst: Wenn der nicht mehr bei uns ist, kann Sturm Graz nicht mehr funktionieren."

Warum man ablösefreie Abgänge in Kauf nimmt

Nichtsdestotrotz würde man Spendlhofer und Lovric natürlich gerne halten. Wobei die Grazer unter der sportlichen Führung von Kreissl ablösefreie Abgänge durchaus in Kauf nehmen. Einen Spieler nur mit dem Motiv zu verpflichten, um ihn vor Vertragsende gewinnbringend zu verkaufen, passt nicht in die Philosophie des früheren Torhüters.

"Wir haben eine tolle Transferbilanz. Es ist kurios: Im Leben ist es manchmal so, dass du Dinge, die du gar nicht anstrebst, eher erreichst, als wenn du Dingen verbissen hinterherläufst. Ich habe immer allen erzählt, dass ich nicht zu Sturm gekommen bin, um irgendwelche Transfergelder zu machen, sondern dass ich unbedingt sportlichen Erfolg will. Ich habe auch vieles abgelehnt und gesagt, dass ich nicht verkaufen will, das Geld nicht brauche. Trotzdem haben wir viel Geld gemacht."

"Deswegen ist es jetzt kein Problem, wenn einmal ein Spieler ablösefrei geht. Wir haben trotzdem viele Aktien im Kader, bei denen wir wissen, dass sie einen Markt haben und beobachtet werden."

Angesichts dieses Blickwinkels ist auch die lange Zeit bei den "Blackies" propagierte Karriereplattform ein wenig in den Hintergrund gerückt. Kreissl betont, dass er mit diesem Begriff wenig anfangen könne, auch wenn er nicht falsch sei:

"Aber ich will mich eben nicht als Ausbildungsverein oder Karriereplattform definieren. Das tun eh sehr viele, und in Wahrheit sind bis auf die fünf, sechs großen Haie im Becken wie Manchester City, PSG, Real Madrid oder Barcelona alle Ausbildungsvereine."

Gesamtkomposition im aktuellen Kader nicht aufgegangen

Das Transfer-Resultat sei oft dasselbe, nur der Zugang ein anderer: "Es kommt am Ende manchmal Ähnliches heraus, aber es geht um den Zugang. Natürlich weiß ich auch, dass Transfers für Sturm Graz nicht unwichtig sind. Aber es ist ein Unterschied, ob ich einen Spieler mit einer wirtschaftlichen Idee hole oder mit der rein sportlichen Idee und einfach fest daran glaube, dass das andere ohnehin von alleine kommt, wenn ich mit dem Spieler gut arbeite. Das ist der Unterschied. Aber ich würde lügen, wenn ich sage, ich bin jemand, der grundsätzlich keine Transfers tätigt. Es ist auch genau das Gegenteil eingetreten, weil sich Spieler bei uns toll entwickelt haben."

"Ich mag keine Berater, die mir schon in den ersten fünf Minuten des Gesprächs erzählen, wie viel Geld wir mit dem Spieler machen können. Deswegen hole ich keinen Spieler, sondern ich hole ihn ausschließlich deswegen, weil ich mir vorstelle, wie viel Erfolg wir mit dem Spieler haben können."

Dennoch stellt der Sportchef klar: "Ich mag auch keine Berater, die mir schon in den ersten fünf Minuten des Gesprächs erzählen, wie viel Geld wir mit dem Spieler machen können. Deswegen hole ich keinen Spieler, sondern ich hole ihn ausschließlich deswegen, weil ich mir vorstelle, wie viel Erfolg wir mit dem Spieler haben können."

Diese Vorstellung ist im vergangenen Sommer bei weniger Neuzugängen als erhofft eingetreten. Aufgrund seiner Vita sei jeder einzelne Transfer nach wie vor nachvollziehbar, aber auch Kreissl gibt zu: "Die Gesamtkomposition des Kaders ist bisher nicht so aufgegangen, dass wir in diesem Jahr Konstanz erreichen konnten."

Und auch aus diesem Blickwinkel wird der anstehende Transfer-Sommer ein spannender. Denn Sturms aktueller Kader ist mit 26 Spielern nicht gerade zu knapp gehalten. Davon ausgehend, dass die eine oder andere Blutauffrischung gefragt ist, könnte es notwendig sein, sich vom einen oder anderen Spieler trotz laufenden Vertrags zu trennen.

Kein Spieler soll hinausgeekelt werden

Auch hier müsste Kreissl eine Adaption der eigenen Herangehensweise vornehmen: "Ich habe es immer so gehalten, dass ich niemand sein möchte, der Spieler hinausekelt oder ihnen durch irgendwelche Maßnahmen die Zeit möglichst ungemütlich macht. Das halte ich für verwerflich. Denn ich glaube, du stehst im Fußball für etwas und musst das auch, wenn es manchmal wirtschaftlich weh tut, trotzdem mit einer gewissen Größe durchziehen."

Aber: "Es ist natürlich möglich, dass wir solche Gespräche im Sommer führen müssen, wenn wir gestalten wollen. Dann kann es bis zu einem gewissen Grad unsere Aufgabe sein, Lösungen für die Spieler zu finden. Denn wenn sich ein Spieler einen Stammplatz ausrechnet, sich dann aber vielleicht auf der Tribüne wiederfindet, ist es für beide Seiten keine Win-Win-Situation."

Kandidaten dafür gibt es mit Spielern wie Philipp Hosiner, Markus Pink oder Raphael Obermair, die gerade unter Mählich einen schweren Stand hatten. Im Winter wurde mit Filipe Ferreira ein Akteur, der nicht nach Wunsch eingeschlagen hat, bereits abgegeben.

"Von der Wertigkeit der Spieler haben wir relativ viele, die aufgrund ihrer Vita zurecht Startelf-Ansprüche stellen können. Wenn du eine gewisse Anzahl an Spielern hast, die meinen, sie müssten spielen, das aber nicht tun, ist das auch nicht so einfach", erläutert Kreissl.

Also wird auch in diese Richtung Toughness gefragt sein. Wie man überhaupt Sturms Personalpolitik für die Saison 2019/20 mit Spannung erwarten darf. Schließlich steht über allem die Aufgabe, einen Kader zu basteln, der besser zu den Vorlieben von Mählich passt.

Textquelle: © LAOLA1.at

Hartbergs Schopp: "Sind vielleicht manchmal zu kindlich"

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