Mit Bullen-DNA ist es nicht getan, auch in Sachen Transferphilosophie ticken Christoph Freund in Salzburg und der frühere Bundesliga-Profi Schicker ähnlich. Im Visier jeweils: Junge, meist internationale Spieler mit Verkaufspotenzial.
Freund und Schicker fischen aber nur in mancherlei Hinsicht im selben Becken. "Vom Profil her ja", bestätigt Schicker im APA-Gespräch Parallelen, "aber was Top-Toptalente angeht, hat Salzburg nach wie vor ganz andere Möglichkeiten. Ich würde mich nicht trauen, einen 17-Jährigen um sechs Millionen Euro zu holen."
Sturms Einkaufsrahmen ist enger gesteckt. "1 bis 1,5 Millionen Euro ist unser Bereich, den wir vereinzelt machen können."
Schicker: "Die Mischung muss passen"
Um Salzburg auch künftig Paroli bieten zu können, modelliert Schicker den Kader anders. Er ist davon überzeugt, dass eine Bundesligamannschaft arrivierte Kräfte braucht. Sturm stellt im Schnitt zwar das drittjüngste Team der Liga, liegt damit aber noch immer zwei Jahre über den blutjungen Salzburgern (22,7).
"Die Mischung muss passen. Ich rede gern von unserer erfahrenen Mittelachse - Wüthrich, Stankovic, Hierländer - an der sich die Jungen anhalten und reifen können. Die hat Salzburg so nicht", betont Schicker einen wesentlichen Unterschied zum Ligarivalen.
"Genauso wichtig ist es aber, junge Spieler zu haben, die weiter wollen. Die auch wissen, dass wir die Tür aufmachen, wenn die Entwicklung passt." Oder der Preis.
Wie bei Kelvin Yeboah oder dem dänischen Stürmer Rasmus Höjlund, der im August mit über 17 Millionen Euro zum teuersten Bundesliga-Verkauf abseits von Salzburg avancierte.
"Keine offiziellen Anfragen" für Prass und Gazibegovic
Mittelfeld-Motor Prass und Rechtsverteidiger Gazibegovic könnten im Sommer die nächsten Millionen in die Klubkassa spülen. "Es gibt aktuell keine offiziellen Anfragen", sagte Schicker und fügte hinzu: "Das System Sturm Graz ist nicht von einem Spieler abhängig."
Veränderung, speziell auch im Erfolg, sei sowieso wichtig. "Es muss unangenehm bleiben, sonst wird es gefährlich in einer Mannschaft. Es wird sicher das eine oder andere passieren."
Die Gefahr eines Totalumbruchs samt Abwärtsspirale, die Sturm nach dem Cuptitel 2018 schmerzlich erfuhr, sieht Schicker nicht gegeben.
"Die Mannschaft wird erstens nicht total auseinanderbrechen. Und zweitens haben die Spieler mit Verkaufspotenzial in der Regel langfristige Verträge. Sollte ein Transfer passieren, werden wir die Möglichkeit haben, dementsprechend darauf zu reagieren."
Ein "Danke" Richtung Salzburg
Dass Sturm gute Chancen hat, demnächst in der Champions-League-Qualifikation oder im besten Fall sogar Gruppenphase zu spielen, liege auch an Salzburg, betont Schicker.
"Wenn ich ähnliche Länder vergleiche, ist es oft so, dass der Meister in der dritten Qualifikationsrunde zur Champions League beginnt. Bei uns beginnt dort der Vizemeister, der Meister ist fix qualifiziert. Wir haben Salzburg viel zu verdanken."
Mit dem Dank ist es am Sonntag vorbei. Mit einem Heimsieg könnte Sturm die Salzburger von der Tabellenspitze stoßen. Schicker erwartet Werbung für Österreichs Fußball. "Man braucht am Sonntag im Fernseher nicht umschalten auf ein Topspiel in den Top-vier-Ligen. Da kann man ruhig auf Sky die österreichische Liga rennen lassen."