Rapid tobt nach Elfer-Pfiff: "Kindergarten"

Rapid tobt nach Elfer-Pfiff: Foto: © GEPA
 

Es war DIE Szene beim Klassiker zwischen dem FC Red Bull Salzburg und dem SK Rapid (Spielbericht>>>)!

In der 74. Minute, beim Stand von 0:0, hinterlief Karim Adeyemi Kevin Wimmer. Der Rapidler übersah den schnellen Deutschen, welcher wiederum nach einem leichten Kontakt recht theatralisch zu Boden ging.

Schiedsrichter Markus Hameter ließ die Partie zunächst weiterlaufen, schaute sich die Szene nach minutenlanger Diskussion mit dem VAR schließlich selbst an und zeigte letzten Endes auf den Punkt. Der gefoulte Adeyemi trat selbst an und verwandelte zum vorentscheidenden 1:0.

"Das ist Kindergarten. Ich würde gerne wissen, was der Hameter sagt, weil er es wieder geschafft hat, ein Spiel zu Gunsten von Salzburg zu entscheiden", tobt SCR-Coach Didi Kühbauer nach dem Spiel bei "Sky".

Kühbauer fährt schwere Geschütze auf

Auf der Pressekonferenz nach der Partie legt der Burgenländer noch einen drauf: "Sogar wenn ich Salzburg-Anhänger bin: Wenn man diese Situation gesehen hat, heißt es ab jetzt nur mehr für jeden Spieler: In den Mann reinzufliegen und einen Überschlag machen. Weil diese Entscheidung war sehr hart - und das ist fast noch milde ausgedrückt. Diese Entscheidung hat das Spiel leider für Salzburg entschieden."

Bis zu diesem Zeitpunkt lief Salzburg dominant gegen eine gut stehende Rapid-Defensive an, tat sich allerdings schwer, richtige Tormöglichkeiten herauszuspielen. Während die "Bullen" in der Champions League beim FC Sevilla noch zwei Elfer liegen ließen, gab sich Adeyemi - am Dienstag selbst noch Fehlschütze in Andalusien - diesmal ganz cool und verwandelte zum 1:0.

Der Elferpfiff ab Minute 1:53 im VIDEO:

(Text wird unter dem VIDEO fortgesetzt)

"Alles für die Würste!"

"Dass sie besser waren, dass sie fußballerisch besser unterwegs waren: Ja! Aber ich glaube, dass wir heute das Spiel nicht veloren hätten, wir hätten den Punkt garantiert mitgenommen", glaubt Kühbauer, der einen seiner legendären Sager auspackt: "Jetzt ist in Wahrheit - mein berühmter Spruch - alles für die Würste. Es hilft nichts, mir tut es für die Mannschaft total leid."

Doch nicht nur auf Schiedsrichter Hameter hat es der Rapid-Coach abgesehen, auch der VAR, der Hameter überhaupt erst nahelegte, sich die Situation nochmal genauer anzusehen, ist Kühbauer ein Dorn im Auge: "Zum VAR möchte ich auch mal anbringen: Spenden wir das Geld für irgendwelche Hilfsfonds. Es sind Menschen dahinter, aber leider treffen sie oftmals die falsche Entscheidungen. Daher wäre Spenden gescheiter."

Hameter erklärt minutenlange VAR-Diskussion

Doch wie haben die beteiligten Akteure die Situation selbst erlebt? Beginnen wir bei Schiedsrichter Hameter. Der Niederösterreicher bewies nach Schlusspfiff Größe und stellte sich - anders als einige seiner Kollegen nach unpopulären Entscheidungen in letzter Zeit - nach dem Spiel dem Interview bei "Sky".

"Für mich auf dem Spielfeld, in der ersten Wahrnehmung, habe ich keinen Kontakt mit dem Fuß wahrgenommen, maximal im Hüftbereich. Adeyemi ist dann nach vorne gekippt, war unorthodox in der Fallweise. Mein Assistent hat mich kurz bestätigt, dass es für ihn auch kein Strafstoß ist und kein Kontakt wahrzunehmen war", so die erste Wahrnehmung Hameters.

Dann schaltete sich der VAR ein, "der um Verzögerung gebeten hat, weil er die Situation gecheckt hat. Wir haben diesen Kontakt nicht so wahrgenommen, der VAR hat alle Bilder gesichtet, das dauert auch. Er wollte alle Positionen durchgehen, um sicherzugehen, ob irgendwo auch kein Kontakt sichtbar ist. Es ist eine klare Fehlentscheidung, weil ich den Kontakt selbst nicht wahrgenommen habe, auf den Bildern ist es klar ersichtbar."

Wimmer: "...dann können wir aufhören, Fußball zu spielen"

Auch Kevin Wimmer hat eine klare Meinung zu seinem vermeintlichen Foul. Der Oberösterreicher stimmt - wenig überraschend - seinem Coach in der Bewertung des Elfmeters zu:

"Für mich ist es ein Wahnsinn, dass wir hier stehen und über sowas reden. Ich habe gesehen, dass er von hinten kommt und deswegen habe ich die Schussbewegung unterbrochen. Ich habe ihn vielleicht minimalst berührt. Ein Wahnsinn, dass wir jetzt dastehen. Der Schiedsrichter sieht das im Spiel genauso, ich weiß nicht, warum der Video-Schiedsrichter eingreift, das ist nie eine klare Fehlentscheidung. Wenn das ein Elfmeter ist, dann können wir aufhören, Fußball zu spielen."

Adeyemi: "Kontakt war absolut da!"

Schlussendlich kommen wir zu Karim Adeyemi. Der Deutsche holte bereits gegen Sevilla drei Elfmeter heraus - allesamt unstrittig. Wenn es nach dem 19-Jährigen selbst geht, gilt das auch für jenen Strafstoß gegen Rapid: "Der Kontakt war absolut da. Der Innenverteidiger hat mir danach gesagt, dass er mich nicht berüht hat, das finde ich nicht so. Für einen Elfmeter reicht ein Kontakt."

Während Adeyemi nach seinem verschossenen Elfmeter gegen Sevilla beim zweiten und dritten Versuch Luka Sucic den Vortritt ließ, schnappte sich der DFB-Teamspieler diesmal die Kugel sofort selbst. "Für mich war schon vor dem Spiel klar, dass ich den nächsten Elfer wieder schieße. Dass es mir gelungen ist - umso besser. Also den nächsten kann ich wieder schießen, oder?" fragt Adeyemi bei der Pressekonferenz mit einem Augenzwinkern Coach Matthias Jaissle.

Dass Adeyemi nun innerhalb von sechs Tagen vier Elfmeter rausholen konnte, ist ob seiner Spielweise nicht sonderlich überraschend. Der Linksfuß ist durch sein hohes Tempo enorm schwer zu verteidigen, außerdem ist der Stürmer ein Schlitzohr und weiß, wie er sich im Strafraum anstellen muss, damit dem Schiedsrichter keine andere Wahl bleibt, als auf den Punkt zu zeigen.

Kühbauer lobt und mahnt Adeyemi

"Er ist ein unglaublich guter Fußballer und er wird noch eine Riesenkarriere machen, aber so macht er sich in Zukunft nicht viele Freunde. Er wird noch in höheren Ligen spielen, deswegen würde ich ihm den Ratschlag geben - und das ist nicht böse gemeint -, dass er zu gut ist, dass er so etwas benötigt", hat Kühbauer nicht viel für Adeyemis Qualitäten im Elfmeter-Herausholen übrig.

Vor allem wenn er getroffen worden wäre - was nicht der Fall war, er (Wimmer, Anm.) hat zurückgezogen -, dass er einen doppelten Rittberger macht, ist schon ein bisserl übertrieben.

Didi Kühbauer

Speziell die Art und Weise, wie der Deutsche nach dem leichten Kontakt abhob, ärgert den Rapid-Coach maßlos: "Vor allem wenn er getroffen worden wäre - was nicht der Fall war, er (Wimmer, Anm.) hat zurückgezogen -, dass er einen doppelten Rittberger (Kantensprung im Eiskunstlauf, Anm.) macht, ist schon ein bisserl übertrieben. Aber er ist jung, da hat er noch viel Sprungkraft, aber ich glaube, dass er das nicht braucht. Dafür ist er als Fußballer viel zu gut", so Kühbauer.

Rittberger? "Schlittschuh fahr ich nicht"

Der Vergleich mit dem Kantensprung im Eiskunstlauf dürfte dem 50-Jährigen gefallen, er zieht ihn am Ende seines Fazits nochmal:

"Alleine anhand wie er gesprungen ist, hätte ich im Leben nie einen Elfer gegeben. Abgesehen davon, dass er nicht getroffen worden ist. Wenn er so fliegt, muss er (Wimmer, Anm.) wirklich durchziehen. Da fliegst du anders, wenn du richtig getroffen worden bist. Da denkst du nicht mehr an den Rittberger."

Ob Adeyemi etwas mit dem Eiskunstlauf-Vergleich anfangen kann? "Schlittschuh fahre ich nicht, aber ich fahre gerne Ski", grinst der Deutsche.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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