So steht es um einen Strebinger-Transfer

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Mit dem Start der Transferzeit schrillen beim SK Rapid prinzipiell die Alarmglocken.

Im durchwachsenen Herbst konnten aber nicht viele Spieler Werbung in eigener Sache machen, Richard Strebinger schon.

Der Torhüter bewahrte die Hütteldorfer vor noch mehr Unheil, zählt mittlerweile zum Kreis des ÖFB-Teams und weckt dank seiner starken Leistungen Begehrlichkeiten.

Obwohl der 25-Jährige erst vor einem Jahr seinen Vertrag bis 2022 verlängerte, stellte sich nach der Hinrunde die Frage, wie lange Strebinger noch in Österreich spielen wird. Winter- oder erst Sommertransfer?

Sein deutscher Berater, langjähriger Freund und Ex-Profi-Keeper Stefan Brasas klärt im Gespräch mit LAOLA1 auf: "Nein, im Winter passiert nichts, da ist nichts geplant."

"Sicherlich ist Strebinger heiß begehrt, aber..."

Darauf vertraut auch Rapid-Sportchef Fredy Bickel, der zwar weiß, wie begehrt Strebinger ist, jedoch frühestens im Sommer von einem möglichen Wechsel ausgeht.

Dass es Interessenten gibt, will Brasas gar nicht verheimlichen. Der 51-Jährige gibt zu: "Sicherlich ist er heiß begehrt aufgrund seiner Leistungen, aber er hat einen langfristigen Vertrag bei Rapid und da gibt es jetzt im Winter keine Bestrebungen, das in irgendeiner Art und Weise zu verändern."

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Der Geschäftsführer von "You Sports Consulting" kennt Strebinger seit dessen Zeit bei Werder Bremen und begleitete ihn durch viele Jahre. Wenn man Strebinger fragt, wird Brasas neben Torwarttrainer Helge Payer, seinem Vater und seiner Frau als absolute Vertrauensperson genannt, das Verhältnis geht weit über das normale zwischen Spieler und Manager hinaus, mehrmals die Woche wird telefoniert.

Die ehrliche, bodenständige Art des gebürtigen Niederösterreichers spiegelt sich auch bei seinem Berater wider, der Strebinger als total speziellen, sehr bewussten Spieler beschreibt, der für ihn eine Ausnahme im geldgierigen Fußballgeschäft darstellt.

Berater bestätigt Strebingers Ausstiegsklausel bei Rapid

Diese Einstellung kommt auch beim Thema Transfer durch. "Grundsätzlich werden wir nicht aufs Gaspedal drücken oder irgendetwas forcieren, nur damit er den Verein wechselt in irgendeine höhere Liga. Das ist nicht unser Streben. Richard ist glücklich bei Rapid, genießt die Zeit dort. Er hat jetzt einen Riesensprung nach vorne gemacht, ist Nationalspieler geworden. Er ist glücklich, und das ist für einen Spieler wichtig. Man muss nicht immer unbedingt diese großen Ziele und Träume haben."

Eine kolportierte Ausstiegsklausel im Vertrag sorgte aber zuletzt unter Rapid-Fans für Beunruhigung. Laut "Kurier" soll diese um die acht Millionen Euro betragen und würde Strebinger somit auf jeden Fall zum Rekordtransfer machen, bisher ist dies Maximilian Wöber (2017 um 7,5 Mio. Euro zu Ajax Amsterdam).

Dass es die Möglichkeit gibt, aus dem Vertrag auszusteigen, kann auch Brasas bestätigen: "Ich will jetzt keine Höhe und keine Details bestätigen, aber dass es heutzutage bei langfristigen Verträgen in der Regel immer auch Ausstiegs- oder andere Klauseln gibt, ist ja klar." Nachsatz: "Aber wir forcieren da nichts."

Nachdem ein Winter-Transfer ausgeschlossen wird, soll aber auch im Sommer nicht unbedingt Druck bestehen, den nächsten Schritt zu machen. Wenn man den Worten des Managers Glauben schenken darf, dann ticken die Uhren bei Strebinger und Brasas anders. Für den Deutschen ist es fast wie eine Vater-Sohn-Beziehung.

"Man sollte seine Seele nicht für ein paar Euro mehr verkaufen"

Weder bei Strebinger noch bei ihm soll das Geld der erste Antrieb sein. Durch das gute Verhältnis will er Strebinger vor Fehlern bewahren, vor nicht ausgeschöpftem Potenzial, das bei ihm selbst eine noch größere Karriere verhinderte - obwohl er bei Bremen, Duisburg oder Omonia Nikosia unter Vertrag stand.

Dass auch der (Noch-)Rapid-Torhüter bereits nicht immer zufriedenstellende Erfahrungen im Ausland im Nachwuchs von Hertha BSC, bei Werder Bremen oder Jahn Regensburg gemacht hat, spielt sicher auch bei seinen Zukunfts-Überlegungen eine Rolle.

Brasas meint dazu: "Es muss halt das Richtige sein, das ist auch eine Gefühlsebene. Ein Mensch sollte sich immer auf sein Bauchgefühl verlassen. Es muss passen. Wir werden kein Ding machen, was nicht hundertprozentig seinen Interessen in die Karten spielt. Also wird es nicht nur einen Wechsel aus finanziellen Geschichten geben. Das gibt es bei uns nicht, so arbeiten wir nicht. Das Geld spielt unter uns keine Rolle. Was Richard als Spieler so sympathisch und interessant macht, ist, dass er seine Sache aus Leidenschaft macht und genauso wird es einen Wechsel geben oder nicht. Entweder dieser Wechsel wird genau reinpassen in das Profil Richard Strebinger oder es wird keinen geben. Ganz einfach!" Ergänzend merkt er an: "Man sollte seine Seele nicht für ein paar Euro mehr verkaufen!"

Erst zuletzt merkte Strebinger in einem Interview an, dass er aktuell gar nicht wüsste, was er mit mehr Geld anfangen sollte. Diesen bodenständigen Eindruck vermittelt der zweifache Familienvater auch im täglichen Umgang - mit Teamkollegen, Medien und allen anderen.

Gold-Steak a la Ribery? Strebinger tickt ganz anders

Für seinen Manager ist klar, dass das Geschäft verschrien, für viele das Wichtigste ist, "das Geld ist sozusagen Gott" - aber nicht für Strebinger. Ohne der Phrasendrescherei verfallen zu wollen, betont er, dass Geld natürlich eine Rolle im Leben jeder Person spielt, Strebinger jedoch seine Prioritäten anders angelegt hat.

"Richard ist jemand, der auf dem Teppich lebt, er ist keiner, der goldene Steaks isst, Ferraris fährt, jeden Tag in einer anderen Farbe"

Deshalb warnt Brasas seinen Klienten auch, seine Leidenschaft bei Rapid für das doppelte oder dreifache Geld aufzugeben: "Er kann jeden Tag mit seiner Familie morgens, mittags, abends Essen gehen. Was will er mit viel mehr Geld, wenn er dann nicht glücklich ist? Ab einer bestimmten Menge, macht Geld ja auch nicht mehr glücklich."

Angesprochen auf andere Spieler, die ihren Reichtum in vergoldete Steaks investieren,wie Bayern-Star Franck Ribery, meint Strebingers Wegbegleiter, dass jeder sein Leben so leben sollte, wie er es will und für richtig hält.

"Wenn irgendwann einmal ein Klub kommt, der toll ist und meinetwegen das Zehnfache zahlt – man kennt ja die Gehälter, die in England gezahlt werden -,  dann muss man sich das schon überlegen. Hoppala, das würde bedeuten, dass man nicht nur selber sein Leben, sondern praktisch Generationen abgesichert wären. Und trotzdem ist Richard jemand, der auf dem Teppich lebt, er ist keiner, der goldene Steaks isst, Ferraris fährt, jeden Tag in einer anderen Farbe. Trotzdem muss man dann überlegen: Ist es das Richtige?"

Strebinger "ist ein Torhüter für England"

Der unbedingte Wechselwunsch auf Biegen und Brechen ist jedoch nicht vorhanden, so lange es bei Rapid so gut läuft und kein Angebot eintrudelt, das den Torhüter in jeglicher Hinsicht zufrieden stellt.

Dass er trotzdem irgendwann einmal in seinen Wunschligen in Deutschland oder England landen könnte, ist dadurch ja nicht ausgeschlossen. "Also sollte es zu einem Wechsel kommen, dann sind die Zielmärkte sicherlich Deutschland und England – keine Frage, weil das seinem Spiel auch entgegenkommt, vor allem der englische Fußball."

Als witzige Anekdote erzählt der Fußball-Fachmann von seiner ersten Begegnung mit Strebinger. Damals war dieser noch vierter Torhüter bei Bremen, gerade aus dem Nachwuchs hochgezogen.

"Damals habe ich schon gesagt, dass er eigentlich der Beste von den Voraussetzungen her ist, der gerade herumläuft. Das ist ein Torhüter für England! Sein Mut, seine Präsenz, seine Physis – wenn man das alles sieht, wäre er eigentlich prädestiniert für England. Das sage ich heute auch noch."

Textquelle: © LAOLA1.at

Rapid-Fanvertretung nach Derby: "Das wäre der Untergang"

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