Adeyemi/Sesko: Red Bull Salzburgs Baby-Sturm

Adeyemi/Sesko: Red Bull Salzburgs Baby-Sturm Foto: © GEPA
 

37 Jahre, 7 Monate und 27 Tage. So alt ist nicht der derzeit älteste Spieler in der österreichischen Bundesliga – LASK-Ersatzgoalie Thomas Gebauer zählt 39 Lenzen –, sondern Red Bull Salzburgs Baby-Sturm.

Karim Adeyemi (Anm., im Sturm-Match 19 Jahre, 6 Monate und 5 Tage alt) und Benjamin Sesko (Anm., 18 Jahre, 1 Monat und 22 Tage) bildeten mit ihren Startelf-Auftritten beim 3:1-Sieg gegen Sturm Graz das jüngste Stürmer-Duo in der Red-Bull-Ära. Das merkte man den Sprösslingen allerdings nicht an, Angriff um Angriff rollten sie auf das Tor von Sturm-Schlussmann Jörg Siebenhandl.

Schlussendlich durfte Adeyemi gleich doppelt jubeln, speziell sein zweiter Treffer aus rund 20 Metern „war besser als Sex“, wie der Deutsche nach dem Spiel grinsend zugab. Sesko ging zwar leer aus, stellte sein immenses Talent aber unter Beweis und zeigte, warum er mit dem Ex-Bullen und nunmehrigem Dortmund-Superstar Erling Haaland verglichen wird.

Dadurch geriet auch der Rekord-Abgang von Patson Daka zu Leicester City sowie der Kreuzbandriss von Sekou Koita schnell in Vergessenheit. Die Afrikaner waren das Traum-Duo in der Vorsaison, nun schicken sich Adeyemi und Sesko an, zu eben jenem zu avancieren.

Adeyemi/Okafor anfangs gesetzt

Die Highlights von Karim Adeyemi und Benjamin Sesko gegen Sturm Graz:

(Artikel wird unter dem VIDEO fortgesetzt)

Dass es zu dieser Kombination kommen würde, war in der Saisonvorbereitung nicht abzusehen. Neo-Trainer Matthias Jaissle brachte die zuletzt unter Ex-Trainer Marco Rose eingesetzte Mittelfeld-Raute zurück, setzt weiter auf zwei Sturmspitzen. Neben Adeyemi, der mehr oder weniger als gesetzt gilt, entbrannte nach dem verletzungsbedingten Aus von Koita ein Kampf ums Stammleiberl.

Der vom FC St. Gallen zurückgekehrte Junior Adamu, Noah Okafor, der seit seiner 11-Millionen-Ankunft aus Basel bisher hinter den hohen Erwartungen zurückblieb, sowie Benjamin Sesko waren die Kandidaten für den zweiten Platz in der Angriffszentrale. Mergim Berisha konnte bisher verletzungsbedingt nicht mitwirken, war daher kein Thema.

In den Testspielen kristallisierte sich ausgerechnet die für viele unwahrscheinlichste Variante Adeyemi/Okafor heraus. Der Schweizer, eigentlich am Flügel beheimatet, fand sich in neuer Rolle gut zurecht, netzte prompt im ersten Test gegen den slowakischen Klub Dunajska Streda. Diesen Status bestätigte er auch in den weiteren Vorbereitungsspielen, das neue Sturm-Duo schien gefunden.

Seskos Glanzmomente im Cup

Benjamin Sesko jubelt im ÖFB-Cup gegen Hertha Wels
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Auch in der ersten Runde des ÖFB-Cups bei Hertha Wels setzte Jaissle auf Adeyemi und Okafor, kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit folgte allerdings der Schock.

Nicht nur, dass der Außenseiter aus Oberösterreicher den Ausgleich erzielte, Okafor musste verletzt ausgewechselt werden. Der 21-jährige Schweizer hatte schon im Vorjahr mit Oberschenkelproblemen zu kämpfen, diese meldeten sich ausgerechnet zum Pflichtspiel-Auftakt wieder zurück.

Die Sorgenfalten ob der Stürmer-Situation im Salzburg-Kader wurden erneut größer, die Konkurrenz samt ihren Anhängern witterte jetzt erst recht die größte Chance auf eine Wachablöse der Mozartstädter. Allerdings erlitten eben jene Hoffnungen schnell einen Dämpfer. Der für Okafor eingewechselte Sesko schnürte kurz nach Wiederbeginn einen Doppelpack und spielte sich in die Pole-Position auf den Platz neben Adeyemi.

Junior Adamu, ebenfalls mit großen Vorschusslorbeeren ausgestattet, hängt derweil in der Warteschleife, zu mehr als zwei Kurzeinsätzen reichte es bisher nicht. Dem U21-Teamstürmer wurde wohl auch eine schwache Vorbereitung zum Verhängnis, in den Testspielen wusste er kaum zu überzeugen.

Duo Adeyemi/Sesko schon in 2. Liga und UEFA Youth League erfolgreich

Zum Auftakt beim SK Sturm Graz durfte das Duo Adeyemi/Sesko erstmals in der Bundesliga gemeinsam starten, ein Novum war dies aber nicht.

Die Supertalente kennen sich bereits aus der 2. Liga, stürmten beim FC Liefering zusammen. Ihre ersten gemeinsamen Minuten verbuchten sie am 7. Spieltag der Saison 2019/20 beim FC Dornbirn. Adeyemi stand in der Startelf, Sesko nahm auf der Bank Platz. Zur Halbzeit wechselte der nunmehrige Mainz-Cheftrainer Bo Svensson den Slowenen ein, nur 16 Minuten später erzielte dieser seinen ersten Treffer in der 2. Liga, natürlich nach Kombination mit Adeyemi.

Sesko (oben 4. v.l.) und Adeyemi (unten rechts) in der UEFA Youth League
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Auch in der UEFA Youth League stürmten sie Seite an Seite, beim 7:2-Erfolg in der Gruppenphase 2019/20 gegen den SSC Napoli traf Sesko erneut nach Assist von Adeyemi. Insgesamt 14 Partien bestritten sie gemeinsam. Nun eben auch in Österreichs höchster Spielklasse, pünktlich zur Einführung des VAR und der Rückkehr der „explodierenden“ Fans.

Schon nach drei Spielminuten zeigte das Duo, wozu es fähig ist. Adeyemi tankte sich fein durch, die eigentlich perfekte Vorlage setzte Sesko haarscharf am langen Eck vorbei. Die Supertalente veranschaulichten daraufhin ihre Klasse, der 18-jährige Slowene scheiterte an der Latte, der 19-jährige Deutsche an Jörg Siebenhandl.

Nach 69 Spielminuten war Adeyemi der hochverdiente Ausgleich vorbehalten, mit der Brust vollendete er eine Junuzovic-Flanke, setzte nur sechs Minuten später per Maßflanke auf Rasmus Kristensen den Assist zum Führungstreffer nach. Seine Top-Leistung krönte der Linksfuß mit einem perfekten Volley ins rechte Eck.

Und Sesko? Der schrieb zwar keine Scorerpunkte an, stellte die teils überforderte Sturm-Defensive aber gewiss vor grobe Probleme. Sechs Schüsse gab der zweifache slowenische Nationalstürmer ab, auf das Tor ging nur der Latten-Kopfball, der allerdings nicht in die Statistik einfließt. Dennoch waren es speziell sein ungeheuerliches Tempo in Kombination mit seinen 1,94 Meter, die für Dauergefahr sorgen konnten.

Adeyemi in einer Riege mit Haaland, Minamino und Szoboszlai?

Denn genau diese Gardemaße sind es, die den „Bullen“ seit dem Abschied von Erling Haaland gefehlt haben. Weder Patson Daka noch Sekou Koita sind Ballbehauptungs-Monster, kommen eher über ihre Geschwindigkeit. Zwar darf man Mergim Berisha mit seinen 1,88 Meter nicht außer Acht lassen, der 23-jährige Deutsche hat seine Qualitäten aber an anderen Fronten des Offensivspiels und könnte Salzburg sogar noch Richtung PSV Eindhoven verlassen.

Mit Sesko hat der Angriff von Red Bull Salzburg „auch noch Höhe dazugekriegt“, wie Sturm-Coach Christian Ilzer nach der Auftaktniederlage treffend festhielt. Auf den 2,5-Millionen-Mann, diese Summe überwies Salzburg 2019 für den damals 16-Jährigen an NK Domzale, wird Matthias Jaissle wohl auch bei einer Rückkehr von Noah Okafor setzen, zu überzeugend agierte der Stürmer in den ersten zwei Pflichtspielen einer noch sehr jungen Spielzeit.

Szoboszlai ist bereits in Leipzig - Folgt Adeyemi im Winter?
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Diese Leistungen muss er auch in den kommenden Wochen, vor allem Ende August in den Playoffs zur UEFA Champions League, zeigen, um sich seinen Platz neben Adeyemi weiter zu sichern. Denn eines steht auch fest: Wenn Sekou Koitas Kreuzbandriss vollständig verheilt ist, werden die Karten im Bullen-Angriff wohl neu gemischt werden.

Will Jaissle aber weiterhin mit einem Links- und einem Rechtsfuß in der Offensiv-Zentrale agieren, wird sich sogar Adeyemi anhalten müssen, ist er doch ein ähnlicher Spielertyp wie der Malier. Allerdings scheint Koita in Zukunft wohl eher auf der Zehn in der Mittelfeld-Raute gesetzt, diese Position nahm er zumindest schon im Testspiel gegen Olympiakos Piräus ein, in dem er sich schwer verletzte.

Der 21-Jährige könnte jedoch eine Etappe nach vorne rücken, wenn Adeyemi weiterhin brilliert und somit das ohnehin vorhandene Interesse zahlreicher internationaler Top-Klubs bekräftigt. Die UEFA Champions League stünde als Plattform bereit, Erling Haaland, Takumi Minamino oder Dominik Szoboszlai nützten diese in den vergangenen zwei Jahren zur Perfektion.

Zuerst liegt der Fokus aber auf dem Duell am kommenden Sonntag mit der SV Ried. Dort will Red Bull Salzburgs Baby-Sturm bestehend aus Karim Adeyemi und Benjamin Sesko nach der Sturm-Defensive auch jener der Innviertler das Fürchten lehren und die gesamte österreichische Bundesliga ein weiteres Mal verzücken.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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