Hartberg-Trainer Schopp: "Das hat enormen Wert"

Hartberg-Trainer Schopp: Foto: © GEPA
 

Den Start in die neue Saison hat sich der TSV Hartberg definitiv anders vorgestellt.

Das bittere Aus in der 1. ÖFB-Cup-Runde gegen Toni Polsters Regionalligisten Wiener Viktoria im Elfmeterschießen tat schon richtig weh. Dazu kam auch noch der verpatzte Bundesliga-Auftakt aufgrund eines 1:2 in Mattersburg wegen eines sehr umstrittenen Elfmeters. Möglicherweise war es jedoch zur richtigen Zeit ein Schuss vor den Bug.

Die Steirer bleiben prinzipiell auch nach der Premierensaison in der Bundesliga demütig. Der Saisonstart ändert nichts an der Ausrichtung und der Zielsetzung. Denn Trainer Markus Schopp wusste schon im LAOLA1-Interview vor den beiden Auftaktpartien, dass man noch nicht bei hundert Prozent ist: "Nachdem wir kadertechnisch noch nicht komplett sind – davon gehe ich aus -, ist das wahrscheinlich ein Prozess, der noch dauern wird."

Erst vor einer Woche folgten die Verpflichtungen von Jodel Doussou vom FC Vaduz und Bakary Nimaga vom türkischen Zweitligisten Hatayspor, die durch die Kurzfristigkeit noch kein Thema für den Auftakt waren.

Innerhalb der Mannschaft hat sich einiges geändert. Was die Verantwortlichen in der Steiermark aber zuversichtlich stimmt, ist die gewonnene Erfahrung, die dem Vorjahres-Aufsteiger keiner nehmen kann - sowohl in Spieler-Hinsicht als auch in den Bundesliga-Erlebnissen, die man bisher genießen durfte.

"Das hat schon einen enormen Wert. Man darf nicht vergessen, dass die Mannschaft ja von der Regionalliga in die 2. Liga, direkt in die Bundesliga aufgestiegen ist, jetzt der Verbleib in der Bundesliga. Da ist in den letzten Jahren richtig viel passiert. Wir wissen auch, dass da noch sehr viele Dinge zu optimieren sind, aber dieses Jahr an Erfahrung, das wir gewonnen haben, unterscheidet uns bestimmt vom letzten Jahr. Inwieweit uns das nachher wirklich weiterhelfen kann, wird man sehen. Aber wir sind bereit. Wir wollen das Jahr genauso genießen wie das letzte", freut sich Schopp, ein weiteres Jahr höchste österreichische Fußball-Luft zu schnuppern.

"Verein hat Themen, die mir am Herzen gelegen sind, verstanden"

Der 45-jährige Grazer darf sich ohnehin glücklich schätzen. Schließlich ist er der einzige Trainer, der die vergangene Saison schadlos überstand und noch immer einen Job beim selben Verein hat. Damit ist er der längstdienenste Bundesliga-Trainer aktuell, der einem Verein treu blieb.

Zwar kamen aufgrund schwankender Leistungen im Frühjahr schon Spekulationen auf, wonach auch Schopp die Saison nicht überleben wird, doch am Ende behielt man in Hartberg Geduld und krönte die Saison mit dem Klassenerhalt.

Bei der Vertragsverlängerung ließ sich Schopp trotzdem nicht überrumpeln, die Entscheidung galt es gut zu überlegen. Warum er schlussendlich dem TSV treu blieb? "Es wäre jetzt nicht leicht, die Gründe aufzuzählen. Klar ist: Es gab ein paar Themen, die mir wichtig waren, die mir am Herzen gelegen sind. Die hat der Verein verstanden und mittlerweile auch versucht zu verändern und bei ein paar Dingen sind wir noch dran. Das ist ganz einfach die Herausforderung, das war mir bewusst."

Denn der Chefbetreuer ist sich auch bewusst, dass es im zweiten Jahr keinesfalls leichter wird. In der Vergangenheit scheiterten immer wieder Teams am verflixten zweiten Jahr. Doch die Obersteirer bleiben relaxt.

"Spieler, die dir eine gewisse Sicherheit geben, sind natürlich kein Nachteil"

Diese Eigenschaft könnte im Kampf um das neuerliche Saisonziel Klassenerhalt womöglich von Nutzen sein.

"Wir sind nach wie vor der Verein, der einfach jede Sekunde in der Liga genießen möchte. Wir wollen einfach diesen Moment wirklich so wahrhaben, dass wir als Hartberg da dabei sein dürfen im Konzert der Großen. Klar ist auch, dass wir ein Jahr Erfahrung sammeln durften - der Verein, das Trainerteam, die meisten Spieler. Das entscheidet uns schon vom letzten Jahr", erklärt Schopp und kommt erneut auf die Erfahrung zu sprechen.

Dabei schnupperten nicht nur Kaderspieler Bundesliga-Luft und befinden sich nun auf einem höheren Level. Trotz einiger Abgänge konnte man sich auch gestandene Bundesliga-Spieler ins Boot holen, die den Kader weiter aufwerten.

Andreas Lienhart kam etwa aus Altach, Christian Klem und Stefan Rakowitz von Wacker. "Wir haben jetzt ein klein wenig korrigiert auf einigen Positionen, aber es sind nach wie vor Spieler dabei, für die alles noch sehr frisch und neu ist. Und da auch Spieler dabei zu haben, die dir eine gewisse Sicherheit geben können und Erfahrung mitbringen, ist natürlich kein Nachteil. Wobei der Prozess, in dem wir uns befinden, allumfassend ist und das betrifft die neuen wie die alten Spieler. Wir wollen uns auch spielerisch ganz einfach teilweise anders präsentieren als in der letzten Saison", schätzt Schopp die neue Situation ein.

Salzburg-Talente noch ein weiteres Jahr in Hartberg?

Da die Kaderplanung aller Voraussicht nach noch nicht abgeschlossen ist, besteht die Hoffnung, dass man sich weiterhin verstärkt.

Neben Gerüchten um Spieler aus der 2. Liga gelten beim eingeschränkten Hartberger Budget natürlich auch Leihen als willkommenes Mittel, um Spieler zu bekommen, die man nie fix verpflichten könnte.

Mit Youba Diarra und Mohamed Camara von RB Salzburg machte man etwa sehr positive Erfahrungen. Noch ist der Zug nicht abgefahren, dass man bei diesen Spielern womöglich noch einmal eine Chance erhält, wobei die Vorzeichen diesmal andere sind.

"Natürlich wären Leihen angedacht, wir haben ja letztes Jahr sehr gute Erfahrungen gemacht mit diversen Spielern. Mo oder Youba sind natürlich hochspannende Spieler, die sich in dem Jahr in Hartberg sehr gut weiterentwickelt haben und jetzt in einer Konstellation sind, wo der verleihende Verein vielleicht ganz andere Pläne mit den Spielern hat. Man muss da geduldig sein, aber klar ist, dass solche Spieler uns in Hartberg weiterhelfen könnten."

Schopp: "Das wäre die Ideal-Konstellation"

Hartberg will seiner Linie treu bleiben, als Verein mit dem kleinsten Budget positive Schlagzeilen zu schreiben und sich in der Liga zu etablieren. Trotzdem muss es für die kommende Spielzeit Veränderungen geben, um diese Ziele auch zu erreichen.

Schopp meint etwa dazu, wie Hartberg 2019/20 aussehen könnte: "Gewisse Elemente werden immer gleich bleiben. Man hat einfach im letzten Jahr in sehr vielen Momenten des Spiels gesehen, vor allem gegen diverse Spielanlagen, wo wir Probleme haben. Darauf muss man vorbereitet sein, darauf muss man Antworten haben. Das war schon ein bisschen der Schwerpunkt in der Vorbereitung. Einfach in diesen Bereichen vielleicht ein bisschen unberechenbarer werden und vielfältiger in diversen Situationen."

Entwicklung ist das Stichwort, diese ist aber nicht immer mit dem schnelllebigen Trainer-Geschäft und der im vergangenen Jahr aufkommenden "Hire and Fire"-Politik zu vereinbaren.

Doch Schopp weiß, worauf er sich einlässt: "Es ist unsere Aufgabe, von Anfang an einfach dazusein und zu zeigen, dass die Resultate nicht auf sich warten lassen. Klar, der spielerische Prozess läuft immer nebenbei. Dementsprechend wäre es die Ideal-Konstellation, das eine mit dem anderen zu verbinden."

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