"Wir müssen immer noch die Balance finden, wann wir kurze Pässe spielen, wann wir etwas direkter sind. Und defensiv gab es in der zweiten Hälfte einiges, ich will, dass wir höher pressen, mehr Initiative ohne den Ball zeigen", hatte Hoff Thorup für die anstehende Länderspielpause genug auf der Liste.
Fehler sind okay, wenn...
Eine Eigenschaft war aber da, und spielte eine gewichtige Rolle: Das "stick to the gameplan". "Ich bin sehr glücklich über den Charakter meiner Spieler, ihr Mindset und wie sie in die Spiele gehen, wenn sie an sich selbst glauben. Sie zeigen Selbstvertrauen und Courage."
So sei der Rapid-Trainer am glücklichsten mit der Reaktion auf das 0:1 gewesen. Es dauerte nur Momente zum Ausgleich durch Jakob Schöller, ein Rückschlag war nicht zu spüren. Ähnliches galt für die Phase nach dem 2:3.
Ohne diesen Glauben an den eigenen Plan und die Fähigkeit, ihn umzusetzen, wäre das Spiel schon nach dieser ersten Minute entschieden gewesen. Fehler dürfen passieren - wenn sie dennoch dem grundsätzlichen Plan entspringen.
"Ich habe ihnen seit dem ersten Tag gesagt: Wenn wir Fehler machen, 'take it easy'. Ich werde nur kritisieren, wenn etwas gemacht wird, das ich so nicht angeordnet habe", lautet Hoff Thorups Grundstein des Vertrauens.
Horn sitzt auf der Achterbahn
Und dieses Vertrauen kann viel bewirken, genau wie der Zusammenhalt innerhalb des Teams. "Was ich seit ein paar Spielen und auch heute gesehen habe, war ein Team, welches das Beste für sich will. Und du kannst nichts erreichen, wenn du dich selbst über das Team und den Plan stellst", unterstrich der Rapid-Trainer.
"Wenn wir auch nur ein Prozent im Training nachlassen, haben wir absolut keine Chance. Daher ist es für mich nicht wichtig, auf die Tabelle zu schauen."
Stellvertretend dafür war die helle Miene von Jannes Horn. Der Deutsche war es, der im Herbst nach einer Europacup-Demontage fassungslos dastand. Jetzt sieht die Welt anders aus, er selbst beteiligte sich auch mit einem starken Assist zur attraktivsten Szene des Spiels - dem 2:1 - am Sieg.
"Ja, der war gut", hatte der Verteidiger wieder besser lachen als nach der Abfuhr bei Częstochowa.
"Die Reaktion war für mich das Highlight des Spiels. Das war extrem gut von uns", imponierte ihm vor allem das Aufbäumen nach dem frühen Rückschlag.
Und er betonte die Wichtigkeit des Selbstvertrauens: "Im Fußball spielt sich ganz viel im Kopf ab. Diese Reaktion war auch eine Frage des Selbstvertrauens, welches wir gerade haben."
Und gerade, weil in dieser Saison schon Horrorphasen zu durchleben waren, erlaubte sich Horn das Grinsen, aber sicher kein Abheben: "Ich weiß, dass es in drei, vier Wochen wieder anders aussehen könnte."
Die Antwort auf die Tabellenfrage
So etwas tunlichst zu vermeiden, steht auf der Agenda Hoff Thorups ganz oben. Und damit war auch die obligatorische Frage nach der Bedeutung der Tabellensituation vom Trainer überdeutlich beantwortet.
"Wenn wir auch nur ein Prozent im Training nachlassen, haben wir absolut keine Chance. Daher ist es für mich nicht wichtig, auf die Tabelle zu schauen. Das Wichtige ist das Verhalten meiner Spieler. Ich schaue, wie sie am Morgen das Trainingszentrum betreten. Wie viel sie ins Training stecken."
Sogar im Hotel in Salzburg gab es trotz zweier Siege gegen die "Bullen" Meetings eines Assistenztrainers mit einigen Spielern, "weil wir das Training gesehen haben und mit ihrer Leistung darin nicht zufrieden waren."
Hart, aber fair. Und eben mit einem klaren Plan.