Die fünf Fragen zum Upamecano-Transfer

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"Meine Zukunft liegt in Salzburg. Ich fühle mich sehr wohl hier. Ich denke an nichts anderes."

Das sagte Dayot Upamecano beim LAOLA1-Interview-Termin genau vor einem Monat. UND: "Ich habe keinen Kontakt zu Leipzig."

Ja, das Fußballgeschäft ist ein schnelllebiges. 31 Tage später hat der 18-jährige Franzose bei RB Leipzig unterschrieben und zwar einen langfristigen Vertrag bis 2021 - laut Ralf Rangnick ohne Ausstiegsklausel.

LAOLA1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Transfer von Dayot Upamecano:

Wie überraschend ist die Wahl für Leipzig?

Nicht sehr! Und das aus verschiedenen Gründen. Erstens: Spieler, die Leipzig-Sportchef Ralf Rangnick in Salzburg parkt, holt sich der Deutsche bei entsprechender Entwicklung auch nach Deutschland. Und Upamecano hat sich schlichtweg hervorragend weiterentwickelt. Dass es dann so lange gedauert hat und der Innenverteidiger nicht schon am ersten Trainingstag in diesem Jahr bei Leipzig mittrainierte, überrascht mehr als der Wechsel. Dass Leipzig eine höhere Priorität in der Welt von Red Bull genießt, sollte ohnehin keinen mehr überraschen. Zweitens: Keiner weiß, wie konkret das Interesse der Top-Klubs (FC Barcelona, Manchester United) am Ende wirklich war. Über richtig konkretes Interesse wurde in den internationalen Medien jedenfalls nicht berichtet. Nach Leipzig wechselt es sich von Salzburg schneller als woanders hin. Und Drittens: Upamecano entschied sich schon 2015 gegen Klubs aus Manchester sowie Bayern München und heuerte in Salzburg an. Da wird selbstredend auch RB Leipzig ein Thema gewesen sein. Diese Karriere scheint im Hintergrund genau geplant. Der logische Schritt ist erfolgt.


So sprach Dayot Upamecano noch vor einem Monat über seine Situation:


Wie stehen die Chancen, dass Upamecano in Leipzig spielt?

Gut, denn auch Rangnick sagte es selbst: „Wir sind davon überzeugt, dass Dayot in der Lage sein wird, unseren Kader auch schon kurzfristig qualitativ zu verstärken.“ Upamecano hat zwar nur 23 Spiele für Salzburg absolviert, aber da waren schon einige Leckerbissen dabei. Unter anderem das 2:0 in Nizza, als Upamecano einen gewissen Mario Balotelli einfach nicht zum Zug kommen ließ. Jeder, der in Salzburg über den Franzosen sprach, war von seiner Qualität hellauf begeistert. Schließlich wurde Upamecano im Oktober erst 18 Jahre alt. Kollege Andre Wisdom meinte: „Er erinnert mich an Spieler-Typen wie Yaya Toure oder Patrick Vieira.“ Sturm-Trainer Franco Foda sagte nach dem 1:0 in Salzburg: „Was Dayot Upamecano gespielt hat, war unglaublich und sensationell. Das habe ich schon lange nicht mehr hier in Österreich gesehen.“ Die Chancen, bei Leipzig zu spielen, stehen naturgemäß wegen der ihm bekannten Spielweise gut und auch weil der Liga-Zweite in der Verteidigung verletzte bzw. angeschlagene Spieler hat. Rangnick sagt aber auch: "In Salzburg hätte er jedes Spiel gespielt, das ist hier nicht so." „Upa“ ist ein sehr schüchterner junger Mann, aber auch ein am Boden gebliebener. Sollte das Umfeld stimmen, wovon auszugehen ist, wird sich Upamecano in Leipzig einen großen Namen machen. Diese Athletik gepaart mit seiner Schnelligkeit machen ihn schon jetzt zu einem Ausnahmekicker und einem der besten seiner Altersklasse.

Wer wird Upamecano in Salzburg ersetzen?

Das Gute für Salzburg ist: Dieser Transfer tut eigentlich gar nicht weh. Im Frühjahr sind die „Bullen“ nur noch in der Meisterschaft und im Cup vertreten. Dafür braucht es nicht zwingend einen Spieler wie Upamecano, der spätestens im Sommer (ein Jahr vor Vertragsende) woanders gelandet wäre. Für die Entwicklung des Spielers wären weitere 20 Partien sicher kein Fehler gewesen – und er vermittelte auch den Eindruck, das zu wollen – doch für Salzburg und Oscar ist der Abgang kein Beinbruch. Zumal der Transfer auch nicht Stunden vor einem Gastspiel gegen Rapid öffentlich wurde – wie bei Bernardo im Sommer. Das wirbelte bekanntlich und zurecht viel Staub auf. Nun ist Upamecano weg und Oscar hat immer noch drei gestandene Innenverteidiger mit Paulo Miranda, Duje Caleta-Car sowie Andre Wisdom. Hinzu kommt Asger Sörensen, der bislang zumeist nur als Verletzungspechvogel auffiel, doch auch schon seine Einsätze in Salzburg hatte und dabei nicht den schlechtesten Eindruck machte. Perspektivisch gesehen stehen die nächsten Innenverteidiger auch schon bereit, etwa die Brasilianer Luan (20) und Igor (18). Besonderes Augenmerk gilt es auch auf einen Österreicher zu richten: Luca Meisl (17) könnte in ferner Zukunft Upamecano ersetzen.

Spieler Alter Position Wechsel-Jahr Neuer Klub Ablöse in EURO
Sadio Mane 22 LA 2014 Southampton 23 Mio.**
Naby Keita 21 ZM 2016 RB Leipzig 15 Mio.
Kevin Kampl 24 ZM 2014 Dortmund 12 Mio.
Alan 25 ST 2014 Evergrande 11,10 Mio.
Marc Janko 27 ST 2010 Twente Enschede 7 Mio.
Martin Hinteregger 23 IV 2016 Augsburg 7 Mio.
Bernardo 21 DM 2016 RB Leipzig 6 Mio.
Somen Tchoyi 27 OM 2010 West Bromwich Albion 3 Mio.
Stefan Ilsanker 26 DM 2015 RB Leipzig 3 Mio.
Peter Gulacsi 25 TM 2015 RB Leipzig 3 Mio.

** durch den Wechsel zu Liverpool kamen rund 8 Mio. Euro dazu

Was macht Salzburg mit dem Geld?

Und wieder wurden Millionen in die Vereinskassa gespült. Es ist mittlerweile der fünfte Transfer in der Red-Bull-Ära, der zumindest zehn Millionen Euro bringt. Auch wenn für viele das Geld, das aus Leipzig kommt, nur symbolischen Charakter hat, ist es für den Verein nicht unwesentlich, schließlich hat man wie jeder andere Klub (für die FIFA) einen Haushalt zu führen. Nun stellt sich die Frage: Was tun mit dem Geld? Sportchef Christoph Freund gab die erste Antwort: „Die Einnahmen dieser Transfers werden wir erneut in junge, talentierte Spieler investieren, mit denen wir auch zukünftig in Salzburg erfolgreich sein werden, und versuchen, unsere hohen Ziele zu erreichen.“ Das macht ja auch Sinn. Salzburg hat sich mit Upamecano endgültig als jener Klub positioniert, der Top-Talente im richtigen Alter entsprechend weiterentwickeln kann. Andere Talente und ihr Umfeld werden erkennen, dass Salzburg alles bietet, vor allem Spielpraxis, um den nächsten Schritt zu machen. Sollte Upamecano, zweifellos das größte Talent, das jemals in Salzburg gespielt hat, sich so entwickeln, wie sich alle das erhoffen, dann wird immer die Referenz Salzburg bleiben. Und Red Bull hat freilich nun das Kleingeld, um weitere Talente zu holen. Für Upamecano wurden kolportierte 2,2 Millionen Euro auf den Tisch von Valenciennes (FRA/2) gelegt. Und damals war der Nachwuchsteamspieler erst 16 Jahre alt. Salzburg sollte aber die Millionen nützen, um dem Standort wieder Flügel zu verleihen. 6294 Zuschauer kamen im Schnitt in der Hinrunde in die Red-Bull-Arena – so wenige wie überhaupt noch nie in der Ära seit 2005. Bei Munas Dabbur hat Salzburg Geld in die Hand genommen. Alleine 17-jährige Talente werden die Zuschauer auch nicht zurück nach Wals-Siezenheim bringen. Es braucht auch (internationalen) Erfolg.

Wer sind die nächsten potenziellen „Leipziger“?

Dayot Upamecano, Bernardo, Benno Schmitz und natürlich Naby Keita. Alleine vor und während dieser Saison wechselten vier Spieler von Red Bull Salzburg zu RB Leipzig. Es braucht keinen Propheten, um zu erahnen, dass dies nicht die letzte Transaktion der beiden Vereine sein wird. Wer kommt aber als nächstes in Frage? Konrad Laimer wäre nach aktuellem Stand der Top-Kandidat. Der 19-Jährige ging durch die komplette Red-Bull-Schule, warum dann auch nicht noch zur Nummer 1 in der Hackordnung? Der Mittelfeldspieler, der im Jahr 2016 eine ähnlich tolle Entwicklung wie Upamecano gemacht hat, war schon selbst vor Ort zu Gast, um sich ein Bild zu machen. Lange galt auch Duje Caleta-Car als Kandidat für Leipzig, doch seine Entwicklung stagnierte im Herbst und so musste sich der Kroate hinten anstellen. Im Frühjahr dürfte der 20-Jährige eine neue Chance bekommen, nützt er sie, ist die Tür nicht zu. Dimitri Oberlin hat im Herbst 2016 gezeigt, wozu er bereits in der höchsten österreichischen Bundesliga fähig ist. Der Stürmer ist auch erst 19 Jahre alt, also durchaus ein Kandidat für den Schwestern-Klub. Den nächsten Schritt in diese Richtung hat auch Mergim Berisha bereits gemacht. Von Liefering heraufgezogen, könnte der 18-Jährige in den nächsten Jahren ein offensives Thema für Leipzig sein. Will Valentino Lazaro noch ein Thema für Leipzig werden, muss er der österreichischen Bundesliga den Stempel aufdrücken. Das ist bislang noch nicht geschehen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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