Das große LAOLA1-Bundesliga-Zeugnis - Teil vier

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Notenschluss in der österreichischen Bundesliga!

Mit dem Ende des 32. und letzten Spieltags haben alle zwölf Bundesligisten genug Bewertbares abgeliefert, um eine Leistungsbeuerteilung zu wagen, auch wenn die Wiener Austria und der TSV Hartberg noch im Playoff-Einsatz sind.

Wie hunderttausende Schüler in Österreich in diesen Tagen gibt es deswegen nun auch für die Teams der Bundesliga ein Zeugnis. LAOLA1 stellt dieses aus und bewertet alle Klubs in den "Fächern" Offensive, Defensive, taktische Ausrichtung, Transfer-Qualität und Verhalten mit Noten von Sehr gut bis Nicht genügend. Zum Abschluss mit dem WAC, Rapid und Red Bull Salzburg:

3. Wolfsberger AC

Gesamtnote: "Sehr gut"

Der WAC hat er erneut getan! Wie schon im Vorjahr erreichten die Lavanttaler Rang drei der Bundesliga und dürfen nun erneut in der Europa League spielen. Trotz eines Umbruchs mitten in der Saison packten die Kärntner in der Meistergruppe nochmal eine Schippe drauf und ließen sogar den LASK hinter sich.

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Offensive: "Sehr gut"

Selten hat ein Spieler der österreichischen Bundesliga so sehr das Fürchten gelehrt wie Shon Weissman. Der Israeli kam im vergangenen Sommer als ziemlicher No-Name nach Kärnten, machte sich auf Anhieb mit 30 Meisterschafts-Treffern zum besten Bundesliga-Torjäger seit Jonatan Soriano, der 2014/15 in 36 Runden 31 Treffer erzielen konnte, und erzielte alleine mehr Tore als die Admira als Team. Unterstützung bekam er dabei unter anderem von Michael Liendl, der mit 34 Jahren in Karriere-Höchstform agierte und acht Treffer sowie 18 Assists beisteuerte. Weissmans gefährlicher Sturmpartner Anderson Niangbo, mit sieben Treffern drittbester WAC-Torschütze, wurde im Winter von Salzburg zurückbeordert, um verkauft zu werden.

Defensive: "Gut"

Das Prunkstück der Wolfsberger liegt in der Offensive, aber auch die Abwehr kann sich mit nur 43 Gegentreffern sehen lassen. Die äußerst routinierte Viererkette machte über die Saison hinweg eine gute Figur, richtige Klatschen gab es trotz der offensiven Spielausrichtung eigentlich so gut wie nie. Nicht gerade vom Vorteil war, dass mit Michael Sollbauer der Kapitän und Abwehrchef das Lavanttal Richtung Barnsley verließ. Auch auf Keeper Alexander Kofler war stets Verlass, der 33-Jährige spielte einmal mehr eine äußerst solide Saison.

Taktische Ausrichtung: "Sehr gut"

WAC-Präsident Dietmar Riegler musste sich innerhalb von nur wenigen Monaten gleich zwei Mal auf Trainersuche begeben. Allerdings nicht – wie es so oft vorkommt – wegen sportlicher Erfolgslosigkeit, sondern weil sowohl Christian Ilzer (Austria Wien) als auch Gerhard Struber (FC Barnsley) so sehr an der Lavanttaler Seitenlinie überzeugen konnten, dass sie von anderen Vereinen abgeworben wurden. Struber brachte eine gewisse Red-Bull-Mentalität aus Salzburg mit, wo er davor im Nachwuchs tätig war, und implementierte eine pressingstarke Raute als WAC-Merkmal. Mit Jahreswechsel übernahm Ferdinand Feldhofer, der zuvor den SV Lafnitz in die HPYBET 2. Liga geführt hatte, und setzte Strubers Arbeit trotz zahlreicher Spielerabgänge fast noch erfolgreicher fort.

Transfer-Qualität: "Sehr gut"

Allein der Umstand, dass Shon Weissman gratis ins Lavanttal kam, verdient sich einen Einser im Transfer-Zeugnis. Auch die leihweisen Verpflichtungen von Anderson Niangbo und Dominik Baumgartner machten sich mehr als bezahlt, Romano Schmid, der ebenso eine tolle Saison spielte, wurde bekanntlich schon im Jänner 2019 aus Bremen ausgeliehen. Auf die beiden Barnsley-Abgänge von Marcel Ritzmaier und Michael Sollbauer, die insgesamt eine Million Euro einbrachten, wurde durch Leihen von Milos Jojic und Miguel Viera von Basaksehir Istanbul reagiert, wobei vor allem Jojic im Lavanttal zu alter Stärke zurückfand und auch künftig beim WAC spielen soll. Cheikhou Dieng, der anstelle von Niangbo im Jänner verpflichtet wurde, blieb etwas unter den Erwartungen.

Verhaltensnote: "Sehr zufriedenstellend"

Wie in der Endtabelle belegt der WAC auch in der Fairnesstabelle der Bundesliga Rang drei hinter Salzburg und Rapid. Bis auf eine Gelb-Rote Karte für Nemanja Rnic blieben die Kärntner über die ganze Saison ohne Ausschluss, 57 Mal wurde Gelb gezückt. Auch ansonsten gab es kaum negative Ereignisse mit WAC-Teilhabe, klammert man den Streit zwischen Ex-Coach Struber und Rapid-Stadionsprecher Andy Marek im Grunddurchgangs-Spiel in Hütteldorf aus, bei dem Struber dem Wiener zu seinen „depperten Fans“ gratuliert haben soll.

"Besondere Leistung":

Starkes Abschneiden im Europacup

2. SK Rapid Wien

Gesamtnote: "Gut"

Die Rehabilitation für das letztjährige Verpassen der Meistergruppe ist Rapid mit einem Vize-Meistertitel gelungen. Didi Kühbauer ließ sich sogar dazu hinreißen, die Hütteldorfer als „heimlichen Meister“ zu bezeichnen. Vor allem nach der Corona-Pause konnte Grün-Weiß überzeugen und sich so schlussendlich verdient Rang zwei sichern, der eine Möglichkeit auf die Champions League bietet. Aus 14 Punkten Rückstand auf den LASK nach dem Grunddurchgang machte Rapid schlussendlich fünf Zähler Vorsprung auf die Linzer, die bekanntlich vier Punkte abgezogen bekamen.

Offensive: "Gut"

Die Aufregung unter den Rapid-Anhängern war groß, als im Vorsommer Taxiarchis Fountas als neuer Hoffnungsträger in der Offensive präsentiert wurde. Der Grieche mit Red-Bull-Vergangenheit kam nach einer starken Saison beim SKN, wo ihm allerdings nur vier Treffer gelangen, nach Hütteldorf und bekam von Minute eins das Vertrauen von Didi Kühbauer im Sturm, das er mit 19 Bundesliga-Treffern vollends zurückzahlte. Dahinter schaut es etwas mau aus, Stefan Schwab ist mit acht Toren der zweitbeste grün-weiße Torschütze. Millionenneuzugang Koya Kitagawa (2 Tore) blieb genauso hinter den Erwartungen wie der im Winter abgewanderte Aliou Badji (3 Tore). Jänner-Neuzugang Ercan Kara (3 Tore) konnte im Saisonfinish aufzeigen.

Defensive: "Gut"

Wären die vier Saisonduelle von Rapid mit Meister Salzburg nicht gewesen, in denen die Hütteldorfer gleich zwölf Gegentreffer kassierten, könnte man von einer grandiosen Rapid-Defensive in der Saison 2019/20 sprechen. In der von Kühbauer implementierten Dreierkette wirkten die Wiener gefestigt, obwohl es vor allem im Innenverteidiger-Sektor ständig zu schwerwiegenden Ausfällen kam. Auch Richard Strebinger und nach dessen Rückenverletzung in der Meistergruppe Tobias Knoflach spielten eine gute Saison. Mit 43 Gegentreffern nimmt Rapid ex aequo mit dem WAC Rang drei der defensivstärksten Teams ein.

Taktische Ausrichtung: "Gut"

Als alter Taktikfuchs war Didi Kühbauer bisher eigentlich nicht bekannt, seine Stärke liegen vor allem in seiner Motivationsfähigkeit und seiner Emotionalität. Wie der Burgenländer dem SK Rapid aber über die Sommervorbereitung ein völlig neues taktisches Gesicht verpasste, kann sich sehen lassen. Das 3-4-1-2, das die Hütteldorfer in dieser Saison zumeist spielten, passt zwar vielleicht nicht in die spielerische Tradition des Ballbesitzfußball der Rapidler. Das Konterspiel, das daraus resultierte, erwies sich aber als höchst effektiv und war hauptverantwortlich für die grün-weiße Vizemeisterschaft.

Transfer-Qualität: "Gut"

Mit einem Plus von über sieben Millionen Euro gelang Rapid einmal mehr eine gute Saison am Transfermarkt. Eigenbauspieler Mert Müldür wurde um fast vier Millionen Euro nach Sassuolo abgegeben, für Boli Bolingoli kassierte man über drei Millionen von Celtic Glasgow und auch Missverständnis Aliou Badji konnte dank seines Winterwechsels nach Kairo zwei Millionen Euro in die grün-weißen Kassen spülen. Auch auf Zugangsseite wurde vieles richtig gemacht: Zum einen wurden zahlreiche Jugendspieler in die erste Mannschaft eingebaut, zum anderen erwiesen sich die ablösefreien Taxiarchis Fountas und Filip Stojkovic als Goldgriffe. Zudem wurden mit Ercan Kara, Dejan Petrovic und Maximilian Ullmann gleich mehrere Schnäppchen um einige hunderttausend Euro an Land gezogen. Einzig Königstransfer Koya Kitagawa blieb noch hinter seinen Möglichkeiten. Auf den Japaner, der mit sprachlichen und kulturellen Barrieren im Westen Wiens zu kämpfen hatte, wird aber weiter gebaut.

Verhaltensnote: "Zufriedenstellend"

Die Hütteldorfer vollbrachten das Kunststück, die komplette Saison ohne einer einzigen Roten Karten auszukommen – das gelang Rapid laut „transfermarkt.at“ seit 1977 nicht mehr. 60 Gelbe Karten sind ebenso nicht besonders wild und ermöglichen den Wiener auch in der Fairnesstabelle Rang zwei. Und auch Didi Kühbauer hatte sich an der Seitenlinie großteils im Griff, wenngleich dem emotionalen Burgenländer die Geisterspiele nach der Corona-Pause nicht gerade zum Vorteil wurden und er sich im Endspurt einige Gelbe Karten abholte. Unter den Fans gab es allerdings gleich mehrere negative Vorkommnisse: Zum einen wurde Ex-Rapidler Max Wöber nach seinem Salzburg-Wechsel aufs Übelste beschimpft, zum anderen wurde im Meistergruppen-Spiel gegen Hartberg ein sexistisches Plakat auf den leeren Rängen platziert. Geschäftsführer Christoph Peschek machte bei der Entschuldigung für diesen Eklat keine besonders gute Figur. Und auch die „Hoit de Pappn“-Causa rund um Ex-Stadionsprecher Andy Marek und Ex-WAC-Coach Gerhard Struber sorgte für öffentliches Aufsehen.

1. Red Bull Salzburg

Gesamtnote: "Sehr gut"

Siebter Meistertitel in Folge, ein guter Premieren-Auftritt in der Champions League und erneut ein dickes Transferplus. Kurzum: Der FC Red Bull Salzburg hat in dieser Saison so gut wie alles richtig gemacht und sich auch nicht von einer Mini-Krise zum Jahresbeginn 2020 aus der Fassung bringen lassen. Trotz zwischenzeitlich sechs Punkten Rückstand auf den LASK wurden die "Bullen" schlussendlich völlig verdient erneut Meister.

Offensive: "Sehr gut"

110 Treffer und die Einstellung des eigenen Torrekords sprechen eine klare Sprache: Salzburgs Offensive lief auch diese Saison wie geschmiert. Zunächst Erling Haaland, dann Patson Daka, aber auch Hee-chan Hwang lehrten den gegnerischen Defensivreihen das Fürchten. Einen kleinen Wermutstropfen gab es dennoch: Der Torschützenkönig ging erstmals seit 2017 nicht nach Salzburg, Shon Weissmans 30 Saisontreffern kam nur Daka mit 24 Toren nahe.

Defensive: "Sehr gut"

Auch wenn die Salzburger mit 34 Gegentreffern in 32 Spielen schon mal sattelfester waren, gibt es an der Abwehrleistung der Mozartstädter wenig zu bekritteln. Der einstige Rekordtransfer Max Wöber erwies sich als Goldgriff, gemeinsam mit Andre Ramalho bildete er eine starke Innenverteidigung. Die Außenverteidigung mit links Andreas Ulmer und rechts Rasmus Kristensen, Albert Vallci und Patrick Farkas konnte ebenso überzeugen, wie Torhüter Cican Stankovic trotz über die Saison immer wieder eingestreuten Fehlern.

Taktische Ausrichtung: "Sehr gut"

Unter Neo-Coach Jesse Marsch besannen sich die "Bullen" wieder einer etwas risikobehafteteren Spielweise als noch unter Marco Rose, was vor allem in der Champions League schmerzlich bestraft wurde. Ansonsten konnte Marsch aber auf allen Ebenen - sowohl sportlich, als auch menschlich - überzeugen und drückte den "Bullen", die wieder zu einem flachen 4-4-2 zurückkehrten, sehr erfolgreich seinen eigenen Stempel auf, auch wenn die Dreierkette, mit der oft experimentiert wurde, nicht immer funktionierte.

Transfer-Qualität: "Sehr gut"

Mit Transfereinnahmen von über 110 Millionen Euro pulverisierten die "Bullen" alles bisher in Österreich Bekannte und stellten einmal mehr eine Bestmarke auf. Zudem wurde mit den Verpflichtungen von Max Wöber (10,5 Mio. Euro) und Noah Okafor (11,2 Mio. Euro) gleich zweimal innerhalb einer Saison ein neuer Rekordtransfer auf Zugangsseite getätigt. Beide konnten ihren Summen durchaus gerecht werden, bei Rasmus Kristensen (5 Mio. Euro) ist noch Luft nach oben. Noch nicht bewerten kann man die Teenager-Einkäufe Maurits Kjaergaard, Benjamin Sesko und Bryan Okoh, die ebenfalls um Millionensummen kamen und aktuell bei Liefering Rotationsspieler sind. Etwas schade ist, dass für Spieler eines Kalibers von Erling Haaland und Takumi Minamino aufgrund von Ausstiegsklauseln nur insgesamt 28,5 Millionen Euro lukriert werden konnten.

Verhaltensnote: "Sehr zufriedenstellend"

Auch in der Fairnesstabelle nimmt Salzburg mit nur 40 Gelben Karten klar Platz eins ein. Insgesamt gab es in der Bundesliga zudem zwei Ausschlüsse: Einmal eine umstrittene glatte Rote Karte für Majeed Ashimeru sowie einmal Gelb-Rot für Zlatko Junuzovic. Abseits des Feldes gab es indes nichts Negatives zu berichten, auch wenn es sicher angenehmere Zeitgenossen für vierte Offizielle gibt als Jesse Marsch, der nicht selten eine Schiedsrichter-Entscheidung lauthals in Frage stellt und sich deswegen auch schon einige Gelbe Karten abholte.

"Besondere Leistung":

Starkes Abschneiden im Europacup

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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