Gerry Willfurth: "Bruckner ist für alles offen!"

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Der Wahlkampf in Hütteldorf geht ins Finale. Erstmals in der 120-jährigen Geschichte wählt der SK Rapid heute einen Präsidenten in einer Kampfabstimmung.

Martin Bruckner oder Roland Schmid lautet die Frage an die Mitglieder. Während die "Liste Leitbild" mit drei bisherigen Präsidiums-Mitgliedern auf Kontinuität setzt, plant die "Liste Grün Weiß" große Veränderungen. Im Team von Selfmade-Millionär Schmid befindet sich kein bisheriges Präsidiums-Mitglied des SCR, dafür machen jede Menge Legenden wie Hans Krankl, Michael Konsel oder Ex-Trainer Ernst Dokupil für den Rapid-Sponsor und Inhaber der Firma "IMMOunited" Stimmung.

Sein Gegenüber Bruckner holt bei einer erfolgreichen Wahl Ex-Spieler Gerry Willfurth ins Präsidium. Der 57-Jährige aus Wiener Neustadt absolvierte insgesamt 317 Bundesliga-Partien - 204 davon für Rapid - und erzielte dabei 56 Tore. Der Mittelfeldspieler gewann mit den Grün-Weißen in den 1980er-Jahren vier Meistertitel und vier Cup-Trophäen.

Im LAOLA1-Interview erklärt Gerry Willfurth, wie er sich seinen Präsidiums-Job vorstellt und wo sich Martin Bruckner klar von Michael Krammer unterscheidet.

LAOLA1: Wie intensiv hast du die Vorgänge bei Rapid in den letzten Jahren verfolgt?

Gerry Willfurth: Ich war in den letzten Jahren sehr viel im Stadion und habe viele Dinge mitbekommen. Ich habe mich im Stadion aber weder bei den Medien noch bei Rapid wichtig gemacht. Eingebunden worden bin ich dann, weil mich Präsident Krammer angesprochen hat, ob ich mir vorstellen könnte, ins neue Präsidium zu gehen. Worauf ich mich mit Martin Bruckner getroffen habe.

LAOLA1: Dazu muss man wissen, dass du und Martin Bruckner euch seit der Bundesheer-Zeit kennt und euch auch nie aus den Augen verloren habt, oder?

Willfurth: Stimmt, wir waren gemeinsam beim Heer und waren auch da schon immer auf einer Wellenlänge. Als wir uns jetzt nach längerer Zeit wieder getroffen und ausführlich gesprochen haben, habe ich sofort gemerkt, dass wir immer noch auf einer Linie sind. Martin hat mir seine Pläne nähergebracht und mir erklärt, was er mit mir vorhat. Ich bin dann gleich im ersten Gespräch mit meinen Vorstellungen reingeplatzt. Das war für ihn sogar ein bisschen überraschend, aber wir haben sehr schnell einen gemeinsamen Konsens gefunden. Ich bin voll überzeugt, dass er der richtige Präsident für Rapid ist und das ist mir das Wichtigste. Ich weiß, dass er mit seiner Ansicht von Kontinuität und Solidarität viel bewirken und den Verein gut führen kann. Seine Art mit den vielen unterschiedlichen Gruppen bei Rapid umzugehen, gefällt mir. Er kann – was wirklich nicht leicht ist - alles und alle zusammenhalten.

LAOLA1: Unter Martin Bruckner soll dem Duo Zoki Barisic und Didi Kühbauer der Rücken gestärkt und ihre Ideen umgesetzt werden. Wie nahe bist du am Sportdirektor und am Trainer dran. Wie ist deine Gesprächsbasis mit dem Duo?

Willfurth: Da muss ich zuerst erwähnen, dass mir Martin sofort gesagt hat, dass er sich in fußballspezifischen Sachen nicht sehr gut auskenne und sich diesbezüglich explizit jemanden fix ins Präsidium holen will. Das ist für mich ein klares Zeichen für Veränderung. Das braucht Rapid. Das war die letzten sechs Jahre nicht so, dass Leute im Präsidium waren, die auch eine entsprechende Sportkompetenz gehabt haben. Alleine diese Veränderung macht ihn zu einem wertvollen Präsidenten. Es wird bei Martin meiner Meinung nach zu wenig berücksichtigt, dass er immer gewillt ist, Fachleute zu holen. Egal in welchen Bereichen. Das gefällt mir an ihm. Nur so kann sich der Verein weiterentwickeln.

LAOLA1: Wie ist deine Entwicklung nach der aktiven Laufbahn vorangegangen?

Willfurth: Ich habe in den unteren Klassen verschiedene Vereine betreut. Ich war dabei auch im Vorstand und habe die Arbeit dort als interessant empfunden. Ich habe mit zwei Freunden Wiener Neustadt geführt, ehe Frank Stronach den Verein übernommen hat. Das war eine sehr interessante Erfahrung. Daher kann ich mir die Arbeit im Präsidium von Rapid gut vorstellen.

LAOLA1: Dort sollst du für den sportlichen Aufschwung sorgen. Wo willst du sofort den Hebel ansetzen?

Willfurth: Meine Arbeit hat schon begonnen, als ich mitentscheiden durfte, ob Zoki Barisic den Sportdirektor-Posten übernehmen soll. Da habe ich mich mit Zoki drei Stunden lang zusammengesetzt und habe mir seine Vorstellungen angehört, wie er Rapid in eine besser Zukunft führen will. Das Gespräch war für mich sehr aufschlussreich und ich habe gewusst, dass ich mit ihm eine gute Basis haben werde. Das war wichtig für mich. Ich kann nicht das Vertrauen des Präsidiums haben, aber mit Barisic nicht auf einer Linie sein. Ich habe gemerkt, dass die Zusammenarbeit fruchten wird, auch mit Didi Kühbauer und mit Steffen Hofmann im Nachwuchs ist Rapid sehr gut aufgestellt. Dieses Trio muss Rapid sportlich führen. Von Seiten des Präsidiums kann man ihnen nur mitgeben, was das Leitbild vorsieht, welche Spielphilosophie sich der Verein vorstellt, aber das Präsidium wird nie in das Spielsystem eingreifen. Ob 4-4-2, 4-3-3 oder 4-2-3-1 gespielt wird, da werde ich mich nie einmischen. Es ist sehr wichtig, dass jeder genau seine Kompetenzen und seine Aufgaben weiß. Ich werde das Verbindungsglied zwischen der sportlichen Führung und dem Präsidium sein.

LAOLA1: Wie soll das funktionieren?

Willfurth: Ich werde die Zusammenarbeit zwischen den beiden Bereichen optimieren, werde festlegen, in welche Richtung wir die sportliche Führung unterstützen werden und wollen. Ich werde die Ressourcen schaffen, dass alle in der sportlichen Führung optimal arbeiten können. Ich habe auch mit Martin Hiden, mit dem ich bei den Rapid-Legenden spiele, schon einige Male Kontakt gehabt. Wir haben unsere Vorstellungen ausgetauscht und ich bin froh, dass ihn Barisic als Scout zum Team dazu geholt hat. Rapid ist – wenn auch noch nicht sehr weit fortgeschritten – auf einem Weg der positiven Veränderung. Jeder hat gesehen, was alles falsch gemacht wurde. Man hat zu viele Trainer verbraucht und zu viele Sportdirektoren. Jetzt gilt es, Kontinuität zu zeigen, Rapid darf von dem Weg – auf dem sich der Verein jetzt befindet – nicht abkommen. Dafür fühle ich mich auch zuständig und auch dafür, dass permanent evaluiert wird, was wir besser machen können. Wir dürfen nicht nur vom Abstiegs-Playoff auf Platz vier springen. Es muss weiter nach oben gehen. Unser Ziel muss es immer sein, zwischen den Plätzen eins und drei zu liegen.

LAOLA1: Wo unterscheidet sich Martin Bruckner von Noch-Präsident Michael Krammer?

Willfurth: Martin ist ein ganz anderer Typ. Er ist offener für alle Ratschläge. Er ist vielleicht nicht so beratungsresistent wie Krammer und er will ehemalige Rapid-Spieler an den Verein binden, um die bekannten Tugenden und das Leitbild so schnell wie möglich auf allen Ebenen wieder zu leben. Offensive, Kampf, Mut, Zweikampfstärke, Schnelligkeit – alles, was das Rapid-Spiel immer ausgezeichnet hat, muss wieder zu sehen sein. Ich bin selber so ein Typ gewesen, der das verkörpert hat, dem das gefällt und das möchte ich auch weitergeben.

Textquelle: © LAOLA1.at

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