"Wenn Salzburg schwächelt, muss Rapid da sein"

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Günter Kaltenbrunner war von 1995 bis 1999 zwar nur insgesamt vier Jahre Präsident des SK Rapid Wien, gemessen an den sportlichen Erfolgen verlief seine Amtszeit allerdings erfolgreicher als es die kommenden 20 Jahre werden sollten.

„Wir wurden Cupsieger, Meister, standen im Europacup-Finale und in der Gruppenphase der Champions League“, erinnert sich der 75-Jährige im LAOLA1-Interview gerne an seine damalige Ära zurück.

Heute ist der ehemalige Rapid- und ÖFB-Teamspieler den Hütteldorfern als Beirat immer noch eng verbunden und dementsprechend „not amused“ über die aktuelle Situation bei den Hütteldorfern.

„Es läuft überhaupt nicht rund“, klagt Kaltenbrunner über die sportliche Talfahrt im vergangenen Jahr und zweifelt dabei vor allem an der Bundesliga-Tauglichkeit einiger Akteure: „Ich weiß nicht, ob wir die richtigen Spielertypen haben.“

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Warum er für die Zukunft trotzdem zuversichtlich ist, wie sich Rapid gegenüber Salzburg positionieren sollte und wie er die Fan-Probleme in den Griff bekommen will, lest ihr in den folgenden Zeilen:

LAOLA1: Wie sehen Sie als ehemaliger Rapid-Präsident die aktuelle Situation in Hütteldorf?

Günter Kaltenbrunner: Es ist natürlich nicht lustig derzeit. Es läuft überhaupt nicht rund – das hat aber mehrere Gründe, die ich von außen allerdings auch nur bedingt kommentieren möchte.

LAOLA1: Eines der größten Probleme sind sicherlich die immer wieder auftretenden Konflikte mit den eigenen Fans. Wie hat sich das im Vergleich zu Ihrer Amtszeit in den 90er Jahren verändert?

Kaltenbrunner: Es ist eigentlich überhaupt nicht zu vergleichen. Wir hatten zu den Fans damals ein gutes Verhältnis und wir haben uns auch immer wieder mit ihnen abgesprochen. Das ist auch wichtig, um den Fans mitzuteilen, was das Präsidium will und in welche Richtung es gehen soll. Es war aber nie so, wie es jetzt der Fall ist. Wobei man nicht alle Fans in einen Topf werfen darf. Unsere Fans haben damals in Brüssel (Anm.: Europacup-Finale gegen Paris Saint-Germain) bewiesen, dass sie eine tolle Werbung für den österreichischen Fußball machen können. Sie haben eine Stunde nach dem verlorenen Finale gegen Paris noch gefeiert und das wurde damals auch in allen Gazetten gespielt.

LAOLA1: Sind die Fan-Probleme von Rapid ein vereinsspezifisches oder ein neuzeitliches Phänomen?

Kaltenbrunner: Ich glaube, dass es in Europa kein Einzelfall ist. Auch in Deutschland hat man immer wieder mit derartigen Problemen zu kämpfen. Ob man etwas versäumt hat, wage ich nicht zu sagen. Man kann natürlich immer etwas besser machen. Der Verein bemüht sich sehr. Mir fällt immer nur auf, dass oft gesagt wird „Ja, das ist zu verurteilen, aber…“ Und dieses „aber“ nehmen viele dem Verein übel, denn eigentlich sollte es kein „aber“ geben.

LAOLA1: In Bälde beginnt die Suche nach einem neuen Rapid-Präsidenten. Ein Job, den Sie selbst einmal innehatten.

Kaltenbrunner: Es ist ein herausfordernder, toller Job, der aber auch sehr mühsam ist und durch die Ansprüche, die Rapid hat, gar nicht so einfach zu vollziehen ist. Ich hatte in meinen vier Jahren Glück: Wir wurden Cupsieger, Meister, standen im Europacup-Finale und in der Gruppenphase der Champions League.

LAOLA1: Wie sieht das Anforderungsprofil des Rapid-Präsidenten aus?

Aus meiner Sicht ist es kein Nachteil, wenn der zukünftige Präsident Fußball-affin ist, also schon aus der Welt des Fußballs kommt. Dadurch kann er viele Dinge schon im Vorfeld richtig abschätzen und eine eigene Meinung dazu haben.

Anforderungsprofil des Rapid-Präsidenten

Kaltenbrunner: Er muss die besten Rahmenbedingungen für den Verein schaffen. Aus meiner Sicht ist es kein Nachteil, wenn er Fußball-affin ist, also schon aus der Welt des Fußballs kommt. Dadurch kann er viele Dinge schon im Vorfeld richtig abschätzen und eine eigene Meinung dazu haben. Es muss aber nicht unbedingt sein. Wenn er sich die besten Köpfe als Direktoren holt und die machen einen tollen Job, dann funktioniert das auch. Bei Bayern ist es so, dass viele ehemalige Fußballer eine führende Rolle spielen und zwar eine ausgesprochen gute Rolle. Ich glaube aber nicht, dass das wirklich ein Muss ist.

LAOLA1: Welche Namen würden Sie als zukünftige Rapid-Präsidenten favorisieren?

Kaltenbrunner: Das sind eh jene Namen, die schon seit Wochen durch die Medien geistern.

LAOLA1: Zwei in der Vergangenheit genannte Präsidentschafts-Kandidaten, Hans Peter Doskozil und Michael Tojner, haben ihre Mitgliedschaft im Beirat ruhend gestellt, weil sie aufgrund einer Wohnbauangelegenheit im Burgenland vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung stehen. Das dadurch entstandene Außenbild ist für Rapid nicht gerade optimal.

Kaltenbrunner: Da haben Sie vollkommen recht. Man muss aber schon dazu sagen, dass es mit dem Verein absolut nichts zu tun hat. Hier geht es um ganz andere Themen, die hier strafrechtlich verfolgt werden. Deshalb kann ich das auch nicht mit dem Fußball verbinden. Beide Herren unterstützen Rapid, wo sie nur können, aber mit dem Verein hat die ursächliche Problematik dieser Sache nichts zu tun. Es ist aber nicht lustig, wenn die beiden deshalb in den Medien sind.

Kaltenbrunner traut Kühbauer viel zu
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LAOLA1: Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Rapid? Was ist bei diesem Verein überhaupt realistischerweise zu erwarten?

Kaltenbrunner: Er kann immer noch viel schaffen. Ich bin mir sicher, dass in naher Zukunft endlich wieder einmal Ruhe einkehrt – das wäre einmal ganz wichtig. Ich glaube auch fest daran, dass der Didi Kühbauer einen wesentlichen Anteil daran haben wird, dass es wieder in die richtige Richtung gehen wird. Ich will dem Geschäftsführer keine Vorschriften machen, was er alles besser machen kann. Die machen einen guten Job, sportlich ist es aber natürlich ein Problem, weil es einfach nicht rund läuft. Ich weiß nicht, ob wir die richtigen Spielertypen haben. Das ist aber eine Vernachlässigung aus der Vergangenheit. Man wird im Sommer sehen, was sich ändern wird.

LAOLA1: Haben die Spieler vielleicht ein Problem damit, mit dem von den Fans und dem Umfeld erzeugten Druck nicht klarkommen?

Kaltenbrunner: Mag sein, aber wenn das so ist, wird ihnen das überall passieren. Man muss so selbstbewusst sein, dass man auch nach einem schlechten Spiel von sich selbst weiß, was man kann und im nächsten Spiel wieder topfit ist. Die Fans gehen ja nicht wegen einem schlechten Spiel auf einen los – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wenn das bei einem Spieler oder Trainer über Monate hinweg der Fall ist, werden sie natürlich laut. Das kann man nicht verhindern.

LAOLA1: Ein sensibler Spieler wird das allerdings nur schwer lernen können, sich davon nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.

Kaltenbrunner: Man muss das übertauchen können. Wenn ich auswärts spiele, werde ich auch nicht liebevoll empfangen, sondern beschimpft.

LAOLA1: Trotzdem hat man bei manchen ehemaligen Rapid-Spielern das Gefühl, dass sie nach dem Weggang von Rapid wesentlich befreiter aufspielen konnten, als es davor in Hütteldorf der Fall war. Als ob ein Riesendruck von ihnen abgefallen wäre.


Kaltenbrunner: Das mag schon sein. Aber sobald er einmal beim neuen Verein nicht mehr spielt, wird er den Druck bald wieder haben. Als Spitzensportler muss man mit Druck umgehen können. Im Training super Leistungen zu zeigen, ist schön gut, aber wenn man das im Match nicht umsetzen kann, weil man sich durch Grölereien und Beschimpfungen aus dem Rhythmus bringen lässt, dann ist man nicht in der Lage, große Leistungen zu bringen.

LAOLA1: Mit Salzburg hat man in der österreichischen Liga derzeit einen starken und vor allem finanziell sehr gut aufgestellten Konkurrenten. Wie kann sich Rapid mittel- und langfristig in der Bundesliga positionieren?

Kaltenbrunner: Es wird schwer, sich mit Salzburg zu vergleichen. Rapid will das aber auch gar nicht, weil Rapid ein Verein für die Mitglieder ist. Der Verein ist nicht abhängig von einem Sponsor oder einer einzigen Person – so eine Situation ist ja auch nicht gerade ungefährlich. Salzburg ist weit voraus. Rapid kann und wird in die Nähe kommen. Es muss auch das Ziel sein, immer der erste Herausforderer von Salzburg zu sein. Es wäre der falsche Ansatz zu sagen, dass man die Salzburger eh nicht erreichen wird. Wenn die einmal schwächeln, muss Rapid da sein! Das ist im Moment nicht der Fall, ich bin aber guten Mutes, dass die Weichen gestellt sind, wir im Sommer schon mehr wissen und es dann wieder aufwärts geht. Davon bin ich überzeugt.

LAOLA1: Würden Sie die Situation zwischen Bayern und Dortmund mit jener von Salzburg und Rapid vergleichen?

Kaltenbrunner: Der Vergleich mag oberflächlich stimmen. Ich kenne aber die Interna bei Dortmund nicht. Ich bewundere den BVB, dass er es immer wieder schafft, ohne dem großen Riesen-Sponsor eine tolle Mannschaft aufzustellen. Wie sie das schaffen, weiß ich leider auch nicht. Ich kann nur sagen: Hut ab!

Textquelle: © LAOLA1.at

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