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Kameri: "Will Rangnick zeigen: 'Der Junge möchte zur EM'"

Der 19-Jährige hat in seinem zweiten Profijahr viel vor, gleichzeitig aber auch harte teaminterne Konkurrenz zu überwinden. Dijon Kameri im LAOLA1-Interview:

Kameri: Foto: © GEPA

Im April 2023 feierte Dijon Kameri seinen 19. Geburtstag. Dennoch gibt es im aktuellen Kader des FC Red Bull Salzburg nur einen Spieler, der länger als der Teenager durchgängig ein "Bulle" ist: Der 36 Jahre junge Andreas Ulmer.

Kameri wurde als Kleindkind von einem Scout der Mozartstädter bei einem Kindergarten-Turnier entdeckt und zu einem Probetraining eingeladen. Der Rest ist Geschichte.

"Gleich nach dem ersten Probetraining haben sie gesagt, dass ich auf jeden Fall dableiben muss. Seit der U7 habe ich jeden Jahrgang durchgemacht, bis zum FC Red Bull Salzburg", erinnert sich der Mittelfeldspieler bei einem Besuch von LAOLA1 im Red Bull Trainingszentrum in Taxham mit Stolz an seine Anfänge zurück.

Mittlerweile ist der ÖFB-U21-Teamspieler Champions-League-erprobt und darf sich nach einer starken Debütsaison im Profifußball österreichischer Fußball-Meister nennen. Für die Saison 2023/24 sind die Ziele des hochtalentierten Salzburgers dementsprechend groß.

"Das ist schon etwas Geiles, als Salzburger bei Red Bull Salzburg zu spielen"

Nachdem Nicolas Seiwald den Verein in Sommer Richtung RB Leipzig verließ, steht kein Spieler im Kader des österreichischen Serienmeisters so eindrücklich für den Salzburger Weg wie Kameri.

Der österreichische Nachwuchsteamspieler genoss nicht nur seine gesamte fußballerische Ausbildung in der Red Bull Akademie, sondern tat dies auch noch als gebürtiger Salzburger. Im Salzburger Stadtteil Maxglan aufgewachsen, benötigte er nie ein Internatszimmer in der Akademie, pendelte stattdessen von seinem Elternhaus zu den Trainings- und Schuleinheiten.

"Ich bin hier in Salzburg geboren und aufgewachsen. Das ist schon etwas Geiles, als Salzburger bei Red Bull Salzburg zu spielen. Das macht mich stolz", grinst er. Und man nimmt ihm diese Worte ab.

Ein Salzburger Pressingmonster, wie es im Buche steht

Kameri lebt gerade seinen Bubentraum, auf den er sein gesamtes bisheriges Leben hingearbeitet hat. Er wirkt sehr bodenständig, gleichzeitig aber total fokussiert auf seine Karriere.

Anders als die meisten anderen Menschen in seinem Alter hat er noch keinen Schluck Alkohol in seinem Leben getrunken, soziale Medien spielen für ihn kaum eine Rolle. Die App TikTok sucht man auf seinem Smartphone vergeblich, seinen Instagram-Account hat er auf privat gestellt. Stattdessen darf bei keiner Auswärtsreise sein iPad fehlen, auf welchem ständig die Anime-Kultserie Naruto Shippuden läuft.

Mein Ziel ist, jeden Tag besser als gestern zu sein. Dafür arbeite ich und gebe ich im Training immer alles.

Dijon Kameri

Auch fußballerisch merkt man ihm dem Fokus auf das Wesentliche an. Obwohl Kameri über grandiose technische Anlagen verfügt, verlässt er sich nicht auf sein Talent. Seine größte Stärke auf dem Fußballplatz ist nämlich seine Unnachgiebigkeit im Gegenpressing - und sowas kann man sich nur antrainieren.

"Ich glaube schon, dass ich von Haus aus ein sehr laufstarker Spieler bin. Aber natürlich macht es etwas aus, wenn man seit der U7 hier in Salzburg, wo das Pressing die Philosophie ist, spielt", so der Dauerläufer. 

Sein Credo: "Mein Ziel ist, jeden Tag besser als gestern zu sein. Dafür arbeite ich und gebe ich im Training immer alles."

Rückenwind einer starken Debütsaison

Unter anderem dank dieser Mentalität schaffte Kameri bereits in der Vorsaison den Durchbruch im Profifußball. Nachdem er die Salzburger U19-Mannschaft 2022 mit starken Leistungen ins Finale der UEFA Youth League führte und daraufhin bei der Sommervorbereitung der Profis ebenfalls überzeugte, wurde er von Ex-"Bullen"-Coach Matthias Jaissle beim ersten Gruppenspiel der Champions League 2022/23 gegen den AC Milan mit einem Platz in der Startelf belohnt.

Kameri, der wenige Wochen davor noch für den FC Liefering in der Admiral 2. Liga auflief, spielte mutig auf und lief die Mailänder Stars bis zu seiner Auswechslung nach rund einer Stunde frech an.

Nach Schlusspfiff wurde er gefragt, wie es denn gelänge, innerhalb kürzester Zeit mental den Switch von der 2. Liga zur "Königsklasse" hinzubekommen. Seine lapidare Antwort: "Da verändert sich bei mir nicht viel. Ich will immer nur mein Bestes geben und es so weit wie möglich schaffen."

Schlussendlich absolvierte Kameri in seiner Debütsaison 17 Einsätze für die erste Salzburger Mannschaft, vier davon in der Champions League. Grundsätzlich klingt das nach viel für einen Teenager, der Rechtsfuß hätte es aber auf noch viel mehr Spiele bringen können, wäre er nicht mit einer Schulterverletzung sowie anschließend Knieproblemen insgesamt mehrere Monate verletzt ausgefallen.

"Es war eine sehr gute, eine richtig geile Saison für mich. Es ist nicht leicht, von der 2. Liga hochzukommen und gleich so viel zu spielen. Ich glaube, ich habe es ganz gut gemacht, bin auch stolz auf mich", so der Rückblick auf die Saison 2022/23. Die Verletzungen hätten ihn zwar ein wenig zurückgeworfen, er sei aber besser zurückgekommen.

Kein Platz auf der Lieblingsposition?

Die Vorfreude auf die neue, bereits begonnene Spielzeit "ist riesig. Ich will noch öfter zeigen, was ich kann". In den ersten beiden Saisonspielen der Mozartstädter kam Kameri jeweils als Joker zum Einsatz, traf beim Saisonauftakt im ÖFB-Cup in Ardagger nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung.

Einen Stammplatz, welchen er im entscheidenden Finish der Vorsaison bereits zeitweise innehatte, wird sich Salzburgs Nummer 8 unter Neo-Coach Gerhard Struber aber erst erarbeiten müssen.

Seine Lieblingsposition befindet sich hinter den schnellen Salzburger Spitzen, auf der Zehn: "Das ist meine Position. Dort kann ich mich am besten entfalten und zeigen, was ich kann."

Dort herrscht mit Nene Dorgeles, der in den ersten beiden Saisonspielen zwei Mal auf dieser Position begann, Israels Supertalent Oscar Gloukh, dem rekonvaleszenten Luka Sucic und womöglich auch Sekou Koita allerdings enormer Konkurrenzkampf, weshalb Kameri wie bereits in der Vergangenheit wahrscheinlich vorrangig auf einer der beiden Achterposition in der Raute - sollte diese unter Struber beibehalten werden - zum Einsatz kommen wird.

Wenig überraschend ist das für ihn kein Problem: "Für einen jungen Spieler ist es wichtig zu spielen. Ich kann auch auf anderen Positionen spielen, das ist wichtig."

Kosovo? "Wäre falsch zu sagen, dass das kein Thema war"

Sein höchstes Saisonziel sei Stammspieler in der Mozartstadt zu werden; über die Anzahl der Scorerpunkte am Ende der Saison macht er sich indes keine großen Gedanken: "Ich will einfach in jedem Spiel mein Bestes geben. Wenn es gut läuft, kommen die Scorerpunkte von alleine."

Ein weiteres Saisonziel gibt es allerdings schon noch: Die Teilnahme an der EM 2024 in Deutschland. "Es wäre ein Traum, bei der EM zu spielen. Das wäre eine große Ehre für mich, darauf arbeite ich auch hin."

Ein noch jüngerer Kameri im Einsatz für die ÖFB-U15
Foto: © GEPA

Kameri läuft seit jeher für österreichische Nachwuchsauswahlen auf, ist aktuell in der U21 zuhause. Aufgrund seiner Wurzeln wäre er aber auch für den Kosovo spielberechtigt. Ob das jemals ein Thema war?

"Es wäre falsch zu sagen, dass das kein Thema war. Sie sind schon jahrelang sehr an mir interessiert, wir stehen auch in Kontakt. Aber ich spiele seit der U15 für Österreich; für mich ist es eine große Ehre, für Österreich zu spielen. Aber natürlich ist das ein Thema, weil dort meine Wurzeln sind."

Kameri will sich "Fan" Rangnick empfehlen

Rot-weiß-rote Sorgen, Kameri an den kosovarischen Verband zu verlieren, könnten allerdings bereits bei der Bekanntgabe des neuen ÖFB-Teamkaders für die Länderspiele im September der Vergangenheit angehören.

ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick gilt als großer Fan des polyvalenten Mittelfeldspielers, hob ihn medial immer wieder lobend hervor und lud ihm zum ersten ÖFB-Perspektivspieler-Lehrgang im November des Vorjahres ein. 

"Wir haben ein gutes Verhältnis für die kurze Zeit, die wir gemeinsam hatten. Er hat mir gesagt, dass ich so weitermachen und immer zeigen soll, dass ich hier bin", erinnert sich Kameri an diesen Lehrgang zurück.

Er hofft, dass seine erste Nominierung für das ÖFB-Team nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt, will in Salzburg alles dafür geben, um dem Teamchef keine Wahl zu lassen: "Ich will gute Leistungen zeigen und mich für den Teamchef empfehlen, damit er sieht: 'Der Junge möchte dabei (bei der EM, Anm.) sein.'"

Ein hochgestecktes, mit Sicherheit aber nicht unerreichbares Ziel für den 19-Jährigen, der am Anfang einer ganz großen Karriere stehen dürfte.

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