So dramatisch wäre Abstieg für Wacker & Hartberg

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Der Abstiegs-Thriller bekommt in der 32. Runde der Bundesliga seinen finalen Akt.

Vor dem letzten Spieltag müssen noch der TSV Hartberg und der FC Wacker Innsbruck um den Abstieg in die HPYBET 2. Liga zittern.

Die Ausgangslage ist einfach: Der Tabellen-Letzte Wacker muss sein Heimspiel gegen den SV Mattersburg gewinnen und gleichzeitig auf einen Punkteverlust der Steirer gegen die Admira hoffen.

Welche weitreichenden Auswirkungen ein Abstieg für die beiden Klubs haben kann, verdeutlicht Wacker-Präsident Gerhard Stocker: "Wir müssen uns dann überhaupt überlegen, wie wir den Verein positionieren."

LAOLA1 hat mit Stocker und der Hartberg-Präsidentin Brigitte Annerl besprochen, wie dramatisch ein Abstieg für den jeweiligen Verein sein kann.

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Welche Auswirkungen hätte der Abstieg auf den Verein?

Eines ist klar: Bei einem Abstieg muss sich jeder Verein wieder neu aufstellen und einiges ändern. Vor allem finanziell macht die Liga-Zugehörigkeit einen großen Unterschied. Bei den Innsbruckern kommt noch ein weiteres Problem dazu.

Annerl: Natürlich sind finanzielle Einschnitte unvermeidlich. Wir können in Hartberg aber ganz gut damit leben. Wir hatten letztes Jahr, in der Aufstiegs-Saison, weniger Mittel, als wir heuer in der 2. Liga gehabt hätten. Parallel haben wir auch immer mit Bedacht gearbeitet, so dass das für uns gar kein Thema ist. Wir haben letztes Jahr auch die geringsten Mittel gehabt und den Aufstieg geschafft – das ist für uns kein Thema.

Stocker: Bei uns bedeutet der Abstieg eine Kettenreaktion. Vor allem, weil wir die Zweier-Mannschaft in der zweiten Liga haben. Da sind dann große Herausforderungen zu meistern. Die Westliga-Reform bedeutet, dass sie eigentlich in die vierte Liga absteigen müssen. Damit wird das ganze Konzept, dass wir für Tiroler Talente haben, in Frage gestellt und muss wieder neu aufgebaut werden. Beim Budget ist es wieder die Frage, wie weit es gelingt, einen Schulterschluss in Tirol stattfinden zu lassen und wir ein vernünftiges Budget aufstellen können. Ich sage nach wie vor, dass wir immer anbieten, mitzutun und wer mittut, ist gern gesehen. Wenn nicht, dann eben nicht. Ich sehe es als Herausforderung, mit dem zu arbeiten, was wir zur Verfügung haben. Wir müssen uns dann überhaupt überlegen, wie wir den Verein positionieren. Das werden wir dann rasch in der nächsten Woche unter Dach und Fach bringen.


Welche Auswirkungen hätte ein Abstieg auf die Fans?

Beim TSV Hartberg herrschte speziell nach dem Aufstieg und dem sensationellen Herbst Euphorie. Vor dem letzten Heimspiel können die Ost-Steirer einen durchaus beachtlichen Schnitt von 3.426 Zuschauern aufweisen. Beim FC Wacker Innsbruck gelang das weniger, durchschnittlich waren 4.630 Zuseher im Tivoli Stadion. Für eine Stadt wie Innsbruck nicht wirklich zufriedenstellend. Im letzten Saisonspiel versucht man noch mit diversen Fan-Aktionen die Leute ins Stadion zu locken.

Annerl: Wir haben in der ganzen Saison viele neue Fans dazugewonnen, das ist gar keine Frage. Aber im Grunde erleben wir jetzt eines, nämlich sie halten uns die Treue. Das hat uns auch stark gemacht. Ich gehe nicht davon aus, dass sich das dramatisch verändern würde.

Stocker: Man hat eh Indikatoren mit verkauften Abos und verkauften VIP-Paketen. Danach muss man sich richten und schauen, wie weit im Umfeld adaptiert werden muss.


Welche Auswirkungen hätte ein Abstieg auf die jeweilige (Fußball-)Region?

Klar ist, dass ein Bundesliga-Verein für jede Region einen Vorteil darstellen kann. Auch der Nachwuchs kann mit Vorbildern, die in der höchsten Spielklasse tätig sind, wohl besser aktiviert werden. Hier gehen die Meinungen wieder klar auseinander.

Annerl: Das ist für uns kein Thema. Wir haben immer schon ein sehr starkes Nachwuchsteam gehabt. Das war auch schon vor der höchsten Spielklasse so. Es ist hier über lange Zeit ein Umfeld geschaffen worden für unseren Nachwuchs.

Stocker: Es würde wehtun, dass es beim Weg, den wir in den letzten zwei Jahren vorgezeichnet haben, wieder einen großen Rückschritt geben würde. Dann müssten wir wieder neu aufbauen. Der Fußball wird immer weiter existieren, keine Frage. Man hat ja auch gesehen, dass die Akademie-Spieler jetzt bessere Alternativen haben, um in Tirol zu bleiben. Ansonsten geht es wieder los, dass die meisten Talente Tirol verlassen.


Welche Auswirkungen hätte ein Abstieg auf den Kader?

Bei beiden Team laufen mit Saisonende etliche Verträge aus. Die Zukunft der Spieler ist dementsprechend offen, beide Vereine wissen schließlich nicht, für welche Spielklasse sie planen sollen. Bei Hartberg nimmt man diese Situation aber sogar mit Galgenhumor.

Annerl: Ab Montag werden die Gespräche mit den Spielern geführt und gemeinsam die Zukunft geplant. Jetzt haben wir da gar nichts mehr gemacht, in den letzten Wochen ist die volle Konzentration auf die Spiele gelegen. Ab Montag haben wir dann Gewissheit. Wobei ich eines dazusagen muss: Wir haben heuer einen Riesenvorteil, wir haben eine Woche länger Zeit zu planen. Letztes Jahr haben wir die Lizenz erst am 29. Mai bekommen (lacht).

Wir werden sicher den Großteil des Kaders halten können. Es gibt aber ohnehin immer und überall Abgänge, wir sehen das in der gesamten Fußball-Welt. Es ist egal, welche Klubs das sind. Letztes Jahr hatten wir auch neun Abgänge, das ist so. Damit können wir ganz gut leben. Wir haben das gut kompensieren können, das wird auch wieder so sein.

Stocker: Die Herausforderung der letzten Tage und Wochen war, den Spielern klar zu machen, dass sie einfach diese Geduld aufbringen müssen. Jetzt die letzte Runde noch spielen, dann muss man sich ab nächster Woche sofort zusammensitzen. Hier ist wieder entscheidend, wie schnell wir die entsprechenden Signale bekommen, von den bestehenden Sponsoren, dass sie bereit sind, einen Weg mit uns mitzugehen oder nicht. Da brauchen die Spieler jetzt eine gewisse Geduld.

Wobei wir immer sagen, wenn ein Spieler ein anderes Angebot hat, werden wir darüber sprechen. Wir wollen niemanden etwas verbauen. Wir werden natürlich schauen, dass wir eine konkurrenzfähige Mannschaft halten können.


Welche Auswirkungen hätte ein Abstieg für Sie persönlich?

Dass bei einem sportlichen Misserfolg immer Köpfe rollen, ist im Fußball üblich. Demnach ist natürlich auch ein Rücktritt der Präsidentin oder des Präsidenten nicht auszuschließen. Wie sieht die Situation bei Hartberg und Wacker Innsbruck aus?

Annerl: Das war für mich nie ein Thema. Ich habe zum TSV Hartberg kommen dürfen, als sie in der Regionalliga waren. Das war für mich von Anfang an eine Herzensangelegenheit, auch wirtschaftlich ist da kein Interesse dahinter. Es war mir völlig egal, in welcher Spielklasse sich Hartberg befindet und das ändert sich auch nicht.

Stocker: Das sehe ich ganz nüchtern. Nach der nächsten Generalversammlung stehen Neuwahlen an. Das hängt immer davon ab, was sich in den nächsten Wochen tut. Da habe ich mir noch überhaupt keine Gedanken gemacht, weil ich natürlich schon Rahmenbedingungen im Kopf habe, unter denen es Sinn macht, hier weiterzumachen. „Weiterwurschteln“ hätte aber keinen Sinn. Und ich gehe immer noch davon aus, dass mittlerweile in Tirol klar ist, dass das, was in den letzten 16 Jahren gemacht worden ist, nicht das Gelbe vom Eis ist und auf andere Füße gestellt werden muss.


Welche Zielsetzung hätte man in der 2. Liga?

Dass Klubs in der ersten Saison nach dem Abstieg häufig Schwierigkeiten haben, sich in der neuen Liga zurechtzufinden, kann man häufig beobachten. Bei den beiden Vereinen geht wiederum Hartberg mit den deutlich optimistischeren Zielen in eine mögliche Zweitliga-Saison.

Annerl: Keine Frage, der sofortige Wiederaufstieg.

Stocker:Es geht wieder um nachhaltige Alternativen. Wenn man jetzt sagt, wir starten neu durch und der Weg, den ihr vorgezeichnet habt, ist der Richtige und wird unterstützt, dann ist es vielleicht ein kleiner Rückschlag und in ein, zwei Jahren sieht die Tiroler Fußball-Welt schon wieder ganz anders aus. Ist das nicht der Fall, dann muss man sich die Frage der Sinnhaftigkeit stellen.

Zum Beispiel könnten wir ein Zweitliga-Verein werden. Das hängt aber nicht nur von uns ab. Wir bemühen uns, keine Frage, sind aber so selbstkritisch, dass wenn das Bemühen nicht reicht, man die Konsequenzen ziehen muss.

Textquelle: © LAOLA1.at

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