Rapid-Youngster verändern alles

 

Oft ist der Funke Hoffnung näher als man glaubt.

Auch der SK Rapid hat sich nach einigen Ausflügen auf den Holzweg, wie es der abgelöste Rapid-Präsident Michael Krammer beschrieb, darauf besonnen, nicht so weit in die Ferne zu schweifen, sondern das Heil in der eigenen Nachwuchsarbeit zu suchen.

Mit Erfolg - wie spätestens der vergangene Herbst bewies. Mit den richtigen Personen an den Schalthebeln - Zoran Barisic als Sportdirektor und Didi Kühbauer als Trainer - wurde eine Basis geschaffen, um jungen Talenten die Möglichkeit zu geben, ihre Chance bei den Rapid-Profis zu nützen.

Diese sorgten für derartigen frischen Wind und konnten reüssieren, so dass die Wiener noch immer davon zehren und den eingeschlagenen Weg ohne Kompromisse weitergehen wollen. Das neue Konzept mit den Rapid-Youngsters verändert alles - im positiven Sinn, auch in der Vorbereitung auf das Frühjahr.

Neuzugänge sucht man vorerst bei Rapid II oder darunter, jene aufstrebenden Talente aus dem Herbst bekommen weiterhin ihre Chance und darüber hinaus sollen sogar noch neue Namen in der Kampfmannschaft auftauchen. Sogar die davor unter Fredy Bickel in ein enges Korsett gepresste Kader-Größe soll nach oben ausgeweitet werden.

Am liebsten würde Kühbauer alle in Frage kommenden Jungspunde mit ins Trainingslager nehmen, auch diesem Wunsch will Barisic nachkommen - sofern dies möglich ist und sich im Rahmen bewegt. Vor allem aber wurde innerhalb der Mannschaft ein Mechanismus in Gang gesetzt, der dem Kader nach Jahren der Fehlgriffe und Skepsis neues Leben einhaucht.

Rapids Jugend-Wahn: "Das hat nur positive Effekte"

Kapitän Stefan Schwab bringt es gegenüber LAOLA1 treffend auf den Punkt, was die Jugend-Offensive bewirkt hat:

"Es hat sich die Situation ergeben, dass sich viele Spieler verletzt haben und dann mussten die Jungen einfach in die Bresche springen. Die haben das dann sehr gut gemacht und haben es sich auch verdient, dass sie jetzt fester Bestandteil des Kaders sind, das haben sie sich erarbeitet. Das tut natürlich gut, das bringt viel Schwung in die Mannschaft rein, es ist ein Feuer da. Keiner kann sich ausrasten, der Konkurrenzkampf wird angekurbelt und das hat nur positive Effekte. Und für die Jungen ist es jetzt super, dass sie dabei sind. Aber sie dürfen sich jetzt nicht ausruhen und müssen weiter so Gas geben."

Schon beim Trainingsauftakt trudelte eine Vielzahl jener Spieler auf dem Platz ein, die im Herbst zumindest schnuppern oder sogar mehr durften. Auf diese Aufsteiger setzt Kühbauer weiterhin.

"Die Spieler, die im Herbst dabei waren, werden auch jetzt in der Vorbereitung dabei sein. Die Jungs haben jetzt wieder die Möglichkeit, sich zu zeigen, sich zu beweisen und es wird ihnen genauso wenig geschenkt wie den Arrivierten. Ich glaube, es wird sowieso ein bisschen enger, weil auch die arrivierten Spieler müssen jetzt Gas geben, damit sie unter den ersten Elf oder im Kader bleiben", behandelt der Chefbetreuer jeden Spieler gleich.

Kühbauer hat noch nicht genug, weitere Talente sollen folgen

Alle starten dem Vernehmen nach bei Null. Spieler wie Leo Greiml, Nicholas Wunsch, Adrian Hajdari, Yusuf Demir, Lion Schuster, Melih Ibrahimoglu, Dragoljub Savic, Kelvin Arase und der derzeit verletzte Dalibor Velimirovic haben bereits den ersten Step zu den Profis gemacht und dürfen sich für das Frühjahr beweisen.

Nicht auszuschließen ist jedoch, dass der eine oder andere Anwärter in den kommenden Wochen und Monaten noch dazu kommt. "Ja, die gibt es – ohne jetzt Namen zu nennen", bestätigt Barisic. "Es gibt sehr wohl Spieler, die die breite Öffentlichkeit jetzt noch nicht im Blickfeld gehabt hat, wir aber schon. Es gibt noch den einen oder anderen Spieler, der sehr interessant sein könnte, was die Zukunft beim SK Rapid in der Kampfmannschaft betrifft."

Diese Meinung teilt auch Kühbauer. "Der eine oder andere ist schon mehr ins Auge gestochen. Es wird sicher so sein, dass ich den einen oder anderen auch jetzt noch mittrainieren lassen werde und wir schauen werden, wie er sich präsentiert."

Dabei verrät Kühbauer auch zumindest einen Namen: Marko Bozic, ein 21-jähriger Stürmer von Rapid II, der unter die Lupe genommen werden soll. Trotz allem betont Kühbauer, dass es noch keiner der oben genannten Spieler geschafft hat. Erst jetzt gilt es, die ersten positiven Eindrücke zu bestätigen und sich einen Stammplatz zu erkämpfen.

"Bedeutet nicht, dass jeder Junge einen Freifahrtschein kriegt"

Die derzeitige Welle an Youngsters soll nicht bedeuten, dass nun jeder zum Zug kommt.

"Das bedeutet nicht, dass jeder Junge einen Freifahrtschein kriegt – also die müssen schon Leistung abrufen und werden auch vermehrt noch bei den Amateuren spielen. Und trotzdem ist es so, dass ein Junger, der gute Leistungen bringt, bei mir gute Chancen haben könnte. Aber geschenkt wird bei mir keinem was – das gibt es nur zu Weihnachten. Wie wir wissen, kommt das erst wieder in ein paar Monaten", scherzt Kühbauer.

Sehr wohl profitiert Rapid aber von den positiven Aspekten, welche die Integration der Eigenbauspieler mit sich bringt. Die Förderung und das Anheizen des internen Konkurrenzkampfs steht dabei sicherlich ganz weit oben. Auch für die gestandenen Profis, die jahrelang dabei sind, heißt das zusätzlichen Ansporn, um den Anschluss nicht zu verlieren.

"Ich glaube, generell musst du als Profi immer die Leistungsgrenze erreichen wollen. Für die jungen Spieler ist es natürlich ganz normal, dass sie mal in die erste Mannschaft kommen wollen. Ich denke, das ist ein gutes Zusammenspiel. Ich bin sehr zufrieden damit", kann Kühbauer der neuen Situation viel abgewinnen.

Youngster "wachsen keine Flügel", leichtere Integration als bei Legionären

Glaubt man den Aussagen der Beteiligten, ist es auch nicht zu befürchten, dass die Versprechen für die Zukunft nach den ersten Höhenflügen endgültig abheben.

"Nein, die Jungen, die in letzter Zeit hochgekommen sind, sind alle talentierte Burschen, die auch von der Mentalität und vom Kopf her sehr weit sind. Da gilt es eher mehr, die Legionäre zu integrieren, das ist immer ein bisschen schwieriger. Die Jungen aus dem eigenen Nachwuchs kennen den Verein in- und auswendig, da gibt es eigentlich sehr selten Probleme", bestätigt Kapitän Stefan Schwab, dem in der Integration der Neuen immer eine entscheidende Rolle zukommt.

Auch Kühbauer betont in seiner gewohnt direkten Art: "Die Buam haben sich nicht verändert. Es ist jetzt nicht so, dass jemand glaubt, dass ihm Flügel gewachsen sind." Gerade deshalb gilt es auch abzuwägen, wer dabei bleibt und wer nicht, denn der Trainer will, dass seine Schützlinge bei entsprechenden Leistungen auch zum Spielen kommen und nicht nur den Kader auffüllen.

Ein weiterer Beweis für die gute Nachwuchsarbeit war auch der zum Start ins neue Jahr eingefahrene Triumph beim Prestigeturnier beim Mercedes Benz Junior Cup in Sindelfingen, bei dem sich die Hütteldorfer U19-Auswahl gegen namhafte internationale Konkurrenz durchsetzen konnte und zum zweiten Mal nach 2016 gewann.

Eine unglaubliche Geschichte und ein Appell

Ein Hallenkick, meinen die einen. Und trotzdem mit immenser Bedeutung für die Grün-Weißen. "Eine gute Geschichte! Dass sie es jetzt gewonnen haben und Demir das zweite Mal in Folge bester Spieler wurde – das ist schon eine großartige Leistung. Aber ich glaube, die Wies’n ist für mich persönlich wichtiger, obwohl es eine unglaubliche Geschichte ist. Da muss man den Burschen schon ein großes Lob aussprechen", meint Kühbauer dazu.

Auch Barisic ist stolz auf das Geleistete: "Es ist nur Halle, aber okay. Auch in der Halle ist Fußball gespielt worden. Das ist für mich ein sehr schöner und großer Erfolg auf sehr hohem internationalen Niveau. Es macht uns als Klub natürlich stolz, noch dazu wenn man bedenkt, dass wir im Schnitt ein bis zwei Jahre jünger waren als alle anderen Altersgenossen. Von dem her ist dieser Hallen-Erfolg in Sindelfingen sehr hoch anzusiedeln. Es zeigt uns, dass wir im Nachwuchsbereich gute Arbeit geleistet haben bis jetzt, aber wir werden uns sicher nicht ausruhen, weitermachen und schauen, dass wir das Maximum herausholen."

Die Erfolge im jungen Alter bringen für "Zoki" jedoch auch Schwierigkeiten mit sich, etwa da sich junge Talente noch früher ins Rampenlicht bzw. in die Notizblöcke internationaler Top-Klubs spielen und es dadurch umso schwieriger wird, sie bis zum Profi-Durchbruch bei Rapid zu halten. Dadurch steigt jedoch das internationale Ansehen und finanzielle Einkünfte durch Spielerverkäufe.

Das Setzen auf die neuen Rapid-Juwelen verändert somit in vielerlei Hinsicht alles - und das ist durchaus eingeplant. Einen Appell von Barisic gibt es trotzdem: "Es ist ein Zeichen für andere junge Spieler, die in unserer zweiten Mannschaft oder auch U18 spielen, dass wenn sie gut sind und Leistungen bringen, immer wieder Chancen bekommen, in die Kampfmannschaft zu kommen. Die, die schon da sind, müssen schauen, dass sie ihren Platz behalten. Deshalb sind wir glücklich, über die momentane Situation, die uns auch recht gibt - nämlich in dem, was wir im Sommer vorgehabt haben, dass wir die Reset-Taste gedrückt haben, dass wir schauen, junge Spieler schnellstmöglich zu integrieren und man ihnen immer wieder Chancen gibt. Ich glaube, das haben sie ganz gut umgesetzt."

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Textquelle: © LAOLA1.at

Vertragsverlängerungen? Rapid kämpft um Leistungsträger

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