Rapids Nr.1 Paul Gartler: Karriere stand auf Kippe

 

Paul Gartler als Nummer 1 des SK Rapid? Damit hätte im Sommer nicht einmal der 23-jährige Steirer selbst in seinen kühnsten Träumen gerechnet.

Die Zukunft war ungewiss, der Vertrag im Sommer ausgelaufen, ehe doch noch Einigung über eine Verlängerung erzielt wurde. "Im Sommer war schon die Frage, wie es weitergeht. Bin ich noch beim Verein, in welcher Position bin ich beim Verein? Deshalb war es noch überraschender, dass es so schnell gegangen ist", lässt Gartler die Beförderung im LAOLA1-Interview Revue passieren.

"Ich war wirklich heilfroh, dass ich beim Verein bleiben durfte. Dann hat es mich noch mehr gefreut, dass klar kommuniziert wurde, dass ich als Nummer zwei in die Saison starten darf", verschwendete der U21-Torhüter aber keinen Gedanken an die Nummer 1, obwohl er schon im Sommer Richard Strebinger ersetzte, als dessen Rücken zwickte. Tobias Knoflach verließ den Verein.

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Der Weg an die Spitze war für das Rapid-Urgestein, das seit 2012 Grün-Weiß trägt, nicht immer einfach. Eine Kinderkrankheit war verantwortlich dafür, dass er sich überhaupt ins Tor stellte. Eine Schulter- und Kahnbeinoperation hätten die Karriere früh beenden können. Doch Gartler biss sich durch und genießt aktuell jede Sekunde im Tor der Hütteldorfer.

"Ich bin nur froh, dankbar und demütig, dass es so gut für mich läuft. Das ist nicht selbstverständlich. Nach der Schulter-, der Hand-Operation und diesem Sommer hätte auch alles in eine andere Richtung laufen können. Ich weiß zwar, wo ich herkomme und wie hart ich gearbeitet habe, aber ich weiß auch, welcher Prozentsatz Glück dabei war. Deswegen will ich nicht weit in die Zukunft schauen", weiß der Torhüter, wie schnelllebig der Fußball sein kann.

"Wenn der Trainer einem so den Rücken stärkt..."

Vier Spiele hintereinander durfte er mittlerweile sein Können unter Beweis stellen. Sein Talent zeigte er nicht nur gegen RB Salzburg, sondern auch in der Europa League.

Trotzdem sorgte sein "Ausrutscher" gegen Dundalk für Wirbel. Nicht, weil er spielentscheidend war und das Spiel 4:3 gewonnen wurde, sondern weil er sofort mit Kritik konfrontiert wurde, die Trainer Didi Kühbauer sogar öffentlich abschmetterte.


(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Diese Rückendeckung "gibt einem extrem viel", freut sich Gartler über die Verteidigung seitens des Chefcoaches und weiß, dass bei Rapid alles auf die Waagschale gelegt wird und man schnell entweder gefeiert, oder kritisiert wird.

"Aber es kann nicht immer perfekt laufen. Wenn der Trainer so zu einem steht, einem auch in der Öffentlichkeit so den Rücken stärkt und einem hilft - weil ich schon noch ein junger, unerfahrener Tormann bin - gibt das eine Riesen-Kraft", hakt der Keeper die unglückliche Aktion ab.

Von Jancker entdeckt, mit Rapid- und PSG-Erfahrung in der Familie

Verunsichern ließ er sich davon nicht. Nicht aufzugeben, war schon immer eine Stärke des Gleisdorfers, der es Ex-Rapid-Legende Carsten Jancker verdankt, dass er in Hütteldorf gelandet ist.

Der damalige Nachwuchsleiter wurde bei einem U15-Länderspiel auf ihn aufmerksam und überzeugte den Jungspund und seine Eltern von einem Standortwechsel aus der Sturm-Graz- in die Rapid-Akademie.

"Kahnbeinbruch – das war wie ein Schlag ins Gesicht. Das ist eine Verletzung für einen Tormann, die auch eine Karriere beenden kann. [...] Es gab Tage, wo ich mir gedacht habe: 'Ob ich mir das alles noch antue?' Das war schon eine zache Zeit."

Paul Gartler

Die Fußballer-Gene wurden ihm bereits in die Wiege gelegt. "Wir sind generell eine große Fußballerfamilie. Mein Opa war lange Zeit ein sehr erfolgreicher Trainer im steirischen Unterhaus, ein Onkel hat sehr erfolgreich, mein Vater hat durchschnittlich im Unterhaus gespielt."

Der bekannteste Verwandte ist jedoch Onkel Richard Niederbacher, der sich selbst als Stürmer die Fußballschuhe unter anderem für Rapid, Sturm Graz und sogar Paris St. Germain schnürte und vier Mal für das ÖFB-Nationalteam auflief. "Richard war ein ziemlich berühmter und guter Fußballer, aber auf meinen Wechsel zu Rapid hatte er keinen Einfluss."

Gartler fragte sich, ob er sich das alles noch antun soll

Nach acht Jahren bei den Grün-Weißen ist die Verbundheit zu Rapid dementsprechend groß, ein Abschied im Sommer hätte Gartler hart getroffen. "Das ist schon eine lange Zeit, in der richtig gute Freundschaften auch innerhalb des Vereins entstehen und man einfach sehr viele Leute kennt. Ich bin dem Verein sehr dankbar, habe sehr viele Chancen hier bekommen. Ich hatte aber nicht immer nur leichte Zeiten, das muss ich auch sagen. Aber im Großen und Ganzen ist Rapid irgendwie eine Herzensangelegenheit."

Nach dem schnellen Aufstieg als 15-Jähriger in der U18 bis zu Rapid II "passierten unterschiedliche Dinge, die vielleicht nicht so schnell weitergegangen sind".

Zuerst zwang ihn eine Schulter-Verletzung zu einer achtmonatigen Pause. Dann spielte er bei den Amateuren, trainierte erstmals mit den Profis und saß unter Mike Büskens sogar auf der Bank. Eineinhalb Jahre Leihe in Kapfenberg verhalfen Gartler dann zur nötigen Spielpraxis, ehe die Hiobsbotschaft kam.

"Dann kommst du von dort zurück und hast einen Kahnbeinbruch – das war wie ein Schlag ins Gesicht. Das ist eine Verletzung für einen Tormann, die auch eine Karriere beenden kann. Die Physiotherapeuten bei Rapid haben super Arbeit gemacht, extrem viel mit mir gearbeitet und immer positiv auf mich eingeredet, auch wenn es Tage gegeben hat, wo ich mir gedacht habe: 'Ob ich mir das alles noch antue?' Das war schon eine zache Zeit."

Hier gibt es alle Video-Clips zu Paul Gartler:
(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Kinderkrankheit führte zu Gartlers Karriere im Tor

Der Weg zurück war kein leichter, die Skepsis war groß. Gartler stagnierte als vierter bzw. dritter Goalie bei Rapid. In Norwegen und bei der SV Ried wurden Möglichkeiten ausgelotet, vielleicht doch woanders einen Neustart zu wagen.

"Das waren grundsätzlich keine Probetrainings, sondern die Vereine wollten knapp nach der Handverletzung schauen, ob die Hand hält, weil ein Kahnbeinbruch für einen Tormann eine schwierige Verletzung war", rückt Gartler Gerüchte ins rechte Licht, er hätte bei Probetrainings nicht bestanden. Interessant wären beide Vereine gewesen, doch die Treue zu Rapid war am Ende größer als die spärlichen Aussichten als Nummer zwei bei beiden Vereinen.

"Nach außen hin war ich immer sehr geduldig, aber innen drin war ich sehr ungeduldig. Vor allem meine Freundin kann ein Lied davon singen, dass ich da häufig sehr unentspannt war. [...] Da möchte ich mich jetzt noch öffentlich entschuldigen."

Paul Gartler

Die Verletzungen beeinflussten die Karriere in dieser Phase enorm, sie pflastern Gartlers Weg - seit der Kindheit. Dort war es jedoch viel mehr eine Krankheit, die im Nachhinein dazu führte, dass der Youngster überhaupt zum Torhüter avancierte.

"Ich habe bis zu meinem sechsten Lebensjahr als Libero gespielt. Ich habe dann mit sechs Jahren Morbus Reiter bekommen, eine Rheuma-Krankheit, die mich dann zwei Monate ins Spital gebracht hat. Die Ärzte haben lange nicht gewusst, was das ist, weil es sehr unüblich war, dass so ein junges Kind so eine Krankheit hat. Mein erster Trainer hat dann zu mir gesagt: 'Am Feld wird's schwierig, probier's mal im Tor'. Das ist meine kuriose Geschichte", blickt Gartler auf das Glück im Unglück zurück. Da er im Tor eine gute Figur machte, wollte er nie mehr hinaus und blieb bis heute seine große Leidenschaft.

Gianluigi Buffon war dabei immer schon Idol des Steirers: "Das war immer mein Vorbild, sein Spielstil hat mir immer extrem getaugt, auch wie er sich nach außen gibt und was er für eine Persönlichkeit ist. Ich glaube, es gibt nicht viele Menschen, die Buffon nicht mögen. Da kann man sich schon einiges abschauen."

Geduld nicht Gartlers Stärke: "Meine Freundin kann ein Lied davon singen"

Das Durchhaltevermögen und das Übertauchen diverser Rückschläge hat sich spätestens durch die Beförderung zur Nummer 1 bei Rapid bezahlt gemacht. Auch wenn einem der Aufstieg nicht schnell genug gehen kann, sieht Gartler darin auch Gutes.

Immerhin hatten die Grün-Weißen immer wieder auf ein aufkommendes Torhüter-Talent verwiesen und ihn höchstens verliehen. Geduld ist aber nicht unbedingt seine Stärke, wie er selbst zugibt - inklusive Entschuldigung:

"Nach außen hin war ich immer sehr geduldig, aber innen drin war ich sehr ungeduldig. Vor allem meine Freundin kann ein Lied davon singen, dass ich da häufig sehr unentspannt war. Anderen Menschen gegenüber habe ich immer gesagt, dass alles passt. Aber die Freundin hat da vielleicht ihr Fett abbekommen. Da möchte ich mich jetzt noch öffentlich entschuldigen."

Der Beziehung tat dies jedoch keinen Abbruch, ebenso wenig wie jener zu Rapid, wo immer der nächste Tag zählt.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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