Der LASK in der Krise! 5 Gründe für den Fehlstart

Der LASK in der Krise! 5 Gründe für den Fehlstart Foto: © GEPA
 

"Durch die internationalen Erfolge, die großartigen Leistungen, vor allem im Grunddurchgang, und den anstehenden Stadionbau ist der LASK für mich als Linzer eine Riesenchance, die ich nicht noch einmal ablehnen konnte. Ich bin von diesem Projekt absolut überzeugt und bedanke mich beim Präsidium, dass sie mir hier die volle sportliche Verantwortung übertragen. Ich werde sorgsam und mit vollem Einsatz mit dieser Verantwortung umgehen."

Mit diesen Zeilen stellte sich Dominik Thalhammer am 11. Juli 2020 bei den Fans des LASK vor. Mit ihm als Trainer und Sportdirektor in Personalunion sollte der Schritt von der unter Oliver Glasner entwickelten "Pressing-Maschine" zu einer Mannschaft, die auch in eigenem Ballbesitz Akzente setzen kann, gelingen. Knapp 14 Monate später ist das „Projekt“ Thalhammer in der oberösterreichischen Landeshauptstadt gescheitert.

<<<UPDATE: Der LASK trennt sich am Montag von Trainer Thalhammer>>>

Unter Oliver Glasner noch Vize-Meister, mit Valerien Ismael lange auf Meisterkurs, dümpelt das Team aus der Stahlstadt aktuell im Tabellen-Keller. Sechs Punkte aus sieben Liga-Spielen, nur fünf erzielte Treffer, Tabellen-11. – keinesfalls der Anspruch, der mittlerweile in Linz herrscht.

Aber nicht der Trainer alleine ist schuld an der Linzer Misere. LAOLA1 nennt fünf Gründe, wieso der LASK aktuell nicht wie gewohnt performt.

1) Chancenverwertung

Dass der LASK in der bisherigen Saison nach Liga-Dominator RB Salzburg die zweitmeisten Chancen kreiert, ist bekannt. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass die Linzer mit fünf Toren in sieben Spielen die wenigsten Treffer aller Klubs in der Admiral Bundesliga erzielt haben.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Die ehemals gefürchtete Stärke bei Standards ist abhanden gekommen, einige Leistungsträger laufen ihrer Form schon längere Zeit hinterher. Fakt ist aber, dass sich der LASK das Leben oft selbst schwer macht.

Gegen die WSG Tirol (1:1), Sturm Graz (1:3), Hartberg (1:1) und die SV Ried (0:1) waren die Oberösterreicher jeweils mindestens ebenbürtig, meist sogar die dominante Mannschaft. Dass es in all diesen Spielen nicht zum Sieg reichte, hatte man einzig und allein der eigenen Schwäche vor dem gegnerischen Kasten zu verdanken.

Vor allem ein verlässlicher Goalgetter, wie es vergangene Spielzeit noch Johannes Eggestein war, fehlt derzeit. Es mangelt nicht an genügend Kandidaten, Marko Raguz, Christoph Monschein oder Alexander Schmidt konnten sich aus unterschiedlichen, vor allem körperlichen Gründen jedoch noch nicht wie erhofft in Szene setzen.

Tabellenrang 11 ist daher auch hausgemacht, denn auf den Tabellen-4. fehlen im extrem umkämpften Liga-Mittelfeld nur zwei Punkte. Die wären aus den oben genannten Spielen recht locker zu holen gewesen.

2) Identität verloren

Oliver Glasner implementierte in seiner Amtszeit als LASK-Trainer der Mannschaft eine unverwechselbare Spielweise. Ähnlich radikal wie Liga-Primus RB Salzburg pressten die Athletiker die Gegner reihenweise in Grund und Boden.

Nach zwei Jahren in der 2. Liga folgte die langersehnte Rückkehr in die Bundesliga, der Umstieg bereitete keinerlei Schwierigkeiten, weil die Mannschaft funktionierte. Jeder Spieler wusste genau, was er im Glasner-System zu tun hatte, der LASK schrieb ausschließlich positive Schlagzeilen. Nach dem Glasner-Abschied führte Valerien Ismael den eingeschlagenen Weg nahtlos fort, Thalhammer sollte dem Spiel eine neue spielerische Note verleihen.

Davon ist aktuell wenig zu sehen. Der LASK wirkt zahnlos, unentschlossen. Vorbei die Zeiten, in denen die Linzer scheinbar übermächtigen Gegnern mit forschem Auftritt Probleme bereiteten (Stichwort Tottenham). Von der ehemals so breiten Brust ist wenig übrig geblieben, die Niederlage gegen die Wiener Austria glich einem Offenbarungseid. Thalhammer - sollte er in Amt und Würden bleiben - wird gefordert sein, der Mannschaft wieder einen klaren Plan mit auf den Weg zu geben. Aktuell ist das Auftreten der Mannschaft weder Fisch noch Fleisch.

(Artikel wird unter VIDEO fortgesetzt)

3) Personeller Umbruch

Dass, wie in Punkt 2 angeführt, nicht alle Spieler genau wissen, was sie am grünen Rasen zu tun haben, hat aber auch mit dem Verlust einiger Leistunsgträger zu tun. Den Abgang von Abwehrchef und Identifikationsfigur Gernot Trauner können die Athletiker bis dato überhaupt nicht auffangen.

Der als Trauner-Ersatz verpflichtete Dario Maresic scheiterte bislang krachend und ist mittlerweile nur mehr Nummer sieben im internen Verteidiger-Ranking. Sportlich schwer wiegt außerdem der Abgang von Dauerläufer Reinhold Ranftl, den es in die 2. deutsche Bundesliga zu Schalke 04 zog. Immerhin sein Ersatzmann Florian Flecker funktionierte schnell und ersetzt Ranftl bisher recht passabel.

Weil neben Andres Andrade auch Christian Ramsebner den LASK verließ, hat der LASK vor allem ein Führungsspieler-Problem. Trauner war der unumstrittene Leader des Teams, Ranftl und Ramsebner erfahrene Spieler, deren Worte in der Kabine Gewicht hatten.

Dass man diese nicht ohne Weiteres ersetzen kann, muss die LASK-Führungsriege jetzt schmerzvoll mitansehen. Dazu kommen einige Verletzungen und viel neues Personal in der Offensive. Die Mannschaft muss es schleunigst schaffen, eine Hierarchie innerhalb des Teams herzustellen. Erst dann wird es - um es in den Worten von Neo-Kapitän Alexander Schlager zu sagen - wieder "geschmeidig" laufen.

4) Defensivprobleme

Der Abgang von Trauner wurde bereits angeschnitten. Er war das Herz und das Hirn des Linzer Spiels. Ex-Trainer Oliver Glasner lobte ihn in einem LAOLA1-Interview als "besten österreichischen Spieler im Zentrum einer Dreierkette". Dessen Abgang aufzufangen, kann nur im Kollektiv gelingen, das war auch den Verantwortlichen klar.

Dass dies derzeit überhaupt nicht funktioniert, ist auch dem Verletzungsteufel zu verdanken. Sind Philipp Wiesinger und Petar Filipovic fit, steht die Defensive zumindest ordentlich, Neuzugang Yannis Letard zeigte vielversprechende Ansätze. Auch die Rückkehr von Andrade sorgte kurz für Hoffnung, der Mann aus Panama wechselte aber Last-Minute noch zu Arminia Bielefeld in die deutsche Bundesliga.

Weil gegen die Wiener Austria Wiesinger, Filipovic und Letard verletzungsbedingt ausfielen und Maresic nach einigen Fehlern momentan überhaupt keine Rolle spielt, bildete gegen die "Veilchen" Youngster Jan Boller gemeinsam mit dem zunächst abgestempelten, dann doch wieder gebrauchten James Holland und Rückkehrer Felix Luckeneder die, vor allem in der Anfangsphase völlig überforderte, Abwehrkette.

Es wird daher sicher noch einige Zeit dauern, bis der LASK wieder über eine eingespielte und stabile Dreierkette verfügt. Vor allem Wiesinger wird dann die wichtige Rolle zukommen, als Abwehrchef zu fungieren und so gut es geht, in die (großen) Fußstapfen von Trauner zu schlüpfen.

5) Nebengeräusche

Baustellen gibt es in Linz aber nicht nur auf dem Spielfeld. Da wäre zum einen noch das Stadion-Projekt Raiffeisen-Arena, das einfach nicht aus den Schlagzeilen verschwinden will. Der Baubeginn lässt weiter auf sich warten, die anfangs kommunizierten Kosten können wohl nicht eingehalten werden und zu allem Überfluss sieht sich der LASK mit der Klage eines ehemaligen Bauleiters konfrontiert.

Aber nicht nur das neue Stadion sorgt für Unruhe, auch der Rücktritt von Vize-Präsident Jürgen Werner im Zuge der Bundesliga-Ermittlungen wegen Transfer-Ungereimtheiten warf kein gutes Licht auf die Oberösterreicher. Immerhin wurde man hier von der Bundesliga freigesprochen.

Man wird den Eindruck nicht ganz los, dass sich der LASK mit den unerlaubten Corona-Trainings 2020 selbst aus dem Tritt brachte und diesen in den folgenden eineinhalb Jahren nicht mehr so richtig fand.

Präsident Siegmund Gruber und Co. stehen hier in der Verantwortung, wieder ein ruhigeres Umfeld zu schaffen und keine weiteren Störfeuer zu entfachen. Davon gab es in der jüngsten Vergangenheit bereits zu viele und diese haben mit Sicherheit nicht dazu beigetragen, dem LASK Sympathiepunkte zu verschaffen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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